TEAMKILLER

Foto

Blood, sweat and no tears

Spätestens seit SIDEKICK weiß man, dass Stuttgart mehr zu bieten hat, als das von Herzog Carl Eugen von Württemberg erbaute Neue Schloss und Daimler Benz. Mit TEAMKILLER macht sich nun die zweite Generation daran, den 0711-Spirit hinaus in die Welt zu tragen, und schlägt sich äußerst wacker. Scott Vogel von TERROR gibt sich auf ihrem neuen Album "Bad Signs" die Ehre und die Hardcore-Legende KILLING TIME nahm das Quartett kurzerhand mit auf Europatour. Doch der Erfolg kam nicht über Nacht, TEAMKILLER sind Workaholics und teilweise seit einer guten Dekade in der Hardcore-Szene aktiv. Gitarrist Felix Grammer fasste die nicht immer einfache, aber doch sehr erfolgreiche Vita der Band zusammen.

Eure erste Full Length "Bad Signs" ist gerade erschienen. Wo habt ihr aufgenommen und wie sahen Planung, Umsetzung und das Finanzielle aus?


Seit unserer letzten Veröffentlichung arbeiteten wir jede Minute an neuem Material. Als wir mehr als genügend Songs beisammen hatten, von denen wir überzeugt waren, dass sie gut genug für unser Full-Length-Debüt sind, begaben wir uns auf die Suche nach dem bestgeeigneten Studio. Wir hatten von unserem Label ein ordentliches Budget und haben keine halben Sachen gemacht. Über unsere Schweizer Freunde von CATARACT kamen wir auf den Produzenten und Soundcrack Martin Korth. In dessen Eversound Studios nahe Zürich haben wir uns dann zusammengesetzt und Probeaufnahmen gemacht, mit deren Hilfe wir die besten Stücke ausgewählt haben, die wir Ende 2005 bis Anfang '06 aufgenommen haben. Wir haben uns dabei genügend Zeit gelassen, um das Maximum an Sound und Energie herauszuholen, was uns, denke ich, auch gelungen ist. Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat. Das Album klingt einfach nur 101 Prozent aggressiv!

Wie steht ihr musikalischer Veränderung gegenüber und welche Neuerungen bietet "Bad Signs"? Seid ihr textlich konkreter geworden?

Was dem Hörer wohl zuerst auffallen wird, ist, dass "Bad Signs" unser bisheriges Material komplett in den Schatten stellt. Die Stücke sind härter als bisher und, was das Songwriting betrifft, ein Vielfaches ausgereifter. Darüber hinaus bieten sie viele kleine Details und Abwechslung, so dass zu keinem Zeitpunkt Langweile aufkommt und jede Sekunde der Platte einfach nur killt. Auch die Texte sind sehr gereift. Die Lyrics drücken noch besser aus, was wir denken und fühlen, und passen perfekt zur Musik und dem stimmungsvollen Artwork von Christian Hammer von Decompose Design. Checkt einfach unser Album aus, dreht die Anlage auf Anschlag, lest unsere Texte und ihr werdet sehen, dass ich nicht zuviel versprochen habe!

Ihr habt mehrere Gäste auf "Bad Signs", wer ist mit von der Partie und wie kam die Zusammenarbeit zustande? War auch jemand im Studio bei euch?

Unsere Freunde Scott Vogel von TERROR und Federico Carminitana von CATARACT singen einen Part bei je einem Song. Scott kennen wir von den vielen gemeinsamen Shows und CATARACT sowieso schon seit vielen Jahren. Besonders unser Bassist Peter Bastian kennt CATARACT sehr gut von den Zeiten, als diese viel mit seiner alten Band ABSIDIA - R.I.P. - zusammen unterwegs waren. Scott hat seinen Part in L.A., im Blood Tracks Studio von Nick Jett, TERRORs Drummer, aufgenommen und Fedi kam direkt im Studio vorbei.

