Interviews & Artikel : ROCKSTAR RECORDS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ROCKSTAR RECORDS

Always out of money, always having fun

Wer in Aachen wohnt, kommt nicht um Rockstar Records herum. Denn es gibt nicht viele Dinge, die mit Punkrock zu tun haben, bei denen sie nicht ihre Finger im Spiel haben. Bisher wurde dem Label viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl hier wirklich hochkarätige Bands vertreten sind. Seien es lokale Bands wie die SUGARBOMBS, FOR THE DAY oder EAVES (die inzwischen das Label gewechselt haben) oder Schweden wie OUTBREAK, THE GHOULIES und DOWN AND AWAY. Rockstar Records steht für musikalische Abwechslung und hohe Qualität. Da ich Mario bereits seit meiner Praktikumszeit beim Ox kenne, wurde es langsam Zeit, ihn mal wieder zu besuchen und ihm und Fat Chris (Mitbesitzer und THEE DKB-Bassist) ein paar Fragen zu stellen. Nicht anwesend waren die anderen Labelchefs Dennis und Timo, Marios Bruder.

Was war denn der Auslöser für euch, ein Label zu gründen?

Mario:
„Anfangs waren Dennis, Chris und ich noch zu dritt. Dann kam mein Bruder Timo dazu. Wir wollten zusammen Platten rausbringen und dachten uns erst mal einen Namen aus.Vorher haben wir viele Konzerte in Aachen organisiert und hatten dadurch schon viel mit Bands zu tun. Das Label war dann einfach eine Idee von uns und jetzt haben wir den Salat, haha. Einer der Gründe war sicherlich auch, dass es in Aachen viele gute Bands gab und gibt, und wir die rausbringen wollten. Nun sind nach und nach auch ziemlich viele Schweden dazu gekommen.“
Chris: „Das kam, weil unsere erste Show mit VOICE OF A GENERATION war und Markus von DOWN AND AWAY hatte damals bei denen gesungen. Deren Tourbegleiter David war dann Gitarrist bei DOWN AND AWAY und dann haben uns die beiden halt ihr Demo gegeben. Wir waren von DOWN AND AWAY sofort begeistert und haben die Band sofort kontaktiert. Die haben für uns dann in Schweden wohl die Propagandamaschine laufen lassen und allen erzählt, dass da in Deutschland ein paar Typen sitzen, die Geld haben und man denen ihre Demos schicken sollte, haha.“
Mario: „Wir kriegen immer noch regelmäßig Anfragen von schwedischen Bands, obwohl die ja echt ziemliche Inzucht betreiben. Es gibt immer ein paar Sachen, die wir gerne machen würden, was aber einfach nicht mehr hinhaut. Erst kamen OUTBREAK, dann kam Timo irgendwann mal mit einem Demo der GHOULIES an und meinte, dass die tierisch rocken würden, und jetzt bringen wir demnächst eine Platte der sagenhaften PRICKS raus, die schon eine Split-7“ mit den HIVES gemacht haben.“

Ihr habt das Label ja in jungen Jahren gegründet. Würdet ihr sagen, dass ihr früher etwas naiv an die ganze Sache rangegangen seid?

Chris:
„Und wie, vor allem wenn es um Geld ging.“
Mario: „Wir dachten einfach, dass es cool wäre, ein Label zu starten, und haben uns anfangs keinen Kopf um irgendwas gemacht. Es waren auch sofort Bands da, die uns gefielen und mit denen wir dann was machen wollten. Die ersten Platten brachten wir dann raus, ohne wirklich zu wissen, wie das alles so läuft. Die Konsequenz war, dass wir nach einem Jahr eigentlich schon pleite waren, haha. Das ist nie besser geworden und wir stecken weiterhin viel Geld in Rockstar Records, weil wir einfach keinen Bock haben aufzuhören.“

Euer Sound war ja schon immer sehr gemischt. Inzwischen finde ich aber, dass er sich mehr und mehr an rock’n’rolligen Streetpunk orientiert. Wie seht ihr das?

Mario:
„Das ist eigentlich eher Zufall, und ich sehe das auch nicht so. Die letzten Platten waren jetzt von DOWN AND AWAY und den GHOULIES, die gehen schon in Richtung Streetpunk. Die EAVES sind nicht mehr bei uns und ATROX haben sich wohl aufgelöst, die ja beide Hardcorebands waren. Wenn mal wieder eine Hardcoreband ankommt, die wir alle gut finden, dann würden wir auch wieder eine Hardcoreplatte rausbringen. Musikalisch haben wir eigentlich keine Grenzen.“

Unter Rockstar Records läuft ja nicht nur euer Label, sondern ihr habt noch bei anderen Sachen eure Finger im Spiel.

