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Interviews & Artikel

MAGGOTS

Mach den Affen

Die derzeit höchste Hausnummer im schwedischen Garage-Lager sind auf jeden Fall die MAGGOTS: Nicht so wehleidig wie die MAHARAJAS, aber ihr Sound ist immer noch graziler als bei der Dicke-Eier-HIVES-Angeberfraktion, auch auf dem mittlerweile vierten Album "Monkey Time". Nicht unwesentlich ist dabei der Einfluss von Neuzugang Jens Lagergren, der mit seiner Farfisa-Orgel dem MAGGOTS-Sound eine neue Duftnote hinzufügt. Und somit riecht es hier etwas mehr nach Räucherstäbchen als nach Männerschweiß, mehr nach Dope als nach verschüttetem Bier. Gesangs- und Gitarrentalent Mans P. Mansson, ein Mann mit jahrelanger Erfahrung im Garage-Metier, beantwortete unsere Fragen.


Was wird eigentlich in Skandinavien ins Trinkwasser gemischt? Wie kommt es, dass es da oben so viele talentierte Garage-Bands gibt?


Ich weiß es nicht, ich spiele bloß in einer Band. Du bist der Journalist, du sollst das erklären!

Ihr spielt inzwischen mit Orgel und seid ein Quartett geworden. Was ist der Unterschied bezüglich des Songwritings und eures Sounds?

Eigentlich gibt es beim Songschreiben keinen Unterschied, Da ist einfach nur die Farfisa hinzugekommen. Für den Sound hat uns das natürlich neue Dimensionen eröffnet. Es klingt jetzt auf jeden Fall mehr nach Sixties-Punk, und die Melodien scheinen deutlicher durch. Außerdem ist es mit der Orgel im Hintergrund einfacher, Gitarre zu spielen.

Gib uns bitte einen Überblick über die Geschichte der Band. Wie habt ihr zusammengefunden, was war die Inspiration? Und gibt es so etwas wie einen kreativen Kopf in der Band, oder kommt von allen gleich viel Input?

Es begann damit, dass Jens Lindberg und ich uns eines Nachts 1998 fürchterlich betrunken haben. Wir sprachen darüber, wie sehr es uns fehlt, einfachen Garage-Punk zu spielen, und wir beschlossen, eine Band zu gründen. Den Namen hatten wir schon vorher, das war so eine "Wir sollten mal eine Band mit diesem Name gründen"-Sache, die schon seit unserer Zeit bei den CRIMSON SHADOWS in unseren Köpfen herumgeisterte. Wie auch immer, wir hatten die ersten Auftritte gespielt und einige Aufnahmen gemacht, aber wir waren mit unserem Schlagzeuger nicht zufrieden. Also ließen wir die Sache eine Zeit lang ruhen. Dann fing Anders, der jetzt bei den MAHARAJAS spielt, bei uns als Schlagzeuger an. Mit diesem Line-up haben wir die ersten sechs Singles aufgenommen. Als es dann daran ging, das erste Album aufzunehmen, glaubten Jens und Anders, sie können nicht mehr 100 Prozent für die Band geben, also trennten wir uns einvernehmlich, und Jonas und Stefan stiegen ein. Mit Stefan habe ich schon in verschiedenen Bands gespielt, und Jonas war früher bei den A-BOMBS und spielt mit den SLAMMERS bereits seit den Achtzigern Garage. Stefan ist vor beinahe zwei Jahren ausgestiegen, dieser Rock'n'Roll-Lebensstil mit den ganzen Proben und Touren wurde ihm zuviel. Stattdessen kam Tomas, der zuvor mit Jonas bei den A-BOMBS gespielt hatte. Er ist ein großartiger Bassist, und die beiden zusammen klingen einfach grandios. Mit ihm kamen auch eine Menge neuer Energie und Kreativität in die Band. Der "kreative Kopf" der Band bin definitiv ich, aber nichts geschieht, ohne dass wir alle damit einverstanden sind. Normalerweise komme ich mit einem Song oder auch nur mit einem Riff an, und dann arrangieren wir den Song gemeinsam. Manchmal spielt Jonas aber auch nur einen Drumbeat, und dann schreiben wir darum herum einen Song - so was mag ich sehr gerne. Tomas hat sich auch als Textschreiber betätigt. Manchmal bringt er wirklich coole Songtitel mit, und wir schreiben dann einen Song, der dazu passt. So läuft es bei uns ziemlich häufig.

