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Interviews & Artikel

TREND

Wir haben einen Auftrag!

Es tut sich wieder was in Dunkeldeutschland! Die Zeit, wo angloamerikanische Popmusik und gecastete Superstars uns die Ohren weichspülen, sind endgültig vorbei! Ein frischer Wind weht durch die alten Eichen und junge Menschen fangen wieder an, in ihrer Muttersprache zu singen. Weitab von allen Klischees und ausgestattet mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen präsentieren sie ihre Neue Deutsche Musik. Vielleicht ist es aber auch wieder nur ein weiteres Revival, weil in den Führungsetagen der multinationalen Konzerne jetzt die Kinder der NDW im Chefsessel sitzen und ihre Vergangenheit noch einmal in Champagnerlaune abfeiern wollen. Verschwendete Jugend, oder was ist nur aus dir geworden ...

Wer oder was ist TREND?


Wir sind die, die deiner blinden Oma den Stock wegtreten, nur im Stehen pissen, deine Videothekenkarte klauen, und die Pornos drei Wochen nicht abgeben.

Wie seid ihr zu diesem zeitlosen und immer trendigen Namen gekommen?

Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, verschiedene Vorschläge ausgearbeitet, z.B. Trund, Trind, Trond, im Plenum diskutiert und uns schließlich für TREND als Konsenslösung entschieden!

Gab es vor TREND musikalische Aktivitäten, gibt es noch weitere Nebenprojekte und wo liegen eure musikalischen Wurzeln?

Mal abgesehen von den üblichen musikalischen Verfehlungen in frühester Jugend ist die musikalische Entwicklung von uns allen ähnlich. Harte Gitarren waren immer dabei. Boris war jahrelang Anhänger der Straight Edge-Bewegung. Wenn man genau hinschaut, kann man noch die Xe auf den Handrücken entdecken. Stolle fand nach erfolgreicher Karriere als Dorfmetaller, inklusive Fönmatte und frisiertem Mofa, über Deutschpunk zum Hardcore/Amipunk. Fezer hat den 80er-Pop/Wave mitgenommen, bevor er zum Punkrock und Hardcore kam. Peter hört prinzipiell alles, was so im Radio kommt, Top 40, von Abba bis Zappa.

Eine schicke Verpackung und Präsentation scheint euch ja sehr wichtig zu sein.

Wichtig ist natürlich, was drinnen ist. Wenn die Platte nichts taugt, hilft wohl auch eine schöne Verpackung nichts. Aber wir finden es prima, wenn man alle Ausdrucksformen nutzen kann. Boris beschäftigt sich viel mit Gestaltung und Design, und kann sich bei unseren Veröffentlichungen, bei Presseinfos und T-Shirts austoben. Jeder bringt sich halt so ein, wie er will und kann. Peter arbeitet gerne im Studio und macht die Aufnahmen, Boris kümmert sich um das Gestalterische, Stolle führt eine Band-Chronik in Gedichtform, und Fezer isst gerne Schokolade.

Die Präsentation und auch die Musik erinnert sehr stark an die 80er-Jahre und frühe NDW-Sachen. Was habt ihr damals gemacht bzw. hat euch das entscheidend beeinflusst?

Boris, Stolle und Peter haben schon seit einigen Jahren zusammen Musik gemacht. Obwohl jeder natürlich seine eigenen Vorlieben hat, gibt es doch ein paar gemeinsame Nenner. Ein Einfluss, den wir wohl alle drei gemeinsam haben, ist der Chicago-Noiserock der frühen 90er und Bands wie JESUS LIZARD, SHORTY, TABLE oder US MAPLE. Das ist auch immer noch unser Grundkonsens: Wenn es so kracht und pengt wie bei UNSANE, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Zumindest bei mir war es so, dass ich den Zugang zu den frühen 80er-Bands über den Umweg Chicago gefunden habe, Parallelen und Einflüsse sind da ja massig vorhanden. So alt, dass wir 1980 in Hannover oder Berlin waren, sind wir ja zum Glück noch nicht! 1981 ist Peter in die fünfte Klasse gekommen, während Boris noch in der Grundschule herumgammelte. Stolle hatte schon seit zwei Jahren auf dem Realschulhof den Kleinen die Pausenbrote gezockt und Fezer war zu der Zeit mit seinen Eltern noch in einem Ashra in Indien.

