Interviews & Artikel : MUFF POTTER :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

MUFF POTTER

Ich gebe zu, ich habe MUFF POTTER immer etwas unterschätzt. Klar, live waren sie beeindruckend und ihr bisherigen Alben auch nicht übel, doch so richtige Begeisterung wollte nicht aufkommen. Dann kam "Bordsteinkantengeschichten", und wow, die Platte ist eine massive Steigerung gegenüber den Vorgängern, sozusagen ihr Meisterwerk, das das Zeug dazu hat, die Band aus Rheine zur Liga BOXHAMSTERS, DACKELBLUT und EA 80 aufschliessen zu lassen. Und so lud ich mir MUFF POTTER-Chef Nagel ins Ox-Headquarter ein, um mal die eine oder andere Sache klarzustellen.

Bei "Bordsteinkantengeschichten" muss ich an Faschos denken, die Spass daran finden, ihre Opfer mal etwas Bordstein schmecken zu lassen.


"Naja, also ´ne Bordsteinkante an sich hab´ ich noch nicht geschmeckt, dafür aber diverse andere Sachen im Konflikt mit Glatzen schmecken müssen - und die selbst auch schmecken lassen. Das hielt sich bislang die Waage. Ich komme ja aus dem tiefsten Westen, aus Rheine an der holländischen Grenze, ganz weit weg vom Osten, und da sind nicht mehr so viele Glatzen. Obwohl, so vor ein paar Jahren gab´s in Rheine echt viele Faschos, es gibt sogar Live-CDs von Faschobands, die in Rheine aufgenommen wurden, aber das hat sich dann erledigt, als ein paar Türken auf die Idee kamen, nicht lange zu reden, sondern loszugehen und denen allen die Fresse einzuschlagen. Das hat sich richtig gelohnt."

Aber was sind dann "Bordsteinkantengeschichten"?

"Es gab mal eine ARD- oder ZDF-Serie namens "Bettkantengeschichten", und auf die ist das eine Anspielung. Das lief zu immer Sonntagnachmittags, zu einer Zeit, als ich da noch keinen Kater hatte, und so hat man das eben ab und zumal geschaut."

Wie lange ist es her, dass du Sonntagnachmittags noch keinen Kater hattest?

"Das muss tierisch lange her sein. Ich kann mich nämlich an keine einzige Folge von "Bettkantengeschichten" erinnern."

Wann hast du angefangen zu trinken?

"Weiss nicht - so mit zwölf, denke ich. Ja, doch, mit zwölf habe ich das letzte Mal Bier getrunken - und das war auch eines der ersten Male. Ich habe so richtig mit Dosenstechen angefangen, und dann halt so tierisch abgereihert, dass sich das Kapitel Bier in meinem Leben schnell erledigt hatte."

Und was trinkst du heute?

"Alles ausser Bier. Am liebsten Wein: weiss, deutsch, lieblich, billig. Und ich krieg davon auch keinen Kater. Ich habe schon seit Jahren keinen Kater mehr gehabt oder vom Saufen gekotzt, selbst dann nicht, wenn ich einen Filmriss über fünf Stunden hatte."

Beneidenswert...

"Ich weiss auch nicht, warum das so ist. Unser Schlagzeuger ist zwei Jahre älter als ich, bei dem hat es aber vor kurzem angefangen mit dem Kater, also wer weiss, vielleicht kommt das bei mir noch."

Wie alt bis du?

"Seit kurzem 24. Vielleicht sollte ich bei diesem jugendlichen Alter auch nicht so rumtönen ..."

Und, hast du schon mal einen Arzt gefragt, ob mit dir alles stimmt?

"Nee, aber interessanterweise habe ich beste Leberwerte. Keine Ahnung, aber bei mir ist alles andersherum. Zum Beispiel wird mir schlecht, wenn ich Obst esse. Vielleicht hat das ja was miteinander zu tun."

MUFF POTTER: bis zu eurem neuen Album hatte ich euch - weiss der Teufel warum - immer irgendwie im Deutschpunk-Kontext wahrgenommen, was aber eigentlich falsch war.

"Wir haben genau das in letzter Zeit mehrfach gehört, und auch wenn ich das anders sehe, bin ich wohl nicht derjenige, der das beurteilen kann. Ich weiss nur, dass sich die Art, wie wir die Lieder machen und ich meine Texte, sich überhaupt nicht geändert hat in den letzten Jahren. Auf dem neuen Album sind auch Sachen dabei, die noch vor denen auf dem Vorgänger "Schrei wenn du brennst" entstanden sind. Ich habe nie bewusst eine Abkehr von irgendwas betrieben, und Deutschpunk ... Naja, unser deutschpunkigstes Stück ist wohl "Fernbedient", wo diese gerne zitierte Textzeile "Schwule Säue und dreckige Zecken" vorkommt und das auch einen hohen Wiedererkennungswert hat. Das Lied war genau so beabsichtigt, das wollte ich genau so machen und direkt sagen, aber leider hat das absolut nicht funktioniert. Mit diesem Lied haben wir Leute angezogen, die wir nicht unbedingt haben wollten, und zumindest wollten wir auf keinen Fall in diese Deutschpunk-Schublade rein. Wir haben mit dieser Musik nichts zu tun, wir hören sowas nicht. Und wenn wir nicht deutsche Texte hätten, hätte das auch bei der letzten und der vorletzten Platte keiner für Deutschpunk gehalten. "Fernbedient", da wollte ich mal was gegen diesen Jammerpunk mit runterhängendem Iro und Köter sagen, der die punkgewordene Frage "Warum behandelt mich die Gesellschaft so schlecht?" ist. Da wollte ich mal eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dagegen setzen: Wir sind Punks, wir sind links, wir sind dies und das und wir sind stolz drauf. Wir sind nicht die Unterdrückten, da gibt´s andere, die unterdrückt sind und nicht wir weissen Mittelklasse-Kids. Das war die Message von dem Song, doch wenn jetzt bei Konzerten nach dem Lied gerufen wird, sind das genau die falschen Leute, die das angesprochen hat."

