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Interviews & Artikel

DOLLSQUAD

Retro-Dolls from Down Under

Wie klein die Welt doch ist: Vor einem Jahr hatte mir Joey, die Frontfrau der All-Girl-Band DOLLSQUAD aus Melbourne, Australien, deren erste EP geschickt, mir gefiel das, ein Song landete auf der Ox-CD, und dann stellte sich heraus, dass ich ihren Ehemann Matt(hias) aka "Boy from Germany" von Konzertbesuchen in Essen kannte. Und so kam es, dass wir Ende 2005 in der retrostylishen Wohnung der beiden in Melbourne zu Besuch waren, ich DOLLSQUAD praktischerweise im "Pony" live sehen konnte und mich so von den optischen wie musikalischen Qualität des Vierers überzeugen konnte. Alleine das Interview fand nicht face-to-face statt, sondern via eMail, und erscheint jetzt passend zur anstehenden Deutschlandtour.


Kannst du etwas über die Bandgeschichte erzählen? Ich weiß, dass es euch seit einiger Zeit gibt, aber eure erste Platte ist erst 2005 erschienen.


DOLLSQUAD habe ich vor zwei Jahren in Melbourne gegründet. Ich wollte eine Girl-Band gründen, die völlig anders als alle anderen in der Melbourner Musikszene ist. DOLLSQUAD setzt sich eigentlich aus den Überbleibseln meiner alten Band BACKSEAT LOVERS zusammen. Das war eine Zwei-Mädels/Zwei-Jungs-Geschichte. Janet, die DOLLSQUAD-Bassistin, war auch dabei. Wir haben längere Zeit parallel an beiden Projekten gearbeitet, aber dann haben sich BACKSEAT LOVERS aufgelöst, da ich mich mehr auf die Arbeit mit DOLLSQUAD konzentrieren wollte.

Euer Bandname "DollSquad" hat für mich irgendwie einen Russ Meyer-Touch. Außerdem ist der harte Kontrast zwischen dem weichen Wort "Doll" und dem militärischen Begriff "Squad" fast ein Oxymoron.

Wow, du bist der erste Interviewer, der mich darüber so direkt ausfragt! Der Name kommt von einem coolen 70er-Jahre B-Movie von Ted V. Mikels mit Namen "The Doll Squad". Aber unser Bandname wird zusammen geschrieben, also nur DOLLSQUAD. Das betont, dass wir ein Zusammenschluss von zwei widersprüchlichen Vorstellungen sein wollen, nämlich einerseits feminin und andererseits tough. Genau das ist es, was ich an Russ Meyer so liebe: seine Darstellung von Frauen, die gleichzeitig sexy und stark sind.

Euer erster Release, eine EP mit vier Songs, hatte den großartigen Titel "Retro Dolls From Hipsville". Inwieweit war das eine Selbstbeschreibung?

Ich weiß nicht so ganz, ob das eine Selbstbeschreibung/Selbstdarstellung ist. Ich mag die "Hipsville 2000 BC"-Garagepunk-Compilations echt gerne und "Retro Dolls" ist eine Anlehnung an Actionfiguren, die der B-Movie-Kritiker und Modellbauer John Harrison uns nachempfunden hat.

Stimmt, ich habe gesehen, dass es DOLLSQUAD-Actionfiguren zu kaufen gibt. Was steckt dahinter?

John Harrison aka "The Graveyard Tramp" hat uns angesprochen und bot an, eine Limited Edition von Actionfiguren für uns zu machen. Er ist Drehbuchautor und Filmkritiker für Something Weird Video und wir sind Freunde geworden. Die Actionfiguren gibt es auf seiner Website: thegraveyardtramp.freewebspace.com.

Auf der EP ist auch ein autobiographischer Song von dir namens "Boy from Germany".

Ja, das stimmt, der Song ist über meinen Mann, der Deutscher ist. Wir haben uns in Köln im Underground kennen gelernt. Es ist eine persönliche Widmung an ihn, denn, verglichen mit den australischen Männern, wirkt er so cool. Er tanzt, wenn er zu einem Rock'n'Roll-Konzert geht, er kleidet sich cool, er schreit nach Zugaben - das macht hier niemand - und er kennt sich sehr gut in der Rock'n'Roll-Szene aus. Die deutsche Rock'n'Roll-Szene ist meiner Meinung nach sowieso ziemlich cool. "Boy from Germany" ist außerdem allen coolen Rock'n'Rollern aus Deutschland gewidmet, weil sie alle eine Song-Widmng verdienen. Warum singen Leute so oft über "Traumorte" wie Ipanema, Baltimore oder Kalifornien? Warum schreibt man keine Liebeslieder über Stadtlandschaften oder Großstädte? Dort lebt der Rock'n'Roll! Das Ruhrgebiet ist das beste Beispiel für so eine Stadtlandschaft. Hier in Australien würde man niemals Bergarbeiter oder Stahlarbeiter mitten in einer Stadt antreffen.

