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Interviews & Artikel

CELLOPHANE SUCKERS

Douchebags de Cologne

Köln ist schön, wenn man bereit ist über den grausigen Dialekt der Einheimischen hinwegzusehen und akzeptiert, dass sie mit Kölsch eine Plörre als „Bier“ bezeichnen, für die Braumeister anderswo aus der Stadt gejagt würden. Ein guter Grund Köln zu mögen sind die CELLOPHANE SUCKERS, die Erfinder des „Schweinrocks“, das Ergebnis langjährigen Konsums von sowohl gutem Rock‘n‘Roll wie reichlich Gerstensaft. Alle Jahre machen die Suckers eine neue Platte, und weil sie damit noch nie enttäuschten, nahmen wir auch den neuen Longplayer „Can‘t Say No“ zum Anlass, uns mal updaten zu lassen, was so ging und geht.

Als erstes gilt es die Schnauzbartfrage zu klären, also: Was für Drogen hat euer Sänger Sven gefressen, dass ihm dieser grausige Pornobalken unter der Nase gewachsen ist? Und warum lasst ihr das zu?

Hauke:
„Ist mir gar nicht aufgefallen, aber wenn das wirklich so ist, dann gibt‘s natürlich Ärger. Obwohl ... Der ist ja jetzt auch schon ‘nen paar Jährchen dran – I like it. Ein unendliches Drogenlager, dieser Schnorres ...“
Jan: „Irgendwas muss der Sven ja als gelernter Rheinländer aus der Heimat ins ferne Berlin mitbringen! Soviel Kölsches Kulturgut muss sein.“

Mit „Can‘t Say No“ habt ihr als Band eine soundmäßige Veränderung absolviert: Weniger brachialer Garagenpunk wie zu Frühzeiten, dafür gepflegter, geschwindigkeitsreduzierter, äh, Rock mit Hammond-Orgel. Ich würde lügen, würde ich nicht behaupten, dass ich da eine Parallele zu den HELLACOPTERS sehe. Wie kam‘s?

Hauke:
„Keine Ahnung, ist halt so passiert. Da war jetzt nichts geplant. Ein paar Songs sind auch schon zwei, drei Jahre alt, also das ging jetzt nicht von heute auf morgen. Eine Parallele zu den HELLACOPTERS besteht sicher, was die Entwicklung hin zu rockigeren Sachen angeht. Musikalisch sehe ich da aber auch nicht allzu viele Ähnlichkeiten. Ist halt Rock‘n‘Roll. Aber ich kann das sicher nicht so gut beurteilen, da mir natürlich die Distanz dazu fehlt.“
Jan: „Überhaupt finde ich das eher seltsam, dass der Sound laufend mit HELLACOPTERS, TURBONEGRO oder GLUECIFER verglichen wird, aber die alten Bands, die dahinter stehen, völlig vergessen werden. Es ist ja nicht so, dass wir versuchen, wie die Skandinavier zu klingen – was uns gerne vorgehalten wird. Die orientieren sich nun mal auch nur an Bands wie den STONES oder den STOOGES, da ist es kein Wunder, dass es Ähnlichkeiten im Sound gibt.“

Apropos Hammond-Orgel: Wer ist Stefan Mohr, wo ist euch der zugelaufen?

Hauke:
„Der war jahrelang unser Drogenbeauftragter und ist dann so hängengeblieben. Nee, den kennen wir schon von der Schule, mit Stefan habe ich schon als Teenie Musik gemacht, also er ist kein gecasteter neuer Sucker, sondern natürlicher Zuwachs. Er hat sogar unsere erste Platte mit aufgenommen, ist halt auch Tontechniker. Und er spielt ja nicht nur die Hammond, sondern auch E-Piano – zwei große schwere schwere Instrumente ...“
Jan: „Um es mal mit King Khan auszudrücken: Er schafft es, die Frauen mit dem Sound seiner Orgel da zu packen, wo keiner von uns anderen jemals hinfinden kann. Wenn das kein Argument ist. Ach ja, und er spielt ja nicht nur Rhodes und Hammond – sondern da gehört dann noch eine Leslie dazu: Drei große schwere Sachen zu schleppen.“

Hauke, du arbeitest bei Stefan Raabs Produktionsgesellschaft für „TV Total“. Wie kam‘s zu der Battle-Aktion mit den BACKWOOD CREATURES? Wie war das denn so?

