Bücher - Reviews

DREIKNOPF & DOSENBIER

Andrey Nikolai

Format: Buch

Label: NB Filmverlag

188 S., 29,90 Euro

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Wer heute eine Flasche Bionade aufmacht und beim Blick auf den blauweißroten Kreis auf dem Kronkorken nicht an die Mod-Bewegung denkt, sollte sich über seine Kenntnisse subkultureller Symbole mal Gedanken machen.

In diesem Buch geht es aber genau darum, um die Mods, genauer gesagt um jene Mods des Mod-Revivals, das ausgehend vom Quadrophenia-Film ab 1979 jene Jugendbewegung, für die in den Sechzigern stellvertretend THE WHO standen, auferstehen ließ.

Parkas, Motorroller und coole Musik (aka Soul, R’n’B, auch Psychedelic und Ska) befeuerten in England und auch Deutschland eine kleine Jugendbewegung, die sich lieber smart als abgerissen kleidete, aber auch immer Überschneidungen mit der Punk-Szene aufwies.

Andrey Nikolai, dessen Schwager Frank „Smarten Up“ Kühl ist, war 1979 zwar selbst erst fünf, aber die Faszination für diese Szene lag damit quasi in der Familie, und so machte er sich daran, in langjähriger Fleißarbeit die deutsche, vor allem aber die Düsseldorfer (was Neuss, Krefeld, Solingen etc.

einschließt) Mod-Szene zu portraitieren. Dazu führte er mit damaligen und heutigen Szenegängern wie Peter Hein, Lutz „Soundflat“ Räuber, Bodo (STUNDE X), Henry Storch (Unique), Ralf „Hitsville“ Brendgens und Sugar (CHEEKS) lange Interviews, die in Art von „Verschwende deine Jugend“ zu Themenblöcken zusammengefasst wurden, und ergänzte die durch Fotos aus jener Zeit Ende der Siebziger und Anfang/Mitte der Achtziger, als Neo-Mods etwas weniger marginalisiert waren als heute.

Dazu kommen Abbildungen aus den damals zahlreichen Fanzines, Flyer-Abbildungen, Playlists und so weiter – eine sehr umfassende, detailreiche Dokumentation, die mehr ist als nur ein Familienalbum für jene, die damals dabei waren.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #86 (Oktober/November 2009)