Interviews & Artikel : HAYSEED DIXIE :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

HAYSEED DIXIE

A Hillbilly Tribute To Good Living!

Betrunkener Poet, Liebesphilosoph, Allrounder, die Hölle heraufbeschwörender Südstaatler. HAYSEED DIXIE-Frontmann Barly Scotch (aka John Wheeler) ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Außerdem ist er definitiv der größte Entertainer, den ich interviewt habe seit Bog Log III und Andre Williams. Ursprünglich stammen HAYSEED DIXIE aus Tennessee, wohnen mittlerweile aber in Nashville, wo sie aber von der Mehrheit der Bewohner ignoriert wurden. Aber nichts könnte sie weniger interessieren, schufen sie doch auf ihren Alben einzigartige, energische Hardrock-Classic-Bluegrass-Hymnen. Oder wie Barly es nennt: High Energy Rock’n’Roll auf Bluegrass-Instrumenten gespielt. Ehrlich gesagt, fragte ich mich schon, ob die Combo auch live zu überzeugen wissen würde. Nun, was soll ich sagen? Barly, Don Wayne Reno (der schnellste Banjo-Spieler der Welt), Dale Wayne Reno (Mandoline) und Bassist Jason lieferten die beste Performance, die ich seit Jahren gesehen habe! Also, hinsetzen und anschnallen, wenn Barly himself einen Einblick in seine Welt gibt.

Erzähl mal, was dich so am Leben hält.

„Was mich am Leben erhält? Das klingt nach einer sehr poetischen Frage, haha. Essentiell ist für mich, so viele Leute wie möglich lachen zu sehen, so oft es menschenmöglich ist. Viele arbeiten in Jobs, die sie nicht besonders mögen, und kommen abends heim zu einem Ehepartner, den sie nicht mehr lieben. Das Letzte, was sie gebrauchen können, wenn sie zu einer Rock’n’Roll-Show gehen, ist irgendein Arschloch, das auf seine Schuhe starrt und von seinem Herzschmerz singt. Wen kümmert das? Lass uns alle nackt herum laufen. Ich mache das, was mir Spaß macht im Leben. Ich reise um die Welt, treffe jeden Tag neue Menschen und trinke mit ihnen Bier. Was gibt es denn sonst? Irgendwann bist du tot und das war es dann.“

Was für eine Geschichte steckt hinter HAYSEED DIXIE? In welchen Bands hast du vorher schon gespielt?

„Nun, die Reno-Brüder, die Banjo und Mandoline spielen, haben vorher in einer Hillbilly-Band gespielt, seit sie klein waren. Ihr Vater war ein berühmter Banjospieler namens Don Reno, er hat um die 600 Songs geschrieben. Er war sehr bekannt in den USA, hat dort auf allen Bluegrass-Festivals gespielt ...“

Vielleicht hat er ja mit Bill Monroe gespielt, der Bluegrass-Legende?

„Yeah! Er hat einige Jahre zusammen mit Bill Monroe gespielt, bevor der zweite Weltkrieg ausbrach. Dann ging er zur Navy, kämpfte im Südpazifik und wurde letztlich wie viele andere auch erschossen. Aber er hat den beiden, als sie klein waren, schon das Banjospielen beigebracht. Und ich? Nun, mein Großvater brannte schwarz Schnaps und mein Vater züchtete Marihuana. Ich entschied mich, zur Universität zu gehen, und tat das zehn Jahre lang.“

Wo liegen deine Wurzeln?

„In Osten Tennessees. Die Geschichte – enthalten auf dem ‚A Hillbilly Tribute To AC/DC‘-Album – ist in diesem Zusammenhang also kein Scherz. In meiner Familie war ich der erste, der jemals die Uni besucht hat. Sie hielten es für einen Scherz, gaben mir die finanziellen Mittel für ein Stipendium, und ich ging nach Milwaukee und studierte dort über zehn Jahre Philosophie. Sören Kierkegaard war einer meiner liebsten Philosophen und deshalb wollte ich immer mal nach Kopenhagen.“

Ich glaube, er ist hier begraben ...

