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Interviews & Artikel

MIKE PARK

Hard working Asian man

Im Herbst 2005 veröffentlichte Mike Park mit „North Hangook Falling“ ein tolles Singer-/Songwriteralbum, dessen Songs mich sehr berührten, weil Mike Park mit ihnen verschiedene Emotionen auf begeisternde Art und Weise vermittelt. Mike Park ist aber bei weitem mehr als nur Musiker. In meinen Augen gehört der sympathische Herr zu den wichtigsten und respektabelsten Persönlichkeiten der weltweiten Punkrockszene. Er ist jemand, dem die Ideale von Punkrock hoch wichtig sind und der die D.I.Y.-Ethik sehr ernst nimmt. Diese Ideale äußern sich nicht nur in der Arbeit, die Mike Park für das von ihm gegründete Label Asian Man Records macht, das zu den feinsten Punkrock-Labels überhaupt gehört. Mike Park gründete die „Plea For Peace“-Foundation, die vor allem in den USA sehr sinnvolle politische Arbeit macht, und spielte außerdem in der BRUCE LEE BAND, bei SKANKIN’ PICKLE und den CHINKEES. Dass er bei all diesen Tätigkeitsfeldern noch Zeit für Solo-Touren findet, ist beeindruckend und gleichsam toll, denn seine Auftritte sind ebenso interessant und gut wie sein Album „North Hangook Falling“. An einem kalten Novemberabend sprach ich mit Mike Park, bevor er abends als Support von ALKALINE TRIO auftrat.

North Hangook Falling“ erschien im Herbst 2005. Was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen diesem und deinem ersten Soloalbum?


Der grundlegende Unterschied zwischen den Alben ist, dass ich auf „North Hangook Falling“ fast jeden Song mit einer kompletten Band aufgenommen habe. Die Instrumentierung meines Solodebüts ist wesentlich simpler. Neben meiner Stimme und der von mir gespielten Akustikgitarre ist nur noch ein Cello eingesetzt, während für das neue Album auch Bässe und Schlagzeug aufgenommen wurden. Das Album insgesamt ist sehr emotionell, ich habe versucht, viele Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dadurch, dass wir das Album sehr schnell und größtenteils live aufgenommen und die Songs im Nachhinein nicht bearbeitet haben, kommen die Emotionen in meinen Augen gut zum Ausdruck, weil die Songs pur und nicht glatt geschliffen klingen.

Was für Emotionen meinst du?

Auf dem Album kommen viele Stimmungen zum Ausdruck. „Kiss me baby“ ist ein Liebeslied, neben Liebe und Sehnsucht werden aber auch Wut, Traurigkeit, Motivation und Hoffnung vermittelt. Hinsichtlich der ausgedrückten Emotionen ist „North Hangook Falling“ ein vielschichtiges Album.

In einigen Songs sprichst du über Korea, welche Rolle spielt das Land für „North Hangook Falling“?

Korea spielt nicht nur für das Album eine Rolle, für den Menschen Mike Park ist das Land ebenfalls sehr wichtig, was daran liegt, dass ich aus diesem Land stamme.

Du bist Patriot?

Nein, ich betone Korea, weil ich den Leuten vermitteln möchte, dass es auch dort eine aktive Punkrock-Szene gibt. Denn schau dich mal um, wie viele koreanische Punkbands kennst du?

Gar keine.

Siehst du, neunzig Prozent der Leute, die ich in den USA und Europa treffe, reagieren so wie du. Das würde ich gerne ändern, indem ich ihnen durch meine Verbindung mit dem Land zeige, dass es gute koreanische Musik gibt. Außerdem möchte ich auch koreanischen Musikern Hoffnung machen. Denn wenn sie sehen, dass ich einigermaßen in der westlichen Welt mit meiner Musik über die Runden komme, dann könnte dies auch sie dazu ermutigen, daran zu arbeiten, dass man sie in den Musikszenen in den USA und Europa wahrnimmt.

Warum hast du „North Hangook Falling“ auf Sub City Records und nicht auf deinem eigenen Label Asian Man Records herausgebracht?

