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Interviews & Artikel

ZODIAC

Die etwas anderen BALZAC - oder doch die gleichen?

Gerade wird in Deutschland das Album "Deep Blue" von BALZAC bei G Force Records veröffentlicht, da kommt das japanische Quartett bereits mit dem nächsten Longplayer um die Ecke. Am dritten November erschien unter dem Namen ZODIAC die neue CD "Beware On Halloween" in Japan. Wieso die vier Horrorpunker aus Osaka einen neuen Bandnamen für diese Veröffentlichung wählten, was es mit Keltenkreuz, den DERANGED MAD ZOMBIES und Männerküssen auf sich hat, darüber gab mir Hirosuke Nishiyama, Sänger und kreativer Kopf der Band, Auskunft. Mein Dank geht an Ryan Moldenhauer, ohne dessen Übersetzerfähigkeiten dieses Interview so nicht möglich gewesen wäre.

Wieso veröffentlicht ihr euer neues Album unter dem Namen ZODIAC und nicht BALZAC?


Wir hatten die Idee für eine neue Bühnenshow und dies führte zu unserem ersten ZODIAC-Auftritt - als Vorband von BALZAC. Wir wollten irgendwie etwas anders auftreten, als wie wir es mit BALZAC gewohnt sind. Natürlich sind da noch viele Gemeinsamkeiten, aber wir wollten einen anderen Namen, um uns eine neue, frische Herangehensweise zu ermöglichen. Der Bandname leitet sich ab vom amerikanischen Zodiac Killer, da mich diese Serienkiller interessieren.

Und wie unterscheidet sich ZODIAC von BALZAC?

Ich würde sagen, dass, was die Musik angeht, der Sound von ZODIAC dem alten, ursprünglichen BALZAC-Sound recht nahe kommt. Ich denke, dass BALZAC mittlerweile variabler, vielschichtiger und tiefgründiger ist als früher. ZODIAC ist mehr geradeaus und klar Horror-orientiert, BALZAC schlägt mittlerweile textlich und musikalisch auch andere Richtungen ein. Ich denke, wenn man ZODIAC hört, erkennt man den Unterschied. Für uns sind zwei Bands einfach eine gute Möglichkeit, ein größeres musikalisches Spektrum zu erforschen.

Der Zodiac Killer tötete nur Menschen weißer Hautfarbe, hinterließ aber oft ein Keltenkreuz am Tatort. Dieses Zeichen wird in westlichen Ländern oft von Neonazis benutzt. Dieses Keltenkreuz taucht gelegentlich auch bei eurem ZODIAC-Artwork auf. Wusstet ihr von dieser Bedeutung außerhalb Japans?

Der Zodiac Killer wurde bis heute nicht gefasst und er hinterließ immer wieder unterschiedlichste Rätsel und Zeichen. Alles um ihn ist sehr mysteriös und Rätsel, Geheimnisse und Puzzles faszinieren mich, ebenso wie solche Freaks, die durch unsere Gesellschaft hervorgebracht wurden. Mit diesem Keltenkreuz etwa signierte er seine Briefe an die Polizei von San Francisco, daher hab ich es. Mir geht es hier weniger um die grausamen Morde, als um die Geheimnisse und das Mysteriöse, das sich hinter den Symbolen und Rätseln verbirgt. Hinter Symbolen mögen sich viele Bedeutungen verbergen. Das Keltenkreuz ähnelt sehr einem japanischen Familiensymbol, das eine nur positive Bedeutung hat. Wir wussten nichts von dieser negativen Bedeutung in westlichen Ländern. Wir wollen weder Serienmörder glorifizieren, noch haben wir irgendwas mit Nazis oder deren Ideologie zu tun und lehnen dies auch strikt ab. Wir würden niemals Gewalt gegen Personen oder Gruppierungen befürworten und finden es schlimm, dass dieses Symbol solch negative Bedeutung in westlichen Ländern hat. Dieses Zeichen hatte für uns bisher keine politische oder historische Bedeutung. Wer denkt, dass wir nur irgendetwas mit faschistischer Ideologie oder Nazis zu tun haben, soll sich anschauen, wer wir sind und aus welcher Szene wir kommen.