Ich bringe da immer gerne die FEHLFARBEN ins Spiel. Die Texte und die Art, die Worte rauszupressen, erinnern doch sehr stark an Peter Hein. Gleichzeitig möchte ich aber auch deutlich machen, dass ihr kein Abklatsch seid.

Mit so einem Vergleich fühlen wir uns eigentlich nicht unbedingt wohl, auf der einen Seite ehrt es uns natürlich, denn ‚Monarchie und Alltag’ ist eine super Scheibe. Wenn dich der Gesang an Peter Hein erinnert, ist das ein tolles Kompliment, und Fezer wird noch zwei Zentimeter größer. Auf der anderen Seite ist für uns mit den FEHLFARBEN aber auch dieser 80er/Verschwende deine Jugend-Hype verbunden, und da fühlen wir uns halt doch nicht so zuhause.

Was glaubt ihr, ist der Grund, dass diese Epoche gerade jetzt wieder belebt wurde?

Nachdem die 60er und 70er ihr Revival schon hatten, sind jetzt halt die 80er dran. Man versucht den Leuten zwar ein gewisses Underground- oder Subkultur-Feeling zu vermitteln, aber im Endeffekt ist es wie bei jedem Hype: Wenn man der Zielgruppe nur lange genug eintrichtert, dass etwas angesagt oder cool ist, dann wird es auch geglaubt und entsprechend konsumiert. Wir sind mal gespannt, was als nächstes oder übernächstes verwurstet wird. Gibt es ein 30er Revival? Kommen braune Uniformen wieder in Mode? Dann wären ja die Rechten praktisch super im Trend!

Nervt es euch nicht, ständig in die Retro-NDW-Schublade mit solchen Pseudo-Gruppen wie MIA oder WIR SIND HELDEN gesteckt zu werden?

Eigentlich sind wir bis jetzt überhaupt nicht in diese Schublade gesteckt worden, zumindest nicht von den Leuten, mit denen wir es so zu tun haben. Uns würde schon ärgern, wenn in Anzeigen oder Infotexten plötzlich solche Vergleiche gezogen würden, deshalb behalten wir ja auch alles selbst in der Hand und kümmern uns darum, was denn so an Produktinformationen rausgeht. Sich aber von einem Trend abzugrenzen, von wegen ‚Das haben wir schon viel früher gemacht’, ist immer peinlich und doof. Es ist halt nur lustig, dass in der Zeit, in der wir wieder angefangen haben zusammen Musik zu machen, irgendwie alles zusammenkam, auf das wir Bock haben, also deutscher Gesang, gute Texte, grober Krach, schöne Gestaltung etc. und wir somit praktisch voll im Trend sind.

Vielleicht haben auch nur so alte Säcke wie ich Probleme damit, wenn man solche Musik als absolut neu vorgesetzt bekommt, die sich anhört wie damals. Auf Nachfrage war ich doch sehr überrascht, dass manche Musiker die alten deutschen Bands gar nicht mehr kannten.

Klar, je mehr man kennt, desto kritischer wird man gegenüber angeblich neuen Sachen. Aber wenn die Leute die älteren Bands gar nicht erst kennen, haben sie wenigstens nicht geklaut. Musik entsteht halt aus Situationen heraus und wenn die ähnlich sind, kann auch ähnliche Musik dabei herauskommen. Die wenigsten Bands haben wohl die Bratwurst neu erfunden, aber manchmal langt es auch, eine gute Sauce dazu zu machen, dann schmeckt es auch!

Es gab ja das Angebot eines Major-Deals. Wie laufen solche „Sondierungsgespräche“ mit wichtigen A&R-Manager ab und was hättet ihr alles tun müssen, um richtige Rock-Stars zu werden?