Das hat viele Gründe. Einer der gewichtigen Gründe ergab sich dadurch, dass sich in der Vergangenheit immer wieder Bands von Asian Man Records bei mir beschwerten. Oft wurde mir vorgeworfen, dass ich meine Band, die CHINKEES, die auch auf Asian Man waren, besser bewarb als andere Bands. Das hat sehr an mir gezehrt, und um diesen Ärger aus dem Weg zu gehen, habe ich „North Hangook Falling“ auf Sub City heraus gebracht. Ich würde mehr Geld machen, wenn ich das Album selber heraus bringen würde, aber hey, mich haben diese Unstimmigkeiten mit meinen Bands extrem genervt, daher ist es mir wichtig, dass sie aus der Welt sind, auch, wenn ich dafür weniger Geld bekomme. Dazu kommt meine Neugier, zu erfahren, wie ein anderes Label mit mir als Künstler arbeiten würde. Bis jetzt habe ich immer nur selber Platten herausgebracht, deswegen war es interessant einmal in die Perspektive eines Künstlers zu rutschen, der seine Alben nicht selber veröffentlicht.

Hattest du aufgrund deiner langjährigen Erfahrung mit Asian Man gewisse Vorstellungen oder gar Forderungen, wie Sub City das Album bewerben sollten?

Nein, eigentlich nicht. Lewis, der Besitzer von Hopeless Records sowie Sub City, und ich waren uns sehr schnell einig über alles. Es ist eine Veröffentlichung, für die mit einem geringen Budget gearbeitet wird. Und da mir Promotion nicht sehr wichtig ist, war mir ein kleines Budget auch vollkommen recht. Ich sagte Lewis, dass er für mein Release keine großen Anzeigen schalten muss und keinen großen Marketingaufwand betreiben sollte. Denn das Wichtigste für mich ist, dass das Album gut erhältlich ist.

Deine Haltung gegenüber Promotion- und Marketingmaßnahmen ist sehr ungewöhnlich. Wie kommt das?

Ich weiß, viele zeitgenössische Bands legen großen Wert auf intensive Bewerbung ihrer Releases. Was mich angeht, denke ich, dass der Underground immer wissen wird, wer ich bin. Daher brauche ich weder Ruhm, noch großen Erfolg. Solange ich das tun kann, was ich möchte, ab und zu herumreisen und nette Leute treffen kann, bin ich glücklich. Weißt du, ich denke, dass Kapitalismus die Persönlichkeit vieler Menschen verändern kann, Punks und Punkbands eingeschlossen. Kapitalismus hat eine Kraft entfaltet, die die Wertvorstellungen und Ziele vieler Menschen verändert hat. Dieser Eingriff in die inneren Wertesysteme vieler Menschen hat auch Einfluss auf die Punkszene und ich denke, dieses äußert sich zum Beispiel darin, dass Punkrock massiv kommerzialisiert wird. Und massive Bewerbung von Releases, große Marketingbudgets und pompöse Videos sind letztlich ein Auswuchs dieser Kommerzialisierung. Von dieser möchte ich mich aber abgrenzen und gegen den Strom schwimmen. Meine Haltung gegenüber Promotionmaßnahmen hilft mir dabei, auf dem Boden zu bleiben und meine persönliche Vision von Punkrock zu leben. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen zwar nach wie vor Punkrockmusik lieben, dass die Integrität der Szene aber nach und nach verschwindet. Wirtschaftliche Interessen entwickeln eine immer größere Dynamik und setzen sich in den Köpfen vieler Leute fest. Dem versuche ich auf einer persönlichen Ebene entgegen zu wirken.

Inwieweit kommt diese Haltung auch in der Labelpolitik von Asian Man zum Ausdruck?

Diese Haltung ist Grundlage meines Lebens und somit auch philosophisches Fundament meines Labels. Wir hatten viele Kooperationsangebote von großen Labels, die bewirkt hätten, dass unser Label bekannter und finanziell sicher auch stärker geworden wäre. Umso bekannter du wirst, desto mehr Kompromisse musst du aber eingehen. Mit einigen Kompromissen geht eine Aufgabe deiner selbst einher. Hinsichtlich Asian Man hätte das geheißen, dass jeder Kompromiss eine Verwässerung der Labelphilosophie bedeuten würde. Deswegen habe ich all diese Angebote abgelehnt. Der Labelbetrieb ist nach wie vor sehr einfach. Wir operieren aus der Garage meiner Eltern heraus, ich habe einen Mitarbeiter und das war’s. Very simple, but I like it.

