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Interviews & Artikel

DROPKICK MURPHYS

The power of your example

Mann, die DROPKICK MURPHYS lassen sich ganz schön feiern. Einen Interviewtermin zu bekommen, war nicht weiter schwierig, aber bis ich Bassist und Mastermind Ken Casey tatsächlich mal an der Strippe hatte, verging erst mal einige Zeit. Man hat’s halt nicht leicht, ständig will einer was. Aber das Warten hat sich doch noch gelohnt, und so hatte ich Ende Mai Gelegenheit, den guten Mann unter anderem mit Fragen zum neuen Album „The Warrior’s Code“, seinem Präsidenten und Conan O’Brian zu löchern.

Ken, wie kommt es, dass ihr so kurz nach Veröffentlichung der „Singles Collection Vol. 2“ schon wieder ein reguläres Album rausbringt?


„Wir hätten eigentlich auch lieber ein wenig Platz zwischen den Veröffentlichungen gelassen, aber wir haben mit der Zusammenstellung der ‚Singles Collection‘ leider etwas länger gebraucht als geplant. Die USA-Tour für diesen Sommer war zu diesem Zeitpunkt auch schon geplant, und da machte es irgendwie Sinn, auch ein richtiges Album dabei zu haben. Da hätten wir sonst Songs gespielt, die noch keiner kennt, weil das Album noch nicht draußen ist. Für uns als Band macht es aber wesentlich mehr Spaß, wenn die Fans unsere Songs kennen und mitsingen können, und für die Fans natürlich sowieso.“

Ich hab da auch mal was von einem Akustikalbum läuten hören. Gibt es da konkrete Pläne oder war das nur so eine Idee?

„Als wir die Songs für ‚Warrior’s Code‘ schrieben, waren mindestens vier oder fünf davon eigentlich für ein Akustikalbum gedacht, und wir haben dann hin und her überlegt, was wir zuerst rausbringen sollen. Wir wollten dann ursprünglich die ‚Singles Collection‘ und das Akustikalbum zeitgleich veröffentlichen, aber während der Arbeit an den Songs wurden wir allmählich so heiß darauf, wieder richtige Punkrock-Kracher zu machen, dass wir das Akustikalbum doch verschoben haben. Das wird aber auf jeden Fall irgendwann noch nachgeholt.“

Gab es diesmal eigentlich irgendwelche Neuzugänge bei eurem Line-up?

„Nein, eigentlich nicht.“

Ich komme bei euch manchmal nicht so ganz mit den Dudelsack-Spielern mit. Bei eurem letzten Album „Blackout“ war ja Joe Delane dafür verantwortlich. Davor hattet ihr Spicy McHaggis, der ist aber wohl schon länger nicht mehr dabei. Und jetzt ist es wieder jemand anderes.

„Hm, mal überlegen, also Spicy ist schon seit 2002 nicht mehr dabei glaub ich. Ja doch, ‚Sing Loud, Sing Proud‘ kam 2001 raus und er ist etwa ein Jahr später ausgestiegen, kommt also hin. Manche Leute kommen mit diesem Lebensstil einfach nicht klar, ständig mit der Band auf Tour sein und kaum zu Hause. Spicy hat irgendwann geheiratet und hat mittlerweile auch Kinder. Daher hat er sich dafür entschieden, die Band zu verlassen.“

Er ist also nicht ausgestiegen, weil er ständig von adipösen Frauen belästigt wurde? Wegen dem „Spicy McHaggis Jig“ meine ich. Ich könnte mir vorstellen, dass einige beleibtere junge Damen das durchaus ernst genommen haben.

„Indirekt schon, er hat eine von denen geheiratet. Er hat da so ein Mädel in England kennen gelernt und jetzt sind die beiden verheiratet. Hat mich aber auch nicht wirklich überrascht.“

Und wer ist jetzt dieser Joe Delane, der auf „Blackout“ Dudelsack gespielt hat?

