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Interviews & Artikel

DIGGER & THE PUSSYCATS

File under „Down Under“

Himmel, was für ein Bandname. Da sprießen die Assoziationsblüten und, richtig: Punk’n’Roll. Und wie: Schräge Riffs und roher Sound, wie die dreckigen WHITE STRIPES – nur mit ohne Frau und viel Bier. Und so hat auch der Spaßfaktor bei DIGGER & THE PUSSYCATS oberste Priorität, den sie nicht nur im Interview, sondern auch auf ihrer Homepage beweisen. Beispiel gefällig? Bei der Bandvorstellung beschreibt man sich wie folgt: „We are guitarist Sam Agostino, the guy who looks like Pete Sampras after a three-week champagne and pills party, and drummer Andy Moore, who can be recognised as the Ronald McDonald on crack look-alike.“ Ähnlich unkompliziert hat mir Sam dann auch meine Fragen per eMail beantwortet. Wer also schon immer mal etwas über die Trinkgewohnheiten der Aussies wissen wollte, sich gefragt hat, warum gerade vom fünften Kontinent so viele verdammt gute Bands kommen und wie beides eventuell zusammenhängen könnte, der ist hier genau richtig.

Seit 2003 besteht das Duo in diesem Line-up und die Bandphilosophie war selten schnell geklärt: „Die Idee hinter DIGGER & THE PUSSYCATS war natürlich die einer Spaßband. Am Anfang fanden uns die Leute in Melbourne auch echt idiotisch, aber nach einer Weile sind sie voll drauf abgefahren“, erzählt Sam. Daraufhin haben die beiden also ihre Sachen gepackt, sich in ganz Australien den Arsch abgetourt und ihr erstes Album „Young, Tight And Alright“ aufgenommen. Sam sieht den Unterschied zwischen ihrem Debüt und dem neuen Album „Watch Yr. Back“ vor allem in ihrer Herangehensweise: „Unser erstes Album haben wir innerhalb von einem Tag aufgenommen und abgemixt – und ehrlich gesagt hatten wir nicht wirklich damit gerechnet, dass daraus wirklich einmal eine Platte werden könnte ... Das neue Album haben wir über mehrere Monate aufgenommen und hatten auch genügend Material, aus dem wir wählen konnten, so dass es einige Songs auch gar nicht auf das Album geschafft haben.“

So ist „Watch Yr. Back“ dann auch ein wahnwitziges Sammelsurium an dreckigen Punk’n’Roll-Brettern geworden, hier und da auch mal als Garagepunk bezeichnet. Sam hat da so seine eigene Definition: „Uns ist es eigentlich egal, wie und wo die Leute unseren Musikstil einordnen. Beide Bezeichnungen treffen irgendwie auf uns zu, aber ich mache lieber Musik, anstatt sie ewig erklären zu müssen. Wenn mich jemand danach fragt, sage ich immer, dass ich mit einem Kumpel in einer Rock’n’Roll-Band spiele. That’s it.“

Diese Einstellung passt dann auch irgendwie zu dem Gesamtbild, das DIGGER & THE PUSSYCATS abgeben. Sam betont allerdings, dass sie trotz ihrer latenten Fun-Attitüde und dem ganzen „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Ding in ihren Lyrics auch durchaus ernste Themen ansprechen: „Der Song ‚Thanks a lot‘ zum Beispiel ist von einem Mafia-Krieg in Melbourne inspiriert, den wir aus der Ferne während unserer Tour mitbekommen haben. Unsere ganzen Leute daheim haben uns immer mit blutigen Nachrichten auf dem Laufenden gehalten, und so kam es zu diesem Song. ‚Coming to get us‘ ist dagegen ein wirklich simpler Song über die Irak-Invasion und den Ölkrieg. Ich gebe gerne zu, dass ich kein wirklich politischer Mensch bin, und der Song hat vielleicht nur zehn Wörter, aber so sehe ich die Welt und dann schreibe ich auch darüber.“

