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Interviews & Artikel

SKINNY NORRIS

Die Early Birds des deutschen Emo-Core

SKINNY NORRIS sind einfach Popsäue. 1991 gegründet, blicken sie nun auf ein 12-jähriges rockendes Kind zurück, das aus 200 „short-songs“ à la NAPALM DEATH entstanden ist. Doch die Gitarrenpop/Punk-Formation aus Gießen musste einige Hürden nehmen, um zu dem zu gelangen, was ihr mit ihrer aktuellen Split-LP „The Girls From The Magazines“ (zusammen mit den Koblenzern PROFESSION REPORTER) geglückt ist. Nachdem zunächst Schlagzeugerin Gerlinde Rohde die Gruppe verließ, kehrte auch noch Gitarrist Matthias Czap der Band den Rücken, so dass SKINNY NORRIS 1999 kurzerhand aufs Eis gelegt wurde.

Jetzt hat das Quartett um Helge Wagner (Gitarre, Gesang), Guido Bender (Bass), Thorsten Liebsch (Schlagzeug) und Kai Steffen Müller (Neu-Gitarrist) fünf feine Gitarrenrock/Gitarrenpop-Stücke eingespielt, die Altbekanntes sogar in den Schatten stellen und zum ersten Mal an ihre grandiosen Livequalitäten anknüpfen. Welch ein Wurf und ein Grund genug, um einen der Macher auch mal was sagen zu lassen. An einem Sonntag im April klingelte es im Hause Wagner.

Hallo Helge, fangen wir doch einfach mal mit einer ganz bescheuerten Frage an: Warum habt ihr euch mittlerweile nicht auch – wie viele andere Bands – ein semirevolutionäres „The“ vor den Bandnamen geklemmt und heißt nicht „The Skinny Norris“?


Das ist eine gute erste Frage. Wir hatten schon mal mit diesem Gedanken gespielt, uns ‚The Skinny Norris Rock- & Popgroup’ zu nennen, allerdings bevor es all diese anderen ‚The’-Bands gab. Aber wir hängen uns ungern an irgendwas dran. Wir sind – auf diesen Trend spielst du bestimmt an – eben keine betont ‚schicke’ Band und bleiben einfach SKINNY NORRIS.

Ihr habt euch von kursierenden Trends in der Punk-HC-Szene immer fern gehalten, ohne aber auf der Stelle zu treten. Zieh doch mal ein SKINNY NORRIS-Fazit, jetzt nach dem 12-jährigen Bestehen.

Angefangen hat es mit Boston/Taang-Bands wie den LEMONHEADS oder DINOSAUR JR. gemischt mit Sixties-Bands wie BEATLES, BYRDS und BEACH BOYS, eigentlich alle Bands mit ‚B’. Über die Jahre haben sich da noch unzählige Einflüsse hinzugesellt. Vor allem die heiligen SAMIAM und so Sachen wie QUICKSAND und FIRESIDE. Lustigerweise stellen wir im Moment fest, dass wir nach all den Jahren und verschieden stilistischen Phasen wieder da gelandet sind, wo wir angefangen haben: Catchy Songs mit möglichst viel Druck und interessanten Strukturen, so als Zielgebung.

Eure neuen Songs klingen dennoch experimenteller. Den rockigen Elementen habt ihr diverse Spielereien beigefügt. Was oder wer hat euch beeinflusst?


Ich glaube nicht, dass uns aktuelle Musik zu sehr beeinflusst hat. Ich bin niemand, der zu Hause alle aktuellen Trend-Platten stehen haben muss. So wie RADIO 4 – obwohl die ja gar nicht sonderlich experimentell klingen. Ich höre z.B. nicht LES SAVY FAV, um eine Band aus der experimentellen Kiste herauszukramen. Ich glaube, wir haben uns vom Songwriting eher noch mehr in die Richtung klassischerer Rock/Pop-Songs entwickelt. Aber ab und zu, da hast du Recht, gibt es experimentelle Ausbrüche, aber ich denke, die waren schon immer da. Die wichtigste Vision ist aber nach wie vor, den perfekten Pop-Song zu schreiben.

Pop ist ein gutes Stichwort. Eure ersten Rezensionen zur neuen Platte waren hervorragend, doch die Pop-Ballade „Truth“ schneidet generell schlecht ab, gefällt mir aber sehr gut. Ist das den Hardcorlern vielleicht zu weicheirig?