Wie kommt es, dass auf dem Cover der EP nur drei Girls zu sehen sind, obwohl im Booklet vier aufgeführt sind?

Das kommt daher, dass unsere erste Drummerin Clare Moore so etwas wie eine Berühmtheit ist. Sie spielte zusammen mit ihrem Mann Dave Graney bei THE MOODISTS und trommelte auch schon für Nick Cave. Zurzeit spielt sie für Kim Salmon von den SCIENTISTS und BEASTS OF BOURBON. Sie wollte die Outfits nicht tragen, daher gab es anfänglich nur Fotos von uns Dreien. Jetzt haben wir eine neue Schlagzeugerin, die Nicola heißt, da Clare nicht mit uns auf Tour gehen wollte, weil sie schon etwas älter ist und das alles schon hinter sich hat.

Joey, gehe ich richtig in der Annahme, dass du Kopf der Band bist?

Ich habe die Band gegründet. Das war immer mein Traum. Den meisten Promotion-Kram mache ich selber. Aber in musikalischer Hinsicht wird DOLLSQUAD aus vier Richtungen gleichberechtigt gespeist, was mit Sicherheit der wichtigste Aspekt ist. Die Dynamik der Band ist, meiner Meinung nach, nahe an der Perfektion. Jede Persönlichkeit bereichert die andere und alles läuft sehr rund.

Girl-Bands scheinen entweder sexy beziehungsweise Outfit-orientiert zu sein, oder aber sie gehören zu diesem Riot-Grrrl-Typ, die bei "Lady Fests" weltweit spielen. Oder gibt es da deiner Meinung nach etwas dazwischen? Wo siehst du euch?

Als ich DOLLSQUAD gegründet habe, wollte ich eine Mischung aus einer stereotypen sexy Girl-Gang, die man in 60er-Jahren Biker-Streifen finden kann, militärischen Assoziationen von Bands wie RADIO BIRDMAN und dem harten, schnellen Sound von Punkbands wie THE UNDERTONES, TEENAGE HEAD, THE ZEROS, THE SPEEDIES, THE PRETTY THINGS, die ich als ursprüngliche Punkband ansehe, und natürlich THE RAMONES, vereinen. Ich wollte die Dualität von unkonventioneller Sexiness und auch Weichheit, wenn du so willst, verbunden mit hartem Rock'n'Roll-Sound, weil das nur sehr wenige Girl-Bands machen. Ich bewundere Bands wie SHE, THE RUNAWAYS, THE PANDORAS, THE BROOD, BABES IN TOYLAND und NIKKI AND THE CORVETTES, weil sie so viel erreicht haben. Viele - aber bei weitem nicht alle - Girl-Bands sind entweder sexy und "sweet-sounding", oder aber sie machen "ass-kicking" Rock'n'Roll und spielen die Tatsache herunter, dass sie Frauen sind, und kleiden sich eher im traditionell "männlichen" Stil. Die allgemeine Auffassung ist nun mal, dass Frauen nicht rocken können, es sei denn, sie kleiden sich wie Kerle. Das ist doch totaler Scheiß! Wir lachen uns oft darüber kaputt, dass wir privat oder beim Aufbauen Jeans, Converse und T-Shirts tragen. Aber das sind für DOLLSQUAD keine Klamotten für die Bühne!

Steckt hinter eurem Tun eine feministische Absicht?

