Interviews & Artikel : ZSK :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ZSK

Born to be active

Die letzten Jahre waren für die deutsche Punkrockszene durchwachsene Jahre. Mit WIZO verabschiedete sich eine der wichtigsten deutschen Bands, die BEATSTEAKS haben - vollkommen berechtigt - einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und weitere Bands ließen mal mehr, mal weniger von sich hören. Während sich diese unterschiedlichen Entwicklungen einzelner Bands vollzogen, entpuppten sich ZSK aus Berlin besonders in den letzten zwei Jahren als eine hart arbeitende Band, die erstens stets auf eine deutliche politische Aussage bedacht war und zweitens nach und nach größer werdende Konzerte spielte und so Stück für Stück bekannter wurde. Während das im September 2004 erschienene zweite Album der Band "From Protest To Resistance" ein geradliniges, melodisch-hartes Punkrockalbum war, das gewissermaßen den Grundstein für die vielen (großen) Konzerte der Band legte, gestaltet sich das im April auf Bitzcore erscheinende dritte ZSK-Album "Discontent Hearts And Gasoline" anders. Die Band kehrt in 13 Songs mehr denn je eine persönliche Seite heraus, spricht aber nach wie vor auch explizit über politische Themen. Dazu kommt, dass sich das Quartett um Sänger und Gitarristen Joshi musikalisch versierter präsentiert als zuvor. Da hört man ganz ruhige Momente, Pianoeinsätze und ganz allgemein Songs, die auf den Hörer sehr viel durchdachter und detaillierter wirken als vorherige ZSK-Songs. Mit Fug und Recht kann man sagen, dass diese Band sich weiterentwickelt hat, denn "Discontent Hearts And Gasoline" vereint den für ZSK typischen Punkrock mit neuen musikalischen sowie textlichen Ideen. Anlässlich des Albums stand Joshi Anfang des Jahres Rede und Antwort.


2004 und 2005 habt ihr unzählige Shows gespielt, seid mit den DONOTS, T(I)NC, den TOTEN HOSEN und BAD RELIGION getourt. Darüber hinaus habt ihr euren ersten Videoclip "Keine Angst" gedreht und seid auf einer Vielzahl europäischer Festivals aufgetreten - Rekordjahre für ZSK?


Sicher, in den letzten zwei Jahren haben sich schlagartig viele neue Möglichkeiten für ZSK aufgetan. Etwa, dass wir professionell ein Video gedreht haben und die Chance hatten, Shows mit vielen bekannten Bands zu spielen. Für die Band war das toll und deswegen haben wir uns in den letzten Jahren stärker denn je auf ZSK konzentriert und andere Tätigkeiten dafür in den Hintergrund rücken lassen. Gerade durch unsere Shows ergaben sich auch auf persönlicher Ebene viele coole Erfahrungen. Ich fand es zum Beispiel wahnsinnig spannend, mit Brian Baker von BAD RELIGION, der auch bei MINOR THREAT spielte, nach einem Konzert zu quatschen. Einfach, weil er viele Stücke geschrieben hat, die uns maßgeblich beeinflusst haben. Als er uns sagte, dass er die ZSK-Show klasse fand, waren wir wirklich geehrt. Aber auch die Shows, die wir mit den TOTEN HOSEN gespielt haben, waren sehr besonders für uns. Denn ihr Album "Kreuzzug ins Glück" war das allererste Punkrockalbum, das ich besaß.

Hattet ihr einen schweren Stand als Support der TOTEN HOSEN?

Absolut nicht, ich weiß aber, was du meinst. Das Management der Hosen hat uns im Voraus gewarnt, dass eine DTH-Supportband zuweilen ausgebuht wird und nach zehn Minuten ihres Sets das Publikum "Hosen! Hosen!" schreit. Daher ging uns im Voraus der Arsch auf Grundeis, wir haben uns auch deswegen sehr intensiv auf diese Konzerte vorbereitet. Das hat sich, denke ich, ausgezahlt. Denn auf keiner der Shows hatten wir Probleme mit dem Publikum der TOTEN HOSEN.

Du sagtest zu Beginn, dass sich die Entwicklungen der letzten zwei Jahre schlagartig vollzogen. Ehrlich gesagt, hatte ich eher das Gefühl, dass alles Schritt für Schritt kam.

