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Interviews & Artikel

POISON IDEA

Punk Rock Jihad!

Bei der heutigen endlosen Plage von glatten Boybands, die mit gefärbten Designerfrisuren, falschen Tätowierungen und MTV-Rebellion auf Punkrock machen, ist es schön, eine der berüchtigsten, nihilistischsten and chaotischsten Bands der Welt zu sehen. Poison Idea, Portlands Hardcore Punx, hinterlassen mit ihren „Violent Tunes“ und „unruly drunken behavior“ bereits seit den frühen 80ern überall nur Verwüstung. Traurigen Ruhm erlangten sie auch als „schwerste“ Punkband, mit Sänger Jerry A. und Gitarrist Pig Champion hatten sie ungefähr 900 Pfund Lebendgewicht in ihren Reihen. Dann verschwanden sie Mitte der 90er, und ließen einen beeindruckenden Backkatalog an Veröffentlichungen zurück. Eine Dekade später ist Jerry mit neuem Line-Up und neuer Platte in der Mache wieder auf Tour, was mir die Gelegenheit gab, mich mit Jerry etwas zu unterhalten, der zwar ein bisschen seinen Körperumfang reduziert hat, jedoch nicht seinen Alkoholkonsum. So hatte Jerry wohl schon zwei Flaschen Wein in zehn Minuten runtergekippt, bevor ich überhaupt mit ihm sprach. Später fragte er mich noch, ob ich irgendwelche harte Drogen hätte. Während ihrer Show verschwanden dann noch zwei Flaschen Whiskey. Gute alte Gewohnheiten kann man halt schwer wieder ablegen ...
Euer letzter Auftritt in Kopenhagen muss 1990 gewesen sein. Kannst du mir eine kurze Zusammenfassung davon geben, was mit Poison Idea passiert ist, seitdem ich euch das letzte Mal gesehen habe?