Ja, da gab es schon ganz böse Schelte wegen der Gesangseffekte. Wahrscheinlich, weil wir immer ausschließlich im Genre ‚Hardcore’ oder im Emo-Kontext rezipiert werden. Doch dort sehen wir uns gar nicht so sehr. Natürlich haben wir irgendwie diese Emo-Tradition. Strubbel aus dem Schlachthof Wiesbaden hat uns mal als die ‚Early Birds des deutschen Emo-Cores’ bezeichnet, das hat uns gefreut, da sind wir auch ganz stolz drauf. Ich glaube schon, dass wir eine der ersten Bands in Deutschland waren, die diesen Stil bewusst spielten, obwohl uns das damals gar nicht so klar war. Um auf ‚Truth’ zurückzukommen: Wir lieben eben auch Dinge wie DAFT-PUNK, die diesen Gesangs-Effekt verstärkt benutzt haben. Wir dachten uns, dass es zu ‚Truth’ passen könnte, haben es ausprobiert und es funktionierte. Das Lied hat so eine liebevolle und warme Atmosphäre und dieser Effekt verstärkte dieses Gefühl. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt jeden Track mit flashigen Effekten voll laden. Eben nur da, wo es sich anbietet.

Ich glaube, dass ihr euch mit dieser Freiheit auf dem neuen Tonträger endlich aus der Umklammerung der BOXHAMSTERS befreit habt, was nicht musikalisch gemeint ist. Doch wenn man euch in der Szene erwähnte, hieß es doch meist: „Ach Gießen, aus dem Boxhamsters-Umfeld“. Ich denke, mit der neuen Platte ist euch da ein Schritt nach vorne gelungen.


Ja, das ist ein Kompliment, danke, das denke ich auch. Wir hinken aber leider immer noch mit Veröffentlichungen hinter dem her, was wir an neuen Songs bereits haben. Wir sind sehr ungeduldig. Wenn wir z.B. jetzt schon die ganz neuen Songs draußen hätten, würde dieser Schritt noch deutlicher werden. Auf der neuen Split ist beispielsweise der Song ‚Rising’, ein Lied, das wir noch mit unserem alten Gitarristen Czap geschrieben haben. Wir wollen auch möglichst bald ins Studio gehen, um eine LP nachzuschieben.

Warum habt ihr das nicht schon nach der ersten CD „Yuk“ und der Tour mit SAMIAM getan? Danach habt ihr nur zahlreiche Demotapes veröffentlicht. Warum kam damals nicht der große Durchbruch?

Diese Fragen stellen wir uns auch oft. Keine Ahnung, es ist uns selber nicht klar. Ich glaube, wir waren einfach noch nicht reif und clever genug. Wir haben nicht kalkuliert agiert und uns gesagt: So, jetzt machen wir das, dann das.

Es kam einem fast schon wie ein Schritt zurück vor ...

In der Tat, es ging wirklich einen Schritt zurück. Philipp von den BOXHAMSTERS sagt immer: ‚Wenn ihr wenigstens diese Dinger als Single oder 10“ veröffentlicht hättet, dann hättet ihr heute einen anderen Stellenwert’. Wir haben uns eben nie bewusst dazu entschieden, alles auf eine Karte zu setzten.

Ganz im Gegenteil. 1999 habt ihr euch dann nach dem Weggang eures Gitarristen Czap aufgelöst ...


Ja, wir haben uns von Czap getrennt, weil es persönlich nicht mehr ging, haben dann aber versucht, zu Dritt weiterzumachen. Aber als er weg war, war erst Mal die Luft aus dem Sack. Wir konnten nicht einfach nahtlos weitermachen, es ging nicht, wir haben’s versucht.

Du bist dann mit eurem Bassisten Guido nach Wiesbaden gegangen, um „schlauer zu werden“, so heißt es auf eurer Homepage. Was hast du aus der Trennung gelernt?


In erster Linie, dass es ein ganz starkes Bedürfnis gab, weiterhin Musik zu machen. SKINNY NORRIS konnte ich nicht an die Wand hängen, das hat nicht funktioniert.

Das Bedürfnis weiterhin Musik zu machen hört man auf der neuen Scheibe. Sie gibt meiner Meinung nach zum ersten Mal eure Livequalitäten wieder, denn bislang kamen eure Tonträger nie an eure Bühnenpower ran. Was habt ihr anders gemacht?

Wir haben uns diesmal einfach einen sehr guten Produzenten geholt. Arne, ein guter Freund von uns und eine Hälfte von MONTANA CHROMEBOY, hat uns produziert. Eigentlich kommt er aus einem anderen musikalischen Kontext, aus der HipHop-Soul-Funk-Ecke. Er hat aber auch immer schon einen Bezug zu Gitarrenmusik gehabt. Wir haben ihn einfach gefragt, ob er uns produzieren will, und er hat es gemacht. Da hatten wir Glück, wir hatten sehr viel Zeit und zudem einen Menschen an unserer Seite, der sehr viel Gefühl für diese Musik hat und eine große Finesse dafür entwickelt konnte. Obwohl es auch ein Sprung ins kalte Wasser war, weil er zuvor noch nie eine härtere Gitarrenband produzierte. Doch es ist gut geworden, Kompliment an Arnie, und wir sind stolz drauf.

Jens Thomas

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #51 (Juni/Juli/August 2003)

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