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Interviews & Artikel

SICK OF IT ALL

Düstere Zeiten und ehrliche Heavyness

Alles beim Alten oder wieder zurück zu den Basics? Mit dem neuen Album „Life On The Ropes“, das seit Anfang September bei uns in den Läden steht, präsentieren sich SICK OF IT ALL mal wieder etwas düsterer und aggressiver. Sie haben im Studio diesmal mehr selbst in die Hand genommen, die DIY-Philosophie wieder aufleben lassen und ein spannendes, neues Album eingespielt. Außerdem stand eine knapp zweiwöchige Europa-Festival-Tour an, die mit dem With Full Force-Auftritt endete. Entspannt und ausgepowert zugleich fanden sich SICK OF IT ALL bei Fat Wreck in Berlin ein, um Rede und Antwort zu stehen. Es gab also genügend Gründe, nach dem Hörer zu greifen und mit Lou Koller ein paar Worte zu wechseln.

Ihr habt gerade eine kleine Festival-Tour hinter euch und habt gestern noch das With Full Force gespielt. Erzähl doch mal, wie die Show war.


Die Show war großartig. Wir haben ein cooles Set gespielt und das Publikum war voll dabei und total aus dem Häuschen. Das war unsere letzte Show für diese Tour und wir haben noch mal alles gegeben. Genauso wie das Publikum, es war schon wahnsinnig. Aber wir mussten auch gut sein, denn wir waren ja direkt vor MINISTRY und SLAYER dran.

Und vor ein paar Tagen wart ihr bei dem Fury Fest Hardcore Super Bowl in Nantes, Frankreich dabei. Wie war es da? Es waren doch eher auch gemischte Bands da, oder?

Es war auch eine sehr gute Show. Den ganzen Tag über wechselten sich Metalbands mit Hardcorebands ab. Das Publikum dort war zwar etwas gespalten bezüglich der Musik, aber als wir spielten, kamen die Kids alle zusammen und es war cool zu sehen, wie die Hardcoreleute mit den Death Metal-Kids im Pit feierten, so sollte es immer sein.

Ja, das hört sich doch echt gut an. Kommen wir zu eurer neuen Platte, die im September auf Fat Wreck erscheint. Was sind in die großen Unterschiede zum letzten Album?

Diesmal haben wir definitiv einen wesentlich schwereren, düstereren und aggressiveren Sound. So war auch die Stimmung innerhalb der Band. Ich meine, so sind momentan halt die Dinge in den Staaten und in der Welt. Unsere Stimmung sieht genauso aus, selbst wenn wir an das derzeitige Musikbusiness und den Underground denken.

Was ich bisher vom Album gehört habe, erinnert mich ein wenig an das „Scratch The Surface“-Album, das auch in die etwas düsterere Ecke geht.

Ja genau. Ich denke, wir haben in der letzten Jahren auch verschiedene Experimente und Erfahrungen in den SICK OF IT ALL-Sound einfließen lassen und sind nun an einem Punkt angekommen, wo wir wieder einen Schritt zurück machen und gucken, was uns genau umgibt. Also, wie schon zuvor erwähnt, spiegelt es unsere Stimmung wider und die ist nun mal düster.

Und diese Stimmung findet man auch in deinen Texten? Worum geht es da so?

Ja sicher. Zum Beispiel bei ‚Relentless‘, was die erste Single sein wird, geht es darum, wie Geld und Macht die Welt regieren, besonders in den USA. In New York wird es immer offensichtlicher, wie man versucht, die Unterschicht zu verscheuchen, damit Manhattan eine Insel der Reichen wird. Das ist zum Beispiel ein Thema in den Texten.

Wie sagt man doch so schön, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ...

Ganz genau! Es wird in Amerika noch so werden wie in Argentinien, wo es nur noch die Reichen und die Armen gibt, und der Mittelstand verschwindet komplett. Dann gibt es den Song ‚Paper tiger (fakin‘ the punk)’. Da geht es darum, wie ich über den Underground denke und fühle. Ich weiß nicht, wie es hier ist, aber in Amerika ist das mittlerweile wie ein Spiegel des Mainstreams und das macht mich krank. Wenn eine Band kein Image hat oder nichts besonderes in Richtung Reunion zu bieten hat, wenn die Band keine Skinheads sind oder Irokesen tragen, dann interessiert es die Kids nicht sonderlich und das macht mich einfach nur traurig. Es ist lächerlich, wenn du im Underground ein Image brauchst, damit Leute deine Musik hören.

Bei den Aufnahmen zu eurer neuen Platte hattet ihr diesmal John Joseph von den CRO-MAGS als Gastsänger dabei. Seine Stimme ist sehr markant und passt gut in den Song „Paper tiger...“. Wie kam es zu der Kollaboration?

Ach, das ist eine alte Geschichte. Bei den letzten beiden Alben hat er uns schon immer genervt: ‚Wann lasst ihr mich endlich mal singen?‘. Er ist ja auch ein guter Freund von uns und wohnt nicht weit von Pete entfernt, eigentlich direkt um die Ecke. Und als ich den Song geschrieben habe, kam Pete und meinte, lass John das singen und John meinte, das sei auch sein momentanes Gefühl und von daher passte er bestens zu dem Song.

