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Interviews & Artikel

METROSCHIFTER

METROSCHIFTER regieren, und zwar ganz gewaltig! Kaum eine andere Band hat mich in den letzten Monaten so begeistern können wie das Quartett aus Louisville, Kentucky, und so wunderte ich mich nicht, daß ich nach dem ersten Anhören feststellte, mit METROSCHIFTER auf ein weiteres Überbleibsel der grandiosen ENDPOINT gestoßen zu sein - obwohl ich zugeben muß, daß die Claudia Schiffer-Besessenen schon seit rund zwei Jahren unterwegs sind. METROSCHIFTER zeichnet die Fähigkeit aus, bestehende Hardcore-Genres - vor allem "Emo-Core" - um einige Aspekte erweitert und dabei einen ganz eigenen Sound kreiert zu haben. In Worte fassen kann man das nicht, deshalb am besten selber antesten. Hier jedenfalls schon mal ein Interview mit den germanophilen Americanos. Ich sprach mit Patrick J. McClimans, dem für Bass-Spiel und Außenkontakte zuständigen Mitglied der METROSCHIFTER-Weltraumkapsel - und zwar um drei Uhr morgens seiner Zeit, kurz nachdem ich genüßlich gefrühstückt hatte. Deshalb auch meine erste Frage.

Wie kommt es, daß du um diese Zeit noch wach bist?

Ich bin eine Nachteule. Ich habe keinen festen Job, sondern designe T-Shirts, die über Doghouse Records vertrieben werden, und so kann ich es mir erlauben, bis spät in die Nacht aufzubleiben.

Heißt das, daß du auch für die grandiose Gestaltung eurer Platten verantwortlich bist?

Äh, nein, das macht Scott, unser Gitarrist und Sänger. Er ist ein Genie und völlig detailversessen. Solange eine Sache, die Scott anpackt, nicht bis ins kleinste Detail stimmig ist, gibt er keine Ruhe. Und das sieht man den Covern und Booklets unserer Platten wohl auch an. Ich finde das auch o.k., denn der erste Eindruck, den jemand von einer Sache hat, ist prägend.

Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber das Cover von "Fort Saint Metroschifter" ist doch etwas strange: Da ist in Großaufnahme das Portrait eines nicht sonderlich attraktiven Jünglings zu sehen. Ist das einer von euch?

Nein, es handelt sich um ein Individuum namens David Cook, einen Freund von uns. Scott hat ein Auge für irgendwie seltsame Fotos, der sieht Aspekte und Details, die anderen nicht erfassen.

Es gibt für mich zwei Arten von Bands: die einen nehmen ihre Songs auf und kümmern sich in keinster Weise darum, was das Label daraus macht. Ihr dagegen legt Wert darauf, jedes kleinste Detail bis zur Perfektion auszufeilen. Warum?

Weil wir die Zeit dafür haben. Wir sind über den Punkt, an dem wir uns über unsere Musik Gedanken machen müssen, schon längst hinaus sind. Wir wissen nämlich, daß wir die gottverdammt beste Band in Amerika sind.

Äh, ump, öh, hust, da bin ich jetzt erstmal sprachlos. Wer hat euch das denn erzählt?

Niemand. Wir wissen das einfach.

Klär mich doch bitte auf, was sich hinter eurem Bandnamen METROSCHIFTER und den damit verbundenen Wortspielchen verbirgt.

Wir sind als Band ständig unterwegs, und da die USA so groß sind, verbringen wir unzählige langweilige Stunden zusammen in einem Auto. Außerdem sind wir vier sehr gute Freunde und haben einen ähnlichen Humor, und da spinnen wir uns eben jede Menge Sachen zusammen. Wir sehen Werbetafeln, Verkehrszeichen, Hinweisschilder und all solche Sachen, und daraus entwickeln sich dann so Sätze wie "the fabulous, full throttle, toll free Metroschifter capsule". Oder wir sammeln seltsame Worte, schreiben sie auf, nehmen einen Würfel und wer die höchste Zahl hat, darf sich eines aussuchen. Daraus entstehen dann natürlich die seltsamsten Kombinationen.

Und was ist mit dieser Besessenheit für die bemannte Raumfahrt und ihre Terminologie?