Na ja, wenn man die Evolution von ZSK von Anfang an betrachtet, dann vollzogen sich die Entwicklungen sicher Schritt für Schritt. Dennoch, nach dem Release von "From Protest To Resistance" ging für uns alles sehr viel schneller als zuvor. Dass diese Welle von Ereignissen ausgelöst wurde, lag aber nur daran, dass wir fünfeinhalb Jahre hart daraufhin gearbeitet hatten. Wir haben unentwegt Shows in kleinen Juzes gespielt, Solikonzerte gegeben und sind jedes Wochenende unterwegs gewesen und haben irgendwo in Deutschland auf Küchen- oder Wohnzimmerböden nach einer Show übernachtet. Das, was wir in dieser Zeit gemacht haben, ermöglichte uns erst all das, was nach "From Protest To Resistance" passierte.

Hättest du dir in den ersten fünf Jahren ZSK manchmal ein Management gewünscht, dass euch auf eine große Tour bucht und euch somit wie aus dem Nichts bekannter macht?

Nein, auf keinen Fall. Damals haben wir alle Shows selber gebucht und haben alles weitere, was die Band betrifft, selber organisiert. Das war sicherlich auch harte Arbeit, sie hat uns aber große Freude bereitet. Deswegen bestand zu keinem Zeitpunkt der Wunsch danach, dass uns jemand davon erlöst, indem er uns diese Aufgaben abnimmt und ZSK irgendwo platziert, wo wir damals ohnehin nicht hinein gepasst hätten. Mittlerweile arbeitet jedoch ein Management und eine Bookingagentur für uns, weil wir es zeitlich nicht mehr schaffen, diese Aufgaben wahr zu nehmen. Heute treffen wir alle Entscheidungen der Band gemeinsam mit dem Management und/oder der Agentur.

Lass uns über euer neues Album "Discontent Hearts And Gasoline" sprechen. Wie seid ihr an das Album heran gegangen, entstand es schon zu der Zeit, als ihr 2004/2005 viele Shows gespielt habt oder habt ihr euch nach den Konzerten Zeit genommen, um die Platte entstehen zu lassen?

ZSK ist keine Band, die auf Tour Songs schreiben kann. Das liegt daran, dass wir auf Konzertreise dazu fast keine Zeit haben, denn wir sitzen täglich mehrere Stunden im Sprinter, um von einer Show zur nächsten zu fahren. Nightliner-Touren fahren wir ja kaum, deswegen fehlt auf Tour die Ruhe, um Stücke zu schreiben. Daher haben wir uns nach der "From Protest To Resistance"-Tour drei Monate Zeit genommen, haben jeden Tag im Proberaum zugebracht, um viele Songs für das neue Album zu schreiben. Die Idee war gerade nicht, dass wir schnell 15 bis 20 neue Songs für das Album schreiben, sondern die, dass wir recht viele, am Ende waren es ungefähr 40, Songs schreiben und aus ihnen nach und nach die besten für die Platte auswählen.

Wie sind die einzelnen Songs entstanden?

Der Grundsatz, auf dem wir die Arbeit am Album aufbauten, war der, dass wir unsere Songideen frei fließen lassen, uns textlich wie musikalisch nicht selber beschränken und am Ende einfach schauen, was für Songs dabei heraus kommen. Nimm "24. August 1992", das Klavierstück, das das Album beschließt. Früher wäre ein solcher Song für ZSK undenkbar gewesen, weil es für uns selber nie in Frage kam, eine solche Songidee auf einem Album zu verarbeiten. Von Beschränkungen dieser Art haben wir uns bei "Discontent Hearts And Gasoline" frei gemacht.

Du sprichst in den 13 Songs mehr als zuvor über persönliche Dinge.