Ihr habt „Life On The Ropes“ in Eigenregie aufgenommen. Habt ihr ein eigenes Studio und in wie weit habt ihr da alles selbst in den Händen gehabt?

Nein, also ein eigenes Studio haben wir nicht. Wir haben in einem Studio namens Atomic in Brooklyn aufgenommen. Das Studio machen Matt Henderson von MADBALL, Mike Dijan von CROWN OF THORNZ und SKARHEAD und Dean, er macht das Engineering und hat mit uns gearbeitet. Er war damals in alten Bostoner Hardcore-Bands. Die drei haben das Studio aufgemacht und wir mochten den Sound, den sie bisher aufgenommen haben. Sie haben zum Beispiel THE SUICIDE FILE aufgenommen und einige Sachen für THE HOPE CONSPIRACY und BACKFIRE. Sie sind Freunde von SICK OF IT ALL und wissen, wie wir klingen wollen.

Ich finde, das spiegelt auch diese DIY-Philosophie wider ...

Ja, wir wollten das Album selbst aufnehmen und produzieren, weil wir dachten, dass es uns helfen würde, das wieder hervorzubringen, was wir am besten können, und was wir bei dem Album ‚Yours Truly‘ vermisst haben. Ich meine, Steve Evetts hatte bei der letzten Platte super mit uns gearbeitet, besonders mit mir und meinen Vocals, aber im Großen und Ganzen verfehlte er schon unsere ursprüngliche Intention, das was uns eben ausmacht. Und wir dachten halt, dass wir die Einzigen sind, die wissen, wie wir klingen sollten – neben Dean, der ein langjähriger Fan von uns ist.

Und was denkst du heute über diese „Do It Yourself“-Sache? Was bedeutet das heute für dich? Ist es noch das gleiche, wie damals in den späten 70ern und frühen 80ern, als alles begann?

Ich denke, gerade jetzt gibt es immer wieder Leute, die Labels gründen. Dann gibt es aber auch die kleineren Indies, die von Leuten in unserem Alter geführt werden und die sagen: ‚Ja ich nehme die Band unter Vertrag, weil ich denke, dass ein Major bald Interesse an ihnen haben und mir eine Menge Kohle als Abfindung geben wird.‘ Und das finde ich traurig. Aber mit dem Internet gibt es so viele gute Internet-Fanzines und andere Websites, die die Community weltweit erweitern und aufrechterhalten – und das ist sehr wichtig.

Ich denke da auch an Dischord und FUGAZI, die schon seit über 20 Jahren ihr Ding machen und sich einen Scheiß um den Mainstream kümmern.

Ganz genau. Das ist immer noch sehr inspirierend und beeindruckend, ganz besonders Ian Mackaye. Bei dem letzten Album ‚Yours Truely‘ fragten wir ihn, ob er nicht bei einem Song mitsingen möchte, aber er sagte, er könne nicht, weil er keinen Song fand, dem er gerecht werden könne. Aber nach ein paar Monaten, als die Platte draußen war, schickte er mir eine Postkarte, wo er schrieb, dass er die neue Platte mag und uns Glück wünscht.

Was ist denn für euch Inspiration und Motivation, um SICK OF IT ALL weiter zu machen?

Ich meine, es ist immer noch das, was wir lieben. Als das Ganze anfing, machten wir es natürlich aus Spaß und lernten die Szene kennen. Und da war etwas, was mich damals beeindruckte: Es gab keine Vortäuschung, wie man von dem ganzen Rockstar-Gehabe her kennt. Und als wir größer und bekannter wurden, wollten wir eben diese Message verbreiten. Wir konnten unseren Traum verwirklichen und jedem zeigen, dass eine Band größer werden kann, ohne dass sie gleich verehrt wird. Jetzt machen wir es, weil es das ist, was wir kennen und ich denke auch, wir sind dafür bestimmt. Die Musik ist das einzige, was uns wirklich glücklich macht, und es ist besser als jeder verdammte 9-5 Job.

Wie sieht momentan die Hardcore-Szene in New York aus?

Da gibt es eine Menge guter neuer Bands, aber es wird immer schwieriger Auftrittsorte zu finden. Selbst das CBGB’S ist auf der Abschussliste. New York hat einen neuen Bürgermeister und sie setzen so viele Clubs auf die Abschusslisten, dass bald gar nichts mehr läuft. Sie jagen sie förmlich raus. Sie wollen nur diese großen, teuren Restaurants bauen.

Was können wir denn in den nächsten Monaten erwarten?

Wir werden wohl im Februar nächsten Jahres wiederkommen. Wir wollen endlich wieder live spielen. Wir haben wegen der Arbeit am Album lange nicht mehr gespielt, ich glaube, fast ein Jahr nicht mehr. Und die letzten beiden Wochen waren für uns schon ein genialer Start für die kommende Tour. Dann können wir auch mehr vom neuen Album spielen, denn bis dahin ist es auch veröffentlicht.

Ich bedanke mich auch für das Interview, kommt gut nach Hause.

Ross Feratu

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #52 (September/Oktober/November 2003)

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