Werden wir in Zukunft mehr von ZODIAC hören?

Auf jeden Fall. Wir werden im Dezember als ZODIAC in Japan auftreten, aber mehr kann ich jetzt noch nicht sagen, es gibt noch zu wenig konkrete Pläne.

Was hat es mit dem ebenfalls kürzlich veröffentlichten DERANGED MAD ZOMBIES-Album auf sich?

"Deranged" ist der Titel eines meiner Lieblingsfilme. "Mad" kommt vom Namen einer meiner absoluten japanischen Lieblingsbands, den MAD CAPSULE MARKETS und "Zombies" vom MISFITS-Song "Astrozombies". Es ist nicht wirklich ein Sideproject, sondern mehr eine besondere Veröffentlichung, da es sich ja ausschließlich um bereits bekannte BALAZC-Songs handelt.

Der Sound des Albums ist sehr viel rauer und trashiger als das, was wir sonst von BALZAC kennen. War dies ein Statement an einige japanische Fans, denen BALZAC zu soft wurden?

Die Bandmitglieder wollten so was aus Spaß einfach mal ausprobieren. Es ist ein Experiment ohne tiefere Bedeutung. Der Sound wurde absichtlich auf trashig gemischt. Er ist rau und aggressiv, wir mögen das. Aber es ist wirklich sehr schwierig, den Sound auf miserabel zu trimmen. Man kann nicht einfach hier und da mal kurz drehen. Da es ein reguläres Release ist, müssen wir halt bestimmte Qualitätsstandards erfüllen und es soll trotzdem diesen rotzigen Sound haben. Da brauchten wir einen guten Mixer, der unsere Idee verstand. Wir haben die Scheibe nicht gemacht, um leicht viel Geld mit alten Songs zu machen. Wir haben sie nicht promotet, daher wusste kein Laden, dass es eine BALZAC-Veröffentlichung ist. Wir haben auf der CD keine Fotos, Namen oder Logos von uns angebracht. Es lagen kaum 20 Vorbestellungen aus den Musikläden vor, und als die CD veröffentlicht war und bekannt wurde, dass BALZAC hinter den DERANGED MAD ZOMBIES steckt, gab es zehntausende Nachbestellungen. Zu Beginn gab es Ärger mit einigen Fans, weil die Nachbestellungen nicht schnell genug in den Läden waren und die Leute die CD nirgends bekommen konnten. Sie wussten nicht, dass es ein reguläres Release war, das nicht limitiert ist. Es war insgesamt sehr interessant für uns zu beobachten, was da so abging. Aber die Lage hat sich mittlerweile beruhigt, da es sie nun überall gibt. Keine Ahnung, ob es ein Wiedersehen mit den DMZ geben wird, mal sehen.

Um das Quartett zu vervollständigen, was verbirgt sich hinter den NANIWA MISFITS?

Das sind nur BALZAC als MISFITS-Coverband. Wir sind ein paar Mal in den letzten Jahren aus Spaß als MISFITS-Coverband aufgetreten, das ist alles.

Ist es wahr, dass ihr versucht, alle drei Monate eine musikalische Veröffentlichung zu haben?

Wir haben nicht wirklich einen Dreimonatsplan. Das passiert einfach. Anfang des Jahres war das "Deep Blue"-Album, danach das DMZ-Album, das eigentlich nur eine Remix-CD war, und nun das ZODIAC-Album. Dazwischen noch das "13 Hits From Hell"-Album, die "66 Hits From Dark-Ism"-Doppel-DVD, das "Official Bootleg"DVD/CD-Set, die "Human Blood"- und "Sorrow No. 9"-Maxis. Es sind ja oft nur Neuaufnahmen oder Remixe und nicht neue Songs und vieles geht ja nur an die Fanclubmitglieder und Konzertbesucher. Dazu kommt noch Ende des Jahres eine Splitsingle von BALZAC und ZODIAC. Wir veröffentlichen aber nichts, mit dem wir nicht zufrieden sind. Es macht Spaß und ist einfach auch ein gutes Gefühl zurückzuschauen und zu sehen, was man so in der Vergangenheit so gemacht hat.

