Interviews & Artikel : STARDUMB RECORDS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

STARDUMB RECORDS

Not Just Another Pop-Punk-Label!

Ein Plattenlabel, das in letzter Zeit immer mehr durch kontinuierliche und professionelle Arbeit auf sich aufmerksam macht, ist Stardumb Records aus Rotterdam. Stefan Tijs (aka Stefan Stardumb) betrieb schon seit 1997 mit zwei Freunden das Label Little People Records, das aber irgendwann aufgrund unterschiedlicher Interessen der Macher aufgelöst wurde. Nachdem es seit 1998 aber schon das Stardumb Fanzine gab, gründeten Stefan und Kevin Aper, der Sänger/Bassist der APERS, letztendlich im Jahr 2000 das Label Stardumb Records. Wer fleißiger Konzertgänger ist, wird die beiden sicherlich auch schon mal getroffen haben, da Kevin ständig mit den APERS unterwegs ist, und Stefan die Bands seines Labels eigentlich auch ständig auf deren Touren begleitet. Seitdem ist auf Stardumb mittlerweile auch ein ganzer Schwung Releases rausgekommen. Musikalisch bewegt man sich dabei zwar schwerpunktmäßig im Pop-Punk, aber dass es in der Stardumb-Welt noch mehr zu entdecken gibt, erzählte Stefan Stardumb mir im folgenden Interview, das ich Ende letzten Jahres mit ihm führte.

Was ist eigentlich aus dem Stardumb-Fanzine geworden?


„Seit das Label besteht, haben wir noch ein paar Ausgaben gemacht, aber es ist schwer für uns, dafür noch Zeit zu finden. Das Label ist sehr zeitaufwendig! Im Moment muss man sagen, dass das Fanzine quasi tot ist, aber vielleicht machen wir irgendwann noch mal eine Ausgabe, man weiß ja nie ...“

Seit der Gründung ist Stardumb Records kontinuierlich größer geworden und hat ein professionelles Level erreicht. Wie viele Leute sind denn mittlerweile beim Label involviert? Und was ist der Job von Kevin Aper? Schreibt er nur die lustigen Linernotes?

„Haha, nun, Kevin und ich haben das Label zusammen gegründet, aber ich habe immer mehr Arbeit darein investiert, da er ja immer noch die APERS hat, die auch eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Zusammen mit der ganzen Bandarbeit wurde es halt zuviel für Kevin, alles in Einklang zu bringen – seinen Teilzeitjob, seine Labelarbeit und sein Privatleben. Deshalb hat er sich diesen Sommer entschlossen, aus dem Label auszusteigen. Das heißt, dass ich im Moment sozusagen einen Vollzeitjob beim Label habe. Dazu kommen noch Jerry Hormone von den APERS und Youri Member, die hier einen Teilzeitzeitjob haben. Dann gibt es noch eine paar Leute, die uns hier und da mit allem möglichen Zeug helfen wie Dennis On The Run aus Düsseldorf.“

Ihr legt viel Wert auf die Aufmachung von LPs und CDs, und auch auf die Tourplakate und den Internetauftritt. Machst du das alles alleine?

„Ich mache fast alles selbst, ja. Grafikdesign und Illustration ist mein erlernter Beruf. Man kann sagen, dass ich mit Design das Geld verdiene, was ich für das Label ausgebe, hehe. Ich bin in der glücklichen Lage, in ein bis zwei Tagen pro Woche genug Geld für Miete und Lebenskosten zu verdienen, so dass ich mich den Rest der Woche auf das Label konzentrieren kann. Die Designjobs, die ich für andere Firmen mache, sehe ich hauptsächlich als echten Beruf, den du halt machen musst, um über die Runden zu kommen.“

Aufgrund eurer Arbeit wird Stardumb mittlerweile gelegentlich auch als europäisches Pendant zu Lookout betrachtet. Ist das okay für dich?

