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Interviews & Artikel

PUNKMOVIES: DEADLY NAM

Vietnam aus Norddeutschland

"Deadly Nam", der erste norddeutsche Vietnam-Film, feierte am 25.01.06 Premiere in Bremen. Der Amateurfilm wurde irgendwo zwischen Bremen und Verden in Wäldern und auf Kuhwiesen gedreht und beantwortet die Frage nach Political Correctness schlicht und einfach damit, dass er - genau wie die trashigen US-Vorbilder, die er persifliert - nicht politisch korrekt ist. Wie die Idee zu einem solchen Projekt entsteht und realisiert wird, verriet mir Produzent und Drehbuchautor Hendrik Thiele.


Wie seid ihr den auf die Idee gekommen, einen norddeutschen Vietnam-Film zu machen?


Ich und meine Kumpels stehen halt schon Ewigkeiten auf B-Movies à la Chuck Norris oder Michael Dudikoff, und der Trash-Faktor ist dabei einfach so hoch, dass wir uns überlegt haben, dass man das Ding eigentlich noch mal toppen müsste. Also praktisch den Leuten Tribut zollen, die es nicht mal verdient haben, und dann selbst, für sich, so ein Spaßprojekt draus machen.

Und worum geht es in dem Film?

Die Handlung ist schnell erzählt und ziemlich dünn. Es geht um so einen Squad von GIs, die im Vietnamkonflikt einen unbekannten Sektor erforschen sollen, wo Charlie irgendwelche Aktivitäten plant. Das Ganze nimmt eine ganz unvorhersehbare Wendung und die GIs finden sich dann in einem tückischen Kugelhagel wieder ...

Es spielt ja ein Haufen von Menschen mit, die man aus einschlägigen Hardcore-Bands kennt oder zumindest in der norddeutschen Szene schon mal gesehen hat. Nenn doch mal ein paar Namen, welche Bands da so vertreten sind und wer da so mitspielt.

Zum Beispiel Lars Krolik, der hat früher zuerst bei PROVIDENCE gespielt, eine ganz alte Band von ihm, dann war er bei TURNOVER und zum Schluss KATE MOSH. Lars ist in Norddeutschland eigentlich auch als der "Judge" bekannt, weil er die ganzen Konzerte hier in Bremen gibt und das alles managet und außerdem begnadeter Platten- und T-Shirt-Sammler ist. Dann spielt Sven Schönmann mit, von JUST WENT BLACK aus Hamburg. Seb aus Münster, der bei Green Hell arbeitet, erst HIGHSCORE hatte und jetzt SHORT FUSE. Christoph Müller, auch bekannt als DC, hat auch früher bei TURNOVER, KATE MOSH gespielt und spielt und singt jetzt bei MINION. Philipp Steinke, ex-FORCE OF CHANGE, future-LOCK AND LOAD, zusammen mit Urs Peter Hagedorn, der davor SURF NAZIS gemacht hat ... Also schon relativ viele! Ich weiß nicht, ob mir jetzt alle eingefallen sind, aber das ist auf jeden Fall der größte Teil.

Und wie kam es zu der Zusammenarbeit? Hängt ihr auch sonst alle zusammen ab oder ist es so, dass alle Leute, die Hardcore hören, auch zwangsläufig Vietnam-Filmfans sind?

Das natürlich als allererstes, da führt kein Weg dran vorbei ... Nee, aber ehrlich, wir kennen uns eigentlich alle, sehen uns regelmäßig auf Shows, und sofern man nicht zu weit auseinander wohnt, hängen wir auch regelmäßig miteinander ab. Das war auch mehr der Grund, warum wir zusammengekommen sind, weil wir uns halt gegenseitig kannten, das Ding ein Film unter Freunden werden sollte und uns eine ganz komische "Liebe" zu Vietnam-Schrottfilmen und irgendwelchem Machogehabe in Filmen verbindet.

Es gab da ja auch eine Szene, wo GIs mit geXten Händen in die Schlacht ziehen. War euch von Anfang an wichtig, dass da eine Straight Edge-Message mit im Film ist oder ist euch das spontan dabei eingefallen?

Das ist leider - "leider" betone ich sogar - spontan entstanden, weil Hauke Hirsinger - den hab ich eben vergessen, der hat früher bei AGE ASSAY, was eine ganz frühe Hardcore-Geschichte aus Bremen ist, eine der ersten Vegan-Bands in Deutschland - und Urs sich spontan aus Scheiß beim Dreh geXt haben und dann mehr oder weniger vergessen haben, das vor ihrer Szene wieder abzuwaschen. Es hat mich erst ein bisschen geärgert, als ich es im Film gesehen habe, aber scheiß drauf, es trägt zum Trashfaktor bei.

Also war die Straight Edge-Message nicht von vornherein geplant?

Nee, überhaupt nicht. Soll auch nach wie vor gar nicht sein. Und teilweise mussten ja auch Schauspieler, die Edge waren, Zigarren in dem Film paffen. Ich betone: nur gepafft. Denen war bereits nach ein-, zweimal Paffen schlecht, also ganz schöne Weicheier, die da Krieg spielen wollten ...

Erzähl doch mal, wie die Dreharbeiten so abliefen.

Wir haben insgesamt an zwölf Wochenenden gedreht, das hat mir schon erstmal fast ein Magengeschwür bereitet, weil ich das Drehbuch natürlich leider so geschrieben habe, dass fast immer alle Leute in den Szenen vor der Kamera waren und ich immer um die zwanzig Leute organisieren und dirigieren musste. Nicht so lustig war, als die Polizei mal angetanzt ist, weil eine Drehgenehmigung nicht weitergeleitet worden war, und die dann da mit drei, vier Bussen aufgekreuzt sind und wir mit Maschinenpistolen empfangen wurden. Die haben sich dann aber entschuldigt ...