Hauke:
„Ja, ich arbeite da, zusammen mit Nilz von den BACKWOOD CREATURES. Wie war das so? Wie es dazu kam, das erzählte ja schon Nilz in Ox #52 im BACKWOOD CREATURES-Interview: ‚Hauke von den SUCKERS und ich arbeiten schon seit Jahren bei Brainpool, der TV Total Produktionsfirma. Irgendwann kam es dann, dass wir mit unseren beiden Bands in die Show kommen sollten. Frei nach dem erfundenen Motto: Wir beide hätten am Schreibtisch immer Streit, welche die bessere Band ist, und wir wollten mal gucken, was die Nation darüber denkt.‘ Wir haben gesagt: ‚Watt soll‘s, wir machen das jetzt einfach ...‘ Genauso war‘s. Ja, war halt ganz lustig, manchmal nervig, hat mir/uns aber einige neue Erfahrungen beschert.“

Hat euch die Aufmerksamkeit durch „TV Total“ denn was gebracht außer einen Auftritt beim Hurricane? Oder habt ihr dafür letztlich nur Spott und blöde Sprüche geerntet? Wie manipuliert war das alles, wie sehr wurdet ihr manipuliert – oder könnt ihr ohne Anwalt gar nix sagen?

Hauke:
„Wir durften halt drei Tage inklusive Anhang und Chefmixer Terje auf dem Hurricane rumhängen, mit allem VIP-Quatsch, den ja sonst nur die fetten Bands bekommen, wie halt Nightliner, frei saufen, halbnackte Promo-Ischen usw. Das war schon lustig. Wenn sich irgendwer darüber aufgeregt hat, wie uncool wir sind, weil wir das machen, und dann auch noch bei TV Total, dann kriegt man das immer nur hintenrum mit. Hauptsächlich sind es andere Bands, die aber wahrscheinlich auch gerne ins Fernsehen gekommen wären, was weiß ich. Ist mir auch egal. Mir hat das kaum einer ins Gesicht gesagt, dass er das scheiße findet. Man darf das auch nicht alles so ernst nehmen. Dieses ganze Szene-Credibility-Gelaber geht mir sowieso auf den Sack, da muss ich niemandem was beweisen bzw. bin keinem Rechenschaft schuldig, außer mir selbst. Wer uns deshalb scheiße finden will, soll das ruhig machen. Wir haben ja deshalb jetzt nicht mehr oder weniger Erfolg. Der durchschnittliche TV Total-Zuschauer ist ja auch nicht gerade der Typ, der auf einen Suckers-Gig rennt, nur weil meine Fratze da im Fernsehen war. Vielleicht kennen jetzt mehr Leute den Namen, aber das heißt nichts. Wir spielen immer noch in den Clubs, in denen wir schon immer gespielt haben. Manipuliert war da übrigens nix.“
Jan: „Es war auch schon so, dass nur Hauke unter der ‚Berühmtheit‘ zu leiden hatte – wir anderen wurden nicht wirklich erkannt. Einmal im Köln-Bickendorfer Ghetto hat uns ‘ne Gruppe Jugendlicher ‚Ey, die Cellophane Suckers‘ hinterher gebrüllt, das war‘s aber auch schon. Dem Hauke wollten aber auch Kiddies in der U-Bahn den Platz freimachen. Ansonsten geht‘s mir genauso wie Hauke – direkt drauf angesprochen wurde man selten, und zu sagen, dass es uncool war, hat sich anscheinend auch keiner getraut.“

Was macht denn der Ernst des Lebens? Es gab ja eine Zeit, da waren wegen Sven und seinem Studium in Berlin kaum Auftritte möglich. Jetzt geht wieder alles? Was macht ihr so?

Hauke:
„Da hat sich nix geändert, ist eher noch schwerer, da Markus jetzt arbeitet, d.h. Freitags Gigs nur zwischen Köln und Berlin bzw. gar nicht. Da geht viel Geld für Reisen drauf, wenn irgendwer von so weit wegkommt. Wir proben alle zusammen auch nur ca. zehn Tage im Jahr, deshalb dauert es auch immer so lange, bis wir was Neues haben. Respekt vor uns selber, dass wir es überhaupt auf die Reihe gekriegt haben, die Platte aufzunehmen und auf Tour zu gehen, hehehe.“
Jan: „Da inzwischen ja auch alle arbeiten, geht für Touren halt der Jahresurlaub drauf – und/oder die Wochenenden. So gesehen ist die Lage kontinuierlich schlechter geworden. Wat soll‘s, es geht weiter. Solange es noch Spaß macht, und man nicht auf der Stelle tritt. Wir haben uns halt inzwischen an die Arbeitsweise gewöhnt, ohne Sänger vorzubereiten und später alles auszusortieren, was nicht direkt mit Sven funktioniert. Schade um manchen Song, der dann flöten geht, andererseits wirklich erstaunlich, dass es trotzdem funktioniert. Immerhin habe ich dadurch gelernt, gleichzeitig Bass zu spielen und zu singen – auch schön.“

Was macht Christophs Produzentenkarriere?

