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Interviews & Artikel

RANCID

Eine zweischneidige Angelegenheit

Wer meine Besprechung des neuen RANCID-Albums im letzten Ox gelesen hat, wird wissen, dass ich vom Umgang der Band bzw. des Labels mit ihrer Musik (von wegen kopiergeschützte Vorab-CDs und detaillierte Vorschriften, wer diese wie hören darf) alles andere als begeistert war. Punkrock und Business, das führt manchmal zu den seltsamsten Irrungen und Wirrungen ... Mit ihrem neuen Album „Indestructible“ jedenfalls, das zwar auch wieder auf dem bandeigenen Label Hellcat erschienen ist, diesmal aber weltweit von Warner vertrieben wird (von der LP abgesehen, die gibt’s wie gehabt via Epitaph), haben die vier Kalifornier keine weiteren Experimente gewagt, sondern eine solide Punkscheibe eingespielt, die Spaß macht, aber keinen Grund zu Euphorie gibt. Ähnlich auch mein Eindruck vom Konzert in Hamburg im Rahmen der „Reconstruction“-Tour: mehr als so eben okay war das nicht, was da geboten wurde. Immerhin, RANCID waren diesmal bereit Interviews zu geben, was beim Erscheinen des letzten Albums nicht der Fall war, und so sprach ich vor dem Konzert mit einem durchaus netten, aber auch etwas unverbindlichen Matt Freeman.

Als euer letztes Album erschien, habt ihr kaum Interviews gegeben, diesmal sprecht ihr wieder mit der Presse. Wie kommt’s?


Wir hatten so viele Interviews gegeben und so viel gesagt und geredet, da hatten wir einfach irgendwann keine Lust mehr. Und wir machen eben immer nur das, wozu wir Lust haben. Wir gaben damals dem ‚Kerrang’ ein Interview und das erklärte eine ganze Menge.

Fühlt ihr euch generell unwohl, Interview-Fragen beantworten zu müssen?

Nein, das nicht, wir hatten nur einfach keine Lust. Du bekommst einfach immer wieder die gleichen Fragen gestellt und gibst darauf die ein, zwei möglichen Antworten. Ich bin dabei immer so ehrlich wie möglich. Da hat jede Band ihre eigene Herangehensweise und ich habe auch Freunde in anderen Bands, die einfach irgendwas erfinden, wenn sie antworten, hahaha. Das kommt wohl einfach, wenn man gelangweilt ist.

Euer neues Album ist zwar noch auf Hellcat, aber Vertrieb, Promotion und so weiter laufen über den Major Warner. Bis dato hattet ihr euch aber immer gegen Major-Angebote ausgesprochen.

Vor allem ist die Platte noch auf Hellcat, und wo vorher Epitaph für den Vertrieb zuständig war, ist es jetzt eben ein Split-Deal zwischen Hellcat und Warner, was übrigens die Idee von Brett Gurewitz war, der das neue Album ja auch produziert hat. Er hat ähnliche Deals schon mit den HIVES und den DISTILLERS in die Wege geleitet und meinte, wir sollten das doch mal versuchen. Also ließen wir uns darauf ein, denn Bretts Meinung ist uns wichtig. Denn auch hier gilt: Wir machen immer, was wir wollen.

Habt ihr darüber lange diskutiert?

Also, wir diskutieren jede Entscheidung, die die Band betrifft, und wir vier haben auch immer sehr engen Kontakt. Das sind ganz demokratische Strukturen, und jede Entscheidung ist zu 100 % die der ganzen Band. Wir sind uns schon im Klaren darüber, dass das eine riskante Entscheidung war, und entweder es haut hin oder eben nicht. In jedem Fall werden wir weiterhin Musik machen.

Meine nächste Frage ist ganz einfach: Was ist deine Definition von Punk?

So genau weiß ich das auch nicht, und ich bekomme diese Frage wirklich oft gestellt. Ich denke, das ist eine ganz persönliche Sache, jeder hat da seine eigene Definition. Wir vier kommen alle aus armen Arbeiterfamilien, unsere Eltern und wir mussten uns alles hart erarbeiten. Punk hat dabei viel mehr uns ausgewählt, als wir Punk, verstehst du? Ich habe keine große soziale Kompetenz, ich komme nicht mit der ‚normalen‘ Gesellschaft klar und wir sind alle irgendwie verkorkst, Freaks. Punk, Musik war für mich immer eine Art von Zuflucht, und das ist wohl auch meine Definition – dein eigenes Ding zu machen. Ich bin Punkrocker, ich mag Punkrock, das ist Punk für mich.

Von den alten, offensichtlichen Bands mal abgesehen: Welche aktuellen Punkbands gefallen dir?

