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Interviews & Artikel

PENNYWISE

The Process Of Growing Up

Wenn eine Band Schreiber unterschiedlicher Fanzines und Magazine mal eben zum Interview nach Amsterdam karren lässt, dann denkt man doch eher an irgendeine große Rockband als an eine Punkband, die seit Jahren souverän ihre Fans mit hochwertiger Musik und ihr Label mit unbegrenzter Loyalität beglückt, oder? PENNYWISE waren aber schon immer anders, darüber hinaus haben sie sich über 15 Jahre einen Wiedererkennungswert erarbeitet wie kaum eine andere Band und haben immer wieder das Gespür bewiesen, politische Sachverhalte, Lebensweisheiten und eine linke Grundhaltung zu einem Lebensgefühl zu vermengen und geschickt als Markenzeichen zu nutzen. Wieso, weshalb, warum, das konnte ich Sänger Jim vor der Show im Amsterdamer Melkweg fragen.

Mit eurem neuen Album habt ihr ein besonders straightes, PENNYWISE-typisches Album abgeliefert, auf dem einen jeder Song mitreißt, im Gegensatz zu „Land Of The Free“. Was genau lief diesmal anders?


Wir haben uns darauf konzentriert, den Sound zu spielen, den unsere Fans von uns erwarten und thematisch sowohl politische Sachen wie das Leben in den USA nach dem 11. September, als auch persönliche Aspekte wie das Älterwerden zu verarbeiten. Manche Bands versuchen, sich über die Jahre neu zu erfinden, sie ändern ihren Stil und wollen sich musikalisch entwickeln. Ich halte mich da eher an eine Band wie die RAMONES, die ihrem Stil auf jeder Platte treu geblieben sind und damit den Fans das gaben, was sie wollen. Bei ‚From The Ashes‘ haben wir sechs Songs innerhalb kürzester Zeit geschrieben, und da Fletcher und Randy noch ein paar Songs beigesteuert hatten, konnten wir die Songs aussuchen, die am besten zueinander passten, und auf die Platte pressen. Bei ‚Land Of The Free‘ hatten wir zwar auch sehr gute Songs, aber sie passten nicht wirklich zusammen.

Hast du nie das Verlangen, dich musikalisch weiterzuentwickeln und was anderes zu machen?


Klar. Ich habe so viele Songs geschrieben, es sind bestimmt 200 Stück, und ich könnte zehn Platten raus bringen, aber ich fühle mich unserer Band verpflichtet und will das nicht aufgeben, was wir mit PENNYWISE erreicht haben. Ich wollte z.B. unbedingt diese beiden Songs auf das Album bringen, aber irgendwie wusste ich, dass die beiden Stücke zu weit weg waren von unserem Sound. Indem wir solche Songs nicht aufnehmen, stellen wir sicher, dass unser Sound immer wieder erkannt wird, doch gleichzeitig setzen wir uns der Kritik aus, wir würden immer wieder das gleiche Album aufnehmen. Es wird sicherlich irgendwann mal soweit sein, dass ich ein Album rausbringe, aber ich will noch ein bisschen warten, solange, bis Fletcher mich nicht dafür umbringt, hehe.

Auf der neuen Platte fallen Songs wie „Waiting“, „Falling Down“ oder „Yesterday“ auf, die so gar nicht zu der positiven Lebenshaltung passen, die ihr immer wieder auf früheren Platten betont habt. Gehört das zum „Älterwerden“?


Unglücklicherweise ja. Als junger Mensch bist du halt optimistisch, idealistisch, skatest durch die Stadt und führst ein sorgenfreies Leben. Wenn du älter wirst, hast du eine Familie, Rechnungen, die du bezahlen musst, mehr Verantwortung, Freunde wie unseren Bassisten Jason, die du verloren hast usw. Das verändert deine Sicht auf die Dinge durchaus ins Negative. ‚Alien‘ z.B. habe ich zu einer Zeit geschrieben, als ich wirklich an einem Tiefpunkt meines Lebens angelangt war. Egal, wie gut deine Absichten und Ideale auch sind, es schützt dich nicht vor persönlichen Schicksalsschlägen.

Eure Lyrics drehen sich auch oft um radikale politische Veränderungen, während ihr gleichzeitig punkvoter.com unterstützt und somit ja nur die Abwahl von George Bush durch einen demokratischen Kandidaten erwirken wollt. Ein Widerspruch in sich?

Ich persönlich habe eine genaue Vorstellung von einer anderen Regierungs- oder Staatsform, die sich aus Sozialismus, Kommunismus und Kapitalismus zusammensetzt. Das wäre der Idealfall für mich. In den USA hast du aber nicht die Möglichkeit zu einem reellen Politikwechsel, da die Leute aufgrund ihrer Erziehung zum Patriotismus und ihres Glaubens nie die Grünen oder die Kommunisten wählen würden. Das heißt, dass jede Stimme, die du für eine kleine Partei mit radikalen Ideen abgibst, indirekt eine Stimme für Bush sein kann oder ist. Du musst dich also für
das kleinere Übel entscheiden, um das Größere zu verhindern.

