Interviews & Artikel : MONSTERS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

MONSTERS

Touring is never boring

Die Schweizer Garage-Trash-Punk-Rock‘n‘Roller THE MONSTERS waren im November 2003 in Argentinien und Brasilien auf Tour und spielten abschließend auch noch in New York – Frontmann und Labelboss Beat-Man schrieb fürs Ox mit ...

enn man als Band in Südamerika spielen will, muss man wissen, dass dafür eine höllische Vorarbeit nötig ist. Diese Arschkarte hatte Swan-Lee gezogen, der Drummer der MONSTERS. Er hatte mit den Behörden zu reden, Arbeitsbewilligungen erstellen zu lassen, probierte dann von diversen Kultur-Organisation Geld zu bekommen, was wir dann auch von Pro Helvetia und der Stadt/Kanton Bern bekamen. Die finanzierten uns die Flüge, denn das ist das teuerste dabei, fünf Nasen mit Instrumenten nach Argentinien, Brasilien und den USA zu kriegen.

Argentiniens Wirtschaft ist so enorm am Boden dass man das kaum glauben kann. Wenn wir zum Beispiel Essen gegangen sind – Churasco-Style, T-Bone-Steaks und Spareribs, Wein, Bier und Schnaps bis zum Abwinken, also fünf Stunden Essen – sind wir pro Person auf etwa vier Euro gekommen! Das heißt mit anderen Worten, dass die Gagen auch dementsprech-end sind, aber die Argentinier sind enorm gastfreundlich, Geld gibt‘s eh nicht mehr viel und so tauscht man eben. Es ist Klasse, das mit anzusehen und dabei mitzumachen.

Der erste Gig war in Buenos Aires, eine riesige Stadt. Nico von den HISTORIA DEL CRIMEN, der alles organisiert und uns eingeladen hatte, kam uns am Flughafen abholen, dann ab in das Lokal, wo etwa 700 Leute warteten. Es war ein zweitägiges Event mit lokalen Bands und welchen aus Uruguay und Brasilien. Am ersten Tag waren wir Headliner und GUITAR WOLF die nächsten. Ich hatte ja leichte Vorurteile und dachte, dass Südamerikaner nicht soviel mit Trash und Rock‘n‘Roll anfangen können, doch ich lag total falsch mit meiner Vermutung. Es ging ab wie Sau, und Nico hat uns dann noch ein nettes Präsent beschert. Mitten in unserer Show kamen zwei argentinische Schönheiten auf die Bühne, um sich ihrer eh schon wenigen „Kleider“ zu entledigen. Das hat uns die Hosen wachsen lassen und das Publikum dazu bewegt, sich nun endgültig die Seele aus dem Leib zu schreien. Das Bühnenpersonal war gut beschäftigt, denn jedes Mal, wenn ich gerade meine Gitarre ins Publikum geworfen hatte, um ihr dann nachzuhechten, kamen diese Jungs und rissen mich wieder raus aus dem Getümmel – und die Gitarre auch. Scheiße, habe ich mir gedacht, und dasselbe Spiel ging wieder von vorne los. Ich ab ins Publikum, und das nicht nur einmal, sondern das ganze Konzert hindurch! Dasselbe dann am nächsten Abend mit GUITAR WOLF ...

