BLEIERNE HITZE

Baru, Jean Vautrin

Der 1933 geborene französische Autor Jean Vautrin hat seit den Sechzigern die Vorlagen für zahlreiche Filme und Comics geliefert, und führte darüber hinaus auch selbst Regie, etwa bei „Bei Bullen ‚singen‘ Freunde nicht“ mit Charles Bronson und Alain Delon.

Bereits Jacques Tardi hatte sich mit „Die Macht des Volkes“ Vautrin angenommen, recht spät adaptierte sein Landsmann Hervé Barule jetzt dessen Roman „Canicule“ von 1982, der bereits zwei Jahre später von Genre-Spezialist Yves Boisset verfilmt wurde.

Hierzulande ist er als „Dog Day – Ein Mann rennt um sein Leben“ bisher nur auf VHS veröffentlicht worden. Eine höchst bizarre Geschichte, in der ein amerikanischer Gangster namens Jimmy Cobb mit der Beute aus einem Bankraub auf einer Farm im französischen Hinterland Unterschlupf findet, verfolgt von Polizei und anderen Kriminellen.

An sich nimmt Cobb an, sein größtes Problem seien seine Verfolger, doch auf der Farm wird er mit einer moralisch völlig verkommenen Sippe konfrontiert, die es ebenfalls auf sein Geld abgesehen hat.

Boisset hatte hier anscheinend eine Mischung aus klassischem Gangsterfilm und böser gesellschaftskritischer Groteske im Sinn, eine grundsätzlich sehr interessante Studie über Formen menschlicher Gier und Bösartigkeit, aber irgendwas ging bei der Umsetzung wohl ziemlich schief, trotz einer exzellenten Besetzung, darunter Lee Marvin (in einer seiner letzten Rollen), Miou-Miou, David Bennent und Jean Carmet.

Insofern gar nicht schlecht, dass Baru sich jetzt noch mal der interessanten Geschichte annahm, die dadurch moralisch nicht weniger fragwürdig ausfällt. Visuell ist der Franzose eh immer ein Genuss, aber auch erzählerisch bringt seine Umsetzung Vautrins provokanten Roman deutlich besser auf den Punkt.