„Es war nie ein Ziel von uns, das europäische Pendant zu Lookout zu werden, aber ich kann verstehen, wenn Leute das sagen. In den 90ern waren die meisten Lookout-Bands Pop-Punk-Bands, und auch die meisten Stardumb-Bands sind Pop-Punk-Bands. Wir haben jetzt sogar einige ex-Lookout-Bands auf unserem Label, also ist es von daher schon ganz verständlich, wenn uns Leute mit denen vergleichen. Allerdings hatten wir nie die Absicht, ein Pop-Punk-Label zu sein, da wir alle Arten von Rock‘n‘Roll mögen. Es war quasi ein Unfall, dass wir die Homebase für Pop-Punk geworden sind. Allerdings war unser Fokus von Anfang an auch die ganze Welt, aber da wir in Europa leben, ist Europa natürlich wichtig für uns. Es hat mich damals frustriert, dass alle meine Bekannten zwar amerikanische Bands kannten, aber keine Bands aus den europäischen Nachbarländern. Neben dem Wunsch, ein gutes und solides Label zu werden, das in der ganzen Welt bekannt ist, wollten wir Leuten innerhalb, als auch außerhalb Europas zeigen, wie viele tolle Bands es in Europa gibt. Durch Internet und mp3 ist es für kleine Bands viel einfacher geworden, sich zu promoten. Aber mit unseren ‚European Poppunk Virus‘-Samplern, den Stardumb Rumble Festivals in verschiedenen Ländern, dem Messageboard auf unserer Website etc., denke ich, haben wir auch ein wenig geholfen, die europäische Szene überschaubarer zu machen.“

Wie du schon gesagt hast, sind ja jetzt sogar amerikanische Zugpferde wie die GROOVIE GHOULIES und die QUEERS auf dem Label ...

„Für das Label und die europäischen Bands ist es auch wirklich gut, sie dabeizuhaben, da die meisten von ihnen bekannter sind. Dank dieser US-Bands bekommt das Label weltweit mehr Aufmerksamkeit, und in Ländern wie den USA und Japan haben wir auch eben wegen dieser Bands einen besseren Vertrieb.“

Wie läuft es denn weltweit mit den Plattenverkäufen bei Stardumb?

„In den USA läuft es sehr gut, aber es gibt natürlich einen großen Unterschied zwischen den Verkäufen von Bands, die dort bekannt sind und touren, und den Bands, die noch nie in den USA waren. In Japan läuft es auch ganz gut, also bin ich ziemlich glücklich mit all dem. In Europa ist es immer noch schwierig. In einigen Ländern haben wir immer noch keinen Vertrieb. Allerdings vertreibt Cargo uns seit 2003 in Deutschland, das ist super.“

Und wie viel verkauft ihr durchschnittlich von einer Stardumb-Platte? Und was verkauft sich besser: LPs oder CDs?

„Kleinere Bands wie die POPSTERS verkaufen vielleicht 600 bis 800 Scheiben. Größere Bands wie die GROOVIE GHOULIES und THE APERS verkaufen ein paar Tausend. Bands wie die BACKWOOD CREATURES liegen irgendwo dazwischen. CDs verkaufen sich aber definitiv besser. Es ist echt traurig, aber es wird immer schwieriger, Vinyl zu machen. Heutzutage eine LP zu pressen, kostet mehr als dreimal soviel, als eine CD zu machen, und du musst sie für weniger verkaufen. Ich persönlich liebe Vinyl, aber wir werden bald nicht mehr soviel Vinyl rausbringen. Wir können uns das einfach nicht mehr leisten.“

Übrigens habe ich gehört, dass Stardumb an Microsoft X-Box-Spielen beteiligt ist. Welche Bands sind dabei, und wie heißen die Spiele?

„Ja, ein paar Songs von den PEAWEES, METHADONES und BACKWOOD CREATURES wurden in zwei X-Box-Spielen benutzt. Die Spiele heißen ‚Cujo Slapshot Hockey‘ und ‚NFL Fever 2004‘, aber ich bin nicht sicher, wann sie veröffentlicht werden.“

Siehst du Stardumb als reines Pop-Punk-Label, auch aufgrund der „Pop Punk Virus“-Sampler?

„Wir sind kein Pop-Punk-Label! Wie schon gesagt, die ‚European Pop Punk Virus‘-CDs sind Sampler, mit denen wir der Welt zeigen wollen, was für eine Szene wir hier in Europa haben. Sie sind keine Label-Sampler. Wir haben immer unterschiedliche Musik rausgebracht, z.B. auch Garage/Surf wie BEYOND LICKIN‘, Scum-Punk wie die NERDS, Punk-Rock‘n‘Roll wie die PEAWEES, Sleazerock wie WISEGUY, A RADIO WITH GUTS, die mehr nach LEATHERFACE und frühen JAWBREAKER klingen. Ich mag diese Mischung, weil ich alle Arten von Musik mag. Mit dem Label konzentrieren wir uns auf eine reduzierte Bandbreite, aber mit dem Schwerpunkt auf Rock‘n‘Roll und Punkrock.“

Denkst du, dass Pop-Punk bzw. Punkrock heutzutage noch so wichtig ist wie noch vor ein paar Jahren? Die Qualität von „European Pop Punk Virus 2“ ist nämlich meiner Meinung nach im Vergleich zu „Virus 1“ deutlich abgesackt ...