„Yeah! Ich werde sein Grab suchen und Whiskey darüber gießen, haha. Aber ich habe auch die deutschen Philosophen studiert und schlussendlich schloss ich mit Dr. Phil ab. Ich wollte nie weg von der Uni, ich liebte es, den ganzen Tag zu trinken, Texte zu verfassen und über wirres Zeug zu reden. Ich fand es großartig, aber irgendwann haben sie mich rausgeschmissen, und so ging ich zurück nach Nashville. Dort habe ich auch Don und Dale getroffen und wir wurden Freunde. Dann machten wir in nur zwei Tagen unser erstes Album mit den AC/DC-Songs. Einfach etwas, um es unseren Freunden auf Partys zu geben. Wir tranken Bier, hatten Spaß, die Songs zu spielen, und dachten, anderen Biertrinkern könnten sie auch gefallen. Ein Lächeln in das Gesicht anderer Menschen zu zaubern, ist meine Ambition.“

Ihr seid also auch mit 70er Jahre-Hardrock aufgewachsen?

„Ja, verschiedenes Zeug. Mein Vater und mein Onkel mochten diesen Hillbilly-Kram, Bill Monroe und Hank Williams Sr. Die erste Platte, die ich mir jemals gekauft habe, war ‚Whiskey Bitten Hellbound‘ von Hank Williams Jr., eine Outlaw-Country-Platte. Die zweite war ‚Highway To Hell‘ von AC/DC. Ich glaube, es gibt da keinen großen Unterschied. Es ist irgendwie das Gleiche, nur von einem anderen Arbeitswinkel heraus betrachtet.“

Südstaaten-Rockbands wie THE OUTLAWS, BLACK OAK ARKANSAS ...

„Ja, die waren cool. Und LYNYRD SKYNYRD. Ronnie Van Zandt war brillant in meinen Augen. Ein wahrer Poet. Er schrieb auf intelligente Art und Weise seine Texte und brachte so viele LYNYRD SKYNYRD-Fans zur Schwarzen Musik. Es gab viel Rassismus im Süden, mehr als heute. Wir alle müssen sterben, aber Ronnie starb viel zu früh. Egal, wir sind mit Hillbilly-Musik und Rock’n’Roll aufgewachsen und haben uns nie Gedanken gemacht, was wohl mit der AC/DC-CD passieren würde. Umso überraschter waren wir dann, als all diese Leute bei uns anriefen, die unsere Platte rausbringen wollten. Wir sagten: ‚Okay, lass sie uns rausbringen!‘ Und innerhalb kürzester Zeit verkauften wir 50.000 Stück. Das war der Punkt, wo es hieß: ‚Wir holen uns lieber einen Bassisten und spielen ein paar Gigs.‘ Und das ist jetzt vier Jahre her. Es gab nie einen Masterplan. Solange das Publikum und wir Spaß haben, machen wir weiter. Im August erschien in England ‚Let There Be Bluegrass‘ ...“

Es sind zum Teil Live- und auch Studioaufnahmen. Ist das so eine Art Best-of-Compilation?

„Fünf Songs sind live, fünf neu und sechs oder sieben von bisher unveröffentlichten US-Releases ...“

„Ace of spades“?

„Yeah! Und ‚Whole lotta Rosie‘, der nicht auf unserem ersten AC/DC-Album war.“

„Ace of spades“ wurde als Country-Song aber schon vorher von anderen Bands gecovert.

„Nun, das wusste ich nicht. Ich mag den Song einfach und ich habe ihn mit den RENOS gespielt, die ihn nie zuvor auf meiner Akustikgitarre gehört hatten. Sie stiegen sofort mit ein und es war klar, dass wir das aufnehmen würden.“

Ich glaube, jeder gute Rock’n’Roll- oder Blues-Song kann als Country-Version gespielt werden ...

„Ja, und jeder gute Bluegrass-Song kann als Rock-Song gespielt werden. Wenn es ein guter Song ist, ist es ein guter Song.“

Ihr seid in Nashville ansässig, aber hat eure Musik überhaupt eine Chance, im Country-Radio gespielt zu werden?