„Na ja, am nächsten Tag sind wir aufgewacht, und ich habe versucht, eine Dusche zu nehmen, haha. Wir fuhren nach Oslo, und es war das erste Mal, dass Hank für Turbonegro sang, sie eröffneten die Show für uns, es war seine erste. Danach fuhren wir nach Schweden und spielten mit Disorder. Lass mich überlegen ... Wir gingen nach England, und Tom, Pig Champion, sagte, dass er nicht mehr länger mitspielen möchte – keine zweimonatigen Touren mehr in einem klapprigen Bus. Dann kamen wir zurück nach Portland, und hatten einen ziemlich heftigen Streit. Dann fing ich an, in einer Band mit meiner Frau zu spielen.“
The Gift, nicht wahr?
„Ja, sie nervte mich immer: ‚Warum nimmst du mich nicht mit auf Tour?‘ Weil es keinen Spaß macht, es ist fürchterlich, deshalb! Ich gründete eine Band mit ihr und Slayer Hippy, wir machten eine Platte, eine Tour, und sie sah, dass es keinen Spaß macht. Dann gingen wir zurück nach Amerika, und sie ließ sich von mir scheiden. Sie warf mich raus, und ich lief eine Zeit lang wie verrückt durch die Gegend und beging Verbrechen. Ich habe niemandem wehgetan, nur Bank- und Scheck-Betrügereien, solche Sachen – nur fürs Geld. Aber es war verrückt, viele Leute starben an Drogen ...“
Was kannst du mir über die neuen Mitglieder sagen? Pig lebt ja jetzt bei seinen Eltern, richtig?
„Also, Pig spielt immer noch mit uns, wir haben gerade eine neue Platte aufgenommen. Aber er wollte nicht mit uns nach Europa kommen. Aber als wir im CBGBs an der Ostküste, Boston, und im Whiskey A Go-Go in L.A. spielten, da spielte er mit uns die Shows. Wir haben ihn dann gefragt: ‚Willst du mit uns nach Europa, im Bus sitzen und auf dem Boden schlafen?‘ Und das wollte er nicht. Ich suchte dann nach einem Drummer für all die Shows in Portland. Und es gab da diese Black Metal-Band, und der Drummer war wirklich gut. ‚Das ist mein Mann‘, dachte ich. Wir tranken ein Bier zusammen, er wusste, wer ich war, und ich fragte ihn: ‚Willst du bei Poison Idea mitspielen?‘ Und was den Bassisten angeht ... Poison Idea hatte immer schlechte Bassisten, jedenfalls, soweit es kaputte Irre betrifft. Glenn und Mertle zum Beispiel. Mertle always had the shit beaten outta him, haha.“
Habt ihr einen Namen für das neue Album?
„Zuerst wollten wir es ‚Punk Rock Jihad‘ nennen ... Wir haben uns dann das Cover vom Pink Floyd-Soundtrack zu dem Film ‚More‘ angeguckt, und fanden, dass es ziemlich cool wäre, das Cover zu nehmen, und das Album ‚Whore‘ zu nennen. Wir müssen uns noch für eins von beiden entscheiden, aber wir haben das Artwork fertig, die Musik ist aufgenommen, wir haben alles im Kasten. Wir müssen nur noch zwei Songs abmischen und den Gesang aufnehmen. Ich finde es richtig, richtig gut. Ich habe diese Kerle in Deutschland getroffen, die richtig Hardcore waren und meinten: ‚You guys suck, it‘s not the same, you don‘t play the songs the same way ...‘ Blablabla. Also habe ich sie mit in den Van genommen und ihnen die CD mit den neuen Songs vorgespielt, die härter sind, als alles zuvor, und sie haben gesagt: ‚Es ist ein Klassiker!‘“
Wie ist Amerika nach dem 11. September? Vollkommen Patriotismus-überladen, oder? Macht sich der Albumtitel „Punk Rock Jihad“ darüber lustig?
„It‘s all bullshit! George Bushs Familie ist mit den Bin Ladens befreundet, es geht nur um Öl, und alles hängt mit Geld zusammen, es bedeutet überhaupt nichts. Ich meine, komm schon, wir haben Kriege wegen beschissener Religionen, das ist ein beschissenes Voodoo-Ding im Kopf von irgendjemandem, irgendein dummer Idiot mit dem Koran oder der Bibel in der Hand. Fuck them! Ich bin schon zweimal für tot erklärt worden, und ich habe kein weißes Licht gesehen, ich habe niemanden gesehen, der auf mich zugeht. Ich bin nach sechs Tagen aus dem Koma aufgewacht, und es war ziemlich beschissen. Ein Körper ist nur ein Motor, den sie wieder anlassen, da gibt es keine Spiritualität.“
Trinkt das neue Line-Up genauso viel wie das alte, oder habt ihr ein bisschen das Tempo rausgenommen?
„Nein, haha, es ist alles beim Alten geblieben. Wir haben letztes Sylvester in Austin gespielt, und wir gingen in diese Bar, die voller Cowboys war. Und unser Bassist greift sich diese große Kerze mit Wachs, geht zum Billardtisch, und gießt heißes Wachs über den Tisch. Sie sind angepisst, und schmeißen ihn raus, und dann nimmt er ein Stoppschild und wirft es in diesen Tattooladen und zerschmeißt die Scheibe. Er ist so irre, dass sich die Cowboys nicht mit ihm anlegen wollten. Seine Band hat für uns vor Jahren eine Show eröffnet, auf der Record-Release-Party für ‚Record Collectors Are Pretentious Assholes‘. Es ist gut, dass wir ihn in der Band haben, er ist der verrückteste Kerl, den wir kriegen konnten.“
Sind Plattensammler immer noch angeberische Arschlöcher?
„Mehr denn je! Ich bin ein Fan von Bootlegs, die Leute sollten mehr Zugang zu dem Zeug haben. Ich habe einen Typen in Portland gesehen, der für eine beschissene Child Molesters-Single 900 Dollar ausgegeben hat. Für eine Single?! Noch vor nicht allzu langer Zeit konnten sie die nicht loswerden. Ich meine, du kannst diese Sachen nicht mitnehmen, wenn du stirbst ...“
Was hört ihr in eurem Tourbus?
„Ganz alten Blues. THE WHITE STRIPES haben den Blues für jeden ruiniert, scheiß auf die. Ich mag Lightnin‘ Hopkins, all die Leute, von denen die WHITE STRIPES geklaut haben.“
Hast du noch mehr Geschichten über Zerstörung und Chaos auf Lager?
„Bei einem Gig in England haben Wattie von THE EXPLOITED und einige seiner betrunkenen Freunde, die kamen, um uns zu sehen, sich ein bisschen rauflustig benommen und irgendwelche feministischen Skinhead-Veganerinnen genervt. Ich bin irgendwann ohnmächtig auf eine Monitorbox gefallen, weil ich während der Show einen Stromschlag bekommen habe. Als ich aufwachte, schrie mir diese glatzköpfige Feministin ins Gesicht: ‚Ich liebe POISON IDEA, aber du bist ein Faschist! Ich hasse dich!‘ Haha! Ganz genau, was wir bestimmt brauchen, sind mehr Regeln im Punkrock, haha.“

Foto: Kalle Stille

Jens Kofoed-Pihl

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #56 (September/Oktober/November 2004)

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