GLUECIFER

Ridin’ The Tiger

Mit „Ridin’ The Tiger“ (1997), „Soaring With Eagles At Night To Rise With The Pigs In The Morning“ (1998), „Tender Is The Savage“ (2000), „Basement Apes“ (2002) und „Automatic Thrill“ (2004) schufen die aus Oslo stammenden, 1994 gegründeten GLUECIFER in nur wenigen Jahren einen beeindruckenden Werkkanon.

Als sie 1997 mit ihrem Debütalbum, dem ein paar Singles vorangegangen waren, in die Öffentlichkeit traten, geschah das zeitgleich zum meteorgleichen Aufstieg ihrer Landsleute TURBONEGRO („Ass Cobra“ kam 1996) und dem der befreundeten HELLACOPTERS, die 1996 mit „Supershitty To The Max“ und 1997 mit „Payin’ The Dues“ wie aus dem Nichts auf die Rockbühne gesprungen waren.

Die Heilige Dreifaltigkeit des Skandinavien-Rock hatte sich offenbart, die europäische Rockwelt stand Kopf, zig andere Bands zogen in der zweiten und dritten Liga nach, doch keine kam an TURBONEGRO, GLUECIFER und HELLACOPTERS heran.

Was den Reiz der Bands ausmachte? Der Punk-Hype der Mittneunziger war gerade dabei sich totzulaufen, zu viel süße Melodic-Punk-Schmiere überall, da wurden sogar Punk- und Hardcore-Fans weich angesichts solch unwiderstehlicher, einerseits gut abgehangener Rockriffs und -Klischees, die andererseits mit enorm viel Feuer und Begeisterung dargeboten wurden.

„Ridin’ The Tiger“ war damals ein makelloses Album, das mit zehn eigenen Songs plus einem ZODIAC MINDWARP-Cover („Prime mover“) für atemlose vierzig Minuten Unterhaltung sorgte, irgendwo zwischen MC5 und MOTÖRHEAD, mit Hits wie „Leather chair“, „Evil matcher“ oder „Rockthtrone“ sowie dem charismatischen Front-Duo Biff Malibu (Gesang) und Captain Poon (Gitarre), die alle großen Rockposen in Perfektion durchexerzierten.

Bis heute hält der Reiz dieses vorzüglich produzierten Albums an, auch fast zwanzig Jahre später kickt und rockt und tritt die Scheibe. Eine gute Entscheidung also von Nachlassverwalter Arne alias Captain Poon, alle fünf Studioalben der 2005 aufgelösten Band im Vinylformat (Klappcover, kein Download-Code) neu aufzulegen.

Drei Alben lang zogen GLUECIFER ihr ursprüngliches Konzept durch, „Soaring With Eagles ...“ und „Tender Is The Savage“ hielten weiterhin die Flagge des Skandinavienrock hoch, dann war der Hype zur Jahrtausendwende durch, ihr Stockholmer Label White Jazz zog sich aus dem Geschäft weitgehend zurück, und mit „Basement Apes“, 2002 auf dem deutschen Steamhammer-Label erschienen, erfanden sich GLUECIFER neu – etwas groovender, weniger Vollgas gebend.

Mit „Automatic Thrill“ wollten GLUECIFER es dann 2004 ein letztes Mal wissen, schlugen sich wacker, aber ihre Zeit war vorbei, 2005 lösten sie sich auf, Arne macht seitdem mit BLOODLIGHTS weiter und von einer Reunion spricht keiner.

Aber wer weiß ... 2017, zum zwanzigsten Geburtstag von „Ridin’ The Tiger“ ...?