TORTOISE

Touch

Mitte der 1990er waren TORTOISE aus Chicago mal in aller Munde (und auch in diesem Heft mit einem Interview vertreten) als Speerspitze eines etwas eigenartigen Genre-Begriffs namens Post-Rock, der seitdem recht inflationär verwendet wird und inzwischen vor allem für technisch versierte, aber einfallslose Instrumentalbands steht. Bis in die 2000er Jahre hinein blieben TORTOISE aber immer eine Band, die über den Tellerrand von Rock-Konventionen hinausschaute und in ihren atmosphärischen Instrumentalsound gekonnt Elektronik, Krautrock, Filmmusik, Jazz und Techno integrierten konnte. 2016 entstand das letzte Album „The Catastrophist“, das ich ein wenig unfokussiert fand und wie eine wenig inspirierte Materialsammlung wirkte, jetzt gefolgt von „Touch“, bei dem TORTOISE auch ihr langjähriges Label Thrill Jockey auswechselten. Die Besetzung blieb weitestgehend stabil, darunter Veteranen der Musikszene Chicagos wie John McEntire (ehemals bei BASTRO und GASTR DEL SOL) und Doug McCombs (Bassist von ELEVENTH DREAM DAY). Neben Dan Bitney (in den 1980ern Drummer bei der SST-Band TAR BABIES), John Herndon und Jeff Parker. Wie TORTOISE auf „Touch“ klingen, ist eigentlich nicht sonderlich überraschend, aber im Gegensatz zu „The Catastrophist“ wirkt hier alles schlüssiger und wie aus einem Guss. Wie auf ihren früheren Platten gelingt TORTOISE ein hypnotischer und atmosphärischer Flow, bei dem die unterschiedlichen Stile wie Zahnräder ineinandergreifen und „Touch“ zu einem wirklich gelungenen „Comeback-Album“ machen.

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