Interviews & Artikel : ZATOPEKS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ZATOPEKS

Die Enkel Buddy Hollys

Die ZATOPEKS beschreiben sich mit der Selbstetikettierung, ihre Musik klänge, als träfe Buddy Holly auf die RAMONES, eigentlich am besten, immerhin sieht Trommler Pete Sematary aus wie ein unehelicher Sohn Buddys. Vergleicht man sie aber mit dem Spätwerk Ben Weasels, so tritt eine vergleichbare Singer/Songwriter-Affinität hervor, die maßgeblich von Tom Waits und Charles Bukowski geprägt ist. Das Lied an sich triumphiert also über den Effekt. In letzter Zeit schleicht sich auch ihr englisches Erbe in Form leichter Streetpunk-Akzente ein. Gestoßen war ich auf die Schweinehunde unter skurrilsten Bedingungen: An einem absurden Ort, notorisch für andere Musik, zu einem absurden Zeitpunkt, dem richtigen nämlich. Die ZATOPEKS eroberten mein Herz im Sturm mit ihrem harten Pop-Punk der besten SCREECHING WEASEL-Schule, dem Himmelfahrtscharakter ihrer schmerz- und furchtlosen Bühnenlokomotive und, aus persönlichen Gründen, die hier verschwiegen seien, mit ihren deutschsprachigen Ansagen. Identitätsstiftend sind auch die Referenzen an Orte, zum Beispiel meine alte Straße. Eines Nachts sind die Schweinehunde möglicherweise sogar singend aus einer der zahlreichen Kneipen getorkelt, während ich am Ende gerade spätnachts Punkrock-Artikel abtippte. Niemand in meinem Freundeskreis mag Pop-Punk und ich selbst suchte auch niemals die Bekanntschaft zu Vertretern dieses Genres. Die Adepten ebenso wie die Skeptiker befleißigen sich in der Rezeption dieses Punkrock-Aspektes regelmäßig der geläufigen Stereotypen: Gleichförmigkeit, textliche Beschränkung auf Party, sowie der Verzicht auf politische Inhalte geboren aus allgemeiner Ignoranz. Die ZATOPEKS diesen Sommer erneut auf der Bühne erleben zu dürfen, war für mich nicht nur ein persönlicher Triumph, sondern auch das energetischste Live-Ereignis diesen Jahres. Wer den Bühnentanz des Ladybug (Marienkäfer) sowie Circle Pits, Crowdsurfing, Wall of Death und die Raupe noch nie erlebt hat, sollte den Besuch einer ihrer Shows im Dezember in Betracht ziehen. Am Rande der Eröffnung des RAMONES-Museums sprach ich mit den drei singenden ZATOPEKS.

Beim Anhören der aktuellen CD fiel mir auf, dass sich viele Lieder auf Orte beziehen, wie zum Beispiel „Vienna“ oder „City lights“.
Will: Ich reise oft mit dem Bus und schreibe darüber. Ich verknüpfe von Musik getragene Gefühle gerne mit der Betrachtung eines bestimmten Ortes, statt es irgendwo in Amerika spielen zu lassen. Ich bin auch ein großer Fan des Cometbus-Fanzines. Aaron Cometbus trommelt bei PINHEAD GUN POWDER und schreibt ihre Texte. Er war auch bei CRIMPSHRINE und CLEVELAND BOUND DEATH SENTENCE. Sein Stil ist die gleiche Art des Geschichtenerzählens wie unsere. Gegenstände und selbst seine Bands sind für ihn an den Orten verwurzelt: Wenn er die Stadt verlässt, um woanders zu wohnen, verlässt er auch die Bands und hört auf, ihre Lieder zu spielen. Das mag ich. Viele meiner Lieder sind auch während meines Jahres in Berlin entstanden. Ich hatte einen spannenden Aufenthalt hier mit Mädchen und so. Oder auch ohne ... Für mich gilt, dass der beste Auslöser für ein Lied ist, wenn man verlassen wird. Du entwickelst insbesondere in einer fremden Stadt das Gefühl „Ich gegen die Welt“.

Besteht die Gefahr, dass persönliche politische Überzeugungen oder eine gewisse Ernsthaftigkeit korrumpiert werden vom Feiern, das oft vom Pop-Punk-Genre propagiert und vertreten wird?
Will: Wir sind zutiefst links, wenigstens die meisten von uns. Wir sangen speziell in unserer alten Band 3 1/2 INCH FLOPPY sehr politische Lieder und ich schreibe im Moment welche, doch ich fürchte, sie könnten den Spaßaspekt korrumpieren. Politische Lieder – gut gemachte – können umwerfend sein, aber unser Album auf Stardumb Records ist hundertprozentig unpolitisch.
Sam: Und Lieder gegen George Bush sind einfach erbärmlich.