„Joe Delane hat nur ein paar der Songs eingespielt. Auf den anderen ist unser jetziger Dudelsackspieler Scruffy Wallace zu hören. Joe Delane hat auch schon auf unseren vorherigen Alben mitgespielt. Er ist schon etwas älter und hat keinerlei Ambitionen, mit uns auf Tour zu gehen oder so. Er spielt ab und zu mal mit uns, wenn wir ein Konzert in Boston haben.“

Was, würdest du sagen, ist der größte Unterschied von „The Warrior’s Code“ im Vergleich zu „Blackout“?

„Was meiner Meinung nach bei ‚Blackout‘ eindeutig fehlte, waren die etwas schnelleren, härteren Sachen. Davon sind jetzt beim neuen Album wieder ein paar vertreten. Dadurch wird das Spektrum insgesamt breiter. Es ist einfach von allem etwas dabei: ein Hardcore-Song, ein Folk-Song, ein paar irische Sachen und natürlich klassischer Punk. Das ist auch das, was wir versuchen, bei allen unserer Platten zu erreichen, nämlich möglichst abwechslungsreich zu sein und eine große Bandbreite an Stilen abzudecken, die die unterschiedlichen Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder widerspiegelt. In eine komplett andere Richtung geht der Sound allerdings nicht.“

Wo du gerade härtere Songs ansprichst, da fällt mir besonders „Citizen CIA“ auf. Allerdings steig ich bei dem Text nicht so ganz durch. Könntest du die Entstehungsgeschichte dazu vielleicht etwas erläutern?

„Nach dem 11. September gab es in manchen US-Zeitungen Werbeanzeigen, in denen Leute dazu aufgefordert wurden, sich bei der CIA zu bewerben. Ich fand es lustig, dass sie College-Abgänger auf diese Art anwerben, wo das doch ein Geheimdienst ist. Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.“

Okay, ein anderer Song auf dem Album, der etwas heraussticht, ist „Green fields of France“. Soweit ich weiß, ist das ein Cover. Hast du irgendeine Ahnung, was der Typ, der das Lied im Original herausgebracht hat, über eure Version denkt?

„Oh, ich bin mir gar nicht sicher, ob er es schon gehört hat. Das ist aber eine gute Frage. Wir hatten ja auch auf der letzten Platte eine Coverversion, und zwar war das der ‚Worker’s song‘ von Ed Pickford. Da waren wir sehr gespannt, was er dazu sagen würde. Er ist ja nun mittlerweile auch schon etwas älter. Aber er fand es gut und kommt jetzt auch immer mit seiner Tochter zu unseren Konzerten in England. Aber generell kann man da nur die Daumen drücken und hoffen, dass es den Leuten gefällt.“

Gab es bei „Green fields of France“ einen bestimmten Grund, warum ihr das gecovert habt, oder war das einfach nur so ein Lied, das euch persönlich gut gefällt?

„Wie haben da so eine Art Liste mit Liedern, die wir schon immer mal covern wollten, und da stand ‚Green fields of France‘ relativ weit oben. Außerdem kann man es auch zur traditionellen irischen Musik rechnen. Aber gerade in der jetzigen Zeit passt es noch aus ganz anderen Gründen. Ob man das jetzt auf Krieg im eigentlichen Sinne oder auf Kriege zwischen unterschiedlichen politischen Lagern bezieht. Da kämpfen unterschiedliche Seiten für unterschiedliche Gründe und vergessen darüber die Menschen, die dabei sterben. Da passt ‚Green fields of France‘ eben sehr gut, da es aus einer Sicht geschrieben ist, die oft zu wenig betrachtet wird. Wir haben es zwar nicht primär aus diesem Grund neu aufgenommen, aber es passt.“

Ihr habt ja in der Vergangenheit auch immer mal Videoclips gedreht, ich erinnere mich da zum Beispiel an „The gauntlet“, „10 years of service“ oder den „Spicy McHaggis jig“. Hab ihr irgendwas in der Richtung geplant für das neue Album? Und wie wichtig sind euch Videos?

