Foto

SUPERSUCKERS

Liquor, Women, Drugs & Killing

Die SUPERSUCKERS sind die Kernseife des Rock’n’Roll. Quadratisch, praktisch, gut. Nicht luxuriös, aber zuverlässig. Man weiß, was man bekommt. Sie spielen jedes Jahr etwa 200 Shows und veröffentlichen immer wieder neue Songs. Die sind meistens Rock’n’Roll, manchmal auch Country. Mit „Liquor, Women, Drugs & Killing“ erscheint nun ihr zwölftes Album und das bringt die Qualitäten der Band auf den Punkt. Angefangen hat alles im Jahr 1988, damals noch als Quartett, in Tucson, Arizona. Ein Jahr später zieht die Band um nach Seattle und veröffentlicht 1992 bei Sub Pop das Debütalbum „The Smoke Of Hell“. Aber anscheinend sind die Goldgräberjahre spurlos an der Band vorbeigegangen. Es gibt keinen Boom und keinen Hype um die SUPERSUCKERS. Eddie ist das egal. „Wir machen keine Musik für die breite Masse, sondern in erster Linie für uns selbst“, sagt er. „Und wenn jemand anderes mitmachen will. Na dann, yee-fuckin’-haw!“ Sie haben einfach weiter in kleinen Clubs gespielt und in regelmäßigen Abständen prima Alben abgeliefert. Wie „The Sacrilicious Sounds Of The Supersuckers“ (1995), „The Evil Powers Of Rock ’n’ Roll“ (1999) oder „Motherfuckers Be Trippin’“ (2003). Immer bei wechselnden Labels, immer echt und ehrlich. 2015 kam dann ein großer Einschnitt: Sänger und Bassist Eddie Spaghetti, einzig verbliebenes Gründungsmitglied und Songwriter der Band, wurde schwer krank. Diagnose: Kehlkopfkrebs. Aber er überlebt und zieht mit Gitarrist Marty Chandler und Schlagzeuger Chris von Streicher weiter seine Kreise. „Liquor, Women, Drugs & Killing“ klingt wie die Essenz des Trios. Straighter Rock’n’Roll mit viel Twang und einer Prise Country. Keine Balladen, keine Schnörkel. Kompakte, kurze Songs und Texte mit einem Augenzwinkern über Probleme, die jeder kennt: einen Job, den man nicht leiden, oder Miete, die man nicht bezahlen kann, oder Liebeskummer. Mein Favorit ist „Tried to write a song“, ein Track über die Probleme beim Songwriting. Anders als bei den letzten drei Alben haben sich SUPERSUCKERS für „Liquor, Women, Drugs & Killing“ diesmal einen Produzenten ins Studio geholt, Billy Joe Bowers, mit dem Eddie in den 1980ern in Tucson in der Hair Metal-Band THAI PINK gespielt hat. Bowers hat schon mit großen Namen wie Johnny Cash, MASTODON oder L7 gearbeitet und den SUPERSUCKERS einen Freundschaftspreis gemacht. Das Ergebnis überzeugt auf voller Linie. Perfekt arrangierte Songs, alle drei Instrumente sind deutlich zu hören, kein überflüssiges Gramm Fett zu viel. Aufgenommen haben sie die elf neuen Songs im West End Sound in Atlanta. Darunter ist auch ein Cover: „Rocket 69“ von THE LEE HARVEY OSWALD BAND. Für mich ist „Liquor, Women, Drugs & Killing“ eines der besten SUPERSUCKERS-Alben bisher.

Anzeige