„Nicht im Country-Radio! Was die in den USA als ‚Country‘ bezeichnen, ist Popmusik mit einem näselnden Unterton. Die Zielgruppe sollen Mittelstandsfrauen sein. Alles, was diese Radiotypen machen, ist zugeschnitten auf diese Hausfrauen. Das sind wir nicht! Wir werden im Klassik-Rock-Radio gespielt. Wir machen auch viele spezielle Sachen. Die Morgenshows, wenn die Leute zur Arbeit fahren, die Comedyshows mit Stand-up-Comedians. Zeug halt, das nicht ganz so im Interessensmittelpunkt der Leute liegt. Wir haben nie versucht, im Country-Radio gespielt zu werden. Das ist alles so eingeschränkt, und ehrlich gesagt, kümmert es mich auch nicht.“

Bei eurer Version von „Hell’s bells“, was ist das für eine Glocke? Ist das
so eine Art Fahrradklingel?


„Es ist eine Klingel, wie sie an der Rezeption in Hotels zu finden ist. Wir haben so viel Zeit in Hotels verbracht und mussten diese Klingel so oft ertragen, dass es eine echte Qual für uns ist. Als wir in Holland waren, benutzten wir eine Fahrradklingel. Diese kleinen Fahrräder sind dort überall. Sie überfahren dich quasi. Also dachten wir: ‚Eine Fahrradklingel in Holland, das sind echte ‚Hell’s Bells‘, haha.“

„I’m keeping your poop“, einer eurer eigenen Songs, ist das ein Liebeslied, haha?

„Nein, er ist gedacht als positiver Song. Er soll dir helfen, wenn jemand seinen Müll auf dir ablädt. Auch wenn es schwer zu glauben ist. Auch mir hat mal jemand sehr weh getan. Da war dieses kleine süße Mädchen von der Uni und ich war bestimmt fünf Jahre lang in sie verliebt. Dann hatte sie eine Affäre mit ihrem Psychologieprofessor und ich war total angepisst. Tagelang lief ich herum, mir war schlecht und ich dachte, dass niemand so besonders ist wie sie. Wie der alte Kierkegaard sagen würde: ‚Du musst eine Entscheidung treffen und herausfinden, was dir wichtig ist.‘ Also dachte ich darüber nach. Wenn dich jemand aus unerfindlichen Gründen verlässt, sind alles, an was du dich erinnerst, die 5%, die gut waren, und du vergisst die 95%, die dich fast dazu gebracht hätten, denjenigen umzubringen, richtig? Also, warum nicht einfach alles, was man an der Person nicht mochte, zusammenfassen und erkennen, dass er oder sie gar nicht so etwas Besonderes sind? Also habe ich diesen Song geschrieben, um mich daran zu erinnern, und ihn auf die CD gepackt, als öffentlichen Service für jeden, der mal in der gleichen Situation stecken sollte wie ich damals.“

Ihr habt ein AC/DC-, KISS- und ein Mix-Album gemacht. Was kommt als nächstes – BLACK SABBATH?

„Weißt du was, wir haben gerade unser neues Album fertig gestellt, bevor wir auf Tour kamen – ‚A Hot Peace Of Grass‘. Die Hälfte sind Originale und der Rest ist BLACK SABBATH- und LED ZEPPELIN-Zeug. Wir haben eine krachige Version von ‚War pigs‘, die wir heute Abend spielen werden. Wir werden jede verdammte Sekunde dieses Songs spielen, Mann! Wir sind zwar keine politische Band, und die einzige Message, die wir jemandem geben würden, wäre die Nummer unseres Hotelzimmers, haha. Aber trotzdem hat der Song auch gerade heute noch eine große Bedeutung. In Anerkennung an unsere Jungs, die im Irak wegen irgendeiner Scheiße erschossen werden. So wie ich das sehe, geht es doch nur darum, die Reichen noch reicher zu machen. Ich werde deswegen keine Volksreden halten, aber der ganze Mist kotzt mich schon an.“

Was können die Leute von einer HAYSEED DIXIE-Show erwarten?

„Schlichtweg eine High Energy-Rock’n’Roll-Show, gespielt auf Bluegrass-Instrumenten. Unser Ziel ist es, die Leute zum Bier trinken zu animieren. Es gibt einfach niemanden, dem kein Lächeln über das Gesicht huscht, wenn er Don Wayne so schnell Banjo spielen sieht. Es gibt so viel Leid in der Welt, Mann, wir sind Entertainer. Unsere Rolle in der Gesellschaft ist wie das Öl in einem Motor. Wir halten den Motor am laufen und werden hoffentlich noch mal flachgelegt, haha. Deswegen sind wir hier.“

Jens Kofoed-Pihl

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #62 (Oktober/November 2005)

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