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JOYCE MANOR

I Used To Go To This Bar

Eine Sache ändert sich bei JOYCE MANOR wahrscheinlich nie: auch das neue Album „I Used To Go To This Bar“ hat eine knackige Länge und bleibt sogar unter 20 Minuten Spielzeit. In dieser beschäftigt sich die Band immer wieder mit einem Thema, mit dem man locker auch ein Buch mit hunderten Seiten füllen könnte: Nostalgie. Ein gutes Beispiel ist der Titelsong „I used to go to this bar“, der vom Gesang her etwas an BLINK-182 erinnert. Darin geht es um eine bestimmten Bar und eine Person aus dem erweiterten Bekanntenkreis von früher, die plötzlich verstorben ist. Während andere Bands aus der Szene die guten alten Zeiten gerne glorifizieren und oft auch überromantisieren, klingt es bei JOYCE MANOR eher nach nüchterner Nostalgie und viele der Songs haben eine melancholische Grundstimmung. Auf Verklärung haben die Punker aus Los Angeles offenbar keinen Bock – und das passt gut zu einer Band, die sich mit jedem neuen Release konsequent weiterentwickelt und immer wieder neue Elemente mit einbringt. Neben ihrem energetischen Pop-Punk ist trotz der knackigen Laufzeit auch wieder Platz für Experimente: In Songs wie „The opossum“ und „All my friends are so depressed“ ist ein deutlicher Alternative Country-Einfluss zu hören und „Well, don’t it seem that we’ve been here before“ klingt – passend zum Albumtitel – wie eine Kneipenhymne mit leichtem Irish Folk-Anstrich. Außerdem schimmert an mehreren Stellen des Albums eine große Begeisterung für THE SMITHS durch. Ob die Platte auch wieder einen künftigen Band-Klassiker à la „Heart tattoo“, „Constant headache“ oder „Catalina fight song“ hervorbringt, ist wegen der neuen Soundeinflüsse noch schwer zu sagen. Am ehesten kommt wahrscheinlich die Vorab-Single „Well, whatever it was“ infrage, weil Melodie und Refrain ein ordentliches Ohrwurmpotenzial besitzen. Außerdem macht der Song live echt Spaß, wie ich bereits bei der „Common Thread“-Tour in Oberhausen feststellen durfte. Produzent, Punk-Ikone und Epitaph-Labelboss Brett Gurewitz hatte im Rahmen der Zusammenarbeit an dem Album jedenfalls viele lobende Worte übrig. Er bezeichnete JOYCE MANOR als eine der wichtigsten Band der vergangenen zwei Jahrzehnte, die zeitlose Songs für die amerikanische Musikgeschichte schreibt. Ein ganz schöner Ritterschlag des BAD RELIGION-Gitarristen! Bei JOYCE MANOR wirkt es so, als ob sie stets ein gewisses Selbstverständnis an den Tag legen. Dabei kommen sie mit einer unglaublichen Coolness daher und können sich musikalisch mit Themen beschäftigen, die bei anderen Pop-Punk-Bands schnell kitschig oder abgedroschen wirken würden. Unterm Strich passt „I Used To Go To This Bar“ gut in den Katalog von JOYCE MANOR, die wieder einmal zeigen, dass Stillstand für sie keine Option ist.

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