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Interviews & Artikel

Glen Matlock

Obwohl die SEX PISTOLS nur 26 Monate existierten und lediglich ein Studioalbum veröffentlichten, veränderte die Band wie kaum eine andere das Gesicht der Rockmusik. Daran konnte auch die Welttournee nichts ändern, die die Truppe um Johnny Rotten 18 Jahre nach ihrer Auflösung durchzog. 1996 mit von der Partie war auch Glen Matlock, der seinerzeit Platz für Sid Vicious machen musste. Matlock veröffentlicht in diesen Tagen sein neues Soloalbum "Open Mind." Darüber, über seine Zeit bei den PISTOLS und über die immer wieder auftauchenden Reunion-Gerüchte sprach ich mit dem Vierundvierzigjährigen, als er kurz vor Weihnachten in Düsseldorf weilte.

Glen, als Bassist der SEX PISTOLS hast du in einer der einflussreichsten Bands aller Zeiten gespielt und bringst gerade ein neues Soloalbum auf den Markt. Welche Ambitionen kann man da noch haben?


Das Ganze mit den SEX PISTOLS liegt schon sehr lange zurück. In den Achtzigern gab es ständig diese Gerüchte über uns und eventuelle Reunionshows. Schließlich hatten wir so die Nase voll davon, dass wir uns entschlossen, es tatsächlich noch mal zu versuchen. Danach war dieser Druck nicht mehr da. Ich kann jetzt Songs schreiben, ohne ein Sex Pistol sein zu müssen.

War die Tour 1996 für dich so etwas wie eine Rehabilitation?

In gewisser Weise schon. Ich fühlte mich, als ob ich derjenige bin, der zuletzt lacht, vor allem nach dem ganzen Scheiss, den Rotten über mich verbreitet hatte. Als wir dann zusammenspielten, war diese alte Magie wieder da. Und ein paar Pfund haben wir auch noch verdient.

Wie seid ihr vier denn auf der Tour miteinander klar gekommen?

Wir haben uns arrangiert. Als wir 1976 auf Tour waren, mussten wir uns in einen Kleinbus quetschen. Diesmal sind wir nur First Class geflogen und haben in Top Hotels gewohnt. Das hat die Sache erheblich einfacher gemacht.

Was war denn dran an den Gerüchten, die SEX PISTOLS würden Silvester in London eine Reunionshow spielen?

Totaler Quatsch. Das Gerücht wurde nur verbreitet, um die Ticketverkäufe für die beiden ohnehin vorgesehenen Acts PRIMAL SCREAM und ASIAN DUB FOUNDATION zu pushen. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn wir wieder zusammenkommen würden. Die Songs sind nach wie vor gut und es macht Spaß sie zu spielen.

Wie hoch schätzt du denn die Chancen ein, dass es noch mal klappt?

50:50. Das könnte sehr schnell gehen. Ich habe neulich THE WHO live gesehen und sie waren großartig. So wie die könnten wir auch sein. Aber aufgrund unterschiedlicher Auffassungen innerhalb der PISTOLS ist das wohl nicht möglich. Das ist sehr frustrierend. Wenn ich heute ein Lied schreibe, klingt es häufig wie ein SEX PISTOLS-Song, ohne dass es beabsichtigt ist. Alles, was fehlt, ist, dass Steve mit seiner Gitarre und Paul mit seinem Schlagzeug dazustoßen und dann John... na ja.

Vielleicht gibt es ja eines Tages sogar ein neues Studioalbum von euch?

Das ist wohl eher unwahrscheinlich, aber wer weiss? Man soll nie nie sagen.

Lass uns über die beiden Filme sprechen, die über die SEX PISTOLS erschienen sind. In "The Great Rock´n´Roll Swindle" versuchte Malcom McLaren meiner Ansicht nach die SEX PISTOLS als seine ureigene Kreation darzustellen, die von ihm dominiert und gelenkt wurde. Wart ihr wirklich so?

Nein. Ohne McLaren hätte es die Pistols sicherlich nicht gegeben. Allerdings wäre McLaren ohne uns auch nicht zu dem geworden, was er damals war. Der Film war schon eine ziemliche Zumutung. Zu keiner Zeit waren wir seine Marionetten. So stellte er aber die Dinge da und so gab er sich auch als Person. Das war auch einer der Gründe, warum ich die Band damals verließ.

Außerdem verbreitete er, du hättest gehen müssen, weil du die BEATLES gut fandest.

Das war auch so eine Geschichte, die überhaupt nicht stimmte. Totaler Unfug.

Bleiben wir noch einen Moment bei deinem Ausstieg. In seiner Autobiografie behauptet Johnny Rotten, er hätte hätte dich rausgeschmissen, weil du dich angeblich nicht mit seinem Text zu "God save the Queen" identifizieren konntest und auch deine Mutter gegen den Song gewesen sei.

