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Interviews & Artikel

GENERATORS

Aus dem Schatten ins Licht

Das Leben ist nicht immer nur Sonnenschein – auch Bands müssen das bisweilen feststellen. Zwar läuft es als Band immer noch richtig gut für die aus Los Angeles stammenden GENERATORS, haben sie mit „Excess, Betrayal... And Our Dearly Departed“ ein wirklich rundum gelungenes Album veröffentlicht, mit dem sie sich etwas aus dem Streetpunk-Kontext befreit haben, indem sie sich seit der Vorgängerband SCHLEPROCK bewegt haben, doch privat waren die letzten Monate eher eine Katastrophe. Darüber und über viel mehr sprach ich Anfang Juli mit Bandboss Doug Dagger vor der Show im Bochumer Zwischenfall.

Doug, seit dem letzten Interview sind zwei Jahre vergangen, was ging so?


Für mich waren die letzten drei, vier Monate die schlimmsten seit 15, 20 Jahren: Wir haben unser Baby verloren, es starb noch vor der Geburt, einer meiner besten Freunde ist gestorben, der Gitarrist von SCHLEPROCK auch und jetzt stecke ich auch noch mitten in meiner Scheidung. Das Leben war schon schöner muss ich sagen, aber es wird sicher wieder besser. Und so mache ich weiter Musik, versuche stark zu bleiben und weiß, dass es immer noch schlimmer kommt, bevor es wieder besser wird.

Andere Leute hätten in so einer Situation die Tour abgesagt.

Das haben wir schon vor ein paar Monaten getan. Da hatten wir zwei Tage vor der Tour erfahren, dass wir das Baby verlieren werden, da war nicht daran zu denken, dass ich auf Tour gehe. Stattdessen saß ich mit meiner Frau im Krankenhaus. Immerhin ist aber mit der Band alles okay, wir kommen gut klar, und Dooskys Bruder Danny, der für Mike als Gitarrist eingestiegen ist, passt bestens zu uns.

Genau, was ist mit Mike los?

Mike ist nach Iowa gezogen, er hatte eine Menge Probleme, da ist viel Scheiße passiert. Aber die neue Besetzung funktioniert wunderbar, wir kommen gut klar, streiten uns nicht. Und als die Platte dann endlich raus war in Europa, als mir Tobbe und André von People Like You die ersten durchweg guten Besprechungen mailten, da wusste ich, dass wir unbedingt die Tour nachholen müssen – und hier sind wir! Wir haben jetzt zwar nur zehn Shows oder so gespielt, aber im September und Oktober kommen wir dann richtig lange, sind dann wieder in ganz Europa unterwegs, von Spanien bis Finnland.

Und wie läuft’s in den USA?

Wie immer. Du hast mich im letzten Interview gefragt, warum wir mehr in Europa spielen als in Amerika, und die Gründe sind immer noch die gleichen: es ist verdammt schwierig, die Punkszene ist in den USA einfach nicht so groß, da ist es schwer, wirklich richtig auf Tour zu gehen. Und die Streetpunk-Szene stirbt sowieso ab, alles ändert sich. Aber wir gehen unseren Weg, kümmern uns nicht darum, was sonst so abgeht. Alles andere macht auch keinen Sinn, ich will meine Integrität bewahren und keinen auf Kiddie-Band machen, was uns ja eh keiner abnehmen würde. Ich bin glücklich, wenn Leute zu unseren Shows kommen, Spaß haben, mit uns feiern, und solange das irgendwie geht, solange ich irgendwie auf die Bühne komme, will ich gar nichts anderes.

Wer hat die Platte denn in den USA veröffentlicht? TKO?