Christoph:
„Da gibt‘s nicht viel zu erzählen: Da ich eine Villa gekauft habe und jetzt ‘nen Porsche fahre, musste ich mir lukrativere Einnahmequellen suchen, um diesen Hobbys nachzugehen, hähähä. Im Ernst: In erster Linie habe ich sehr viel Zeit für die neue SUCKERS-Scheibe geopfert. Die kommt ja – wie man hört – sehr gut an, was mich natürlich sehr freut. Es gab darüber hinaus noch einige sehr interessante Projekte, bei denen ich als (Co)-Produzent mitgearbeitet habe. Als Beispiel sei hier die Gruppe WORKSHOP auf dem Label Sonig/A-Musik oder VON SPAR auf L‘Age D‘Or genannt. WORKSHOP ist sehr schwer kategorisierbare Musik, darum für mich hochspannend. Bei VON SPAR handelt es sich um so ein Elektro-Punk-Ding, eine richtig gute Live-Band übrigens. Es liefen aber auch noch einige andere Sachen nebenbei. Insgesamt könnte es aber gerne noch mehr sein. Womit ich hiermit noch mal kräftig die Werbetrommel für unser tolles Studio ankurbeln möchte.“

Auf eurer Tour im März war Mattes nicht dabei, dafür DUMBELL-Kollege Glen – wie kam‘s?

Hauke:
„Mattes hatte keine Zeit, und deshalb ist Glen eingesprungen. War ‘ne super Sache von Glen, und wir hatten auch viel Spaß. Glen ist ja nicht das erste Mal dabei, er hat vor drei Jahren schon mal Jan für drei Wochen am Bass vertreten. Prost, Bruder!“
Jan: „Das ist ja sowieso alles Inzucht in Köln – man hilft sich halt gerne gegenseitig. Und was Glen da hingelegt hat auf der Tour – allergrößte Hochachtung! Mal eben die ganzen Songs lernen und dann live nicht mit 20 Zetteln vor dem Amp rumstehen, sondern eine 1a Rock&Roll-Show hinlegen, das kann definitiv auch nicht jeder.“

Wo geht ihr denn derzeit in Köln trinken?

Hauke:
„Kiosk, Ballroom, bei mir, beim Chris, Blue Shell, Simrock“
Jan: „Den Rausch-Raum nicht zu vergessen.“

Zum Schluss bitte ich dann noch um die Erläuterung diverser Songtitel bzw. Texte: „Natural Born Douchebag“.

Sven:
„Eine naturbezogene Unterwassergeburt eines Tampons. Es geht eigentlich um einen Kindergeburtstag und all die Flaschen, die sich Eltern nennen. Der Text stammt übrigens von Jasper Hood, Deutschlands wichtigster Waliser von den großen MOORAT FINGERS bzw. SHAKIN‘ NASTIES aus Bremen.“

„Turbo White Strokes“.

Sven:
„Eine kleine Persiflage auf die ganzen gehypeten Bands und vor allem deren Unmengen von Nachahmern. Nix gegen die Bands – TURBONEGRO, WHITE STRIPES und die STROKES –, aber dieses Rauf und Runter in der Presse, NME-Sternchen für ein Jahr – ich will auch berühmt sein! Der Großteil des Textes ist übrigens ebenfalls von Jasper.“

„Little Sister Rock‘n‘Roll“.

Sven:
„‚Sister Morphine‘ war schon vergeben.“

„Drink until you can‘t say no“.

Jan:
„... put a needle in your back – drink until you can‘t say no. Wat soll man dazu noch sagen?“
Sven: „Na ja, es gibt halt verschiedene Taktiken, einen Partner für die Nacht zu finden. Aussitzen und so lange warten, bis nur noch eine/r übrig ist. Ist ein Klassiker, den vor allem schwerere Frauen gerne anwenden. Cool sein, einen vortanzen, sich mal ordentlich anziehen sind andere. Hier geht‘s um die Methode abfüllen und mal locker machen.“

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #55 (Juni/Juli/August 2004)

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