Chris:
„Wir haben schon immer im AZ Aachen Konzerte organisiert, weil das früher keiner wirklich machen wollte. Jedenfalls was die großen Sachen anging. Inzwischen ist das auch besser geworden. Dann hatten wir noch Bock, Partys zu veranstalten. Inzwischen kommt noch dazu, dass wir die Organisation des jährlich stattfindenden Westside Unity-Festivals übernommen haben. Wir haben einfach zu viel Freizeit.“

Wie wichtig ist euch denn die Promotion für eure Bands?

Mario:
„Das ist halt die Sache, warum es uns an Geld fehlt. Wenn wir eine 500er Auflage einer Platte machen, dann gehen ja erst mal über 100 Stück als Promos raus. Es macht natürlich auch Spaß, überall Anzeigen zu schalten, nur ist das auch ziemlich teuer und wir müssen das manchmal zurückschrauben. Wir machen auch bei jeder Band die gleiche Promotion.“

Es wird also keine Band bei euch bevorzugt.

Chris:
„Natürlich nicht, das wäre auch lächerlich. Für mich ist es wichtig, dass alles schick aussieht. Es gibt viele Bands, die sich überhaupt keine Mühe geben und dann einfach einen brennenden Baum vor einem Sonnenuntergang als Cover nehmen. So was finde ich schrecklich.“
Mario: „Das Labelmachen an sich hat für uns ja nichts mit Geldmacherei zu tun, sondern damit, dass wir Bands, die wir mögen, die Möglichkeit bieten wollen, etwas größer zu werden. Und wir stecken da auch unsere ganze Energie rein. Wir werden arm und die Bands reich, haha.“

Das hat ja bei SOMMERSET ganz gut geklappt, oder?

Chris:
„Na ja, wir haben halt zwei Platten mit denen gemacht, und wenn eine Band plötzlich größer wird, verkaufen sich auch die alten Sachen automatisch besser. Ich gönne es den Jungs, die wollen von ihrer Musik leben und es war auch eine logische Konsequenz, dass sie irgendwann zu groß für unser Label werden. Wir können halt keine Rotation bei irgendwelchen Musiksendern bieten, aber das ist auch nicht unser vorrangiges Ziel.“
Mario: „Bei SOMMERSET war das ja so, dass sie in Neuseeland eine Riesennummer sind, und dann auch in Deutschland größer werden wollten. Dafür hatten wir halt nicht die finanziellen Mittel, und wir haben sie halt behandelt, wie alle anderen Bands auch. Wir wollten ihnen auch ursprünglich helfen, ein größeres Label zu finden, aber das ist dann im Sand verlaufen.“

Würdet ihr sagen, dass ihr in Aachen schon eine Art Institution seid? Ihr supportet ja hauptsächlich lokale Bands und macht viel für die „Szene“.

Chris:
„Klar, wir sind die Nummer 1, haha. Spaß beiseite: Es gab eine Zeit, wo wir in Sachen Konzerte fast alleine da standen, aber mittlerweile gibt es wesentlich mehr Leute, die was machen.“
Mario: „Das war aber schon immer so, dass hier Leute kleine Sachen organisiert haben. Aachen ist ja nicht so groß, und die Leute, die Punkrock hören, kennt man meistens. Hier macht inzwischen jeder was, und wir sind ja auch nicht das einzige Label hier.“

Euer Slogan heißt ja „Music for the rich and sexy“. Findet ihr nicht, dass das eine Diffamierung der Arbeiterklasse ist?

Chris:
„Haha, deswegen hatte ich doch tatsächlich mal eine Diskussion mit einem Haufen PC-Schweden. Die haben das irgendwie nicht ganz verstanden, dass das nicht ernst gemeint ist.“
Mario: „Unsere Bands sind ja auch nicht alle Rockstars.“
Chris: „Genau, und nur wir sehen auch gut aus, haha. Ich bin auch schon von Leuten wegen unserem Namen angesprochen worden, und sie meinten, dass der ja nicht ‚Punk‘ wäre. Auf solche lächerlichen Diskussionen brauche ich mich gar nicht einzulassen, da das ja eine bewusst gewählte Übertreibung ist. Wer das nicht kapiert, dem kann ich auch nicht helfen.“

Aachen haftet ja der Ruf als „Rockcity“ an. Allerdings nennt sich doch inzwischen jedes Dorf so. Was ist das Besondere an Aachen?

Chris:
„Ja, wir haben das erfunden und die anderen haben das alle nachgemacht.“
Mario: „Bei uns in Aachen geht halt viel und es hat sich irgendwann eingebürgert, dass jeder, der hier ein Konzert veranstaltet hat, ‚Aachen Rockcity‘ auf die Flyer geschrieben hat. Seitdem sind wir halt Rockcity #1. Fuck Solingen, haha. Obwohl, Solingen mag ich ...“

Timbo Jones

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #59 (April/Mai 2005)

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HEIM gehen weiter, können mehr: Die Ausbrüche, die bis zu astreinen Noiserock-Attacken anwachsen, die Momente, in denen die Band ihren eigenen Song zerlegt und der Sound unverhofft viel mehr nach Amphetamine Reptile als nach Tapete Records klingt, ... mehr