Eigentlich gab es sogar mehrere Anfragen, von einem Major und ein paar Major-Sublabels, aber zu Verhandlungen oder näheren Gesprächen kam es nie. Es war immer sehr schnell klar, dass wir mit denen nicht auf einer Wellenlinie sind. Außerdem lief die Zusammenarbeit mit Plastic Bomb und Unter Schafen von Anfang an so gut, dass wir nicht das Bedürfnis hatten, uns anderweitig umzusehen. Aber lustig war das teilweise schon: Ein Musik-Manager hat uns gleich beim ersten Anruf gesagt, dass wir unseren Namen ändern müssten, weil die Promo-Abteilung von der BMG auch Trend heißt. Mit diesem Bandnamen hätten wir also keine Chance in der Branche, blablabla... Als wir ihm erklärten, dass uns ‚die Branche’ nicht interessiert, wir keinen Manager brauchen und erst recht keinen wollen, wurde uns prophezeit, dass ‚wir es alleine niemals schaffen werden’, und dass wir dann ja auch gleich aufhören könnten Musik zu machen. Es gibt schon komische Menschen und Vorstellungen vom Musikmachen. Wir haben eine Platte und spielen Konzerte, ich finde, wir haben ‚es geschafft’. Außerdem: Die größten Wünsche werden klein, gegen den, gesund zu sein!

Eure Platte wird demnächst als CD- und Vinyl-Version auf zwei der gerade schon erwähnten Labels (Unter Schafen und Plastic Bomb), erscheinen. Was war euch bei der Auswahl wichtig und was dürfen wir da erwarten?

Die Auswahl der Labels war recht einfach, Boris hat die ersten Aufnahmen als Promo-CD an verschiedene Leute geschickt und Plastic Bomb/Unter Schafen hatten von Anfang an Bock. Wir finden das halt prima, wenn es keine Verhandlungen oder so was gibt. Swen und Timo haben ein paar Lieder gehört, es hat ihnen gefallen und jetzt bringen sie es raus! Zack! Bumm ...

Was treibt euch dazu, eine Split-Single mit Carsten Vollmer zu machen, der ja eine ganz andere Art von Musik macht? Wenn man diesen Krach überhaupt noch Musik nennen kann?

Über die Frage, wo Musik aufhört und der Krach anfängt, kann man wohl stundenlang streiten. Ich denke, dass etwas nicht die Regeln der Harmonie und des Rhythmus’ befolgen muss, um Musik zu sein. Wenn der Herr Vollmer sein Schaffen als Ausdruck sieht, wenn die Bedeutung des Gehörten über dass sinnlich Wahrgenommene geht, dann ist das bestimmt Musik. Aber was für uns eigentlich der Grund für die Split-Single ist, lässt sich einfach in drei Worte fassen: bezahlte sexuelle Dienstleistung. Herr Vollmer, oder Luden-Casi, verfügt über exzellente Kontakte zur Halbwelt, und nachdem wir da so in der Blue-Rita Bar im Separée gefeiert haben, in jedem Arm zwei Nutten und die Nase voller Koks, mussten wir uns entscheiden: entweder wir zahlen die Rechnung, oder wir machen die Split-7“!

Die Band ist ja über ganz Deutschland verstreut, ist es da nicht schwierig zusammen kreativ zu bleiben?

Da wir nicht regelmäßig proben können, nutzen wir natürlich die Zeit, die wir dann haben auch so effektiv, wie es geht . Wir haben unser Hauptquartier in Landau, da ist auch das Studio, wo wir ohne Zeitdruck ausprobieren und aufnehmen können. Manchmal treffen wir uns auch auf halbem Weg in Berlin, wo wir auch Probemöglichkeiten haben. Die Kreativität hängt weniger von der Distanz, als vielmehr von der Tagesform der Einzelnen ab. Aber da wir ja immer in Form sind, ist das natürlich kein Problem!

Was für Aktionen können wir in der Zukunft von euch erwarten?

Neben der Teilnahme an diversen Lichterketten und Malkursen in der Toskana, werden wir voraussichtlich im Herbst auf Tour gehen, und versuchen davor noch eine Mini-LP zu veröffentlichen.

Welche Nachricht von euch möchtet ihr heute Abend noch in der Tagesschau gesendet haben?


In der Tagesschau schon mal gar nichts, höchstens was bei ‚Die Reporter’ oder bei ‚24-Stunden’: Titten, Tunten, Tätowierte/Die Kinder vom Bahnhofsklo/Der Sänger von TREND packt sein Ding aus usw. Themen gibt’s also genug, fragt sich nur, welcher investigative Journalist es wagt, solche heiße Eisen anzupacken!

Trendscout Casi
Foto: Achim Friederich

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #51 (Juni/Juli/August 2003)

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