Beim Festival sind mir THEE BUTCHERS ORCHESTRA aus Brasilien am meisten in Erinnerung geblieben, die alles auf spanisch gesungen haben. Dann THE TANDORIS mit GORIES-angehauchtem, primitivem Rock‘n‘roll-Soul-Blues-Punk, eine Hammerband mit einer Atombombe als Schlagzeuger. Hab mit ihnen noch lange gesoffen und mache jetzt auch eine Platte auf Voodoo Rhythm. Dann haben die BUFFOLO BILLYS gespielt, das ist so ein in Brian Setzer Verliebter mit Swing-Orchester, was nett war, aber mich nicht vom Sessel gehauen hat. Die ZORROS PETARDOS SALVAJES, eine Mischung aus Surf, Rock‘n‘roll und den RAMONES, und HISTORIA DEL CRIMEN, beide aus Argentinien, die traditionellen Old-School-Psychobilly und Rockabilly machten, der mir vorkam wie Ostblock-Rockabilly Mitte der 80er, waren super geil. An beiden Abenden war der Laden randvoll mit Leuten, die von der ersten bis zur letzten Sekunde am Tanzen und Saufen waren. Alle waren sturzbetrunken, aber anders als in unseren Regionen wurde es nie aggressiv. Im Gegenteil, die Leute wurden immer freundlicher, und man hatte auch immer mehr Spaß – bis zum obligatorischen Gruß-Gesang an der Kloschüssel ... Und die Frauen waren der Hammer, ich habe noch nie in meinem Leben so schöne Frauen gesehen wie in Argentinien. Egal ob 16 oder 80, jede hält was auf sich, macht sich schön und ist stolz, eine Frau zu sein. Wunderschön das mit anzusehen: Die Jungs kratzen sich ständig an der Eichel und die Weiber sehen geil aus ... Ist das Leben nicht grandios?
Am nächsten Tag spielten wir noch als REVEREND BEAT-MAN mit GUITAR WOLF zusammen. Die Japaner waren der totale Hammer, ein Gig voller Noise und japanischem Machogehabe. Ihre Songs bestehen fast ausschließlich aus Anfang und Ende, dazwischen gibt es eigentlich überhaupt nichts. Wir haben dann noch mit den Jungs gesoffen – sie wollten Schnee, wir wollten frisches Fleisch!
Am Tag darauf hatten wir noch eine Radio-Show mit zwei Millionen Zuhörern im nationalen argentinischen Jugendradio. Wir durften sechs Songs spielen, gaben ein Interview usw. Das ganze Radio-Team war auch schon beim Gig gewesen. Wiedersehen macht Laune!

Natürlich ist in Buenos Aires die Armut auch auf der Straße zu sehen. Da gibt es welche, die Kartons sammeln und das dann probieren zu verkaufen, man nennt sie „The White Army“ oder „Cartoneros“. Aber auch der Umgang mit den Armen und Bettlern hat mir imponiert, wie das Betteln toleriert wird, und arme Leute nicht als Abschaum angesehen werden. Die sind immer noch Teil der Gesellschaft, auch wenn sie arm wie Sau sind, und man sieht‘s, da sie noch lachen können.
Am gleichen Tag waren wir noch beim Fußball Stadtderby von Buenos Aires: Bocca Juniors gegen River Plate. Das Stadion war doppelt ausverkauft, und wir standen in der Bocca-Ecke rum. Alle haben nur gesungen, vom Anfang bis zum Ende. Bei jedem Tor hat‘s Pogo gegeben, echten Hardcore-Pogo, glaubt mir! Praktisch keine Frauen im Stadion, dafür vor dem Spiel Tango auf dem Feld. Bocca hat natürlich gewonnen und es war ein super Game! Danach wieder Fleisch essen, bis einem die Ohren wackelten ...

Von Buenos Aires sind wir dann nach São Paulo geflogen, eine 25-Millionen-Stadt, von der man sagt, dass es eine der gefährlichsten Städte der Welt sei. Dem war auch so, denn dort gibt‘s eigentlich keine räumlich begrenzten Slums, die Slums sind vielmehr über die ganze Stadt verteilt: Neben einem Bonzenhaus steht eine Bretterbude und so weiter. Das erste Konzert in Brasilien war in Rio Claro, eine „kleine“ Stadt mit einer Million Einwohnern. Wir hatten, wie auch nicht anders erwartet, eine Death-Metal-Band als Vorgruppe, habe aber den Namen vergessen, der irgendwas mit Tod zu tun hatte. Das Publikum war sehr jung. 70% Mädels und 30% Jungs, wie übrigens fast bei jedem Konzert in Südamerika, und alle waren sturzbetrunken. Dazu muss man noch sagen, dass wir in Brasilien und Argentinien immer etwa vier bis fünf Vorbands hatten und die Konzerte immer erst um Mitternacht angefangen haben. Also waren wir immer so gegen vier Uhr morgens dran, was dort ganz normal sei. Man geht um 23 Uhr Essen und um Mitternacht ging es ins Nachtleben – und das die ganze Woche durch. Ein Paradies, lasst uns Auswandern! In Rio Claro hatten wir eine 18-jährige auf der Bühne, die tanzen wollte und nicht mehr runtergehen wollte. Sie fragte mich immer, ob sie noch einen Song länger bleiben durfte. Ich sagte Ja und habe dann auch etwas mit ihr „rumgespielt“, bis ihr Freund eifersüchtig wurde und es eine Krise gab ... Aber nach ein paar Minuten waren wieder alle am Tanzen. Brasilien ist geil!