Wo seht ihr euch selbst in der Hardcore-Szene, was unterscheidet euch von den meisten Gruppen, die momentan am Start sind?

Ich sehe uns als Band, die jedem von uns alles bedeutet, fernab von Trends und Hypes. Wir sehen nicht mehr so viel nach links und rechts, sondern gehen gerade unseren Weg nach vorne, wie wir es für richtig halten. Wir machen unser gemeinsames Ding, weil wir Freunde sind und Hardcore lieben. Unsere Songs sind hundertprozentig real und wir schreien und schwitzen live alles raus, was uns am Herzen liegt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber das trifft den Nagel auf den Kopf. Ob uns das von manchen anderen Bands unterscheidet oder nicht, muss jeder selbst wissen.

Ihr seid jetzt zu viert unterwegs, welchen Grund hat das eigentlich?

Unser ehemaliger zweiter Gitarrist, Chris Holt, ist Mitte letzten Jahres ausgestiegen, weil er beruflich immer mehr um die Ohren hatte und dazu eine Fernbeziehung, was es ihm sehr schwer machte, mit uns regelmäßig zu proben und vor allem die vielen Shows zu absolvieren. Er erbat sich Bedenkzeit bis Ende des Jahres, die wir ihm auch gaben und gingen dann erst mal zu viert auf Tour. Am Jahresanfang hat er dann endgültig seine Entscheidung gefällt, auszusteigen beziehungsweise nicht mehr zurückzukommen. Wir sind nach wie vor eng befreundet und haben viel Kontakt.

Ihr werdet von J-Dog '74 Street Justice Wear unterstützt, das wird manchem jetzt nichts sagen, wer steckt denn dahinter und ist es wahr, dass TEAMKILLER nur in Schwarz spielen?

"J-Dog" ist der Spitzname von unserem Freund Jogges von SIDEKICK und zugleich dessen Klamottenlabel, mit dem er uns supportet. Wir spielen in den Klamotten, auf die wir Bock haben, wie jede andere Band auch, ganz einfach. Dass wir nicht in gelben Anzügen auf die Bühne kommen, kann man sich ja denken, oder?

Euer Drummer spielt nebenbei noch bei den SIRENS, kann man da bald gemeinsame Dates erwarten? Und was machen die übrigen Mitglieder, wenn sie nicht gerade was für TEAMKILLER tun?

Unser Drummer, Michael Dester, spielt nur mit den SIRENS, wenn wir mal nicht auf Tour sind oder zwischen den Shows eine Pause machen. Ansonsten haben sie einen Ersatz. Ich mag die SIRENS-EP, und die anderen Mitglieder der Band sind ja auch keine Unbekannten für uns. Torsten Heil, deren Gitarrist, kennen wir ja auch schon eine Weile. Immerhin spielen wir öfters mit BLEED INTO ONE und haben gemeinsam eine Split-7" aufgenommen. Die anderen Bandmitglieder haben keine Nebenprojekte. Im Endeffekt konzentrieren wir uns alle voll und ganz auf TEAMKILLER!

Die ursprüngliche Message von Hardcore ist in den letzen Jahren etwas ins Hintertreffen geraten, wie kann man da Abhilfe schaffen?

Für mich persönlich ist mit der Auflösung von SIDEKICK eine Ära zu Ende gegangen. Aber ganz so pessimistisch wie du sehe ich das nicht. Unsere Welt ist auf jeden Fall sehr viel schnelllebiger geworden, leider in allen Bereichen. Das macht auch vor der Hardcore-Szene nicht halt. Trotzdem gibt es auch jüngere Kids und neue Bands, die mit dem Herzen dabei sind, und darauf kommt es an. Man sollte da trotz des generellen Booms von "härterer Musik? oder speziell Metalcore nicht alles über einen Kamm scheren. Poser gab es schon immer und wird es auch immer geben. Viele jammern und meckern über die Szene heutzutage und sagen, früher war alles besser, um in ein paar Jahren dann wieder zu behaupten, dass 2006 die Welt noch in Ordnung war. Für mich ist Hardcore immer noch das, was man daraus macht, egal in welchem Jahr! Ob man mal eben ein privates HC-Museum über eBay einkauft bis zur "Aufgabe des Hobbys? kurze Zeit später oder einem die ganze Sache, dieses Gefühl, das sich schwer in Worten ausdrücken lässt, mehr bedeutet als eine Phase, sollte jeder selbst wissen. Ich für meinen Teil weiß es jedenfalls.

