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Interviews & Artikel

FIRESIDE

Mit "Uomini D´Onore" hat das schwedische Quartett FIRESIDE gerade ein vorzügliches Album abgeliefert, das bei vielen Musikliebhabern hoch im Kurs steht. Doch damit nicht genug: mit "Hello Kids" steht Anfang ´99 gleich die nächste Veröffentlichung an - eine Doppel-CD mit raren B-Seiten, unveröffentlichten Songs und interessanten Coverversionen. Grund genug, die Band einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Zuvor schleppte ich die Jungs allerdings noch aufs Münchner Oktoberfest, wo sie bei einer Maß Bier ihren Ohren nicht trauten: bayerische Blasmusik ist eben doch etwas gewöhnungsbedürftig!

Würdet ihr euch bitte kurz vorstellen und euer Meinung zum Oktoberfest äußern.

Kristofer: Hi, ich bin Kristofer, der Sänger und Gitarrist.

Frans: Ich bin Frans, der Bassist von FIRESIDE - das Oktoberfest ist verdammt laut, bizarr und amüsant. Ein riesiges Fest, wie es in Schweden in dieser Größe niemals möglich wäre, da die Leute in Schweden auf Alkohol wesentlich aggressiver reagieren. Da hätte es ohne Übertreibung schon nachmittags schwere Schlägereien gegeben.

Interessant. Und nun die perfekte Überleitung vom Massenbesäufnis zur Musik: Was haltet ihr von JOY DIVISION?

Frans: Du meinst die englische Band?

Genau die! Ihr wurdet nämlich in einigen Artikeln wegen eures basslastigen und sehr ausdrucksstarken Sounds mit JOY DIVISION verglichen, obwohl ihr natürlich keine düstere Wave-Band seid.

Kristofer: Das war damals der A&R-Typ von unserem ehemaligen Label American Recordings, der hat diesen Vergleich in die Welt gesetzt. Zumindest in Schweden sind wir noch nicht mit JOY DIVISION verglichen worden. Aber grundsätzlich ist das natürlich ein sehr schmeichelhafter Vergleich, der uns ehrt, da Ian Curtis & Co. eine der intensivsten Bands überhaupt waren.

Ihr werdet oft und gerne auch in die Emocore-Ecke gestellt. Seht ihr euch denn als Teil dieser Szene?

Frans: Nein, wir wollen eigentlich nicht mit Emocore-Bands verglichen werden. IGNITE oder SAMIAM spielen meiner Meinung nach Emocore, womit wir musikalisch nicht viel zu tun haben, obwohl wir diese Bands großartig finden. Ich sehe uns im weitesten Sinne als Rock-Band, nicht als Emo- oder Hardcore-Band, da wir uns keiner Szene richtig zugehörig fühlen. Wir machen zwar relativ harte Musik mit emotionalen Texten, aber warum sollte man das automatisch gleich als Emocore bezeichnen?

Ihr seid ja 1996 auch zu Schwedens bester "Hardrock-Band" gewählt worden. Wie konnte denn das passieren? Bei "Hardrock" muß ich persönlich immer gleich an BON JOVI oder KISS denken!

Kristofer: (Gelächter) Bei uns in Schweden gibt es keinen "Alternative-Award" oder etwas ähnliches. Es gibt nur solche Kategorien wie Pop, Dance oder eben Hardrock. Und so mutierten wir halt zu Schwedens bester Hardrock-Band.

Köstlich! Aber wieso gibt es keinen "Alternative-Award"? Es existiert bei euch doch mittlerweile eine relativ große Underground-Bewegung, ich nenne bloß mal Burning Heart Records als Beispiel. Bands wie z.B. MILLENCOLIN, NO FUN AT ALL, THE REFUSED oder BREACH sind auch hierzulande längst keine Unbekannten mehr.

Kristofer: Keine Ahnung, aber BREACH sind gute Freunde von uns, die aus der selben Heimatstadt kommen, obwohl wir aus musikalischen und ökonomischen Gründen mittlerweile nach Stockholm gezogen sind.