Verglichen mit den MAHARAJAS ist euer Sound mehr aufgedreht, alles im roten Bereich. Wird es nun mit der Farfisa in eine neue Richtung gehen, weniger punkig, etwas erwachsener und reifer?

Ich glaube nicht, dass wir durch die Orgel nun weniger punkig werden, aber so was kann man ja nicht vorhersagen. Ich denke, dass wir im Vergleich mit den MAHARAJAS weniger verkopft sind, bei uns steht der Big Beat mehr im Vordergrund. Wir versuchen stets, nicht nur simple, primitive Shaker zu schreiben, manchmal streuen wir aber auch etwas komplexere Stücke ein. Im Allgemeinen interessieren mich B9flat#12X3F-Akkorde nicht allzu sehr. Ich will mit meinen Songs und Texten eher geradlinig Gefühle transportieren, und darüberhinaus will ich Dynamik, Groove und gute Hooks haben, punkig oder nicht!

Einige der besten schwedischen Garage-Bands sind eng vernetzt. Jens Lindberg von den MAHARAJAS war Mitglied der MAGGOTS 1.0, du hast die letzten zwei MAHARAJAS-LPs produziert, und zu den - wiedervereinten! - STROLLERS und deren Sänger Matthias Lilja gibt es auch gute Beziehungen. Ist diese inzestöse Szenerie wichtig für die hohe Qualität dieser Bands?

Es gibt einfach nicht so viele Leute in Schweden, mit denen man zusammenarbeiten kan, wenn man wirklich guten Garage-Punk spielen möchte. Nein, im Ernst, wir sind einfach alle gute Freunde, also ist es nur natürlich, wenn man in verschiedenen Projekten zusammenspielt.

Seid ihr Teil einer bestimmten Szene in Schweden, gibt es überhaupt eine? Oder ist es eher ein ganz europäische Sache, mit Leuten, die sich bei den üblichen Festivals treffen?

Es gibt nicht wirklich eine spezielle Szene in Schweden für diese Musik, aber auf der anderen Seite hat sie dort eine starke Tradition. Es gibt natürlich auch einen ganzen Haufen wirlich guter Bands - DEE*RANGERS, GILJOTEENS, NO-COUNTS, MAINLINERS, MOVEMENTS und wahrscheinlich noch eine ganze Menge mehr. Aber Schweden ist ein schwieriges Land, wenn es ums Touren geht. Die Entfernungen sind ziemlich groß, und die wenigen Clubs in den verschiedenen Städten sind dann auch nur am Wochenende geöffnet. In Stockholm gibt es den Gearclub, das ist ein toller Laden für schwedische und internationale Bands.

"Monkey Time!" ist euer erstes Album auf Screaming Apple. Wie kommt's? Wart ihr mit Low Impact nicht mehr zufrieden?

Nein, mit Low Impact ging alles gut, wir wollten nur etwas Neues ausprobieren. Das Problem bei einem Indielabel mit Sitz in Schweden ist, dass der Vertrieb für den Rest Europas durch die großen Entfernungen leidet. Die Platten werden einfach zu teuer, allein durch das Porto und so weiter ...

Gibt es schöne Geschichten angesichts der Tatsache, dass sich SLIPKNOT-Fans "Maggots" nennen?

Haha, auf unserem Planeten existieren SLIPKNOT überhaupt nicht, aber okay, wir haben trotzdem eine kleine Geschichte dazu: Während unserer Großbritannientour haben wir in einem Laden in Edinburg gespielt. Als wir dort ankamen, hörten wir, dass in der Stadt das Gerücht die Runde mache, die MAGGOTS seien SLIPKNOT unter anderem Namen. Natürlich war der Club rappelvoll. Die Kids bekamen aber nicht SLIPKNOT, sie bekamen uns, haha! Es schien ihnen aber nicht allzu viel auszumachen - wir haben unseren Set gespielt, und die Reaktionen des Publikums waren sehr gut!

Die NOMADS sind offensichtlich ein großer Einfluss. Gab es gemeinsame Projekte oder sind welche für die Zukunft geplant?

