
ESKORBUTO aus Santurtzi im Baskenland, einem Vorort von Bilbao, gründeten sich 1980, als in Spanien das Ende der faschistischen Franco-Diktatur gerade mal ein paar Jahre her war und das Leben im verarmten Baskenland alles andere als ein großer Spaß. Der brutale Konflikt zwischen Polizei und den baskischen ETA-Separatisten belastete die junge Demokratie. Beeinflusst vom englischen Punkrock der 1970er richtete sich die Wut des Trios, bestehend aus Jualma (voc, bs), Iosu (gt) und Paco (dr), so ziemlich gegen alles, und sie machte auch nicht Halt vor den Nationalisten ihrer Heimat. So schrieben sie, als sie 1983 auf einer Fahrt nach Madrid wegen angeblicher ETA-Unterstützung verhaftet wurden, den Song „A la mierda el País Vasco“, der 1984 auf der Debüt-EP „Zona Especial Norte“ landete und mit dessen Titel sie sich in ihrer Heimat keine Freunde machten – „Verpiss dich, Baskenland!“ ist kaum patriotisch deutbar, wie auch nicht „Maldito país (España)“ – „Verdammtes Land (Spanien)“. Anders als andere baskische Bands sangen ESKORBUTO immer Spanisch, verwendeten in Songtiteln gerne ein K statt des C, und wurden mit den Jahren zu einer der beliebtesten Punkbands der iberischen Halbinsel, gelten bis heute in der gesamten spanischsprachigen Punkwelt als eine der einflussreichsten Bands. Bis 1999 war eine letzte Version von ESKORBUTO noch aktiv, angeführt vom Gründungsmitglied und Drummer Paco, der die Band weiterführte, nachdem seine Bandkollegen Iosu und Juanma ihrer Heroinabhängigkeit erlegen waren. 1985 erschien mit „Eskizofrenia“ das Debütalbum, mit „Anti todo“ („Gegen alles“) folgte 1986 der zweite Longplayer, den Munster Records auf einem Sticker auf dem Cover als „obra maestra“, als Meisterwerk von ESKORBUTO bezeichnet, aufgenommen in nur 26 Stunden. Sie hatten einen guten Lauf, spielten im ganzen Land, nahmen noch im gleichen Jahr das Live-Album „Impuesto revolucionario“ auf. Doch als bald darauf baskische Musik zu boomen begann mit Bands wie LA POLLA RECORDS und CICATRIZ und als Klammer der Begriff „Rock Radical Vasco“ geprägt wurde, wollten ESKORBUTO damit nichts zu tun haben, der Rock’n’Roll habe kein Vaterland – man dankte es ihnen nicht im patriotischen Baskenland. Heute ist das alles vergessen und ESKORBUTO, die mit „Los demenciales chicos acelerados“ (1987) und „Las más macabras de las vidas“ (1988) in kurzer Folge noch zwei weitere „klassische“ Alben folgen ließen, sind mit ihrem roughen und zugleich hymnischen Punkrock eine der prägenden Punkbands des Landes. Der Rerelease kommt mit Poster und englisch-spanischen Linernotes sowie Textblatt – es lohnt sich, „Historia triste“ oder „Cerebros destruidos“ mal zu lesen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #96 Juni/Juli 2011 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #89 April/Mai 2010 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #70 Februar/März 2007 und Joachim Hiller