
Der Multi-Instrumentalist David Christian Pajo, 1968 in Louisville, Kentucky geboren, aber in L.A. ansässig, ist schon immer ein sehr umtriebiger Mensch gewesen, der zum Beispiel von 2021 bis 2024 bei GANG OF FOUR mitspielte. Anfang der 2000er Jahre war er mal Mitglied von Billy Corgans vermeintlicher Supergroup ZWAN und arbeitete noch mit zahlreichen anderen größeren und kleineren Bands zusammen. Von besonderer Bedeutung in seiner Karriere ist aber seine Beteiligung an SLINT, die als Post-Rock-Pioniere gelten und 1989 und 1991 zwei Platten veröffentlichten. Ab 1996 war er dann Gitarrist von TORTOISE, die Post-Rock in weitaus vielschichtigere musikalische Sphären transportierten. Abseits seiner Band-Engagements veröffentliche Pajo unter Namen wie AERIAL M und später PAPA M Platten, vornehmlich bei Drag City. Von PAPA M habe ich schon seit dem sehr schönen Album „Whatever, Mortal“ von 2001 nichts mehr gehört, zuletzt erschienen 2016 und 2018 zwei neue Platten, die mir aber entgingen. Im letzten Jahr nahm er eine Single mit Mike Watt auf, jetzt gefolgt vom neuen PAPA M-Album „Ballads Of Harry Houdini“ mit sechs komplett im Alleingang eingespielten Stücken. So richtig zu fassen kriegt man Pajo auch hier nicht, der spartanische Folk-Songs im Stil von Will Oldham schreiben kann, aber hier mit der extrem noisigen Industrial-artigen Nummer „Thank you for talking to me (When I was fat)“ einsteigt. Ansonsten erinnert auch vieles an SLINT oder TORTOISE in reduzierterer Form, quasi eine sympathisch unberechenbare, von LoFi-Ästhetik bestimmte Mischung aus Folk, Post-Rock, experimenteller Elektronik und Anklängen von Drone- und Ambient-Musik, die gleichermaßen sperrig wie gut zugänglich daherkommt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #55 Juni/Juli/August 2004 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #45 Dezember 2001/Januar/Februar 2002 und Thomas Kerpen