OHL

Propaganda

OHL aus Leverkusen sind ein Fall für sich und bis heute nicht unumstritten, wobei ich eingestehen muss, dass ich meinen Frieden gemacht habe mit Sänger und Mastermind Dirk Windgassen alias „Deutscher W.“.

Von 1980 bis 1986 mischten OHL mit in der ersten Generation deutscher Punkbands, veröffentlichten auf Rock-O-Rama, bevor das Label zur Naziband-Plattform wurde. Immer schon provozierte W.

mit polemischer Provokation auch gegenüber den eigenen Reihen: gegen rechts war man als Punk automatisch, gegen links ... nicht. Dabei existierte seinerzeit der Unterdrückerstaat DDR noch, der Punks einsperrte, was die bundesrepublikanische orthodoxe Linke nicht davon abhielt, mit jenem zu kungeln ...

und gleichzeitig zeigte der „freie“ Westen, wie „tolerant“ er war, indem er OHL-Platten zensierte. W. schoss gegen beide, wobei der Slogan, gegen Extremismus von rechts wie von links zu sein, eben immer den Beigeschmack hatte, nach CDU-Mainstream zu klingen – wer gerne provoziert, und das tut der Mann, der OHL ist, bis heute – läuft eben immer Gefahr, missverstanden zu werden.

1987 war Schluss mit der Band, W. ging studieren, und erst Anfang der Neunziger, durch das Coversong-Album des EMILS-Ablegers VOLKSWIDERSTAND, auf dem auch OHL geehrt wurden, fühlte er sich bei seiner Ehre gepackt und OHL 2.0 waren geboren.

Die DDR war gefallen, der Westen hatte gesiegt (...), die Russen mussten raus aus Afghanistan, die Themen waren andere – und der Neonaziterror in Deutschland nahm neue Formen an – mehr als genug Anreize für neue Texte, und so entstanden seitdem mit „Die Auferstehung“, „Das 7.

Zeichen, „Die Stunde der Wahrheit“, „Blitzkrieg“, „Zurück zur Front“, „Feindkontakt“, „Krieg der Kulturen“ und „Freier Wille“ eine ganze Reihe neuer Platten in neuer Besetzung, aber mit gewohnt martialischen Titeln und Covern.

Die Anlässe der Texte haben sich gewandelt, der Duktus ist geblieben, und ja, Punk kann auch Inhalte wie die von W. aushalten und diskutieren – die Aktualität ist kurz nach den Terrorangriffen von Paris leider noch/wieder gegeben ...

Leider fehlen im Booklet die Texte, immerhin aber gibt es kurze Linernotes von W.