Was haltet ihr eigentlich von der ganzen skandinavischen Punk´n´Roll-Szene, die zur Zeit ganz schön boomt?

Frans: Da muß ich jetzt aufpassen was ich sage, da wir mit einigen dieser Bands gut befreundet sind.

Kristofer: Ich find die HELLACOPTERS und die BACKYARD BABIES ziemlich gut, aber nicht alle Kombos dieser Musikrichtung gefallen mir. Aber um nochmal auf die schwedische Underground-Szene zurückzukommen: In Schweden ist es so, daß eine Band wie z.B. MILLENCOLIN, die "zu groß" wird, plötzlich von vielen Leuten nicht mehr gehört wird, da sie dann als Teil des Mainstream gilt. Es ist zwar verrückt, aber ich kenne niemanden mehr, der so einen Sound wie MILLENCOLIN hört, obwohl wir früher mit unserer ersten Band SUPERDONG selbst Skatepunk bzw. Melodycore gespielt haben. Aber das war lange vor FIRESIDE.

Was sind denn zur Zeit eure absoluten Lieblingsbands?

Kristofer: Hmm, schwer zu sagen, ich mag z.B. die RED HOUSE PAINTERS sehr gerne.

Frans: SHELLAC oder THE JESUS LIZARD.

Und bestimmt auch viele Bands, die in den 80er Jahren ziemlich einflußreich waren, oder?

Frans: Ja, definitiv.

Ich habe danach gefragt, weil demnächst ein Doppel-Album von euch herauskommen soll, auf dem unveröffentlichte Songs, rare B-Seiten und auch einige Coverversionen drauf sind, u.a. von HÜSKER DÜ und SONIC YOUTH.

Kristofer: Korrekt, in Schweden ist das Teil über Startracks gerade veröffentlicht worden, in Deutschland wird es wohl Anfang '99 über Stickman Records auf den Markt kommen. Auf der zweiten CD befinden sich insgesamt neun Coverversionen, u.a. von TELEVISION, SUICIDE, DEPECHE MODE, SONIC YOUTH, DINOSAUR JR. und HÜSKER DÜ. Daran kann man tatsächlich ablesen, daß wir von den 80ern beeinflußt worden sind.

Themawechsel - stimmt es, daß ihr die einzige europäische Band seid, die jemals beim Lollapalooza-Festival teilgenommen hat?

Frans: Stimmt schon, wenngleich das gar kein so tolles Erlebnis für uns war, wie man vielleicht meinen könnte. Am Anfang des Sets waren jedesmal nur knapp 100 Leute da, wenig später waren es dann schon 2.000, und am Ende des Gigs waren es dann bloß noch 200. Irgendwie hat uns das eher an eine Völkerwanderung als an ein Musik-Festival erinnert, besonders wenn man schon wie wir um 12 Uhr mittags spielen mußte. Insgesamt hat uns die Teilnahme nicht besonders viel gebracht.

Warum ist eigentlich die letzte geplante Tour mit THE PROMISE RING gecancelt worden?

Kristofer: Unser Gitarrist Pelle, der ein eigenes Tonstudio besitzt, war zu dieser Zeit mit diversen Aufnahmen stark beschäftigt, so daß die Tour leider abgesagt werden mußte.

Was hat es mit dem italienischen Albumtitel "Uomini D´onore" auf sich?

Frans: Der Titel hat eigentlich keine tiefere Bedeutung, er bedeutet soviel wie "Männer der Ehre". Es handelt sich also um jemanden, auf den man sich verlassen kann. Es heißt auch, daß wir uns innerhalb der Band auf den anderen verlassen können und daß FIRESIDE ein ernstzunehmendes Projekt ist.

