22 STRATEGIEN FÜR DIE ERFOLGREICHE GRÜNDUNG EINER ROCKBAND

Ian F. Svenonius

Na ja, einfach mal (aus Marketinggründen?) ein Adjektiv einfügen und ein weiteres an einer anderen Stelle einfach weglassen? Dann auch noch Rock’n’Roll mit Rock gleichsetzen? „22 Supernatural Strategies for Making a Rock’n’Roll Group“ seitens des Verlags so zu übersetzen, ist schon ein wenig gewagt.

Manchmal ist es wohl besser, wenn man das Original nicht kennt, denn auch im weiteren Verlauf des Buchs finden sich immer wieder recht frei ausgelegte Stellen, die ohne entsprechendes Vorwissen allerdings nicht weiter auffallen.

Aber das ist jetzt wahrscheinlich eine Grundsatzfrage. Das Gros des Inhalts ist definitiv wiedererkennbar: Das Thema Band(gründung) an sich dient eigentlich nur als Aufhänger für eine Svenonius-typische Mischung aus ernsthaften, oft historisch-politisch eingefärbten Abhandlungen, reißerischem Nonsens und ironisch-sarkastischen Passagen mit dem gemeinsamen Bezugspunkt Popkultur.

Was wie zu deuten ist, bleibt dem Leser überlassen, denn ganz klar lassen sich diese Bereiche nur selten voneinander trennen. Und dass Svenonius’ zahlreiche Wortspiele in der deutschen Fassung häufig verloren gehen, lässt sich tatsächlich kaum vermeiden.

Darum wird seine Essaysammlung „The Psychic Soviet“ wohl auch weiterhin unübersetzt bleiben. Schade eigentlich. Aber nachvollziehbar. Vielleicht traut sich ja jemand da draußen? Mit diesem schönen Buch im griffigen hellblauen Leineneinband hat der Metrolit Verlag schon mal den ersten Schritt zur Schließung der Lücke getan.

Fazit: Kaum zu glauben, es darf über Popkultur nachgedacht, philosophiert, gelabert und gelacht werden. Politisch sein kann man dabei auch noch. Feine Sache. Diedrich Diederichsen kann einpacken.

Wurde aber auch Zeit.