„Ja, wir haben gerade ein Video zu ‚Sunshine highway‘ gedreht, die Nachbearbeitung läuft momentan noch. Na ja, ist halt ein Video. Ich weiß nicht, aber ich persönlich bin nicht so sehr versessen darauf. In dem neuen sieht man uns, die Band, in einem Apartment spielen. Die Musik verteilt sich dabei über das Belüftungssystem des Gebäudes und dann gibt es da verschiedene Storylines, die parallel ablaufen.“

Wie sieht es in den USA aus mit Bands wie euch? Seid ihr mittlerweile schon MTV-kompatibel?

„Nein, eher nicht. Ab und zu, wenn die da mal eine Punk-Hour haben, kann das schon mal vorkommen, dass ein Song von uns gespielt wird, aber das ist dann doch eher die Ausnahme. Es gibt allerdings inzwischen einige andere Musiksender hier drüben, die wesentlich mehr Punk spielen als MTV. Da laufen unsere Videos dann schon öfter mal. Hauptsächlich verbreiten die sich allerdings über das Internet. Das ist generell wichtiger denn je, nicht nur was die Verbreitung von Musikvideos angeht,.“

Anderes Thema: Ihr wart ja auf „Rock Against Bush Vol. 2“ vertreten, und zwar mit dem Song „We’ve got the power“. Wie kam das zustande?

„Wir sind gefragt worden. Den Song hatten wir vorher schon aufgenommen. Nun ja, wir sind Freunde von Fat Mike und wir sind ganz sicher keine Freunde von George Bush, das schien uns also eine gute Sache zu sein, an der wir uns beteiligen wollten.“

Was haltet ihr, oder was hältst du persönlich, von all den US-Bands, die sich öffentlich gegen George Bush Jr. aussprechen, bzw. für wie wichtig hältst du es, in dieser Hinsicht als Band ein klares Statement von sich zu geben?

„Meiner Meinung nach gibt es in den USA zu viele Bands, die alle das Richtige sagen – ‚George Bush sucks‘ und so weiter. Aber viele tun das mit dem Hintergedanken, dass sie damit Fans gewinnen, gerade auch in Europa. Zu wenige lassen ihren Sprüchen dann aber Taten folgen. Wir sind eine Band, die weniger redet und mehr macht. Wir haben uns schon immer auf verschiedenen Gebieten, ob sozial oder politisch – genauer gesagt: demokratisch – engagiert, gerade auch was gewerkschaftliche Organisation angeht. Das hört man ja auch aus unseren Liedern heraus. Und die Sachen, für die wir uns aktiv engagieren, stehen nun mal in krassem Gegensatz zu allem, wofür das Bush-Regime steht. Es braucht in den meisten Fällen eben viel mehr, als nur ein paar Leute, die auf die Bühne gehen, sich ein Mikro schnappen und brüllen ‚George Bush sucks‘. Das hat einfach viel zu wenig Substanz. Obwohl es natürlich stimmt. Es reicht nur eben nicht.“

Man könnte also sagen „The power of your example is far greater than what you say!“ Damit wäre wir auch bei meiner nächsten Frage. Dieser Spruch ist ein Zitat von Martin Luther King Jr. und den habt ihr im Booklet von einem eurer Alben. Außerdem covert ihr einen Song von Woody Gutherie, der bekanntermaßen links ist. Wie kannst du es dir da erklären, dass es immer wieder Leute gibt, die euch mit dem rechten Lager in Verbindung bringen wollen?

„Ich denke, das rührt hauptsächlich daher, dass wir schon immer – gerade am Anfang – eine große Anzahl an Skinheads bei unseren Shows hatten. Früher haben wir in Städten gespielt, da kamen 100 Leute zu der Show und die 100 waren fast alle Skinheads. Heute spielen wir in den gleichen Städten vor 1.000 oder mehr Leuten und es kommen immer noch die selben 100 Skinheads wie vor ein paar Jahren. Die Mainstream-Medien haben leider immer noch nicht kapiert, dass Leute mit rasiertem Kopf nicht alle rechts sind. Bei vielen Leuten geht das allerdings nicht so ganz in den Kopf rein, die stempeln die gesamte Skinhead-Kultur als rechts ab, was einfach nicht stimmt.“

Aber abgesehen von den Fans, die als rechts abgestempelt werden, kommt der Vorwurf nicht manchmal auch an euch persönlich?

