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Interviews & Artikel

MERCY KILLERS

Von einem viel beschäftigten Grabromantiker

Die MERCY KILLERS mögen noch eine recht junge Band sein, ihr Sänger und Gitarrist Craig Fairbaugh ist in der Punkrock-Szene aber keinesfalls ein Unbekannter. Der sympathische 28-jährige Kalifornier war einst Mitglied von THE FORGOTTEN, die er gemeinsam mit deren Sänger Gordy gegründet hatte. Der Wille, wieder einmal selber in einer Band zu singen, ließ ihn einige Jahre später die Band verlassen. Vorher hatten THE FORGOTTEN teils hoch gelobte Alben auf TKO und BYO veröffentlicht. Fortan verdingte er sich als zweiter Gitarrist von LARS FREDERIKSEN AND THE BASTARDS sowie als Live-Gitarrist der TRANSPLANTS.


Schließlich gründete Craig Fairbough (Gesang/Gitarre) mit einem gewissen Sam Soto (Bass) die MERCY KILLERS, nachdem RANCID-Kopf Tim Armstrong die beiden miteinander bekannt gemacht hatte. Den passenden Drummer dazu fand man in Irland. Craig Fairbaugh tourte dort mit LFATB und entdeckte Collin Berill, dessen Drumkünste ihn derart verzückten, dass er ihn zum Umzug in die USA und zum Einstieg bei den MERCY KILLERS überredete. Heute schreiben Craig Fairbough und Sam Soto die Songs für die Band, die mit „Bloodlove“ ein wirklich sehr feines Debütalbum aufgenommen hat, das im August auf Hellcat Records erschienen ist. Einerseits versprühen die Songs der MERCY KILLERS einen sehr düsteren, stark von THE CURE und DEPECHE MODE beeinflussten, poppigen Charme. Andererseits mündet dieser Charme in den zehn Songs, die „Bloodlove“ bilden, aber nicht in durchkomponierten Popsongs, sondern er wird von dem Trio mit sympathischen Punkrock-Elementen vereint und zu eingängig-kratzigen Punksongs entwickelt.
Und während die MERCY KILLERS ein beachtliches Debüt veröffentlicht haben, hat Craig Fairbough bereits die Mitgliedschaft in einer weiteren Band angetreten: PLUS 44. Hier gesellt er sich zu den Ex-BLINK 182-Mitgliedern Mark Hoppus und Travis Barker (ex-TRANSPLANTS), um Gitarre zu spielen. Über diese Tätigkeit breitet der Sänger und Gitarrist der MERCY KILLERS aber lieber den Mantel des Schweigens. Und das ist völlig okay, weil mein Grund ihn anzurufen weniger seine sicher lukrative Nebentätigkeit im Schatten zweier Teenie-Idole ist, als vielmehr mein Interesse an den ausgefuchst guten MERCY KILLERS. „Von Anfang an wollten Sam und ich etwas anderes machen. Wir wollten eine Brücke zwischen der in vielen Gothic-Songs vorhandenen, düsteren Romantik und Punkrock schlagen. Denn in meinen Augen ist vielen Punkrock-Bands die Fähigkeit verloren gegangen, Romantik auszudrücken. Beim Schlagen dieser Brücke zwischen Gothic und Punk wollten wir aber stets pur und ehrlich klingen und nicht vom momentanen Hype um Bands, die diese Stile mischen, ergriffen werden. Denn da gehören wir auf keinen Fall hinein“, erzählt der Herr ruhig.
„Bloodlove“ hat in der Tat nichts Oberflächliches. Nichts, das aufgesetzt wirkt. Vielmehr hat es das Duo Soto/Fairbough geschafft, ein gelungenes Album zu schreiben, dessen Songs sowohl dunklen Pop als auch feinsten Streetpunk atmen. „Ich bin das Punkrock-Kid von uns zweien, während Sam eher von Gothic beeinflusst ist. Dennoch liebe ich THE CURE, DEPECHE MODE und so weiter. Meine Vorliebe für Soul, Country und Motown kommt auf die eine oder andere Weise – neben meinen Punkrock-Wurzeln – auch in unseren Stücken durch. Generell ist es schwer zu sagen, was mich beim Songwriting inspiriert hat. Denn in der Regel sind es Verkettungen aus persönlichen Erfahrungen und Situationen, die ich erlebt habe, welche mich zum Schreiben eines Stückes veranlassen. Diese persönlichen Dinge lassen meist die Stimmung, die ich durch das Schreiben eines Songs ausdrücken will, entstehen. Sprich: