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Interviews & Artikel

WALTER SCHREIFELS

... Sings All The Hits

Sei es Ende der 80er Jahre mit der HC-Band GORILLA BISCUITS, Anfang der 90er mit den Indie-Pionieren QUICKSAND oder im neuen Jahrtausend mit dem Emo-Rock-Outfit RIVAL SCHOOLS, Walter Schreifels hat dem Untergrund in jeder Dekade seinen Stempel aufgedrückt. Und wieder mal war es Zeit für ihn, etwas ganz Neues auszuprobieren. WALKING CONCERT heißt seine neue Band, die wunderbaren Gitarrenpop mit der ihm typischen schrägen Note spielt. Vor der gemeinsamen Präsentation der Songs des neuen Albums „Run To Be Born“ (Some/Devil Duck) samt Band kam Walter, dessen Großvater aus Osnabrück in die USA auswanderte, ohne Band und nur mit seiner Gitarre im Koffer über den Teich, um alte und neue Hits auf einer Solo-Tour zum Besten zu geben. Geht nicht? Gibt’s nicht. Denn Walter Schreifels hat sie schließlich, die Hits, und besitzt zudem eine gesunde Menge an Idealismus und Lebensfreude, die manch anderem mittlerweile abhanden gekommen zu sein scheint.

Erzähl doch mal, wie es zu dieser „Walter Sings All The Hits“-Tour kam.

Ein Freund von mir führt einen Club in New York und hatte die Idee, Akustikkonzerte zu veranstalten. Eines Tages fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte zu spielen. Ich sagte spontan zu, hatte es aber wieder total vergessen, als er dann plötzlich anrief und sagte, die Show sei in einer Woche. Das ist ungefähr drei Monate her. Zu diesem ersten Gig kamen überraschend viele Leute. Ich sang Lieder, die ich während meiner Karriere geschrieben hatte, unter anderem von QUICKSAND, GORILLA BISCUITS, RIVAL SCHOOLS und WALKING CONCERT, die ich so zusammen noch nie auf der Bühne präsentiert hatte.

RIVAL SCHOOLS löste sich vor ein paar Jahren relativ plötzlich auf. Warum?
Unser Gitarrist wollte damals eine Solokarriere starten und das war dann auch der Anfang vom Ende. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt die Nase voll von der Band, kam mit einigen Mitgliedern überhaupt nicht mehr aus. Es kam mir vor wie ein Déjà-vu-Erlebnis, etwas, das ich bereits von QUICKSAND kannte. Nichts gegen die Band, ich liebe fast alle RIVAL SCHOOLS-Lieder, aber am Ende hätte man mir schon sehr viel Geld bezahlen müssen, um noch mal gemeinsam auf die Bühne zu gehen. Den ganzen Ärger wäre es nicht wert gewesen. Wir hatten nach dem Album „United By Fate“ ein paar Demosongs aufgenommen und das Label faselte etwas von Singleauskopplung und ähnlichem Bullshit. Nicht mit mir! Nehmt meine Songs oder lasst es, ich jedenfalls werde euch nicht den Gefallen tun und euch eine Chartsingle schenken.

Wie sieht es mit deiner neuen Band WALKING CONCERT aus?
Nach RIVAL SCHOOLS wollte ich etwas komplett Neues machen und heraus kam WALKING CONCERT. Unsere Platte wird im Oktober auch endlich in Europa über Devil Duck Records erscheinen. Den Namen der Band habe ich dem Film „Crossroads“ entlehnt. In dem Film tauscht der Hauptdarsteller seine elektrische gegen eine Akustikgitarre ein und bezeichnet sich selbst als „Walking Concert“. Diese Idee, Spaß mit seiner eigenen Musik zu haben, egal, wo man sich befindet, fand ich sehr passend.

Die Platte „Run To Be Born“, die du selber produziert hast, erscheint in den USA über dein eigenes Label Some Records. War das eine logische Folge nach den Erfahrungen mit den Majors?
Ich wollte einfach keine Kompromisse mehr eingehen, so wie es mit RIVAL SCHOOLS der Fall war. Wir hatten damals einen Produzenten, mit dem ich mich ständig in den Haaren hatte. Ich fühlte, dass ich künstlerisch die Kontrolle über meine Musik verloren hatte. Eine Erfahrung, die sich nicht wiederholen sollte.

Die Platte ist definitiv ruhiger ausgefallen als alles, was du vorher gemacht hast. Trotzdem trägt sie unverkennbar deine Handschrift. Gibt es einen musikalischen roten Faden, den du auf jeder deiner Platten wieder aufnimmst?
Ja, absolut. Ich finde, dass sich meine Songs aber über die Jahre stark weiterentwickelt haben. Genauso, wie ich mich selber weiterentwickelt habe. Aber auch wenn die neuen Songs etwas anders klingen sollten, haben sie eine gewisse Ähnlichkeit, vor allem mit den Songs der GORILLA BISCUITS. Sie sind ebenso einfach gestrickt, poppig und sollen Spaß machen. Der Unterschied ist, dass Bands wie GORILLA BISCUITS oder QUICKSAND einem ganz bestimmten musikalischen Genre zugeordnet werden.

Heißt das, du willst heute eher als Songwriter wahrgenommen werden als ein Vertreter einer bestimmten Musikrichtung?
Ganz genau. Ich als Persönlichkeit möchte dem Publikum einen gewissen Sinn vermitteln. Ich habe stets ein kreatives Leitbild, das ich umzusetzen versuche. Nach jedem Projekt hatte ich bisher ziemlich schnell den Drang verspürt, wieder etwas anderes machen zu wollen. Da ist es von außen natürlich manchmal schwer zu verstehen, welchen Weg man als Künstler gerade eingeschlagen hat.