Da wären erstmal MEST, dann eine neue Band aus Sacramento, die jetzt auf Hellcat sind, dann GOOD CHARLOTTE ... Mann, ich hasse diese Frage, denn mir fallen in dem Augenblick nie die Bands ein, die ich eigentlich nennen will, sondern immer erst nach dem Interview. SICK OF IT ALL mag ich, und ALKALINE TRIO. Belassen wir es dabei, sonst mache ich mich noch verrückt, haha.

Mir geht das immer so bei der Frage nach den zehn Lieblingsplatten aller Zeiten. Mir fallen da auf Anhieb immer höchstens drei ein.

Ja, ich hasse diese Frage auch! Zehn sind sowieso viel zu wenig. Da draußen sind so viele gute Bands unterwegs. Wir haben gerade die Warped-Tour in den USA hinter uns und haben mit so vielen coolen Bands gespielt, etwa den DROPKICK MURPHYS oder AFI. Und ich mag auch die TRANSPLANTS sehr gerne, und LARS FREDERIKSEN & THE BASTARDS.

Hattest du schon Gelegenheit, das neue, letzte Joe Strummer-Album zu hören?

Leider nicht, aber das davor gefiel mir sehr gut, und ich konnte zum Glück auch ein Konzert mit ihm sehen, und das ist in meinen Top 5 der besten Konzerte, die ich je gesehen habe. Es war faszinierend, er war so ein guter Musiker.

Was ist das für ein Gefühl, solchen persönlichen Helden zu begegnen?

Ich hatte in den vergangenen Jahren mehrfach das Glück, solche Leute zu treffen, und die waren wirklich alle sehr nett, muss ich sagen, ob das nun Ian MacKaye, Joey und DeeDee Ramone oder John Doe war. Und auch Joe Strummer habe ich mal getroffen, das war ein Mensch, der einen sofort für sich eingenommen hat. Er spielte in San Francisco, und nach dem Konzert ging ich backstage, stellte mich vor und unterhielt mich noch mit ihm. Leider musste ich bald wieder los, da die Parkgarage schloss, in der ich mein Auto hatte. Also sagte ich was in der Art, dass ich jetzt eben los müsse, von wegen der Garage, worauf er meinte, ich sei doch eigentlich ein sehr guter Musiker, da sei es schade, dass ich in einer Garage, also einer Autowerkstatt arbeiten müsse. Ich kapierte zuerst gar nicht, was der meinte, und als ich es dann kapierte, musste ich laut lachen und erklärte ihm, dass er da zum Glück falsch liegt.

Beim neuen Album sind alle Texte im Booklet von euch kommentiert und erklärt. Ist dem etwas hinzuzufügen?

Die Liner-Notes und die Texte sind von Lars und Tim und sprechen für sich selbst. Ich denke, jeder hat seinen eigenen Zugang zu den Liedern einer Band, ob sie dich nun aufbauen oder runterziehen. Das ist bei jedem anders, und ein Song, der dir gute Laune beschert, macht mich traurig. Von daher sollte sich auch jeder seine eigenen Gedanken machen.

Auf dem neuen Album sind auch wieder 19 Songs.

Ja, das ist RANCID-Tradition. Bei der ersten Platte waren es 17, bei der zweiten 23, die dritte, äh, 18, ‚Life Won‘t Wait’ 22, es hat also Tradition bei uns, viele Songs zu machen.

Das hebt sich angenehm ab von dem Spielchen, ein Album mit gerade zehn oder zwölf Songs zu machen.

Ja, aber das muss jede Band selbst wissen. Eine meiner Lieblingsplatten ist ‚THE WHO live at Leeds‘ und da sind im Original nur neun Songs drauf – und es ist eine tolle Platte!

Hast du eigentlich noch Kontakt zu deinem alten OPERATION IVY-Kumpel Jesse Michaels, der ja bis vor kurzem mit COMMON RIDER unterwegs war?

Ja, wir sehen uns von Zeit zu Zeit, er lebt ja noch in der East-Bay. Und auch Dave Mello sehe ich gelegentlich, meist an Weihnachten, denn seine Eltern leben in der gleichen Stadt wie meine. Der hat ja nach OP IVY lange Jahre SCHLONG gemacht und hat heute einen Plattenladen, glaube ich.

Gab es eigentlich mal seitens von Konzertveranstaltern Angebote für eine OPERATION IVY-Reunion?

Klar, über die Jahre gab es immer wieder mal Angebote, aber nein, eine Reunion wird es nicht geben.

Warum?

