LONE SURVIVOR

Betracht man den Anfang und das Ende von Peter Bergs „Lone Survivor“ isoliert vom Rest, kann es sich hier nur um patriotische Heldenverehrung übelster Art handeln. Offenbar musste nach Paul Greengrass’ erfolgreichem „Captain Phillips“ eine weitere wahre amerikanische Helden-Geschichte im Doku-Thriller-Stil her.

Die Grundlage für „Lone Survivor“ lieferte dabei eine gescheiterte U.S. Navy SEALs Operation namens Red Wings, bei der Mitte 2005 der Taliban-Führer Ahmad Shah von vier Soldaten eliminiert werden sollte.

Nur Marcus Luttrell (gespielt von Mark Wahlberg) überlebte diesen Einsatz, auf dessen Augenzeugenbericht „Lone Survivor“ auch im Prinzip basiert. Gerade außerhalb Amerikas sah man in „Lone Survivor“ vor allem schwer erträglichen „plumpen Hurra-Amerika-Militarismus“ und eine „propagandistische Ode an die Navy SEALs“.

Das Interessante an „Lone Survivor“ ist aber, dass er genau das eigentlich gar nicht ist – ob nun gewollt oder nicht. Sieht man mal davon ab, dass die im Mittelpunkt stehenden Navy SEALs-Mitglieder natürlich nicht als skrupellose Killer und tumbe Befehlsempfänger charakterisiert werden, sondern durchweg positiv als moralisch handelnde Individuen, die zur falschen Zeit eine menschlich richtige Entscheidung treffen, ist „Lone Survivor“ gar nicht so weit von Kubricks „Full Metal Jacket“ oder Terrence Malicks „Der schmale Grat“ entfernt.

Denn Bergs hyperrealistisches Nonstop-Survival-Action-Spektakel besitzt eine nicht von der Hand zu weisende Antikriegsfilm-Qualität, so wie hier in detailverliebter „Die Passion Christi“-Manier die Zerstörung menschlicher Körper durch modernes Kriegsgerät unbarmherzig zelebriert wird. Ob Luttrell ein Held ist oder nicht, sei mal dahingestellt, aber „Lone Survivor“ zeigt auf eindrucksvolle und verstörende Art, dass an Krieg wirklich überhaupt nichts geil ist.