Habt ihr jemals Probleme mit euren Deadlines gehabt?

Ja, das ist manchmal ein Problem und kam schon hin und wieder vor. Aber zum Glück versteht unsere japanische Plattenfirma DIWPhalanx, dass wir für das Erreichen der Deadline keine qualitativen Abstriche machen werden, und haben uns dann immer noch ein paar Wochen dazugegeben. Wir wissen, dass Deadlines zum Geschäft gehören und wichtig sind, daher sind wir froh, dass DIWPhalanx uns hilft, wenn es mal nicht ganz hinhaut.

Was war der beeindruckendste Moment während eurer Touren durch Deutschland?

Da gab es diesen Typen bei einer der Shows, der mich wirklich schockiert hat. Der hat mir doch tatsächlich den Stiefel abgeleckt, während ich auf der Bühne stand, und direkt danach Akio auf die Hand geküsst! Das hat mich doch sehr überrascht. Ich hätte mir nie träumen lassen, hier auf die Bühne zu gehen und zu singen und ein Typ kommt auf die Bühne und küsst mich! Ich bin nicht schwul, daher hat mich das ein bisschen aus dem Gleichgewicht gebracht. Die japanische Gesellschaft ist bei weitem nicht so offen wie Europa oder Amerika, und so etwas ist bei uns absolut tabu. Wir alle mögen Mädchen, daher hoffen wir, das nächste Mal lieber vom weiblichen Geschlecht geküsst zu werden. Am meisten Spaß haben uns die Auftritte selbst gemacht und zu sehen, wie viele Fans zu unseren Shows kamen.

Und was gab es in Deutschland außerhalb der Shows an besonderen Momenten?

Da gab es unheimlich viele. Es ist unmöglich, einen bestimmten herauszugreifen. Ich war sehr krank während einer Tour und kollabierte, so dass ich mit dem Notarztwagen und Blaulicht ins Krankenhaus kam. Das war natürlich kein schöner Moment, aber mein Gedächtnis hat das jetzt zu einer coolen Erinnerung werden lassen. Das Beste allerdings waren die vielen guten Freunde, die ich in Deutschland kennen gelernt habe.

Vor fünf Jahren gab es das Wort Horrorpunk noch gar nicht und wurde erst im Umfeld des Fiendforce-Plattenlabels benutzt. Heutzutage tauchen an jeder Ecke Horrorpunk-Bands auf. Seid ihr eine Horrorpunk-Band?

Aber sicher sind wir eine Horrorpunk-Band. Natürlich sahen wir uns immer zuerst als Punkband, die von Horrorthemen beeinflusst ist, daher macht diese Bezeichnung mehr als Sinn. Es gibt aber auch viele Leute, die uns nicht speziell als Horrorpunk-Band sehen. Es ist mir eigentlich scheißegal, welches Label uns irgendjemand aufdrückt, das bedeutet uns nichts. Es geht nur darum, was wir tun und wie wir denken. Wir haben immer Horrormotive und -themen in unsere Musik und unser Image einfließen lassen und das hat sich nie wirklich geändert. Ich hab früher Filme wie "Omen" und "Exorzist" geliebt und tue dies noch immer. Mittlerweile hat sich die Technologie und Art des modernen Horrorfilms geändert, was sie anders macht. Ich mag beides, solange es guter Horror ist. Mit BALZAC ist es ähnlich, wir machen es genauso. Wir werden nie unsere Wurzeln vergessen oder verleugnen. Auch wenn vieles jetzt anders ist als vor dreizehn Jahren, vieles ist auch gleich geblieben. Wir waren und sind immer noch Horrorpunks.

Vielen Dank für das Interview.

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #69 (Dezember 2006/Januar 2007)

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