Nein, wir sind nicht mehr bei TKO, die Platte ist in den USA noch nicht raus. Wir haben TKO verlassen, weil da irgendwie nichts passierte und wir uns da nicht mehr zu Hause fühlten. Außerdem will ich, wenn ich ein Album mache, das Album machen, das ich mir vorstelle. Wenn wir aber nur ein paar hundert Dollar fürs Studio bekommen sollen, dann klingt das einfach wie Scheiße, da habe ich keine Lust drauf. Da mache ich lieber gar nichts. Mehr als ein paar hundert Dollar waren aber seitens TKO nicht drin, also ... Dabei ist Mark von TKO aber auch ein guter Freund, ich mag das Label, aber wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Wo und wann die Platte in den USA erscheint, ist derzeit noch nicht ganz klar, das wird sich in den nächsten Wochen ergeben. Wir sind da sowieso realistisch, wenn wir 2.000 Platten verkaufen ist das schon okay – ich weiß aus sicherer Quelle, dass sogar manche Bands auf Hellcat und Epitaph gerade mal 4-5.000 Platten verkaufen – so miserabel ist die Situation mittlerweile und ich war schon erschrocken, als ich das hörte. Dagegen haben wir in den 90ern mit SCHLEPROCK schon 30.000 Platten verkauft.

Woran liegt es?

Die Kids stehen immer noch auf Punkrock, aber sie finden Mittel und Wege, für die Musik nicht zu bezahlen: Downloading, CD-Brennen, und so weiter. Die gehen einfach nicht mehr in die Läden, um Platten zu kaufen. Ich verstehe das auch nicht.

Du hast vor dem Interview erwähnt, du hättest keine große Lust mehr auf dieses ganze Streetpunk-Ding.

Ach, ich werde von den Bookern ständig gefragt, ob wir nicht hier mit dieser alten englischen Band zusammen spielen wollen und da mit jener, aber irgendwie langweilt mich das, wir haben das so lange gemacht. Ich habe ja auch viele dieser Bands selbst nach Kalifornien geholt, RED ALERT, UPSTARTS, VICIOUS RUMORS, die Flüge bezahlt, die Shows gebucht, doch irgendwie habe ich da keine Lust mehr darauf. Mir ist es wichtiger, dass wir unser eigenes Ding durchziehen und in Europa touren, um das Album bekannt zu machen, von dem wir selber sehr überzeugt sind.

War es denn mit der neuen Besetzung anders, die Songs zu schreiben und sie aufzunehmen?

Die Songs haben sich beinahe von selbst geschrieben! Zum Beispiel ‚Roll out the red carpet‘, den habe ich in fünf Minuten geschrieben. Ich hasse es, wenn man drei Wochen braucht, um einen Song zu schreiben, da kommt nur Müll bei raus. Die besten Songs schreibt man so aus dem Handgelenk, und so war das bei der ganzen Platte. Keine Ahnung warum, es passierte einfach. Und im Studio waren wir dann auch recht flott, nahmen auf, während die Energie noch floss. Die anderen meinten zwar, es sei noch zu früh, aber ich wusste, die Energie stimmt, und die muss man auf Tape bannen, bevor die Songs ausgebrannt sind. Du musst aufnehmen, während du die Songs selber beinahe noch lernen musst, während sie noch neu und aufregend sind für dich. Die Jungs sagten zwar, es sei noch zu früh für sie, aber so mache ich es immer mit ihnen. Und die ganzen frühen Kalifornien-Punk-Klassiker wurden ja auch so aufgenommen, in ein paar Stunden nachts im Studio, einfach die Energie einfangen und fertig.

Dass das neue Album doch etwas anders ist als die bisherigen Platten, hat eher was mit dem Weggang von Mike zu tun, nehme ich an.

Ja, The Kid hat sich aber schon sehr gut eingefügt. Mit Mike bin ich aufgewachsen, er ist so alt wie ich, und Mike hat sich in Sachen Songwriting recht viel eingebracht. Ich glaube, der Sound, der auf der neuen Platte zu hören ist, steckte schon immer in uns drin, aber wir haben diese Richtung nicht wirklich verfolgt, haben nicht bewusst so eine düster klingende Platte gemacht. Am ehesten kann man sie mit ein paar Songs auf ‚Welcome To The End‘ vergleichen, die waren auch so düster. Ich glaube, wir wollten schon immer eine Platte wie diese machen, aber es hat sich nicht ergeben, auch weil Mike mehr diesen cleaneren Mod-Sound haben wollte. Jedenfalls bin ich mit dem neuen Album richtig zufrieden – schön, wenn es dem Publikum auch gefällt, aber vor allem muss ich selbst zufrieden sein.