Eigentlich waren die NOMADS nie ein Einfluss für uns. Wir stehen auf dieselben Sounds und haben mehr oder weniger denselben Background, aber ich denke, es ist eher so, dass wir ähnliche Inspirationsquellen haben. Damals, in den Achtzigern, haben wir in Interviews oft Scheiße über sie erzählt, aber wir haben eigentlich grundsätzlich über jede Band gelästert. Wir sind seit langem gut mit den NOMADS-Jungs befreundet. Wir haben mit ihnen zusammen gespielt, und dank Nix konnten wir die Tour mit den FLESHTONES spielen. Die NOMADS konnten nicht spielen, also hat er vorgeschlagen, dass wir das machen. Wenn es klappt, spielen wir diesen Sommer ein, zwei Shows mit ihnen. Am 25. Juni findet das Gearfest in Stockholm statt, und die NOMADS, PROBLEM, eine wiedervereinte legendäre schwedische 70s-Garage-Punkband, die CYNICS und andere tollen Bands spielen. Das wird fantastisch!

Zusammen mit Jens Lindberg spieltest du bei den WYLDE MAMMOTHS und den CRIMSON SHADOWS, zwei der besten Bands, die Schweden in den Achtzigern zu bieten hatte. Nun ist auf dem "Children Of Nuggets"-Boxset nur eine schwedische Band, die CREEPS. Ist das fair? Wie siehst du deinen Einfluss als Teilhaber der ersten Garage-Punk-Revival-Welle?

No, ich war nie bei den WYLDE MAMMOTHS. Jemand hat das mal geschrieben, und immer noch geistert die Information herum. Jens war eine Zeit lang dabei, aber er spielte auf keiner ihrer Platten mit. Von den CRIMSON SHADOWS waren allerdings die Maniette-Brüder bei den MAMMOTHS. Natürlich waren die MAMMOTHS eine hervorragende Band, und ich freue mich, dass du die CRIMSON SHADOWS magst. Der Song "Now I have to go" auf dem "Monkey Time!"-Album ist eigentlich ein altes CRIMSON SHADOWS-Stück, das wir damals nie aufgenommen hatten - und wo der herkommt, gibt's noch mehr! Über die "Children Of Nuggets"-Box habe ich in einem schwedischen Rock'n'Roll-Magazin ein Review geschrieben. Mein Eindruck war, dass es darauf viel zu viele schlappe, kraftlose 80s-Popsongs gibt. Natürlich auch viel guten Kram, aber es hätte meiner unmaßgeblichen Meinung nach viel besser und interessanter werden können. In Wirklichkeit sind aber vier schwedische Bands in der Box - NOMADS, die SINNERS mit einem wirklich schwachen Song, WATERMELON MEN - die waren immer so laaaangweilig, ich verstehe nicht, warum sie überhaupt dabei sind! - und die CREEPS. Es wäre verdammt cool, wenn CRIMSON SHADOWS enthalten wären, aber es stört mich nicht wirklich, dass wir nicht drauf sind. Wir waren immer die Punks und haben uns immer aufmüpfig benommen, mit einer "Fuck you!"-Haltung zu allem und jedem, deshalb gibt es absolut Sinn, dass wir ausgelassen wurden. Ich bin nicht sicher bezüglich meines Einflusses als Beteiligter der ersten Garage-Revival-Welle, aber ich glaube, dass CRIMSON SHADOWS sehr einflussreich für Moptop-Bands aus der D.I.Y.-Ecke waren. Besonders europäische Bands haben sich an uns orientiert. Wir konnten zwar kaum spielen, aber wir konnten gute Songs schreiben. Und wir haben keine Cover gespielt, und sahen verdammt gut aus, haha! Die ganze 80er-Garage-Revival-Szene in Schweden hat jedoch für den späteren skandinavischen Rock'n'Roll eine Menge bedeutet, und natürlich bin ich daran nicht schuldlos. CRIMSON SHADOWS waren für mich persönlich ein riesiger Einfluss, sie haben mein Leben neu definiert. Um die Wahrheit zu sagen, ohne diese Band gäbe es keine MAGGOTS oder MAHARAJAS. Vielleicht hätte ich stattdessen einen festen Job, ein gutes Einkommen und ein "normales" Leben. Aber Rock'n'Roll schlägt eben einfach alles!

Amen.

Gereon Helmer und Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #66 (Juni/Juli 2006)

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