Welche Inhalte sind euch besonders wichtig und wie seht ihr Gewalt und Pessimismus im Hardcore-Kontext? Gehört das dazu oder war früher alles freundschaftlicher?

Generell handeln unsere Texte von allem, was uns beschäftigt. Pessimismus spielt da leider auch oft eine große Rolle. Das letzte Jahr war für uns persönlich nicht immer rosig und das hat sich auch deutlich in den Lyrics von "Bad Signs" niedergeschlagen. Dennoch lassen wir uns niemals unterkriegen, egal was kommt.

Nehmt ihr noch ein Gemeinschaftsgefühl wahr und sieht man sich überhaupt noch Bands an, die nicht genau ins eigene Raster passen?

Ja, sicher. Ich bin sehr aufgeschlossen und sehe mir die verschiedensten Bands an, wenn ich dafür die Muße habe. Klar, manchmal will ich mich auch einfach nur auf meinen eigenen Auftritt konzentrieren, aber generell habe ich schon ein Gemeinschaftsgefühl auf Konzerten. Egal, ob das jetzt eine neue Band ist, die ich auschecke, oder wenn ich bei einer befreundeten Band mitsinge. Wenn ich dieses Gefühl nicht mehr haben würde, würde ich aufhören, auf Shows zu gehen oder welche zu spielen.

Wie war eure zweieinhalbwöchige Europatour zusammen mit der NYHC-Legende KILLING TIME und WHEN TIGERS FIGHT, von der ihr gerade zurückgekehrt seid?

Neben unserem Auftritt auf dem Fluff Fest und unserer Record-Release-Show war die Tour definitiv eines der Highlights dieses Jahres. Die Shows waren der Hammer und die Jungs von KILLING TIME und WHEN TIGERS FIGHT sind sehr herzliche und coole Typen, so dass daraus Freundschaften entstanden sind und wir in Kontakt bleiben. Schon jetzt denke ich gerne daran zurück.

Wie waren denn eure Gigs zuvor in Großbritannien und welche Erfahrungen habt ihr dort gemacht?

Unsere Erfahrungen in Großbritannien waren, bis auf eine sehr teure Parkkralle in London, extrem positiv. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen, haben viele sympathische Leute kennen gelernt und das Publikum war einfach großartig. Wir freuen uns schon sehr darauf wieder dort zu spielen!

Ihr seid generell viel mit dem Tourbus unterwegs. Gab es schon mal gefährliche Momente und wie geht ihr damit um?

Mit einem Auto oder im Tourbus unterwegs zu sein, ist natürlich nicht immer ungefährlich, das weiß jeder. Ich denke aber, wenn vorsichtig gefahren wird, geht das in Ordnung. Wir jedenfalls lieben es, on the road zu sein! Einer der gefährlichsten Momente war bisher ein kleiner Auffahrunfall meinerseits mitten in der Nacht in Belgien auf dem Weg zur Fähre nach Calais, wobei die Gefahr eher von dem Pärchen ausging, dass mysteriöserweise einfach gleich weiterfahren wollte, trotz kleinem Blechschaden. Ich glaube, die hatten eine Leiche im Kofferraum. Definitiv schwierig war es auch, die Augen auf der Straße zu behalten, als wir zum Beispiel Heino begegnet sind oder dem Sänger von IN EXTREMO, im mattschwarz besprühten und gepimpten BMW.