ICH BIN FAGIN

Will Eisner

Viele Comics leben von Klischees und Stereotypen. Jedes Superheldenheftchen beispielsweise strotzt nur so davon. Auch Will Eisner hat auf sie zurückgegriffen – und es teilweise später bereut. Im Falle von Ebony, einem als komischer Sidekick des maskierten Helden in der 1946 erschienenen Kriminalgeschichte „The Spirit“ erdachten Afroamerikaner, sogar sehr.

Kann man das wiedergutmachen? Ein wenig gewinnt man den Eindruck, dass Eisner es mit dem im englischen Original bereits 2003 erschienenen „Ich bin Fagin“, einem seiner letzten Bücher, wohl versucht.

Charles Dickens hatte in „Oliver Twist“ einen ganz ähnlichen Fauxpas begannen, indem er den Juden Fagin zum Inbegriff des Bösen machte und dabei auf sämtliche in den vorangegangenen Jahrhunderten gesammelten Vorurteile gegenüber Juden zurückgriff.

Eisner gibt Moses Fagin nun ein ganz neues, viel positiveres, menschlicheres Gesicht, gesteht ihm eine Vergangenheit zu und erklärt anhand historischer Tatsachen zum Leben der Londoner Juden im 19.

Jahrhundert viele seiner Handlungen. Die ursprüngliche „Oliver Twist“-Handlung webt er dabei geschickt mit ein. Über seine Motivation für und einige der Intentionen hinter seiner Geschichte klärt Eisner persönlich in Einleitung und Anhang auf.

Zusätzlich liefern Brian Michael Bendis’ Vorwort und das vom kanadischen Kulturjournalisten Jeet Heer verfasste Nachwort weitere Fakten und Einblicke in konkrete Zusammenhänge zwischen Eisner und Dickens.

Eine rundum gelungene Übersetzung mit zusätzlichen Angaben des Übersetzers zum besseren Verständnis zweideutiger Passagen und/oder historischer Hintergrundinformationen. Davon sollten sich andere Autoren eine ganz dicke Scheibe abschneiden.