Eine weitere Besonderheit bei DIGGER ist natürlich die klassische Zwei-Mann-Besetzung, nur wenige Bands trauen sich heute noch ohne Bass oder zweite Gitarre auf die Bühne – eine Tatsache übrigens, die ihnen dann auch gleich den Vergleich mit den WHITE STRIPES eingebracht hat. „Das ist schon witzig“, meint Sam, „dass jeder die Bands, die nur zwei Bandmitglieder haben, untereinander vergleicht. Wir sind um einiges mehr noisy als die WHITE STRIPES, die ja im Grunde ihres Herzens eine Bluesband sind. Aber wir verstehen die Journalisten, die brauchen schnell einen Vergleich, um beim Leser möglichst viele Assoziationen zu wecken. Dann greifen sie eben auf solche Bands zurück.“ Aber im Grunde jucken sie diese Vergleiche auch nicht. Deshalb war meine Frage, ob sie sich jemals überlegt hätten, einen dritten Mann an Bord zu nehmen, auch schnell beantwortet: „Für uns ist einfacher, zu zweit zu sein, eine zweiköpfige Band ist viel dynamischer. Sei es auf der Bühne, beim Songschreiben oder beim Trinken – immerhin musst du da den Pitcher nicht durch drei oder so teilen ...“

Ein sehr entscheidender Vorteil also, der auch nicht durch den Lagerkoller verhagelt wird, der ja um einiges schneller einsetzt, wenn man während der ganze Tour nur ein Gesicht zu sehen bekommt: „That is one hell of a trip.“ Und so läuft auch beim Songwriting alles in der lässigen DIGGER-Art: „Der Songwriting-Prozess ist bei uns sehr einfach. Einer kommt rein und sagt: ‚Ich hab den Song, der geht so ...‘, und dann setzt der jeweils andere mit ein. Wir machen da kein großes Ding draus, wir proben auch nicht. Ich glaube, wir hatten bisher nur vier offizielle Proben ... Wir spielen uns also die neuen Sachen vor und schauen, wie es weiter geht.“ Der fehlende Bass ist für die beiden auch kein Grund zur Aufregung: „Uns macht das gar nichts: Es gibt tausende von Platten, auf denen der Bass nur dem Gitarrenlauf folgt, so dass man fast meinen könnte, da wäre gar keiner – also, was soll das ... Bei DIGGER wird alles ein bisschen höher gespielt und manchmal getrippelt, die Gitarre spielt die Akkorde, und das reicht, um eine Melodie drüber zu legen. Darüber machen wir uns keinen Kopf.“

Und so sind DIGGER & THE PUSSYCATS der lebende Beweis dafür, dass derzeit erstaunlich viele gute Bands vom fünften Kontinent in Europa erfolgreich sind. „Ein Grund ist“, meint Sam, „dass es in den letzten fünf Jahren besonders in Melbourne einen echten Boom an guten Bands gegeben hat – so viele, dass es teilweise sechs oder sieben gute Shows an einem Abend gab.“ Der kommerzielle Markt in Australien ist einfach nicht groß genug, um die ganzen aufstrebenden Bands ausreichend zu unterstützen, deshalb packen diese immer häufiger ihre Sachen und versuchen, auf den größeren Märkten in Europa oder Amerika erfolgreich zu sein: „Bei knapp 20 Millionen Einwohnern liegen die Verkaufszahlen bei höchstens 50.000 Stück, während man in Europa mit diesen Verkaufszahlen immer noch als Underground gilt.“ In Australien muss man als Band einfach nur gut sein, der Rest kommt dann von alleine – eben weil man etwas isoliert ist und oftmals die großen Bands gar nicht nach Down Under kommen. „Umgekehrt gibt es dadurch auch absolut komische Szenen“, erzählt Sam, „es kommt schon mal vor, dass eine dieser vom NME gehypten Bands bei ihrer Australientour gegen die lokale Supportband keinen Stich macht, obwohl die vielleicht nicht einmal eine Platte draußen haben.“

Melbourne ist dabei so etwas wie das Zentrum der Undergroundszene in Australien, während Sydney eher die Basis für die kommerzielle Musikindustrie ist. Die Szene muss zudem extrem wild sein, da es nur wenige, kleine Auftrittsmöglichkeiten gibt und es dazu immer heiß ist. Mindestens einer dieser Gründe erklärt also, warum die Australier laut Sam das betrunkenste Publikum seien und es entsprechend abgehe: „Die Australier verbinden mit DIGGER & THE PUSSYCATS neben einer guten Show auch immer eine wilde Late-Night-Party, insbesondere dann, wenn wir längere Zeit in Europa auf Tour oder im Studio waren. Dann kommen besonders viele Leute, betrinken sich und haben ihren Spaß mit uns“. Auf die Live-Qualitäten der beiden australischen Selbstunterhalter können wir also während ihrer Deutschlandtour im September gespannt sein. Die Einladung zum Showcase in Ulm auf ein paar Bier habe ich dann auch gerne angenommen – auch wenn mich Sam gewarnt hat, dass ich den Abend aufgrund ihrer albernen Witze kaum überstehen werde.

Bastian Streitberger

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #62 (Oktober/November 2005)

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