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PISSE

Mutti, ich hab’s geschafft!

Wer sie noch nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen, da PISSE momentan eine der besten Punkbands der Republik sind! 2012 gegründet, erschien 2014 die erste EP, mit der sie bewiesen, dass ihre Musik kein stumpfer 08/15-Deutschpunk ist, sondern durch kleine elektronische Spielereien aufgelockert wird. Dazu kommen Texte, die nur so vor wahnsinnigen Alltagsbeschreibungen strotzen. Im Mai erschien nun das Debütalbum der Band. Zeit also, sich mal bei Carmen mal nach dem Stand der Dinge zu erkundigen.

Ihr kommt ja aus aus Hoyerswerda. Wie ist es, als Punk oder generell politisch linksorientierte Person in der ostdeutschen Provinz aufzuwachsen?


Darüber wollen wir nicht reden. Oft kommen Leute mit diesem Ostdeutschland-Ding, aber wir wohnen mittlerweile alle in richtigen Städten, und Hoyerswerda ist ja auch nicht Kabul. Was nicht heißt, dass es in Hoyerswerda nicht auch scheiße ist! Wir bereuen es jedenfalls nicht, nicht mehr dort zu wohnen. Grüße gehen raus an unsere Familien, die immer noch dort leben müssen. Ich hoffe ihr könnt das lesen. Mutti, ich hab’s geschafft! Wer Lust hat, kann uns auch gern eine Mail schreiben. Dann organisieren wir eine Safaritour, falls mal jemand unsere Großmütter in den Trümmern bei der Suche nach etwas zu Essen fotografieren will.

Die erste EP „Praktikum in der Karibik“ ging ja gut durch die Decke. Habt ihr damit gerechnet?

Nee, damit haben wir auch nicht gerechnet ...

Mir fallen zu eurer Musik SYPH oder auch frühe ABWÄRTS als Vergleich ein. Verratet ihr, was euch musikalisch geprägt hat?

Max Herre!

Wie seid ihr auf die ziemlich geniale Idee mit den verschiedenen Covern für die verschiedenen Auflagen eurer EP gekommen? Gerade die arabische Version mit Michael Jackson und Saddam Hussein gefällt mir gut.

Auch das Ausland ist eine „Cashcow“, die gemolken werden will! Die Designs für die Cover stammen übrigens von unserem Kumpel Ricaletto, ein geiler Typ.

Nun zu eurem ersten Album „Mit Schinken durch die Menopause“. Ich habe den Eindruck, dass auf dem Album verstärkt eure Punk-Wurzeln durchkommen und die Synthesizer dafür in den Hintergrund treten.

Sarah Connor hat jetzt auch zu ihren Punk-Wurzeln zurückgefunden. SLIME ja auch ...

Wie seid ihr eigentlich auf Brezel Göring als Produzent des Albums gekommen?

Wir haben Brezel gefragt, ob er Lust und Zeit hat, mit uns das Album aufzunehmen. Hat er beides gehabt, und so haben wir es dann einfach mit ihm aufgenommen. Oder er mit uns, oder wie genau man das auch immer sagen möchte.

Auch ein Lob an die Texte auf dem Album. Wer ist bei euch dafür verantwortlich oder schreibt ihr sie gemeinsam?

Nee, nee, so gut sind unsere Texte wirklich nicht! Nur der ganze Rest, den man sonst noch so hört, ist total beschissen, und da wirken unsere Texte dann vielleicht in Relation dazu ziemlich gut. Und uns ist es nicht so wichtig, wer die Texte schreibt. Meistens schreiben wir eigentlich nur mit, wenn jemand was Kluges sagt.

Verratet ihr die Herkunft der Filmzitate auf dem Album?

Nein, die verraten wir lieber nicht, wegen Urheberrechtsangelegenheiten.

Okay, das kann ich verstehen. Kommt noch eine Tour zum Album?

Ja, wir spielen eigentlich immer ziemlich viel. Im Oktober gibt’s eine Tour in Südwestdeutschland und in die Schweiz. Also dahin, wo das Geld wohnt!

Gute Idee. Habt ihr noch irgendwelche letzten Worte? Was kann man als Nächstes von euch erwarten?

Man sollte überhaupt nichts von niemandem erwarten. Dann kann man auch nicht enttäuscht werden.

Daniel Matthias

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #121 (August/September 2015)

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