
SWEATMASTER gründeten sich 1998 im finnischen Turku als Trio, veröffentlichten in ihrer aktiven Zeit vier Alben und ein gutes Dutzend Singles, viele davon auf Bad Afro, und sie waren regelmäßig auf Tour. 2011 war dann erst einmal Schluss. Das Leben kam dazwischen, andere Dinge (Familie, Job, etc.) wurden wichtiger. So ganz konnten die drei das Mausen aber nicht lassen und 2016 veröffentlichten die SWEATMASTER-Musiker gemeinsam mit einem vierten Mann ein Album unter dem Banner LOST BOOTS, auch bereits auf Svart Records. Danach verliert sich die Fährte ein wenig, doch nun präsentiert das Trio mit „More!“ relativ unerwartet ein neues, 14 Lieder umfassendes Album. Geändert hat sich im Grunde wenig, außer dass die Band weniger Haupthaar zur Schau trägt. Der Zahn der Zeit. Musikalisch knüpfen sie ziemlich nahtlos an ihre alten Zeiten an, es gibt treibenden Garage-Rock, der insofern minimalistisch ist, als dass auf jedwedes Brimborium wie etwa Gitarrensoli verzichtet wird und knackige, stampfende und rhythmusbetonte Songs im Vordergrund stehen. Gereon Helmer schrieb 2010 in Ox #92 über ihr letztes Album „Dig Up The Knife“ folgendes: „Knackig, mit genug Melodie-Potenzial, ohne dabei an Schärfe einzubüßen, treiben Sasu, Matti und Mikko ein großartiges Spiel, um Wut, Leidenschaft und Blues zu koppeln. Die Songs sind allesamt auf den Punkt gespielt, das spielerische Können der drei ist verblüffend, die Kompositionen haben Tiefgang, aber auch die Härte des Proto-Punk, das Album hat keine Füller und nach dem fünften Durchgang will man von QOTSA nichts mehr wissen.“ Besser kann man es auch für „More!“ nicht auf den Punkt bringen. Wer sich einen Eindruck von den aktuellen SWEATMASTER machen möchte, der findet zu „Destroyer“ ein Video im Netz, das die Essenz der Band im Jahr 2026 sehr gut einfängt. Bereits im Opener „Dirty water“ ziehen die drei alle Register. Nur sechs der 14 Lieder sind länger als drei Minuten, aber in den kurzen Nummern bringen es SWEATMASTER fertig, alles zu sagen, was ein guter Song braucht. „Police bastard“ ist der kürzeste und auch schnellste Track des Albums, aber trotz des eher plakativ-punkigen Titels handelt das Lied von einer Maus, die Sänger/Bassist Sasu Mykkänen fangen musste und die ihn zum Text animierte. Dennoch zeigt „Police bastard“ ganz gut die Arbeitshaltung der Band beim Schreiben neuer Stücke: schnell, kompakt, fertig, abgehakt, nächstes Lied. Bei dieser Herangehensweise bleibt wenig Platz, einen Song zu Tode zu komponieren. Mit „Hole in the ground“ und „Tail down“ gibt es aber auch eher Melancholisches auf „More!“ zu entdecken. SWEATMASTER haben das Meisterstück vollbracht, ein Album aufzunehmen, das nicht nur beim ersten Anhören auf Anhieb gefällt, sondern auch mit jedem Durchlauf wächst.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #49 Dezember 2002/Januar/Februar 2003 und Jens Kofoed-Pihl
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #173 April/Mai 2024 und Martin Rabitz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #73 August/September 2007 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #92 Oktober/November 2010 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #61 August/September 2005 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #58 Februar/März 2005 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Guntram Pintgen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #49 Dezember 2002/Januar/Februar 2003 und Lars "Abel" Gebhardt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #56 September/Oktober/November 2004 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #59 April/Mai 2005 und Carsten Vollmer