Ist das auf Dauer nicht auch sehr ermüdend, immer wieder von vorne anfangen zu müssen?
Klar ist es das. Vor allem, wenn man nicht als der wahrgenommen wird, der man ist. Als wir letztes Jahr hier in Deutschland als Opener der DONOTS spielten, wussten definitiv nicht viele Kids, wer da vor ihnen auf der Bühne steht. Aber darin liegt auch eine Chance, schließlich spielten wir als eine Art Newcomer vor einem großen, sehr jungen Publikum. Neu anzufangen, ist hart, aber ich war eben nie wirklich Karriere orientiert, sondern machte stets das, wozu ich Lust hatte.

Deine Texte handeln sehr oft von Beziehungen. Verarbeitest du deine eigenen Erfahrungen?
Ich verarbeite größtenteils das, was ich selber erlebt habe, ja. Ich verspüre nicht so einen Drang, unbedingt über Politik oder die Szene singen zu müssen. Die Songs handeln aber nicht nur von Beziehungen, die ich mit Frauen hatte, sondern von Beziehungen jeglicher Art. Sei es mit Freunden oder mit mir selbst. In „The animal“ geht es zum Beispiel um einen perfekten Tag, den man, wenn es hoch kommt, vielleicht einmal im Jahr erlebt. Dieses Gefühl habe ich versucht festzuhalten.

Warum coverst du Marc Bolans „Mustang Ford“?
Ich habe als überzeugter Fahrradfahrer meinen Führerschein erst dieses Jahr gemacht und brauchte deshalb einen Song, der vermittelt, dass ich jetzt endlich Auto fahren kann. Außerdem ist der Song irgendwie sexy und rockig. Genau so, wie ich mich fühle, wenn ich am Steuer sitze.

Wusstest du, dass, obwohl Marc Bolan sehr viele Songs über Autos geschrieben hat, selber nie einen Führerschein besaß und an den Folgen eines Autounfalls starb – am Steuer saß seine Schwiegermutter?
Wirklich? Das ist mir neu! Und ich covere extra ein Lied von ihm, weil ich es mit Autofahren verbinde. Abgefahren.

Wie läuft denn dein Label Some Records, das du zusammen mit Sammy Ziegler (unter anderem YOUTH OF TODAY, JUDGE) betreibst?
Sammy hat mittlerweile mehr mit dem Label zu tun als ich. Ich habe mitgeholfen, es aufzubauen, bin aber eigentlich gar nicht mehr involviert, außer dass ich ab und an Geld von ihnen überwiesen bekomme. Eigentlich ein toller Job, oder?

Ist Sammy eigentlich noch bei LIMP BIZKIT aktiv?
Oh nein! Sammy ist damals nur für die Aufnahmen im Studio eingesprungen, weil der LIMP BIZKIT-Drummer ernsthafte Drogenprobleme hatte. Die Zusammenarbeit mit Fred Durst, dem Sänger der Band, war wohl sehr intensiv, da er nach Sammys Aussage komplett verrückt ist. Wir lachen heute noch darüber.

Wir kam es zur GORILLA BISCUITS-Reunion-Show im CBGB’s?
Civ, unser Sänger, rief mich eines Tages an und fragte, ob ich Lust hätte im CB’s zu spielen. Ich sagte spontan zu, da es ja um eine gute Sache ging. Als mich keine drei Stunden später jemand anrief und fragte, ob wir nicht eine komplette Tour in Japan und Europa spielen wollten, hegte ich aber schon Zweifel, ob das denn die richtige Entscheidung gewesen ist. Einen ganzen Monat lang wurde ich mit solchen Angeboten bombardiert! Ich hatte Luke, unseren Drummer, bereits ein paar Monate vorher mit seiner neuen Band gesehen. Er ist mittlerweile ein exzellenter Schlagzeuger geworden und wir beschlossen, mal zusammen zu spielen, sobald sich die Gelegenheit ergeben würde. Die GORILLA BISCUITS-Show war dann war wirklich der absolute Hammer, aber so will ich es auch in Erinnerung behalten. Alles Weitere wäre ein Schritt zurück.

Euer Album „Start Today“ ist damals auch als Lizenzpressung beim deutschen Label We Bite erschienen. Habt ihr dafür jemals einen Pfennig gesehen?
Wir bekamen einen festen Betrag, der aber im Vergleich zu der Menge an Platten, die das Label tatsächlich verkaufte, geradezu lächerlich wirkt. Sie legten uns falsche Verkaufszahlen vor, von anfallenden Tantiemen ganz zu schweigen. Das waren echt die Oberabzocker und ich wünsche ihnen jegliches Pech dieser Erde. Das hatte rein gar nichts mit Punk oder sonst einem Ideal zu tun, da ging es nur um Kohle machen, genau wie bei einem Majorlabel.

Bodo Unbroken

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #63 (Dezember 2005/Januar 2006)

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HALFNOISE ist das Soloprojekt von Zac Farro, Drummer von PARAMORE. Musikalisch geht es aber vielmehr in die Richtung Indie-Rock mit Synth-Pop Einflüssen – BEACH BOYS meets BEATLES, Jangle-Rock meets Jazz oder Surf-Pop meets STONES. Inspiration für ... mehr