Die ganze Brasilien-Tour hatte Vlad von OS CATALEPTICOS organisiert, mit Fahrer und Auto usw. Einen Tag später haben wir in São Paulo gespielt, im legendären Black Jack. Das ist der Club, wo SEPULTURA ihre ersten Gehversuche gemacht haben. Wir spielten wieder zusammen mit dem fantastischen THEE BUTCHERS ORCHESTRA und mit den THE HONKERS aus dem Norden von Brasilien, und die waren ein Spektakel! Der Sänger war eine Mischung aus Pee Wee Hermann und GG Allin, lag, kroch, stand, torkelte splitternackt ausgezogen auf dem Boden rum. Er hat den Fußboden abgeleckt, aus Schuhen getrunken, und wir haben uns halb totgelacht. Und die Leute sind geflüchtet, als er mit seinen braunen Unterhosen durch den Saal zog. Die sollte man mal nach Europa holen - der schrägste Haufen von Musikern auf einer Bühne, den ich je gesehen habe. Der Bassist ist ein Black-Afro-Funk-Bassist und der Gitarrist ein Taco-Verkäufer, der Schlagzeuger ein Metaller und der Sänger ein Student, der eine Maurerlehre gemacht hatte, und dann im Knast mehrmals in den Arsch gefickt wurde. Zusammen machen sie eine Mischung aus 77er-Garage-Punk und Ska.

Geschlafen haben wir irgendwo im Rotlichtdistrikt, wo wir dann unseren Fahrer plötzlich aus den Augen verloren. Der hat sich eine schöne Nacht mit einer Schönen gemacht. Wir waren alle im Hotel, wo gerade eine Gruppe von Schönheitsköniginnen einquartiert war. Allesamt bulimiekranke, ausgehungerte Kinder mit Brüsten wie die Bardot. Am nächsten Tag dann eine achtstündige Fahrt nach Londrina, wo es uns wieder fast die Schuhe ausgezogen hat. 70% der Anwesenden waren Frauen, und jede einzelne hätte die Miss Schweiz werden können, das war ja kaum mit anzuschauen ... Das Konzert war so halbes Open Air mit einigen Vorbands. Eine hieß FRENETIC TRIO, eine Mischung aus Death Metal und Psychobilly, was wirklich geil war. Mit anderen Worten, mische CELTIC FROST mit BATMOBILE und du hast das FRENETIC TRIO. Uns haben sie das erste Mal auf dieser Tour nicht so verstanden, die wollten einfach Psychobilly, und wir machten Trash, das war ihnen etwas wohl zuviel ...

Dann war das Transylvania Express Festival in Curitiba angesagt, wo sie auch 700 Leute erwarteten. OVOS PRESLEY waren der Hammer, eine Art von Latino-Punk-Rock‘n‘Roll. Ebenso wie OS CATALEPTICOS mit ihrem Ultra-Speed-Psychobilly, die ja in Europa und USA sehr erfolgreich sind. Unser Gig kam wieder hammermäßig an, alle Weiber auf der Bühne am abshaken, da ist es abgegangen wie die Hölle, und wir haben keinen Wunsch unerfüllt gelassen. Der Vlad war oberglücklich ...