War nicht mal die Überlegung da, in den Film noch mehr Hardcore-Musik einzubauen, oder war das von Anfang an so geplant, wie es ja jetzt auch gemacht wurde, dass das nur im Abspann passiert?

Ich hatte am Anfang drüber nachgedacht, aber bin halt zu dem Schluss gekommen, dass das dann ein zu stranger Mix wird, weil ja auch viele Leute sich den Film angucken und auch teilweise viele Leute mitgemacht haben, die jetzt nicht so aktiv in der Hardcore-Szene sind, und dass es dann dem Film auch nicht wirklich zuträglich ist, wenn wir das jetzt auch noch reinbringen. Also, ich wollte dann schon wirklich mehr auf das Vietnam-Filmklischee gehen, als dann da noch irgendwelche Mucke meinerseits reinzubringen.

Und der Song von MINION, der da jetzt letztendlich im Abspann läuft, ist der extra für den Film geschrieben worden?

Stimmt, der heißt "America" und der Text stammt von mir, wie ich stolz behaupten darf. Das ist eins der schlimmsten, patriotischsten Stücke, das man seit langer Zeit gehört hat. Wenn man sich den Text durchliest, läuft es einem kalt den Rücken herunter, aber das war halt auch Absicht.

Wird der auch mal veröffentlicht oder kommt man sonst irgendwie an den Song dran?

An den Song kommt man natürlich, wenn man sich den Film kauft, der demnächst auf einem jetzt noch nicht zu nennenden Label veröffentlicht wird, als DVD, und dazu planen wir auch noch, mal ein extra Musikvideo für den Song zu drehen, und das als Extra auf die DVD zu packen. So einzeln wird das von MINION nicht ausgekoppelt werden, weil die sich auch ein bisschen für diesen Song schämen ...

Und wo kann man Näheres zum Film und zur DVD erfahren?

Sofern der Film noch nicht in den Videotheken stehen sollte, wenn ihr dieses Interview lest, am besten einfach unter deadlynam.com gucken, da gibt es immer die neuesten Neuigkeiten, auch zum Labelrelease und allem anderen.

Wie sieht das denn aus mit kritischen Stimmen? Ich könnte mir ja vorstellen, dass einige Menschen den Film vielleicht in den falschen Hals bekommen ...

Da ist nach der Premiere in der Bremer Schauburg gar nichts gekommen. Da war die Reaktion eigentlich einheitlich positiv. Die Leute fanden es auf jeden Fall lustig, selbst wenn es vielleicht nicht ganz ihrem Humor entsprach, weil es vielleicht einen Tick zu derbe war. Aber im Internet hatten sich vorher schon Leute über uns aufgeregt und uns als Nazis oder rechtsextremistisch beschimpft oder so was, aber vielleicht lag es auch ein bisschen an dem Trailer, bei dem die Ausrichtungs des Films nicht so deutlich geworden ist, wie ich es am Anfang gedacht hatte. Es ist halt eine Persiflage auf diese schlechten Vietnam-Schinken und mehr nicht. Und dass auch überhaupt keine politische Einstellung drinsteckt, weil es nichts mit dem wirklichen Vietnamkrieg zu tun hat.

Der Film ist ja voll mit albernsten Klischeesprüchen und Dialogen, wie viele davon stammen denn aus anderen Filmen?

Aus anderen Filmen stammt so erstmal gar nichts ... Ich hab das Drehbuch geschrieben. 40 Seiten, aber da hab ich nichts aus anderen Filmen übernommen. Ich hab mir halt davor alle Vietnam-Filme die ich in die Hand kriegen und bei eBay ersteigern konnte, reingezogen - teilweise wirklich fast so unguckbare Werke aus Italien Ende der 80er - und dabei alle möglichen Klischees aufgeschrieben, und daraus hab ich dann nachher meine eigene Klischeepackung geschrieben.

Was war denn dein Lieblingsfilm, der dir bei der Recherche untergekommen ist?

Mein Lieblingsfilm bei der Recherche, jetzt mal abgesehen von dem Klassiker mit Chuck Norris, "Missing In Action", war auf jeden Fall "The Firebase" mit Michael Dudikoff, weil der Film eine der größten Frechheiten ist, die ich jemals gesehen hab: ein Mann schlägt den Vietcong. Das sieht man nicht alle Tage.

Wie seid ihr an das ganze Equipment gekommen und was war am schwierigsten zu organisieren?

Das Equipment hab eigentlich alles ich organisiert, wir haben einen Großteil selbst bezahlt, den Rest haben wir geteilt durch die Mitspieler, Schauspieler möchte ich nicht sagen ... Das Zeug hab ich im Internet ersteigert oder über irgendwelche Bundeswehrläden hier in der Nähe besorgt. Das Teil, das am schwierigsten zu bekommen war, war ein M-60-Maschinengewehr. Ich habe mir gedacht, wir brauchen unbedingt ein M-60, denn ohne wäre es kein Vietnam-Film und das haben wir uns dann in England bauen lassen. Da gibt es so einen Laden für Filmwaffen und die haben dann extra eins für uns gebaut, was 400 Euro gekostet hat und das teuerste Requisit des Films war.

Konstantin Butz

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #65 (April/Mai 2006)

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NARCOLAPTIC - Punk Rock für Freunde von Nofx, Sublime, Rise Against. M it knapp 350 Konzerten im In und Ausland ist die Band momentan eine der aktivsten deutschen Bands dieses Genres. 2016 tourten sie mit ihrem zweiten Album „Hypocretin“ in Tha ... mehr