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Interviews & Artikel

RADIO 4

The Brooklyn Follies

Brooklyn, New York mag ja einen guten Ruf haben als szeniger Ort, der reihenweise spannende Band hervorbringt, aber in einer der teuersten Städte der Welt zu leben, das ist auch eine gewaltige Herausforderung, selbst für eine Band wie RADIO 4, die mit ihren letzten beiden Alben ja einigen Erfolg hatten, aber auch nicht so stark durchstarteten, wie man das vielleicht für möglich gehalten hätte. Mit "Enemies Like This" ist jetzt das neue Album raus, das ein paar Hördurchläufe mehr braucht als der Vorgänger, um richtig hängen zu bleiben, mich aber schließlich doch begeistern kann. Ich hatte den R4-Frontmann Anthony Roman am Telefon.


Anthony, wie ist das Leben in New York?


Es ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden für Musiker. Die Mieten steigen weiter, da ist es echt schwer, finanziell klarzukommen.

Wie wirkt sich so starker ökonomischer Druck auf die Kreativität aus, positiv oder negativ?

Einerseits kann es Leute dazu zwingen, wirklich aktiv zu werden, aber es kann auch sehr deprimierend sein. Und auch für Leute wie uns, die ja nun schon einen gewissen Erfolg hatten, bleibt es durchaus schwierig, viele Freunde und Bekannte kämpfen sich mit Mühe und Not irgendwie durch. Und ich habe eben auch noch meinen Plattenladen.

Euer neues Album empfinde als nicht so direkt begeisternd wie den Vorgänger, es braucht etwas länger, bis es zündet. Habt ihr diesmal anders gearbeitet?

Nein, eigentlich nicht. Und ich bin mit der neuen Platte zufriedener als mit der davor, denn sie klingt mehr, wie wir wirklich klingen.

Du meinst, der Produzent hatte bei "Stealing Of A Nation" zu viel Einfluss?

Ja. Die Platte ist, rückblickend gesehen, einfach etwas zu glatt und poliert, während die neue rauher ist, uns eher so zeigt, wie wir auch live sind.

Bedauerst du also die letzte Platte?

Nein, das nicht, aber man sieht sein eigenes Schaffen ja auch kritisch, und so halte ich das Album einfach für "overmixed".

Geschadet hat es euch aber nicht.

Das nicht, aber es lief auch nicht so gut für uns: Unser Gitarrist Tommy Williams stieg aus, für ihn kam Dave Milone, und dann schloss genau zum Release unser Label City Slang auch noch sein Büro in Großbritannien, das natürlich ein wichtiger Markt für uns ist. Na ja, und manchen gefiel das Album, andere fanden es zu "clubby". Es war für uns eben ein Experiment, wir haben versucht, uns in eine andere Richtung zu bewegen. Manche Songs sind richtig gut, andere dagegen empfinde ich als überproduziert.

Und wie hat sich das auf die Verkaufszahlen ausgewirkt?

Die waren in der Größenordnung des Vorgängers "Gotham!". Wir hatten schon gehofft, dass es mehr sein würde, aber nachdem unser Label in England quasi nicht mehr existierte, half uns das nicht gerade. Das war schon ein echter Kampf für uns, das alles unter Kontrolle zu bekommen. Aber das haben wir geschafft und sind jetzt glücklich, wie alles läuft. Und das Feedback auf die neue Platte ist bisher recht gut.

Ich fand "Stealing Of A Nation" ja wirklich sehr gut, hätte mir vorstellen können, dass ihr damit richtig durchstartet - aber stattdessen verkaufen Bands wie ARCTIC MONKEYS oder FRANZ FERDINAND unglaubliche Mengen, was ich absolut nicht nachvollziehen kann.

Ich kann das auch nicht, aber die genannten Bands sind sicher Ausnahmeerscheinungen. Warum FRANZ FERDINAND so viel größer sind als THE RAPTURE, das vermag ich nicht zu erklären. Ich dachte wirklich, THE RAPTURE seien drauf und dran, die größte Band New Yorks zu werden, doch so weit kam es nicht. Die haben übrigens auch ein neues Album fertig, das bald erscheinen wird.

Inwiefern haben all diese Erfahrungen die Arbeit am neuen Album beeinflusst?