Auf Asian Man hast du neben den CHINKEES auch deine weiteren Bands THE BRUCE LEES BAND und SKANKIN’ PICKLE herausgebracht. Bei SKANKIN’ PICKLE hatte ich das Gefühl, dass ihr knapp daran vorbeigeschlittert seid, sehr bekannt zu werden. Teilst du diese Ansicht?

Teilweise, SKANKIN’ PICKLE war die einzige von meinen Bands, die mit der Zeit bekannter wurde, was an den vielen Konzerten lag, die wir spielten. Daher würde ich deine Ansicht teilen. Bekannt zu werden, war aber kein Ziel der Band, deswegen würde ich deiner Aussage wiederum nicht in vollem Umfang zustimmen. Wir lehnten Anfang der 1990er das Angebot einer großen Plattenfirma ab, damals waren die Zeiten noch so, dass du als Punkband abgelehnt wurdest, wenn du einen Deal mit einem Major abgeschlossen hast. Ganz ehrlich gesagt, frage ich mich, warum so etwas heute niemanden mehr kümmert.

Du klingst verbittert ...

Das bin ich auch! Mir ist schleierhaft, was mit den Grundideen von Punkrock passiert ist. Warum kümmern sich junge Bands so wenig darum, wer sie vermarktet und mit ihnen Geld macht? Ian McKaye scheint mir einer der wenigen zu sein, die Punkrock-Ethik noch leben. Damit die Ideale am Leben erhalten bleiben, braucht die Szene aber junge Menschen, die in seine Fußstapfen treten. Wenn das nicht passiert, dann war es das. Ich versuche zwar auch, die Werte und Ideale von Punkrock zu vermitteln, Ian McKaye hat aber wesentlich stärkeren Einfluss als ich.

Aber ist es nicht menschlich, von seiner Musik leben zu wollen und ein Angebot, das diesen Wunsch erfüllen kann, anzunehmen?

Natürlich, daraus ergibt sich ja gerade die Problematik dessen, was wir gerade diskutiert haben. Ich will keine Band verurteilen, jedes Mitglied einer Band verdient es, seinen Lebensunterhalt mit Musik bestreiten zu können. Gleichzeitig frage ich mich aber, ob es nicht einen anderen Weg gibt, um dieses Ziel zu erreichen. Kann man das nicht auch ohne die massive finanzielle Unterstützung eines großen Konzerns schaffen und somit umgehen, dass man insbesondere als Punkband dazu instrumentalisiert wird, die Umsätze eines multinationalen Konzerns zu stärken?

Geh doch abschließend noch auf die von dir gegründete „Plea for Peace“-Foundation ein.

Gerne. Die Motivation zur Gründung der Foundation hatte ich Ende der 1990er. Zu dieser Zeit erlebten Bands wie LIMP BIZKIT und KORN ihre Hochphase, populäre Musik war also hart und strahlte größtenteils eine sehr negative Energie aus. Dazu kam das unsägliche „Woodstock“-Festival, bei dem es zu Ausschreitungen und Vergewaltigungen kam. Alles zusammen empfand ich als einen großen Haufen Bullshit, dem ich etwas entgegensetzen wollte. Mit der Organisation wollte ich erreichen, dass Musik wieder mit einem sozialen Bewusstsein vereint wird und Musik somit wieder eine Aussage hat.

Wie hat sich die Organisation in deinen Augen entwickelt?

Das ist schwer zu sagen. Leider habe ich nur sehr wenig Zeit, ich habe ja noch Asian Man und meine Solo-Shows, von denen ich 2006 aber sehr wenige spielen werde. Dennoch werden wir 2006 ein Musikzentrum für Kinder eröffnen, um junge Leute mit aussagekräftiger Musik und Kunst in Berührung zu bringen. Dies wird auch der Zeitpunkt, an dem ich anfangen muss, Leute einzustellen und Aufgaben zu delegieren, weil ich es ab dann wirklich nicht mehr alleine bewältigen kann. Das wird auch problematisch, weil ich sehr ungern Aufgaben aus meiner Hand gebe. Alles in allem hat die Organisation mittlerweile aber einen guten Namen, denke ich.

Lauri Wessel

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #64 (Februar/März 2006)

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