Stimmt, die Stücke sind teilweise persönlicher als alles, was ich bisher geschrieben habe. In diesen Songs wie etwa "Wenn der letzte Vorhang fällt" oder "Geschichten von Gestern" steckt viel von mir drin, der Person Joshi. In den letzten Jahren habe ich viele Dinge erlebt, die mir nahe gegangen sind, ich habe mich mit vielen Gefühlen, Erfahrungen und Situationen auseinander gesetzt und sukzessive versucht, all die Eindrücke, die ich dabei gewonnen habe, in Songs zu verarbeiten. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass sich auf dem Album nach wie vor auch sehr politische Songs befinden. Die persönlichen Songs stellen daher eine neue Dimension von ZSK dar, definieren die Band aber nicht grundlegend neu. Außerdem kann ich politische Überlegungen und Erlebnisse nicht von meinen Gefühlen trennen, für mich greift beides ineinander und hängt eng miteinander zusammen. Daher denke ich, dass vielen der persönlichen Songs auf "Discontent Hearts And Gasoline" auch eine politische Bedeutung zukommt. Neben diesen eher persönlicheren Songs findet man auf unserem neuen Album aber auch einige explizit politische Songs. Etwa "Wenn so viele Schweigen", ein Song, der klar gegen rechtsradikales Gedankengut und die menschenverachtende Ideologie der Nazis ist. Alles in allem sind wir mit der Mischung von persönlichen und politischen Songs wirklich zufrieden, wir haben uns in dieses Album noch mehr reingehängt als in alle vorherigen. Und in meinen Augen hat sich diese Arbeit ausgezahlt.

Während manche der persönlicheren Songs dem Hörer einen Interpretationsspielraum der Texte lassen, spricht die das Album begleitende DVD "Kein' Bock auf Nazis" eine überdeutliche politische Sprache.

"Kein' Bock auf Nazis" wurde von uns produziert und wir verteilen sie auf unseren Konzerten gratis. Durch die Unterstützung von unseren Sponsoren haben wir es geschafft, eine Startauflage von 30.000 Exemplaren zu produzieren. Der Vertrieb der DVD wird über die Website keinbockaufnazis.de abgewickelt, wo man die DVD gratis bestellen kann. Mit der DVD wollen wir in diesen Zeiten, in denen die NPD in Sachsen und Brandenburg sehr viele Wählerstimmen bekommt und Nazis auf ihren Demos Musik von Bands wie SLIME, TON STEINE SCHERBEN und WIR SIND HELDEN spielen, klar machen, dass hier kein Platz ist, für rechtes Gedankengut und diese abscheulichen Haltungen.

Die Idee, "Kein Bock auf Nazis" zusammen zu stellen, fand ihren Ursprung also in dem momentan massiven Vormarsch der NPD beziehungsweise Nazis im Allgemeinen?

Genau, unsere Wut darüber, dass im Moment so verdammt viel von Rechts passiert, war die Geburt der DVD. Man muss der Entwicklung der rechten Szene unbedingt entgegen treten, denn heutzutage gibt es jeden Tag Nazi-Übergriffe auf Ausländer und alternative Jugendliche. Nur weil es im Moment keine krassen Brandanschläge wie damals in Rostock und Hoyerswerda gibt, heißt das nicht, dass die Bedrohung von rechts eingeschränkt sei oder gar ganz verschwunden wäre. In vielen Städten hat sich eine rechte "Jugendkultur" heraus gebildet, die zum ganz normalen Stadtbild gehört und die intern detaillierte Organisationsstrukturen aufweist. Nazis organisieren füreinander Konzerte, Fahrten und derlei, was den Zusammenhalt dieser Gruppen stärkt und sie deswegen immer bedrohlicher macht. Auf der DVD lassen wir ja viele weitere Bands wie DIE ÄRZTE, DIE TOTEN HOSEN, CULCHA CANDELA, MUFF POTTER, DONOTS und MADSEN zu Wort kommen, um ein großes Publikum anzusprechen und ihm Mut zu machen, etwas gegen Neo-Nazis zu tun, und darüber hinaus auch Rat zu geben, was genau man gegen Neo-Nazis unternehmen kann. Durch die Bands, die auf der DVD sprechen, können wir viele Leute erreichen. Mit den Infos und Links, die man auf der DVD findet, wollen wir außerdem darauf hinweisen, welche konkreten Aktionen gegen Nazis unternommen werden können. Ich weiß, dass es schwer ist, gegen Neo-Nazis anzugehen, wenn man in einem Stadtteil oder einem Dorf wohnt, wo viele der Jugendlichen rechts sind. Hoffentlich können wir Leuten, die in genau einer solchen Situation stecken, mit der DVD etwas Mut machen und helfen, sich langfristig gegen Neo-Nazis zur Wehr zu setzen.

Lauri Wessel

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #65 (April/Mai 2006)

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