BLOOD OR WHISKEY

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Aus Dublin, nicht aus Boston

Sie spielen eine Mischung aus Punk und irischem Folk, und es wäre gelogen, würde man behaupten, diese Musikrichtung erfreue sich aktuell nicht einer gesteigerten Beliebtheit. Kann man verstehen, denn auch wenn ich kein expliziter Fan des Genres bin, so kann man doch nicht leugnen, dass Punk mit Fiedel und Flöte in Kombination mit reichlich Bier enormen Spaß bereitet, ganz gleich ob in der Kneipe, live oder von Platte. „Cashed Out On Culture“ (Punkcore) ist das neue Album von BLOOD OR WHISKEY, und im Gegensatz zu vielen Genrekollegen kommen die wirklich aus Irland. Beano (Bass/Vocals), Dugs (Guitar/Vocals) und Chris (Drums) beantworteten ein paar Fragen.

Warum bitte „Blut ODER Whiskey“ und nicht „Blut UND Whiskey“?

Beano:
„Barney, der früher mal in der Band war, wurde von einer Straßengang bedroht, und die wollten seinen Schnaps. Also sagten sie ‚Blood or Whiskey?!‘. Sein Blut oder seine Flasche.“

Habt ihr eine Erklärung, warum POGUES-beeinflusste Punkbands sich heute so großer Beliebtheit erfreuen? FLOGGING MOLLY, DROPKICK MURPHYS und Co. sind nicht nur in den USA, sondern auch in Europa sehr erfolgreich.

Dugs:
„Ich denke, das liegt daran, dass es Partymusik für Trinker ist, schnell und wütend, und doch kann man gut dazu tanzen, ohne wie ein Depp auszusehen. Okay, kleiner Scherz, haha. Es ist gute Musik von guten Bands und das funktioniert eben. Wenn auch noch die Kids drauf stehen, umso besser.“
Beano: „Ich schließe mich da an, und es hilft auch, dass derzeit ‚popular paddy time‘ ist, so irische Sachen sind eben angesagt. Manche Bands und ihre Fans mögen heute diesen Sound, haben vor zwei Jahren noch Streetpunk gemacht und in zwei Jahren ist dann Rockabilly angesagt. Es gibt im Punk wohl immer wieder solche Modewellen, und die ändern sich eben alle paar Jahre. Aber dazu gehören die erwähnten Bands und wir nicht, wir machen das alle schon seit Jahren und werden auch in Zukunft nicht mal so eben unseren Stil ändern. Gute Bands machen so was eben nicht der Mode wegen.“

Seid ihr denn beleidigt, wenn man euch mit erwähnten Bands vergleicht? Und wo liegen eure Einflüsse?

Dugs:
„Na ja, manchmal frustriert das schon etwas, denn wenn man unter die Oberfläche schaut, sieht man, dass da ganz andere Musikstile dahinter liegen. Klar, Ähnlichkeiten sind vorhanden, weil die gleichen Instrumente benutzt werden, aber willst du etwa die SPECIALS mit MADNESS vergleichen? Die arbeiteten mit den gleichen Instrumenten, aber ansonsten war ihr Stil ein völlig anderer. Was meine Einflüsse anbelangt: Ich liebe THE CLASH und alles, was eingängig und nicht künstlich produziert ist.“
Beano: „Was die persönliche Ebene anbelangt, so sind die erwähnten Bands in Ordnung: Wir kennen und mögen uns. Aber musikalisch passt der Vergleich nicht, außer man wählt eine ganz allgemeine Basis, eben diesen keltischen Einfluss auf die Musik. Und ich würde ja auch nicht FLOGGING MOLLY mit den DROPKICK MURPHYS vergleichen. Klar, so eine Kategorisierung ist bei diesen drei Bands einfach, aber man macht es sich eben zu leicht. Wir sehen uns selbst als Punkband, die zufälligerweise in dieser Besetzung und mit diesen Instrumenten spielt. Wir können doch nichts dafür, dass wir hier geboren wurden! Und es vergleicht ja auch keiner DISCHARGE mit den BUZZCOCKS, nur weil beide auf jeweils eigene Weise sehr heavy Musik spielen.“

Seltsam finde ich ja, dass ihr fast die einzige unter all den Bands mit irischem Folk-Einfluss seid, die aus Irland kommt.

Chris:
„Nein, ich finde das nicht seltsam, sonder eher großartig, denn es zeigt ja, welch großen Einfluss irische Musik in aller Welt hat. Und ich denke, es sollte auch niemand Vorschriften machen, wer was wo spielen darf. Ohne solche Lust am musikalischen Experimentieren hätte es schließlich auch nie THE CLASH gegeben.“
Beano: „Ja, aber man muss schon auch anmerken, dass es Leute gibt, die das schlecht machen, die keinen Respekt vor der Musik haben und nur aufs Geld aus sind. Und von solchen Wixern gibt es auch nicht gerade wenige.“

Wie kommt ihr in Irland mit eurem Mix aus Punk und Folklore an?

Chris:
„Also solche Bands sind wohl überall anders beliebter als in Irland. Und ich denke, das hat damit zu tun, dass das eben hier nichts Neues, diese Musik allgegenwärtig ist. Und mit den HORSELIPS gab es diesen Mix aus Folk und Rock auch schon mal, in den Siebzigern.“
Beano: „Ja, die Iren finden das nicht gerade neu und aufregend, es war für die alles schon mal da: THIN LIZZY, HORSELIPS, MOVING HEARTS, AUTO DE FE, THE POGUES – und BLOOD OR WHISKEY, wir haben uns ja auch nicht erst vor zwei Wochen gegründet. Die Iren interessiert eigentlich nur, ob die Musik gut gemacht ist.“

Wie kamt ihr dazu, in einer Band zu spielen? Über Punkrock oder über das Spielen von klassischen bzw. Folk-Instrumenten?

Beano:
„Dugs und Chris haben schon als Kinder im Pub die alten irischen Balladen gesungen, aber auch schon früh in Punkbands gespielt. Ich selbst komme aus einer sehr musikalischen Familie, spiele in Bands, seit ich elf bin, also seit mittlerweile 21 Jahren. Und das ist auch alles, was ich machen will in meinem Leben, ja, was ich machen MUSS!“

Was ist das schlimmste Klischee von Irland?

Dugs:
„Dass wir Iren alle Säufer sind und total nutzlos, obwohl Irland doch heute eines der dymanischsten und wirtschaftlich stärksten Länder Europas ist, mit einer Arbeitslosenquote knapp bei null. Wobei das alles natürlich nichts mit BLOOD OR WHISKEY zu tun hat.“
Beano: „Geh einfach in einen ‚Irish Pub‘ deiner Wahl, irgendwo in Europa, denn die leben nur von billigen Klischees, falschen Mythen und Lügen. Wenn die Leute Irland haben wollen, sollen sie zu unseren Konzerten kommen.“