Wir sind uns sicher, daß wir die erste Band im Weltraum seind werden, und das müssen wir natürlich auch nach außen hin klarmachen.

Trotzdem ergibt der Name METROSCHIFTER keinerlei Sinn. Kannst du mich aufklären?

Natürlich. Er ist eine Kombination aus den Worten "metropolitan" und "Schiffer" beziehungsweise "Claudia Schiffer". Scott ist damals nach Arizona gefahren, um dort in Ruhe die Texte für das Album zu schreiben. Und während der 23-stündigen Fahrt hat er sich Silben überlegt, die ihm gefallen, und daraus schließlich METROSCHIFTER gebastelt.

Aber hinter der Verwendung des Namens Claudia Schiffer muß doch noch mehr stecken: Auf dem Cover eures ersten Albums findet sich eine Karikatur von ihr, und eure Urheberrechte sind unter dem Namen "Schiffer brains music/Nov. 17th music" gesichert.

Wir vier finden Claudia einfach unglaublich schön und attraktiv und finden, daß sie ihr Leben an diesen doofen David Copperfield verschwendet. Scott ist ziemlich von diesem Supermodel besessen und hat uns damit angesteckt. Und der 17. November war der Tag, an dem Scott seinen Künstlernamen in Skylab änderte.

Vor METROSCHIFTER habt ihr alle schon in anderen Bands gespielt.

Richtig. Scott war in SUNSPRING, einer ziemlich legendären Band aus Louisville, Kentucky, ohne die dort wohl keine Hardcore-Szene existieren würde. Chad und ich haben vorher in ENDPOINT gespielt, und ich war auch in FALLING FORWARD und noch ein paar anderen, lokalen Bands. Und Mario schließlich spielte früher bei 411 und ist derzeit auch noch in CLIKITAT IKATOWI, wenn er nicht gerade als Profi-Skater zu beschäftigt ist. Chad und Scott kennen sich schon seit Jahren, und ich bin vor ein paar Jahren nach Louisville gezogen, als ich bei ENDPOINT einstieg. Gegründet wurde METROSCHIFTER ursprünglich von Scott und mir. Wir schrieben ein paar Songs und beschlossen, die beste Band Amerikas zu sein und uns Mario als Schlagzeuger zu holen. Chad kam erst später dazu.

Von den genannten Bands erinnern mich METROSCHIFTER am meisten an ENDPOINT, eine Band, an der ich schon immer gemocht habe, daß sie Hardcore in einer für mich sehr angenehmen Weise weiterentwickelte.

Ich denke, der Schlüssel zum, METROSCHIFTER- und auch zum ENDPOINT-Sound liegt in der Herkunft der Band. Denn Louisville hat in den vergangenen Jahren einen ganz eigenen Sound hervorgebracht, den ich aber beim besten Willen nicht in Worte fassen kann. ich kann nur widerholen, daß es viel mit der HC-Szene hier vor Ort zu tun hat, wie wir klingen. Was unsere persönlichen Einflüsse betrifft, so hört Scott so ziemlich alles von Johnny Cash über Elvis Presley und Neil Diamond bis hin zu Judas Priest. Chad steht auf Retro-Rock´n´Roll, aber auch HC-Bands wie BORN AGAINST, RORSCHACH oder RINGWORM. Marios Vorlieben kenne ich gar nicht, und ich muß zugeben, daß ich die ganzen klassischen Rockbands mag. Von den Musikern her sind die Einflüsse bei METROSCHIFTER also denkbar groß.

Im Booklet des ersten Albums auf Conversion bezeichnet ihr euch als "The Metroschifter Punk Rock Trio".

Stimmt. Das war als Anspielung darauf gedacht, daß Punkrock heute so eine vage, beliebige Bezeichnung geworden ist. Ich verstehe unter Punkrock im weitesten Sinne Musik, die eine Botschaft rüberbringen will, egal, ob positiv oder negativ.

Und was ist mit Hardcore?

Das ist für mich - auch wenn das jetzt klischeehaft klingt - ein Lebensgefühl, eine bestimmte Sichtweise des Lebens und der eigenen Person. Etwa, daß man sich selbst Gedanken macht und nicht anderen hinterherrennt. Auf der musikalischen Ebene finde ich, daß man nicht ätzenden Metalrock spielen muß, um als Hardcoreband anerkannt zu sein.