„Das passiert eigentlich eher selten, denn die wenigsten, die diesen Verdacht eventuell haben, würden das direkt zu uns sagen. Außerdem, die meisten Leute aus unserem Umfeld oder Leute, die auf Konzerten zu uns kommen und mit uns reden, kennen die Texte und kommen gar nicht erst auf solche Ideen. Die Leute, die uns in so eine Ecke stellen, sind hauptsächlich die, die unsere Platten nie gehört haben oder sich zumindest nicht ordentlich die Texte durchgelesen haben; Leute, die vielleicht irgendwo gehört haben ‚Oh, die haben viele Skinheads als Fans, die sind bestimmt irgendwie rechts‘. Jeder, der schon mal auf einem Konzert von uns war, der die Musik kennt, der die Texte kennt, kann und sollte es eigentlich besser wissen.“

Und wo ist da für dich die Grenze zwischen rechten Tendenzen und Patriotismus?

„Na ja, also ich habe einen Sticker mit der amerikanischen Flagge auf meinem Auto. Ich wurde so erzogen, dass ich mein Land eben unter anderem nicht vom rechten Lager, von so Leuten wie George Bush und Konsorten, kaputt machen lasse. Ich will nicht, dass solche Menschen den Namen meines Landes in den Dreck ziehen, was leider gerade geschieht. Diese Regierung repräsentiert nicht, wofür die USA ursprünglich stehen sollten – Werte wie Gleichheit und Freiheit eben. Leider ist die amerikanische Flagge aber auch ein Symbol für diejenigen, die für einen negativen Patriotismus stehen, und sie wird von diesen Idioten für ihre Zwecke missbraucht. Das ist aber eigentlich nicht der Sinn der Sache. Die Flagge und die Verfassung der USA stehen für ganz andere Werte, als sie rechte Patrioten haben. Aber wenn sich jetzt jeder von der Flagge und den Idealen der Verfassung abwendet, nur weil einige Deppen sie falsch interpretieren, dann haben die doch gewonnen! Dann können die doch machen, was die wollen, und sich jederzeit auf diese Symbole berufen. Das wäre dann, als gäbe es die Verfassung gar nicht! Seit dem 11. September ist einiges an Mist abgelaufen, etwa der ‚Patriot Act‘, aber gerade in solchen Situationen ist es wichtig, dass die Menschen ihr Land nicht aufgeben, sondern sich dafür einsetzen, dass es besser wird.“

Ich habe euch jetzt schon zweimal in der Conan O’Brien-Show gesehen. Wie kommt man als Punkband dazu, dort aufzutreten?

„Na ja, so viele Punkbands hat der nicht unbedingt in seiner Sendung, nur ab und zu mal, aber er ist halt auch aus Boston, so wie wir. Er ist echt ein netter Typ und lustig ist er auch. Wir haben uns in seiner Sendung sehr wohl gefühlt und das war die Hauptsache. Wir waren auch noch in einer anderen Fernsehsendung namens ‚The Jimmy Kimmel Show‘. Da war es sogar noch besser, obwohl das eigentlich eine noch größere Sendung ist. Aber der Vorteil war, dass es da ein Publikum im Studio gibt und so spielst du eben nicht nur für die Kameras sondern vor drei- oder vierhundert deiner Fans, was logischerweise für uns die gewohntere Situation und somit angenehmer ist.“

Wie viele Leute kommen eigentlich so zu euren St. Patrick’s Day-Shows in Boston?

„Also der Laden, in dem wir spielen, fasst etwa 2.000 Leute und wir spielen da an sechs Abenden. Rein rechnerisch würde das jetzt 12.000 Leute ergeben, aber es kommen natürlich auch viele Leute zu mehreren der Shows, daher lässt sich das schwer sagen. Es wäre natürlich einfacher, in einem größeren Laden zu spielen, aber da gibt es in Boston leider keinen geeigneten, denn viele der größeren Konzerthallen hier haben Sitzplätze. Das ist ja auch quatsch. Da sehen die Kids uns doch lieber in einem kleineren Club. Ich persönlich spiele ohnehin lieber sechs Abende hintereinander in einem Club, als einen Abend in einer Arena.“

Habt ihr nicht sogar mal einen Preis bekommen für die meisten verkauften Tickets an einem Wochenende?