Nun, wir wollten einfach nur eine Platte machen, mit der wir selbst absolut zufrieden sind. Ab dem Zeitpunkt, wo du sie deinem Plattenlabel anvertraust, hast du eben keine Kontrolle mehr. Unser Ziel war, ein Album zu machen, das uns so widerspiegelt, wie wir auch live klingen, ein Album, das auch das letzte Vermächtnis einer Band sein könnte - auch wenn es das in unserem Fall sicher nicht ist.

Hat euer neuer Gitarrist Dave etwas verändert?

Er brachte eine Menge neuer Energie in die Band, er hat richtig Spaß mitgebracht, und ich bin wirklich positiv überrascht, dass immer noch so viel Interesse an unserer Band besteht - wir haben in den letzten Tagen eine Menge Interviews gegeben, immer wieder die gleichen Fragen beantwortet.

Hat man da nicht manchmal das Gefühl, das eigene Schaffen auch zu überreflektieren?

Durchaus, und dabei sind es doch nur Platten. Die eine kommt raus, und dann machst du auch schon wieder eine neue. Man sollte das eigentlich gar nicht so ernst nehmen, wie man das dann doch immer wieder tut. Da ist fast alles, was sonst in der Welt vor sich geht, wichtiger, doch wenn man selbst so viel Zeit in eine Sache investiert, verschiebt sich die Wahrnehmung eben auch etwas.

Ihr selbst schreibt auf eurer Website, die neue Platte sei weniger offen politisch als "Stealing Of A Nation".

Das hängt damit zusammen, dass vieles, was wir da sehr offen und direkt angesprochen haben, mittlerweile so oft und an vielen Stellen diskutiert wurde, dass wir uns nicht erneut dazu äußern müssen. Ein Lied wie "Grass is greener" hat durchaus eine Aussage, aber eher in einer persönlichen Sichtweise. Auf der letzten und vorletzten Platte hättest du so einen Song sicher nicht gefunden. Er hat einen ganz anderen Vibe, ist melodiöser, als wir es sonst sind.

Ihr habt in der Vergangenheit - was für eine Rockband eher unüblich ist - immer wieder auch Remixe machen lassen, von Leuten aus dem Dance-Sektor. Behaltet ihr das bei?

Ja, es wird auch diesmal wieder Remixe geben, unter anderem von Tim Goldsworthy von DFA. Uns ist das wichtig, das gehört zu unserer Band, es macht uns Spaß und die DJs in den Clubs spielen die Sachen ja auch. Ich selbst gehe auch gerne tanzen, mir gefällt, wie Leute da auf Musik reagieren.

Und auf was für einen Sound stehst du da?

Auf das, was wir auch selbst machen, eben diese Verbindung von Punkrock und Disco. Ich war schon immer Fan von dieser Art von Dancemusic.

Was hat es denn mit dem "German-influenced rhythm" auf sich, von dem ihr bei "Grass is greener" sprecht?

Na, eben dieser sich ständig wiederholende, maschinenhafte Beat, der sich so gut wie nicht verändert. Das empfinde ich eben irgendwie als "germanic".

Ihr habt einen Song an Nike lizenziert ...

Ja, für die Weltmeisterschaft.

Nun gibt es eine Menge Leute, die Nike stark kritisieren, gerade was die Produktionsbedingungen anbelangt.

Nun, der Clip gefällt uns, unsere Musik passt da gut dazu und wir können eine Menge Leute mit unserer Musik erreichen. So viel Geld, wie manche denken mögen, gab es dafür übrigens auch nicht, also es ist echt nicht so, dass wir uns von dem Geld jeder ein Haus gekauft hätten. Von daher haben wir damit kein Problem und sehen uns nicht in der Situation, uns rechtfertigen zu müssen. Wir sind eine Band mit politischen Aussagen, und wenn irgendwelche Kids auf diesem Wege auf uns stoßen, unsere Website besuchen und auf diesem Umweg was kapieren, dann ist das doch eine coole Art, Leute zu erreichen, die wir sonst nicht erreicht hätten.

Wenn das Interview erscheint, wart ihr gerade für drei Shows in Deutschland. Kommt ihr später im Jahr noch mal rüber?

Im Herbst ist eine richtige Tour geplant, und es wird auch Zeit, die letzte Tour ist ja schon eine ganze Weile her.

Anthony, danke für das Interview.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #66 (Juni/Juli 2006)

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