Mein Hit ist auf jeden Fall „Out of the shadow“.

Das Lied hatte ich schon ewig im Kopf. Ich wohnte mal mit einem Freund zusammen, der in Sachen Drogen heftig unterwegs war. Der fragte mich, wie ich es geschafft hätte, davon loszukommen. Und ich sagte, ich hätte eines Tages einfach das Gefühl gehabt, aus dem Schatten ins Licht treten zu können.

Das klingt ja beinahe biblisch.

Ja schon. Und erst der Titel, der war Ernies Idee. Der kam einfach mit dem Satz ‚Excess, Betrayal ... And Our Dearly Departed‘ an, und erst vor ein paar Tagen sagte ich zu ihm, dass der Satz die perfekte Zusammenfassung meines Lebens des letzten Jahres ist. Die letzte Zeit war für mich ein einziger Alptraum, wirklich.

Und jetzt seid ihr endlich mal wieder in Deutschland.

Wir mussten endlich mal rauskommen aus Kalifornien, oh ja! Und es war auch gut für uns, schöne Konzerte, dabei zwei mit den BONES und das ‚With Full Force‘-Festival. Es sind zwar nur zehn Konzerte, aber die ganze Sache ist schon echt therapeutisch für mich, für uns. Und dann fliegen wir wieder zurück und ich mache meinen Job.

Arbeitest du immer noch in diesem Laden für Casino-Bedarf?

Ja, ich bin zum Glück nicht darauf angewiesen, von der Band leben zu können, von daher bin ich schon zufrieden, wenn wir vom neuen Album 5.000 verkaufen. Wir alle haben noch normale Jobs, zum Glück, und so verkaufe ich an Casino-Angestellte Anzüge und Hemden. Danny arbeitet als Drucker, und Ernie ist bei einer Firma, die für all die großen Bands T-Shirts druckt. Wir sind eben keine Kids mehr, die die Hälfte des Jahres im Bandbus leben und mit superwenig Geld klarkommen können. Das hatte ich jahrelang, es war okay, aber jetzt muss es auch nicht mehr sein.

Noch eine Frage zum neuen Album: Bei den Platten zuvor gab es immer einen politischen Unterton, beim neuen Album nicht.

Ich wusste, dass du das fragst! Bisher kam diese Frage in jedem Interview! Aber es ist auch eine gute Frage, und hier ist meine Antwort: Die letzte Platte und auch die davor hatten immer politische Themen in den Texten, aber wenn in deinem persönlichen Umfeld Leute sterben, verschiebt sich deine Aufmerksamkeit einfach, da ist es für dich nicht so wichtig, wenn irgendwo in der Wüste Leute sterben. Da stehen einfach deine persönlichen Probleme im Vordergrund, und außerdem wollen wir uns auch nicht wiederholen. Und es gibt ja auch genug andere Punkbands, die politische Themen aufgreifen, ich muss das nicht immer haben und hatte diesmal einfach überhaupt keine Lust über solche Themen zu schreiben. Und mit 35 hat man auch einfach irgendwann genug, davon zu schreiben, wie man Steine auf die Bullen wirft – das hatte ich, das brauche ich nicht mehr, da gebe ich die Fackel gerne an jüngere Bands weiter: Ihr seid jung, ihr seid wütend, ich verstehe das, ich stehe hinter euch, aber mein Ding ist es nicht mehr, ich habe andere Themen, über die ich singen will.

Doug, vielen Dank für das Interview.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #52 (September/Oktober/November 2003)

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