schöne Erfahrungen führen zu einem eher schönen, tragische Dinge zu einem eher tragischen Song. Diese Stimmung versuche ich dann beim Schreiben der Musik auszudrücken und hier greifen die persönlichen und musikalischen Einflüsse ineinander. Schließlich bin ich beim Schreiben der Musik ganz klar von meinen musikalischen Vorlieben und Wurzeln beeinflusst. Dieser Einfluss kleidet aber wiederum die Stimmung, die aus persönlichen Erfahrungen heraus entsteht, in einen Song. Du siehst, die Hintergründe meiner Songs sind sehr persönlich und nicht bloß mit dem Einfluss von drei oder vier Bands zu erklären. Deswegen sage ich in Interviews auch nichts zu den Hintergründen und Bedeutungen einzelner Songs. Vielmehr möchte ich, dass sich jeder seine eigene Interpretation eines MERCY KILLERS-Songs findet und dadurch zu einer individuellen Bedeutung des Songs gelangt. Diese würde ich zerstören, würde ich dir hier schildern, worum es mir beim Schreiben gewisser Songs ging.“
Wie einige andere, von mir geschätzte Bands, stammen die MERCY KILLERS aus der Bay Area. In dieser Gegend um San Francisco formierten sich unter anderem OPERATION IVY und später RANCID, GREEN DAY, AFI, die SWINGIN’ UTTERS und eine Schar weiterer. Und während mir die Gegend einst als der Nährboden für qualitativen Punkrock vorgestellt wurde, berufen sich heute nur noch wenige Bands darauf, aus der Bay Area zu kommen. Ein Kult, so scheint es, neigt sich dem Ende zu. Mein tätowierter Gesprächspartner sieht dies kaum anders und erklärt sogar, dass er nur deswegen nach Los Angeles gezogen ist, weil in der Bay Area kaum noch etwas los sei. „Ich wuchs in der Bay Area auf und lebte mit der Musik von Bands wie AFI, den SWINGIN’ UTTERS und RANCID. Letztere sind sogar zu echten Helden von mir geworden, weil ich denke, dass Tim Armstrong und Lars Frederiksen tolle Songwriter sind. Deswegen war es für mich eine Ehre, dass ich bei den TRANSPLANTS als Live-Gitarrist ausgeholfen habe und bei den BASTARDS als zweiter Gitarrist mitspielte. Jedenfalls kam Mitte der Neunziger die erste Popularitätswelle, die GREEN DAY und RANCID sehr bekannt machte. Sie veränderte die Szene von Grund auf und hob sie auf eine andere Ebene als zuvor. Als ich vor vier Jahren dort weg zog, gab es kaum mehr eine Underground-Punkszene. Und das heißt nicht, dass ich den Bands ihren Erfolg nicht gönnen würde, im Gegenteil. Für mich bot die Szene in der Bay Area Anfang dieses Jahrtausends nur nicht mehr das, nach dem ich suchte: echten Underground. Dass das komisch klingt, dessen bin ich mir sehr bewusst. Schließlich reden wir über eine Gegend, aus der sehr viele, sehr gute Bands kommen, die teilweise auch mich sehr stark beeinflusst haben.“
Leider wird man die MERCY KILLERS in der Bay Area verwurzelte Band nicht so schnell in Deutschland zu sehen bekommen. Denn auch wenn mein Gesprächspartner möglichst wenige Worte über PLUS 44 verlieren wollte, so rückt er am Ende doch mit der Information heraus, dass mit dieser Band zunächst eine Tour ansteht. Im Anschluss daran werde man sich aber wieder um die MERCY KILLERS kümmern und diese im frühen 2007 auch auf Konzertreise nach Europa und Deutschland führen. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt darauf. Songs wie „Pamist de mort“, „Lust for hope“ oder den Titeltrack „Bloodlove“ live zu hören, das verspricht ein schönes Erlebnis zu werden. Denn bereits auf dem Album sorgen sie für Gänsehaut. Es sind bittersüße, romantische Punkrock-Songs, denen die Emotion des zweiten TIGER ARMY-Albums innewohnt und sich mit dem Drive früher SWINGIN’ UTTERS vereint.
myspace.com/mercykillers.

Lauri Wessel

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #68 (Oktober/November 2006)

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