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Interviews & Artikel

EXPLOSION

No revolution anymore

Wenn ein dreiseitiger Promotext über eine junge Punkband gleich im ersten Absatz den Satz „Sie waren laut, schnell und bei den Mädchen erfolgreich“ beinhaltet, sollte man ihr eigentlich jede weitere Aufmerksamkeit entziehen. Bei THE EXPLOSION bitte ich um eine Ausnahme. Denn die ursprünglich aus Boston stammende und jetzt in New York ansässige Band kann im Vergleich zu vielen anderen hochgelobten Newcomern auf eine langjährige Karriere im Untergrund zurückblicken. Sowohl mit ihrer eigenen Band als auch den verschiedensten Projekten wie PANIC, THE TONSILS oder IN MY EYES haben die einzelnen Bandmitglieder die Szene jahrelang nicht nur mitgestaltet, sondern auch beeinflusst. Nach Veröffentlichungen bei Jade Tree und dem eigenen Label Tarantulas entschieden sich THE EXPLOSION Ende letzen Jahres für einen Wechsel in die Major-League. Wer will es ihnen verdenken? Denn allen Hardlinern zum Trotz ist sich die Band einigermaßen treu geblieben. Und letztendlich steht das neue Album „Black Tape“ dem vor bereits fünf Jahren veröffentlichten Vorgänger „Flash, Flash, Flash“ in nichts nach, auch wenn man beim ersten Hören hier und da beide Augen bzw. Ohren zudrücken muss. Auf der Reeperbahn traf ich mit Sänger Matt Hock und Bassist Damian Genuardi zwei aufgeschlossene Gesprächspartner.

Anfang März erscheint euer neues Album auch in Europa. Wie waren die Aufnahmen zu „Black Tape“ und welche Unterschiede seht ihr zu älterem Material?

Damian:
„Gewaltige Unterschiede, denn meiner Meinung nach bemerkt man auch, dass wirklich alle Bandmitglieder an der Entstehung und Konzeption der Platte beteiligt waren. Wir waren so produktiv, dass ich mich jetzt schon auf die nächste Platte von uns freue, da wir schon so viel neues Material geschrieben haben.“
Matt: „Wir verbrachten für die Aufnahmen zweieinhalb Monate in einem Studio mitten in der Pampa in Idaho. Ein absolutes Novum für uns, aber diese intensive Arbeit hat sich am Ende gelohnt, denn wir sind alle sehr zufrieden mit dem Resultat. Klar hören die Songs sich alle ein klein wenig anders an als die bekannten Sachen, aber verbiegen lassen haben wir uns nicht.“

Warum befindet sich dann mit „No revolution“ ein Song eures ersten Albums „Flash Flash Flash“ auf der Platte, die bereits im Jahr 2000 auf Jade Tree erschien?

Damian:
„Der Song gehört seit Jahren zu unseren Favoriten. Wir sahen es als gute Gelegenheit, den Song noch einmal komplett neu einspielen und einem größeren Publikum präsentieren zu können. Er schlägt somit eine Art Brücke zwischen dem alten und dem neuen Material.“

In dem Song klagt ihr über fehlende Umsturzgedanken der aktuellen bzw. damaligen Szene. Thematisch zieht sich dieser Aufruf des Widerstands gegen eine höhere Macht, die ihr jedoch nicht weiter benennt, durch alle eure Lyrics. Wer ist denn nun der Feind? Die Regierung?

Matt:
„Das werden die meisten annehmen, wir denken dabei aber eher an Dinge des Alltags. Dinge, die einen persönlich anpissen, und die sich ändern müssen. Damit kann das Verhalten deines Chefs gemeint sein oder auch die Regierung, deine Freundin oder sogar du selbst.“
Damian: „Das Problem vieler Leute ist, dass sie sich häufig gegen alles und jeden aussprechen, aber gar nicht wissen, wofür sie eigentlich eintreten. Das Wort Revolution hat für mich in dieser Beziehung einfach an Bedeutung verloren. Natürlich haben auch wir in New York auf der Straße gegen den Krieg protestiert und somit, in Verbindung mit vielen anderen, unsere Meinung und in gewisser Weise auch unseren Einfluss deutlich gemacht. Mit der Revolution, von der so viele Punkbands singen, hat das aber wenig zu tun, da sie nie passieren wird. Das Einzige, was du wirklich verändern kannst, bist du selbst.“

Wie reagieren die Fans auf die neuen Songs bzw. das Label?