Rotten ist ein Lügner. Ich fand den Song und auch den Text klasse. Schließlich stammte die Musik ja von mir. Ich bin damals auch nicht rausgeschmissen worden. Wir haben uns vielmehr im gegenseitigen Einverständnis getrennt. Die Spannungen innerhalb der Band waren einfach zu groß und existierten bereits, als wir noch bei der EMI unter Vertrag waren. Die EMI-Leute bemerkten das sehr wohl und boten mir als dem Hauptsongschreiber heimlich einen sehr lukrativen Vertrag an. Als ich dann irgendwann genug hatte, fiel es mir natürlich leicht, die Pistols zu verlassen und mit den RICH KIDS meine eigene Band zu gründen. Aber um auf Rotten zurückzukommen: John hatte halt immer schon ein Ego-Problem.

Im letzten Jahr erschien mit "The Filth and the Fury" ein neuer Dokumentarfilm über die SEX PISTOLS, der in deutschen Kinos leider nicht zu sehen war. Weisst du warum?

Nein, das überrascht mich auch. Der Film ist gar nicht so schlecht, geht aber in das andere Extrem. Während "The Great Rock´nRoll Swindle" McLarens Story war, ist "The Filth And The Fury" Johnny Rottens Story. Der Film erzählt also nicht die wirkliche Geschichte der SEX PISTOLS. Dazu muss es wohl noch einen dritten Film geben. Vielleicht mach ich den ja. (lacht)

Du wirst morgen auf einer Tribute Party für THE CLASH den DJ geben. Hast du so etwas schon mal gemacht?

Nein, aber es klang sehr interessant und deshalb bin ich hier. Ich werde sozusagen mein Wissen über Punkrock einbringen, damit die Leute einen netten Abend haben.

Was für Sachen wirst du denn auflegen?


Ich habe schon eine ungefähre Vorstellung, werde aber das Meiste spontan entscheiden. Auf jeden Fall wird alles aus den Siebzigern stammen, denn nur die waren für mich richtig Punk.

Was hältst du denn von der heutigen Punkrock-Szene?

Als ich vor vier fünf Jahren zum ersten Mal THE OFFSPRING hörte und dann kurz darauf auch in Los Angeles live sah, war ich ziemlich enttäuscht. Ich erwartete eine Punkband und auf die Bühne kamen vier Jungs mit langen Haaren und komischen Regenmänteln. Das neue Album gefällt mir aber ganz gut. Ich denke, THE OFFSPRING haben mittlerweile ihren eigenen Stil gefunden und beschränken sich nicht mehr nur aufs Kopieren. Bloße Nachahmer mag ich überhaupt nicht.

Zurück zu "Open Mind", deiner neuen Scheibe. Hast du eine feste Band, und wie kam es, dass Mick Jones von THE CLASH auf einigen Stücken mitwirkt?

Meine Band THE PHILISTINES besteht aus einer lockeren Verbindung von Durchgeknallten. Auf dem Album habe ich die meisten Gitarrenparts selbst eingespielt. Mick ist ein alter Kumpel von mir. Er spielt auf dem Album die etwas extravaganteren Gitarrensoli.

Um dein Soloalbum zu promoten, planst du demnächst auch ein paar Gigs in Deutschland. Was kann man da erwarten?

Es werden natürlich in erster Linie Songs von meinen Alben gespielt, aber auch Sachen von den SEX PISTOLS, die ich dann in meiner unnachahmlichen Weise selber singe.

Von Johnny Rotten und Joe Strummer weiß man, dass sie eingefleischte Anhänger von Arsenal London sind. Interessierst du dich auch für Fußball und was treibst du sonst so?

Eigentlich bin ich Fan von den Queens Park Rangers, aber die verlieren ständig, so dass mein Interesse merklich nachgelassen hat. Ansonsten fummle ich viel in meinem Studio rum und eine Familie mit Kindern hab ich auch.

Letzte Frage: Du bist zwar heute als Solokünstler unterwegs, wirst aber dein Leben lang immer als ein Sex Pistol gelten. Ist das eigentlich eine Belastung oder hat das auch viele Vorteile?

Das ist sehr zwiespältig. Einerseits ist es großartig, wenn die Leute dich mit einer der bedeutendsten Bands überhaupt in Verbindung bringen. Andererseits kann es manchmal ein Klotz am Bein sein, denn es hindert mich daran, das zu machen, was ich eigentlich vorhabe. Außerdem ist es eine Schande, dass es uns nicht mehr gibt. Die SEX PISTOLS waren eine so großartige Band, dass es einem fast das Wasser ins Auge treibt.

Glen, vielen Dank für das Interview.

Danke, gern geschehen.

Achim Lüken

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #42 (März/April/Mai 2001)

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