„Ja, das ist aber auch schon wieder drei Jahre her mittlerweile. Bis dahin waren die RAMONES Rekordhalter gewesen. Seitdem brechen wir selbst eigentlich nur noch unseren eigenen Rekord. Allerdings bezieht sich dieser Rekord nur auf diesen einen Club, nicht auf ganz Boston. U2 waren kürzlich erst da, die haben logischerweise mehr Tickets in weniger Zeit verkauft. Die sind dann doch eher die Stadionfraktion.“

Bei diesen St. Patrick’s Day-Shows habt ihr ja auch immer einige interessante Support-Bands mit im Schlepptau. An Bostoner Bands denke ich da zum Beispiel an die DUCKY BOYS und die BLUE BLOODS. Ich nehme an, das sind alles enge Freunde von euch, oder?

„Ja klar! Ich kann mich aber auch nicht daran erinnern, dass wir je eine Band mit auf Tour genommen hätten, mit der wir nicht befreundet waren. Es gibt eine schier unendliche Liste an Bands, die wir gerne mit auf Tour nehmen würden. In der Hinsicht haben wir einfach riesiges Glück, dass wir es befreundeten Bands ermöglichen können, mit uns zu touren, und dass wir selbst uns nicht mit Bands abgeben müssen, die wir nicht kennen oder mögen. Es gibt ja auch gerade in Boston unheimlich viele gute Bands.“

Das fällt mir auch immer mehr auf. Kannst du mir da vielleicht noch ein paar empfehlen, die ich noch nicht kenne?

„Also zwei hatten wir ja eben schon, die DUCKY BOYS und die BLUE BLOODS. Und wenn ich ehrlich bin, haben diese beiden Bands meine letzten zwei Lieblingsalben herausgebracht. Etwas unbekannter sind da noch die PUG UGLIES. Die sind sogar auf einem europäischen Label und komischerweise ist deren Album noch nicht mal in den USA erschienen, sondern nur bei euch. Dabei sind die richtig gut. Die PUG UGLIES gibt es zwar schon seit einer ganzen Weile, aber das aktuelle Album ist ihre erste Veröffentlichung auf einem richtigen Label. Das sind so die besten Bands bzw. Veröffentlichungen, die ich im Moment so empfehlen kann. Dann gibt es in Boston ja noch die KINGS OF NUTHIN’, aber die sind in Europa wohl schon hinreichend bekannt soweit ich weiß. Diese vier wären so meine Lieblingsbands aus Boston.“

Was mir noch auffällt, ist, dass fast alle Bands aus Boston mit Jim Siegel zusammenzuarbeiten scheinen. Wie kommt’s und habt ihr bei „The Warrior’s Code“ auch wieder mit ihm gearbeitet?

„Wir haben diesmal nicht in seinem Studio aufgenommen, aber er hat das Album abgemischt. Wir haben es auch nur woanders aufgenommen, weil sein Studio zu dem Zeitpunk ausgebucht war. Sein Studio ist erstens das billigste und zweitens ist es sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Es ist zwar nicht groß und es gibt da auch nicht so viel Schnickschnack, aber gerade deswegen ist es einfach der beste Ort, um eine Punkplatte aufzunehmen, und daher kommen auch alle Punkbands zu ihm.“

Was ist eigentlich aus deinem Label Flat Records geworden? Keine Zeit mehr?

„Seit ich Kinder habe, ist das noch schwieriger geworden. Es war nur so ein Ein-Mann-Ding und wenn man dann mit seiner eigenen Band immer auf Tour ist, hat man keine Zeit, sich um die Bands auf seinem Label zu kümmern. Wenn die dann anrufen und sagen ‚Hey, wir sind auf Tour und brauchen noch 100 CDs mehr‘ und du musst denen sagen ‚Ehm, ich bin selbst grad auf Tour und erst in einer Woche wieder daheim. Könnt ihr warten?‘. Das ist eben einfach unfair.“

Claudia Luck

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #61 (August/September 2005)

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