
THE BRONX sind zurück mit ihrem Mariachi-Alter-Ego. MARIACHI EL BRONX sind dabei kein Gag, keine Parodie, kein „Wir spielen Punkrock-Versionen von Mariachi-Songs“, sondern die Band meint es ernst. Obwohl die Verbindungen zur mexikanischen Kultur und ihrem Liedgut eher lose sind, spielen MARIACHI EL BRONX seit nunmehr 17 Jahren und drei Alben Musik, die, obwohl hauptsächlich auf Englisch gesungen, sehr nach einer echten Mariachi-Band klingt (soweit ich das beurteilen kann). Zwölf Jahre nach dem letzten Album gibt es auf „IV“ zwölf neue Songs. Und so viel hat sich in den vergangenen Jahren gar nicht geändert: Immer noch finde ich, dass die Stimme von Sänger Matt Caughthran nicht nur bei THE BRONX goldrichtig ist, sondern auch hervorragend zur Mariachi-Musik passt. Mehr sogar: Während seine Stimme bei THE BRONX ein notwendiges Gegenstück zu den Instrumenten ist, zeigt er bei MARIACHI EL BRONX eine ganz andere Facette. Wird wirklich gesungen statt hauptsächlich geschrien wirkt seine Stimme selbst wie ein Instrument. Wie bei den bisherigen MARIACHI EL BRONX-Alben ist die Musik entspannt, träumerisch, sentimental und voller Hingabe, bestes Beispiel dafür ist der Opener, die erste Single-Auskopplung „Forgive or forget“. Mit dem Schritt von „III“ zu „IV“ ist die Band soundtechnisch zu den Basics zurückgekehrt, wie Caughthran im Interview erklärt: „Im Punkrock gibt es keine Regeln, aber in der Mariachi-Musik definitiv schon – Rhythmen, Muster und Traditionen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Die darfst du nicht durcheinanderbringen!“ Klassische Mariachi-Musik also, ohne große Experimente. Leider aber auch ohne Songs, die sofort im Ohr bleiben wie „Cell mates“ oder „Sleepwalking“ vom ersten Album. Textlich geht es auf „IV“ um die großen klassischen Themen Liebe und Tod, musikalisch wagt die Band hier weniger als auf dem Vorgängeralbum. Obwohl die Arrangements beeindruckend sind (Anspieltipp: „RIP Romeo“) und Caughthrans Stimme wunderbar wehmütig klingt, hören sich die Songs insgesamt recht traditionell an, und damit eben auch, na ja, „volkstümlich“? Das ist beim Nebenprojekt einer amerikanischen Hardcore/Punk-Band mit traditioneller mexikanischer Musik vermutlich besser hörbar als bei den deutschen Kollegen, wenn dann aber „El Dorado“ im lustigen Polka-Rhythmus gespielt wird, komme ich schon an meine Grenzen zwischen Musikgenuss und Erträglichkeit. Live ist das Stück bestimmt eine Stimmungskanone, wie ähnliche Nummern der MAD CADDIES immer wieder beweisen. MARIACHI EL BRONX wird man in Deutschland aber wohl erst einmal nicht live sehen, vor dem Albumrelease stehen für die Band lediglich einige US-Termine an. Insgesamt ist ihnen mit „IV“ ein weiteres schönes Mariachi-Album gelungen, das THE BRONX von einer ganz anderen Seite zeigt.
© by Fuze - Ausgabe #116 Februar/März 2026 und Carsten Jung
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