Matt:
„Die Reaktionen der Kids sind bisher sehr positiv. Auch hier in Europa kennen sie bereits die Texte der neuen Songs, obwohl das Album noch nicht mal erschienen ist.“
Damian: „Auf der Bühne spielen wir natürlich auch viele ältere Stücke, so dass insgesamt eine schöne Mischung entsteht. Natürlich gibt es auch welche, die uns nach dem Wechsel zu einem Majorlabel verdammen, aber die wird es immer geben. Als wir diese Band Ende der 90er gründeten, hätte niemand von uns gedacht, dass wir es mal soweit bringen würden. Es hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt, genauso wie wir uns selber weiterentwickelt haben.“

Vor „Black Tape“ erschien auf eurem eigenen Label Tarantulas die EP „Sick Of Modern Art“. Eine Veröffentlichung, von der in Europa kaum jemand Notiz nahm.

Matt:
„Das ist auch exakt einer der Gründe, warum wir uns für einen Labelwechsel entschieden haben. Damals wollten wir die EP aber unbedingt auf unserem eigenen Label rausbringen. Inzwischen sind wir aber an dem Punkt angelangt, sicher gehen zu wollen, dass man unsere Releases nach Erscheinen auch erwerben kann.“
Damian: „Auch Jade Tree hat in den USA nicht so ein Distributionsnetz wie in Europa z. B. Burning Heart oder Epitaph. Virgin war in den Gesprächen absolut glaubwürdig, und machte schließlich das beste Kooperationsangebot. Gerade in Bezug auf unser Label Tarantulas haben wir alle Freiheiten, so dass wir in der Beziehung weiterhin völlig unabhängig arbeiten können.“

Wie sieht es inzwischen mit eurem Verhältnis zu Revelation aus? Da gab es ja bekanntlich Unstimmigkeiten ...

Damian:
„Ehrlich gesagt haben wir keine Beziehung mehr zu ihnen. Sie stellten sich damals ziemlich an, da sich IN MY EYES aufgelöst hatten und ich mit THE EXPLOSION plötzlich für Jade Tree ein Album aufnahm. Sie meinten, sie hätten das Recht auf ein eigenes Release und so nahmen wir eine Single für sie auf, wofür sie uns inmitten einer Tour ganze drei Tage Zeit ließen. Es war total lächerlich.“

Gibt es eine Band oder Person, die euch besonders motiviert bzw. inspiriert hat?

Matt:
„Wir hatten die große Ehre, kurz vor seinem Tod mit Joe Strummer von THE CLASH spielen zu dürfen.“
Damian: „Wir saßen gerade in unserem Van, als Joe zu uns in den Bus einstieg. Wir waren sprachlos, schließlich stand da Joe Strummer! Er sorgte vor dem Konzert dafür, dass es keine Bühnenordner gab. Jeder, der wollte, sollte zu ihm auf die Bühne kommen können. Das war beeindruckend.“

Dann ist an dem Vergleich eures Stils mit Bands wie THE CLASH oder STIFF LITTLE FINGERS also doch mehr dran, als ich immer glauben wollte?

Damian:
„Wir mögen Bands wie THE CLASH oder STIFF LITTLE FINGERS wirklich sehr. Aber so ähnliche Musik wie sie machen wir ganz bestimmt nicht. Wir haben uns nie vorgenommen, wie irgendeine bestimmte Band zu klingen. Das Einzige, was stimmt, ist, dass wir alle sehr auf ältere Punk/HC-Bands stehen.“

Apropos Boston. Warum kommen eigentlich immer wieder so gute Bands aus eurer Heimatstadt? Gibt es da irgendein Geheimnis?

Matt:
„Ich denke, es liegt daran, dass viele Leute gar nicht ursprünglich aus Boston kommen und so immer wieder neue Ideen und Kreativität in die Szene fließen.“

Durch eure Beteiligung an Bands wie PANIC, THE TROUBLE oder IN MY EYES habt auch ihr dieser Szene eine Menge gegeben. Warum haben sich IN MY EYES damals aufgelöst? Habt ihr jemals ernsthaft über eine Reunion nachgedacht?

Damian:
„Als ich damals anfing, HC zu hören, haben wir uns auch gefragt, warum sich so eine großartige Band wie CHAIN OF STRENGTH nach so kurzer Zeit auflösen musste. Die Antwort ist in unserem Fall simpel, aber einleuchtend. Wir hatten alle unterschiedliche Ansichten und Interessen. Und unsere damalige Euphorie verflüchtigte sich einfach ziemlich schnell wieder ...“

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #59 (April/Mai 2005)

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