„Da kann ich dir aber überhaupt nicht zustimmen. Für mich ist der ‚European Pop Punk Virus 2‘ viel besser als Volume 1. Auf Volume 1 wollten zu viele Bands genauso wie SCREECHING WEASEL und THE QUEERS klingen. Auf Volume 2 gibt es dagegen viel mehr Bands mit eigener Identität und eigener Herangehensweise an diese Art von Musik. Wenn wir aber über die allgemeine Wichtigkeit von Punkrock sprechen, habe ich das Gefühl, dass sich alles langsam aber sicher wieder in den Underground zurückzieht. Das heißt aber nicht, dass die Musik weniger interessant oder gut ist, es ist nur so, dass sich das Mainstream-Publikum nach etwas anderem umsieht. Das kann man nicht ändern, und das ist auch nicht wirklich schlimm. Das ist mit Punkrock schon vorher passiert, und es gibt ihn immer noch.“

Denkst du denn, dass sich mit Punkrock bzw. Pop-Punk noch was bewegen lässt, oder fehlen dort mittlerweile die Aussagen? Die meisten Bands, auch auf Stardumb, singen hauptsächlich über Mädchen, Surfen und Wochenendbeschäftigung etc.

„Pop-Punk mangelt es definitiv an Aussagen! Ich bin aber nicht sicher, ob das etwas mit Pop-Punk an sich zu tun hat, denn meiner Meinung nach sind die Leute im Allgemeinen zu oberflächlich. Sogar viele Leute, die über Politik sprechen, können sehr oberflächlich sein. Wenn du nur eine Schwarzweiß-Meinung über die Welt hast und nicht in der Lage bist, mit guten Argumenten über deine Standpunkte zu diskutieren, dann ist diese Meinung nicht viel wert. Aber um zurück zur Musik zu kommen: Ich denke nicht, dass jede Band über Politik singen sollte. Auch wenn ich Künstler wie Billy Bragg, Bob Dylan und auch neue Bands wie AGAINST ME mag, die eine Menge sozialer Statements in ihrer Musik machen, brauche ich nicht notwendigerweise Musik, um diese Meinungen zu hören. Ich lese Zeitungen, sehe die Nachrichten etc., und wenn ich dann eine Platte anmache, und die Band nur über ihr persönliches Leben singt, ist das kein Problem für mich. Ich meine, ich bin kein Musiker, aber ich mache hin und wieder Comics. In diesen Comics sind auch keine politischen Ideen vertreten. Das heißt aber nicht, dass ich diese Ideen nicht habe.“

Und was bedeutet Punkrock für dich persönlich?

„Ich bin nicht sicher ... Zuerst mal ist es nur ein Musikstil, den ich mag, aber andererseits teile ich auch viele Meinungen und Interessen mit Leuten, die auch in dieser Musik aktiv sind. Das macht Punkrock zu etwas Besonderem für mich. Ich mag es, zu reisen und Leute zu treffen. Im Moment habe ich Freunde in der ganzen Welt, und das ist möglicherweise das größte Geschenk, das ich durch Punkrock und die Labelarbeit bekommen habe.“

Was kann man in Zukunft von Stardumb erwarten?

„Wir werden weiter Platten raus bringen und Partys organisieren. Am besten seht ihr auf unserer Website nach, was demnächst anliegt. Wir arbeiten auch an einer Mailingliste.“

Was wirst du in ein paar Jahren machen? Immer noch das Label?

„Solange es Spaß macht, mache ich das Label weiter. Da ich von dem Label nicht leben kann, ist es mehr wie ein großes Hobby für mich. Und die Hauptsache bei einem Hobby ist, dass man es genießen kann. Wenn wir Glück haben und eines Tages wirklich groß werden, wäre das cool, aber wenn nicht, würde mir das auch nichts ausmachen. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Label und den Freundschaften, die sich dadurch entwickelt haben, also ist das schon mehr als genug. Ich kann dir jetzt nicht sagen, wie ich mich in zwei oder drei Jahren fühle. Vielleicht ist das Label viel größer, vielleicht ist es wie auf dem Level von heute oder vielleicht ist es gar nicht mehr da ... Wir werden sehen!“

Bernd Fischer

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #54 (März/April/Mai 2004)

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