Ja, es steckt eine große feministische Absicht in unserer Arbeit, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht gleichzeitig auch eine Fun-Band sein können. Noch mal, bei uns geht es echt um die Verbindung von zwei Komponenten, die die Leute nicht unbedingt zusammen vermuten würden: Feminismus und Spaß ... auch wenn das alle Leute nicht direkt sehen, weil sie sich nicht genug Gedanken darüber machen. Abgesehen von meiner Arbeit mit DOLLSQUAD, organisiere ich seit 2003 ein Mini-Festival mit Namen "Girls In The Garage", das Girl-Bands und weibliche Solokünstler präsentiert. Normalerweise findet es ein- oder zweimal pro Jahr statt. DOLLSQUAD ist eine völlig unabhängige Band, was bedeutet, dass wir alles selbst organisieren und verhandeln. So haben wir zum Beispiel eine ganze Europatour selbst organisiert. Meiner Meinung nach sind wir feministischer, als manche politischen Bands, da wir unser weibliches Aussehen nicht verändern, um ernst genommen zu werden, was in der männlich dominierten Musikwelt immer noch stark verbreitet ist. Anstatt davon eingeschüchtert zu sein, dass wir Frauen sind, die in der Rock'n'Roll-Szene beheimatet sind, betonen wir so sehr Frau zu sein, dass unser Nichteingeschüchtertsein in eine Art Werkzeug zur Prävention von Beschränktheit in der australischen Musikszene - eine andere Szene ist uns soweit ja noch nicht bekannt! - geworden ist. Ich glaube, dass unsere Aussage unterschwelliger ist als die mancher offensichtlicher politischen Bands. Aber genau deshalb scheint unsere Message mehr zu fruchten als jedes "Men suck!"-Geschrei. Der "wahre" Feind ist doch die allgemeine Meinung, dass Mädels zu Bands tanzen oder einen Freund in einer Band haben, aber selbst in keiner Band spielen dürfen. Guck dir doch mal MTV an, da siehst du viele Mädels mit herumshakenden Hintern und Titten, aber ohne Instrument in der Hand.

Die äußerliche Erscheinung scheint euch sehr wichtig zu sein, ihr tragt immer sehr aufwendige Stage-Otfits. Wer inspiriert euch oder entwickelt die Ideen?

Meistens entwerfe ich die Outfits, die ich dem 60er-Jahre-Stil oder Vintage-Magazinen anpasse/nachahme. Ich habe sogar alte Burda-Ausgaben aus den 60ern. Ja, für uns ist das Image wichtig. Besonders für mich waren Mode, Style und Ästhetik schon immer besonders wichtig. In den 80ern war ich ein Mod-Girl, meine ganze Wohnung ist im 50er- und 60er-Stil gestaltet. Meine Quellen der Inspiration sind Mary Quant, Pucci, John Bates - der Kostümdesigner von Emma Peel -, Paco Rabanne - er designte Barbarellas Kostüme -, Norma Tullo - der australische Mod-Designer - und sogar Vivienne Westwood, wegen ihrer revolutionären Ideen.

Wie schwer ist es, diese coolen 60er/70er-Klamotten aufzutreiben? Oder sind sie alle selbstgemacht?

Die identischen Kostüme sind selbstgeschneidert, alle anderen sind Originale von Flohmärkten. Die Second-Hand-Läden in Melbourne sind echt genial, um Vintage-Klamotten zu finden. Die achte Todsünde für Designer-Vintage-Zeug ist jedoch eBay!

Musikalisch scheint ihr von Sixties-Garage-Punk, Power-Pop, Mod und Rock'n'Roll inspiriert worden zu sein ...

Du hast es auf den Punkt getroffen! Das Ziel war es, das Beste von Sixties-Garage-Punk und 77er Power-Pop mit der Atmosphäre, Harmonie und dem Band-Image von 60er-Jahre-Girl-Bands zu verbinden. Einige meiner Lieblingsbands sind THE PRETTY THINGS, STEPPENWOLF, THE MUSIC MACHINE, THE KINKS, THE SAINTS, THE RAMONES, THE LITTLE MURDERS, THE REAL KIDS, NIKKI AND THE CORVETTES, THE CRAMPS, Johnny Thunders, THE FUZZTONES, THE CYNICS, DMZ, THE PANDORAS, THE BROOD, Suzi Quatro, LE TIGRE, THE CAESERS, THE EXPLOIDING HEARTS, SHIFTER, THE JAM, UNDERTONES und so weiter.

Ihr seid gerade dabei, eine neue Platte bei einem belgischen Label rauszubringen.

Es ist ein neues Label, ein Sublabel von Bang Records und heißt Cherry Bomb Records. Das neue Release ist eine 7" und wurde zweispurig auf Vintage-Instrumenten aufgenommen. Es ist also eine richtige Retro-Mono-Aufnahme. Die EP umfasst vier Lieder und heißt "Fast Girl". Wir machen außerdem ein Cover von "Find it" von Lyn Carey. Dieser Song stammt von der fiktiven Band THE CARRIE NATIONS aus "Beyond The Valley Of The Dolls" von Russ Meyer. Gleichzeitig kommt auch ein Longplayer auf CD bei Teen Sounds in Italien raus. Beide Releases sollten vor unserer Tour käuflich sein und ein Song vom Longplayer ist ja auf der aktuellen Ox-Compilation.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #65 (April/Mai 2006)

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