Ich rede weniger von den Texten. Mir erscheint das Genre Pop-Punk Grenzen zu haben und ich frage mich, was man tun kann, um ein Profil zu gewinnen.
Will: Viele Bands versuchen, wie SCREECHING WEASEL zu klingen, sind textlich aber völlig eindimensional, doch die deckten für meinen Begriff eine große Zahl an Themen ab. Eines unserer neueren Lieder ist „Daily Mail“, über eine wirklich schreckliche, rechte Zeitung. Wir haben das für eine EP als Jazz-Variante im Big-Band-Stil aufgenommen.
Sam: Wir hören alle sehr unterschiedliche Arten von Musik, und wenn etwas cool klingt, für eine Pop-Punk-Band aber ein Tabu darstellt, ist das für uns das Signal, „Drauf geschissen!“ zu schreien. Wenn wir ein Country-Stück machen wollen, machen wir das ebenso wie ein Drum’n’Bass-Stück, haha.
Spider: Ich bin Punk seit meinem 15. Geburtstag. Als ich zu den ZATOPEKS stieß, war die Musik sehr viel wütender, während heute die Melodien in den Vordergrund drängen. Es ist cool, dass wir so viele Einflüsse in unserem Stilmix verrühren können. Neben Hardcore mag ich Rock’n’Roll und Pop-Punk, und ich betrachte uns nicht als stereotype Pop-Punk-Band, die einfach nur dasteht und nach den RAMONES klingt.

Was hat es mit „Sophie Scholl“ auf sich? Will, du revoltierst da scheinbar gegen eine Tatsache, die du nicht wirst ändern können.
Will: Ich habe deutsche Geschichte an der Universität studiert und schrieb ein Essay über die Weiße Rose. Mein ganzes Zimmer war voller Kram über sie, ich hing sogar Fotografien von ihr auf und hatte Material, das nicht so bekannt ist. Beim Sichten habe ich mich dann wahrhaftig in sie verliebt und entschieden, mir in den Arbeitspausen die Gitarre zu schnappen und das Lied zu schreiben. Ja, sie versetzt mich in Erstaunen.

Bezieht sich die Textzeile „Aquinus in her hand“ auf das zuletzt von ihr gelesene Buch?
Will: Nein, das bezieht sich auf die Konversion Sophie und Hans Scholls zum katholischen Glauben. Sie waren in einer atheistischen oder wenigstens agnostischen Familie aufgewachsen und nahmen vor allem die Lehren des heiligen Thomas von Aquin an. Er war ihnen ein Vorzeichen und eine intellektuelle Inspiration zu ihren Taten.

Wie seid ihr auf die SPAZZYS gestoßen? Ihr habt ja gegenseitig Lieder über euch geschrieben. Habt ihr sie jemals getroffen?
Sam: Lucy und Kat kamen vor drei Jahren nach London, wo unser anderer Bruder wohnte. Ihre Eltern sind aus Kroatien und sie bereisten den Kontinent, um ihre Verwandtschaft zu treffen. Ich sang damals für 3 1/2 INCH FLOPPY und Sebby fragte mich, ob ich diese beiden Mädchen, die die Band sehen und mit uns feiern wollten, nach Birmingham bringen könnte.

Und du hast nur „Mädchen“ gehört!
Sam: Ja. Es stellte sich heraus, dass die SPAZZYS nichts anderes sind als die ZATOPEKS in weiblicher Gestalt. Und sie sind wirklich Rock’n’Roll bis auf die Knochen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt wildere Mädchen getroffen. Wir hatten zwei Wochen später einen Auftritt in Rotterdam, bei dem Ivo von den APERS für sie trommelte, und verbrachten fünf Tage miteinander. Wir haben uns einfach in sie verliebt und erzählten ihnen, dass wir ein Lied über sie schreiben würden, woraufhin sie auch eines über uns schrieben ...
Spider: ... das zehnmal besser ist als unseres und Abertausende von Australiern gehört haben müssen.
Sam: Das Album hat sich wenigstens zwanzigtausendmal verkauft.

Wäre es nicht geil, beide Lieder auf einer Platte zu haben?
Sam: Das Problem ist, dass sie bei einem Major unter Vertrag sind und damit Gesetzmäßigkeiten in Kraft treten, die sich auf ein Verbot, eine 7“ mit einer blöden Band aus England zu veröffentlichen, ausdehnen. Am wichtigsten ist uns aber, sie eines Tages wieder zu treffen, denn ausverkauft haben sie sich gewiss nicht. Sie küssen weiterhin keine Ärsche und machen, was sie wollen.

Walmaul

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #63 (Dezember 2005/Januar 2006)

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