Warum war der 11. September kein Weckruf für die amerikanische Gesellschaft?
Es war ein Weckruf, der a
ber nichts veränderte. Man hat es als schrecklichen Terrorakt verstanden, der von ein paar verrückten Islamisten verursacht wurde. Es war nicht das Resultat einer arroganten Außenpolitik der USA, man hat sich nicht schuldig gefühlt, sondern die Schuld bei anderen gesucht, was die eigentliche Tragödie ist.

Nehmen wir an, Gott würde existieren. Könnte er die USA retten?


Haha, er hätte auf jeden Fall einen harten Job, und die Frage aus theologischer Sicht wäre ja eher, ob er überhaupt so etwas wie die USA zulassen würde. Es ist traurig zu sehen, dass ein Land, das ja eigentlich auf verschiedenen Kulturen basiert und das Recht auf freie Meinungsäußerung als Grundrecht definiert, sich selbst von innen auffrisst. Schau dir mal Kalifornien an, ein Staat, der wirkliche ernsthafte Probleme hat, und was machen die Leute? Sie holen den Terminator. So von wegen ‚Diese schreckliche Energiekrise und das riesige Haushaltsloch, was sollen wir nur tun? Ruft den Terminator, der macht das schon ...‘. Als ob es ein Film wäre, in dem Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielt, und das Hollywood-Ende absehbar ist. Ich habe kein Problem mit Schwarzenegger, aber er sollte doch bitte beim Film bleiben. Ich meine, jemand, der ein politisches Amt annimmt, der sollte auch Erfahrung in Staatsführung haben oder zumindest nachweisen können, dass er ausreichend gebildet ist, ein Land zu führen.

Würdest du sagen, dass die Melodycore-Szene allgemein politischer geworden ist, und dass das Einfluss auf die Fans hat?

Ja, definitiv. Es gibt natürlich immer unterschiedliche Meinungen, aber der Großteil der Fans wird zumindest zum Teil beeinflusst, so wie es BLACK FLAG oder CIRCLE JERKS bei mir getan haben. Wenn sich dann ein paar Kids im Internet darüber beschweren und meinen, wir wären zu politisch, und solche Themen hätten in der Musik nichts zu suchen, dann ist das okay, aber wenn Politik nichts in der Musik zu suchen hat, dann sollte man Bob Marley, THE CLASH, U2 oder RAGE AGAINST THE MACHINE schnell vergessen und besser irgendeine Techno-Musik hören. Es gibt aber nun mal Leute, die unterhalten werden wollen und keine Message auf Konzerten oder in Discos hören möchten.

Wo siehst du Punkrock heute angesichts von Bands wie GOOD CHARLOTTE & Co.? Sehen Kids überhaupt den Unterschied zwischen einem Majorlabel-Produkt und einer Independent-Band, die sich seit 15 Jahren den Arsch abspielt?


Schwer zu sagen, Punkrock ist nun ca. 30 Jahre alt, und einerseits ist Punk gegen den Mainstream, aber heutzutage gleichzeitig ein Teil davon. Es ist der Soundtrack der Skater und Surfer, und auf der einen Seite sind da Bands, die wie Punkbands klingen und aussehen, und Bands, die Punk leben und jahrelang spielen, ohne das große Geld zu machen. Für die Kids ist es teilweise sicherlich schwer, den Unterschied zu erkennen, wenn sie den Background nicht kennen. Als wir anfingen, spielten wir auf Hinterhof-Partys, und als wir hörten, dass da jemand ist, der uns signen möchte, fragten wir uns: Was heißt das? Das heißt, jemand möchte eine Platte von euch raus bringen. Das hörte sich gut für uns an, aber wir haben niemals daran gedacht, große Stars zu werden oder so was. Wir wollten nur saufen und ein paar gute Songs spielen. Aber ich denke dennoch, dass die Kids clever genug sind, um sich nicht verarschen zu lassen.

Ich habe das letzte Mal auf eurer Website das Formular für den Eintritt zur PENNYWISE-Army gefunden. Was genau hat es mit dieser Armee auf sich, eine neue Art von Street Promotion?

Sagt dir die KISS-Army was? Wir werden die KISS-Army bekämpfen, hehe. Nein, ernsthaft, es ist für die harten Fans, die neueste Infos und Tickets übers Netz bestellen wollen. Ich würde gerne auch Flyer für soziale Aktivitäten oder Wahlkampagnen über die PENNYWISE-Army verteilen lassen, und ich denke, wenn wir ein paar Leute dazu bringen, sich aktiv zu beteiligen, haben wir schon viel geschafft.

Schauen wir noch mal zurück, versuch doch mal ein Resümee nach 15 Jahren Bandexistenz, acht Alben und etlichen Konzerten zu ziehen.

Ich denke, wir fingen mit dem Gedanken an, einfach nur Punkmusik zu spielen und hatten das Glück, von einem großartigen Label gesignt zu werden. Am Anfang spielten wir überwiegend für unsere Freunde und skateten oder surften am Strand, ein sehr relaxtes Leben also. Und seitdem ging es nur noch im Rhythmus Album, Tour, Album, Tour ...

Danke fürs Interview.

Randy Flame

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #53 (Dezember 2003/Januar/Februar 2004)

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