Auf die Texte ist ja in gewisser Art und Weise auch Verlaß - stets geht es um sehr persönliche Themen wie Einsamkeit und Schmerz. Man kann sich mit den Texten sehr gut identifizieren, da jeder schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Frans: Richtig, das ist auch das Hauptanliegen von FIRESIDE: Den Hörer ehrlich und emotional zu berühren. Unsere Fans merken, daß unsere Musik Herz und Seele hat.

Politische Aussagen und Ziele verfolgt ihr mit FIRESIDE aber überhaupt nicht, oder?

Kristofer: Nein, obwohl Politik eine sehr ernstzunehmende und wichtige Sache ist. Wir könnten gar keine politischen Texte schreiben, da wir von Politik nicht genügend Ahnung haben, obwohl natürlich jeder von uns eine eigene politische Meinung hat. Nein, predigen wollen wir nicht, deshalb gibt es bei uns eine klare Trennung von Politik und Musik.

Stimmt es eigentlich, daß ihr mehr weibliche als männliche Fans habt?

Frans: Als wir anfingen ganz bestimmt nicht, da unsere Wurzeln doch in der Hardcore-Szene zu finden sind. Und Hardcore ist leider größtenteils immer noch Männersache. Aber vielleicht haben wir im Lauf der Jahre ja tatsächlich einige weibliche Fans dazugewonnen, unsere Musik ist ja auch ein wenig softer geworden.

Ihr seid im Prinzip auch gar nicht so scharf darauf, daß die Leute auf euren Konzerten wild rumtanzen, nicht wahr?

Frans: Ja, es bedeutet uns mehr, wenn die Leute konzentriert zuhören. Grundsätzlich haben wir natürlich nichts gegen tanzende Konzertbesucher, wenn ihnen die Musik wirklich gefällt. Es gibt aber auch viele Menschen, die - Stichwort Moshpit - nur rumhampeln, weil es sich um harte Musik handelt, ohne dabei genauer zuzuhören.

Würdet ihr zustimmen, wenn ich behaupte, daß das aktuelle Album "Uomini D´Onore" nicht so eingängig und tanzbar wie der Vorgänger "Do Not Tailgate" ausgefallen ist, obwohl er insgesamt etwas softer ist?

Kristofer: Gut möglich, daß das neue Album etwas verschachtelter ausgefallen ist, weshalb es wohl etwas mehr Zeit braucht, um sich in den Gehörgängen festzusetzen.

"Do Not Tailgate" klang meiner Meinung nach sehr stark nach der New Yorker Emocore-Legende QUICKSAND.

Kristofer: Mit denen sind wir schon sehr oft verglichen worden. Um ehrlich zu sein: Bands wie FUGAZI oder QUICKSAND brachten uns mit ihrer genialen Musik dazu, selbst Musik zu machen. Von daher ist der QUICKSAND-Vergleich durchaus berechtigt. Aber die neue Platte klingt wirklich nicht mehr nach QUICKSAND.

Mir fällt auf, daß in eurer Musik und in eurem Auftreten klassische männliche Klischees konsequent vermieden werden.

Frans: Gut beobachtet, bei uns gibt es tatsächlich keine dicken Muskeln, Tätowierungen und Tough Guy-Gehabe, so wie das Bands wie z.B. BIOHAZARD vormachen. Aggression richtet sich bei und eher nach innen als nach außen. Wir schieben die Schuld ungern auf die Gesellschaft oder die Politik, wenn es uns schlecht geht, suchen wir die Schuld primär bei uns selbst. Jeder kennt diese Gedankengänge: "Dies und jenes hätte ich anders machen sollen, dann..." Aggressives Verhalten gegenüber der Umwelt ist nicht unser Ding - außerdem würde das nur lächerlich aussehen, da wir alle ziemlich schmächtige Bürschchen sind. Aber wer weiß, vielleicht fangen wir ja bald mit Bodybuilding und Ganzkörper-Tattoos an....

Da habt ihr aber noch eine ganze Menge Arbeit vor euch. Vielen Dank für das Interview.

Elmar Salmutter

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #33 (IV 1998)

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