Das war dann auch unser letzter Gig in Brasilien. Von Curitiba sind wir nach New York geflogen, und dort angekommen hat uns Mike Decay mit einem Affenkostüm empfangen. Wir pennten in seiner 3-Zimmer-Wohnung mit 17 Leuten - verdammt eng, eine Toilette, Haarspray ohne Ende. Am anderen Tag wurden wir in eine eigene Wohnung verlegt ...
Der erste Gig war in ... Scheiße, mal wieder den Namen vergessen. War aber geil, zusammen mit den DEFECTORS, die eine klasse Garage-Punk-Orgie feierten. Dann noch mit den THE BRIMSTONES, die Sau-extrem geil waren, eine Mischung aus Horrorfilm-Soundtrack, Surf und Garage-Punk-Trash. Vor dem Konzert ist mein Fuzzpedal noch vor die Hunde gegangen, und so musste ich durch die ganze Stadt rennen, um ein neues zu besorgen. Hab‘ ich auch gefunden, und unser erster USA-Gig hat dann super geklappt, dazu haben wir noch viel Merchandise verkauft. Dann haben auf unseren drei Gigs in New York noch EVIL DEVIL gespielt, eine italienische Psychobilly-Band.

Am Tag danach hatten wir die Ehre, im legendären Maxwell‘s gastieren zu dürfen, dort wo schon VELVET UNDERGROUND gespielt hatten. Der Club wird jetzt vom Telstar Records-Chef Todd Abramson geführt, den ich persönlich kenne. Und das Essen war der Hammer! Von diesem Abend sind mir die MONKY BUTTLERS in Erinnerung geblieben, eine ultrageile Trash-Garage-Show (alle in billigen Affen-Kostümen und wirklicher Trash). Es kamen wieder viele, viele Leute zu der Show und feierten ordentlich. Die Mädels waren alle supersüß, und die Jungs hatten meistens Fett in den Haaren. Wir spielten an diesem Abend als REVEREND BEAT-MAN, mit den MONSTERS als Backing-Band. Die Show kam super an, war auch klasse in einem Land zu spielen, wo die Leute meine Texte verstehen.

Am Tag danach waren wir im noch legendäreren CBGB‘s, ich freute mich schon seit Monaten auf diesen Gig. War dann aber ziemlich enttäuscht, denn den Club hat jemand übernommen, der besser in einer Bank oder als Buchmacher arbeiten sollte. Eine Massenabfertigung, also etwas ganz anderes als zum Beispiel im Wild At Heart in Berlin. Im CBGB‘s bist du keine Band mehr, dort bist du ein Produkt. Wir waren dann auch Headliner und die einzige Band, die Gage bekommen hat. Das hat uns auch genervt, weil alle anderen Bands super geil waren. Wir hatten die KINGS OF NUTHING als Vorgruppe, und die sind ja wohl der Oberhammer, oder etwa nicht? Die waren extra aus Boston gekommen, nur für diesen Gig. Acht Stunden Fahrt, und nach dem Gig mussten sie direkt wieder nach Hause, weil sie am anderen Tag arbeiten mussten. Autsch! Unser Gig war der Beste der ganzen Tour, wie ich fand. Wir haben auf der Bühne so laut gedreht wie möglich, und unser Mischer Pumi hat noch einen Zahn zugelegt, so dass sich der Hausmischer fast die Haare rausgerissen hätte, haha. Feedback ohne Ende ...

Beim ersten Ton sind die Leute dann erst mal einen Schritt zurückgegangen und haben sich die Ohren zugehalten. Aber man gewöhnt sich ja an alles, und von da an ist es nur noch abgegangen. Sie wollten uns nicht mehr von der Bühne lassen, wir haben alles gegeben, ebenso wie auch das Publikum. Was wir wiederum goutiert haben und das Publikum dann auch wieder goutiert hat, bis es zu einer Goutier-Überdosis gekommen ist und alles goutiert wurde, was nur goutiert werden konnte ... Damned, so war es! Am Schluss hat‘s Bier gegeben, Jens O Matic hat auch noch Schallplatten aufgelegt und die geilsten Scheiben losgelassen, die wir auf dieser Tour hören durften.

Das war dann auch der Schluss der Tour und es ging wieder zurück in die Schweiz, von wo es dann gleich weiter nach München und Berlin ging, mit VELVET HAMMER SHOW und 50 FOOT COMBO, wo ich mich in die schönste Frau verliebt habe, die ich je in meinem Leben gesehen habe, und die ich heiraten werde, um dann mit ihr 100 Jahre in Frieden zu leben, mit 300 Kindern, die alle eine Trash-Band gründen werden ...

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #55 (Juni/Juli/August 2004)

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