Stimmt, Metal-Lastigkeit kann man euch nicht gerade vorwerfen. Ich denke da zum Beispiel an die Split-7" mit FALLING FORWARD, für die ihr akustische Songs mit Streichern eingespielt habt.

Und die hat sich auch sehr, sehr gut verkauft, und wir haben aus der HC-Szene so gut wie kein negatives Feedback bekommen. Wir wurden da als Band akzeptiert, die sich für eine Platte von dem entfernt, was sie normalerweise macht. Wir werden übrigens demnächst eine Country-Platte aufnehmen, so im Stil von Hank Williams oder Carl Perkins. Gedanken, ob das außer uns jemandem gefällt oder nicht, machen wir uns nicht. Wichtig ist, daß wir Spaß daran haben, und da wir die beste Band der Welt sind, können wir wohl davon ausgehen, daß jeder die Platte kaufen wird.

Die Streicher-Sätze auf eurem ersten Album wurden von den RODAN-Leuten arrangiert. Kannst du mir dazu was erzählen?

Klar. Die Arrangements stammen von Jason Noble und Christian Frederickson. Jason war damals noch bei RODAN, und als die sich auflösten, gründete er die RACHELS. Das war so ungefähr zu der Zeit, als wir die Platte aufnahmen. Scott bekam ein Tape von den RACHELS in die Finger und fragte nach, ob wir davon etwas für unsere Platte übernehmen könnten. Ich habe die RACHELS erst kürzlich in Chicago gesehen, und die sind wirklich unglaublich.

Euer erstes Album erschien ursprünglich auf Slamdek Records, wurde aber von Conversion wiederveröffentlicht. Wer steckt hinter Slamdek?

Das war das Label von Scott, das über zwölf Jahre existierte und nur Platten von Bands aus Louisville veröffentlichte. Eigentlich war es mehr so ein Zusammenschluß von Leuten, die Platten machen wollten und sich dafür zusammenschlossen. Seit letztem Jahr ist Slamdek allerdings aufgelöst.

Jetzt seid ihr auf Doghouse.

Exakt. Dirk von Doghouse steht total auf uns, und so hat sich das ergeben. Dirk hat sogar mit seiner alten Band COLOSSUS OF THE FALL mal auf einer 7" einen Song von METROSCHIFTER gecovert. Und mit Bands wie SPLIT LIP/CHAMBERLAIN, OMAHA oder TRAMLAW befinden wir uns da musikalisch auch in guter Gesellschaft. Bei der Gelegenheit sollte ich vielleicht verraten, daß ich auch noch bei TRAMLAW spiele.

Aha! Dann kann ich dich ja gleich fragen, was es mit diesem komischen Namen "Straßenbahngesetz" auf sich hat.

Hahaha! Gar nichts! Gibt´s bei euch denn diese Supermarktkette Walmart? Nicht? Naja, wir haben den Namen einfach umgedreht, und so heißt es eben TRAMLAW.

Spricht von euch eigentlich jemand Deutsch? Als ihr mir auf meine Interviewanfrage per Fax geantwortet habt, waren ein paar deutsche Worte eingeschoben.

Scott spricht etwas Deutsch. Ich bin wirklich neidisch auf ihn. Neulich war ein Freund von ihm zu Besuch und sie haben Deutsch gesprochen, aber ich verstand nur ein paar einzelne Worte. Ich will schon seit längerer Zeit Deutsch lernen, aber bisher hatte ich keine Zeit.

Es ist ja auch ziemlich ungewöhnlich, daß Amerikaner mal nicht ignorant sind und tatsächlich eine fremde Sprache lernen.

Ja, leider. Ich finde sowieso, daß die Worte "ignorant" und "american" Synonyme sind. Es kotzt mich echt an, daß dieses Volk so unkultiviert sind und sich einen Scheiß um die Welt außerhalb ihres Landes kümmern. Wenn wir auf Tour gehen, nimmt Scott übrigens immer seine "Learning German"-Cassetten mit, und die hören wir uns dann unterwegs an. Und mit viel Glück beherrsche ich die Sprache, wenn wir im August bei euch auf Tour sind.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #23 (II 1996)

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