„Nun, die Band existierte zwei Jahre, wir machten, was wir machen wollten, brachten eine Platte raus und lösten uns ein paar Wochen später wieder auf und das war‘s. Und jetzt mache ich zusammen mit Tim Armstrong, der ja mit mir bei OPERATION IVY war, seit zehn, elf Jahren RANCID. Jeder von uns hat ja mittlerweile sein eigenes Ding laufen.“

Ihr wart ganz klar die Pioniere, was die Kombination von Punkrock mit Ska anbelangt, habt mit
diesem Sound unzählige Bands beeinflusst.


Ja, das ist doch schön! Wir haben damals gemacht, was wir wollten, und wenn wir heute immer wieder kopiert und als Einfluss genannt werden, dann empfinde ich das schon als schmeichelhaft. Nichts liegt mir ferner, als bei jeder Ska-Punk-Band rumzumeckern, dass wir das ja schon vor Jahren gemacht haben. So was ist doch blöd.

Sehr verstörend fand ich den Brief, der eurem neuen Album beilag. Unter anderem findet sich da die Passage „You agree that you will not lend this CD to anyone, and that you alone will listen to this CD for promotional purposes. Accordingly, you will not play this CD for anyone.“ Darüber das Hellcat-Logo, darunter die Unterschrift einer Susan Genco, Business & Legal Affairs. Nicht wirklich Punkrock, das, sondern völlige Scheiße.


Na ja, hm, du kennst ja die Problematik: Kaum ist eine CD raus, wird sie schon kopiert und ist im Internet zu finden. Damit hat das wohl was zu tun.

Aber es gab ja mal eine Zeit, da forderten Punkbands dazu auf, ihre Platten weiterzukopieren, damit möglichst viele Leute davon mitbekommen.

Also ich persönlich kopiere und downloade sowieso keine Platten, denn ich liebe und kaufe Vinyl, was wiederum an meinem Alter liegen kann. CDs sind heute eben der Standard, und ich habe lange gebraucht, um mich daran zu gewöhnen. Was Downloading anbelangt, so kann man das nie ganz verhindern, denke ich. Aber die CD-Verkäufe sind zurück gegangen und das hat wohl auch damit etwas zu tun. Ich denke, Downloads sind gut für unbekanntere Bands, denen hilft das sicher. Aber ein Album zu machen, kostet eben auch Geld, ob das die Herstellung an sich anbelangt oder die Zeit im Studio. Ich bin also etwas gespalten in meiner Meinung zu Downloads, aber sobald eine CD offiziell raus ist, kann man sowieso nicht mehr verhindern, dass sie kopiert und zum Download angeboten wird.

Du findest also nicht, dass ihr die neuen METALLICA seid, die möglicherweise ihre Fans verfolgen?

Nein, wirklich nicht, denn es ist einfach unvermeidlich, dass Downloadversionen des Albums auftauchen werden – nur vor Erscheinen der Platte stört mich so was wirklich. Und klar, wir verlieren durch Kopieren und Downloaden Geld, aber wir spielen ja auch viel live, das gleicht das wieder etwas aus. Das Ganze ist einfach eine zweischneidige Angelegenheit.

Die Welt war eben einfacher, als alles noch analog war.

Ja, aber die Dinge verändern sich, das Internet ist allgegenwärtig, und wir sehen sowohl die Vor- als auch die Nachteile dieser Entwicklung. Vor drei, vier Jahren lief in der Bay Area, wo ich wohne, dieser ganze Dotcom-Wahnsinn ab, dieser Boom der Internet-Wirtschaft, der Unmengen von jungen Menschen in die Region saugte und ständig wurden neue Firmen gegründet. Damals stiegen die Mieten, weil diese Typen so viel Geld verdienten und jeden Preis bezahlen konnten, und es hieß, in Zukunft werde man alles online kaufen, sogar Lebensmittel. Und was ist heute davon übrig? Billige Büroräume, die wieder zu Wohnzwecken vermietet werden ...

Was machst du, wenn du nicht mit der Band beschäftigt bist?

Nicht viel. RANCID hält mich ziemlich beschäftigt, und ich habe nicht nur bei einem Song des TRANSPLANTS-Albums gespielt, sondern war auch bei der Tour als Bassist mit dabei. Irgendwas ist immer, und ich habe eigentlich kein Hobby, nein. Vielleicht sollte ich mir ja mal eins zulegen: Ich baue keine Flugzeug- oder Automodelle, ich mache keinen Sport, sondern schaue mir nur Baseball im Fernsehen an. Aber ich übe jeden Tag auf dem Bass, das ist doch auch schon was.

Matt, ich danke dir für das Interview.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #53 (Dezember 2003/Januar/Februar 2004)

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