Also das alte Lied, dass eine Band nix für die Leute kann, die zu den Konzerten kommen?

"Naja, da kann man eben nichts dafür, und ich kenne jedenfalls kaum Bands, bei denen ich das Publikum gut finde. Das ist ja nicht nur bei Deutschpunk so, sondern etwa auch bei HOT WATER MUSIC. Die finden ihr Publikum teilweise auch nicht so toll und einseitig, das passt teilweise gar nicht zu denen. Aber eine Band kann eben nicht immer was für ihr Publikum und so schlimm ist es auch nicht, denn wir etwa haben ja kein Scheisspublikum. Wir sind eine Band, die noch nie zu einem Trend gehört hat oder in eine bestimmte Richtung wollte. Deswegen bin ich froh, dass es derzeit für uns besser aussieht als je zuvor, denn wir sprechen ein relativ breites Publikum an, und so soll das auch bleiben, das finde ich gut. Wir wollen keine Klischees bedienen."

Wegen "Fernbedient" gab es ja auch Vorwürfe an euch schwulenfeindlich zu sein - ich erinnere mich daran, dass im letzten MUFF POTTER-Interview im Ox zur Sprache kam, wie ihr deshalb von den "Korrekten" vom "Druckluft" in Oberhausen ziemlichen Ärger bekommen habt. Verändert einen so eine Erfahrung?

"Ich versuche, mich von so etwas nicht beeinflussen zu lassen. Ich habe meine Ideale, und die lasse ich mir von so etwas nicht kaputt machen. Im Ox-Interview wurde auch einseitig auf die Antifa eingeprügelt, das war aber einfach aus der Position heraus kritisiert, dass ich selbst Punk bin und bei der Antifa. Wenn jetzt Punk oder Antifa auch ´ne Menge Idioten anzieht, kann mir das doch nicht meine Ideale nehmen, auch wenn man mit der Zeit etwas realitätsbewusster wird."

Was sind das für dich für Ideale?

"Hm, ich weiss nicht, ob man das ohne Pathos oder Peinlichkeit formulieren kann, aber ich fürchte nicht. Ich glaube, Marcus Wiebusch von BUT ALIVE war jemand, der das gut hingekriegt, das unpeinlich hinzukriegen, aber selbst er ist da irgendwann dran verzweifelt. Nein, ich selbst traue mir da eine Anwort momentan nicht zu, das wäre nur eine Aneinanderreihungvon Schlagworten, die oberflächlich und phrasenhaft daherkäme."

Du hast eben gemeint, derzeit würde es für euch sehr gut laufen. Ich denke, das bezieht sich zum einen auf eure neue Platte und hat zum anderen was mit der Tour neulich zusammen mit HOT WATER MUSIC zu tun.

"Richtig. Dank Burkhard von Green Hell bekamen wir die Möglichkeit, mit HOT WATER MUSIC auf Tour zu gehen. Wir alle mögen HOT WATER MUSIC und fanden die Idee von Anfang an klasse. Dabei musste sich Burkhard im Vorfeld schon von ein paar Leuten die Frage anhören, wie er denn die Emocore-Götter mit den Deutschpunk-Asseln auf Tour schicken könne. Dabei sind HOT WATER MUSIC genauso wenig Emocore-Götter wie wir Deutschpunk-Asseln, und mit uns beiden passte das auf Tour wie die Faust aufs Auge: der Humor an erster Stelle, weil das für mich am wichtigsten ist, aber auch, dass man sowohl gut reden konnte wie auch nackt auf dem Tisch tanzen. Letztendlich hat uns diese gemeinsame Tour viel gebracht, und auch HOT WATER MUSIC hat´s was gebracht, auch insofern, als sich in den letzten Jahren immer mehr Schubladen aufgetan haben, wo einzelne Szenen sich so abgeschottet haben, dass sie nichts mehr miteinander zu tun haben. Bei dieser Tour wurde das wieder etwas aufgehoben, denn als Mitglied einer Band verstehe ich überhaupt nicht, wie es einen befriedigen kann, sich nur in einer Schublade zu bewegen, wo alles auf einer Schiene läuft und man sich nur gegenseitig kopiert. Ich bin 24, aber sowas hat´s echt nicht gegeben, als ich angefangen habe Punk zu hören. Damals hörte ich DEAD KENNEDYS und dann lernte ich SAMIAM kennen und fand das geil und wäre niemals auf die Idee gekommen, dass das nicht zusammen passt. Dass wir das so sehen, das ist vielleicht auch der Grund, weshalb uns manche als markante, aneckende Band ansehen. Zum Glück spielen wir nämlich vor Crusties, Deutschpunks, Hardcore-Poppern und Normalos spielen. Leute, die nur wegen einer Schublade zu unseren Konzerten kommen, werden das wohl nicht verstehen können. Wenn Regeln dazu da sind, gebrochen zu werden, sind Einbahnstrassen für mich zum Geisterfahren da."

Und wie lief das so auf Tour mit HOT WATER MUSIC?

"Es stellte sich schon am ersten Tag heraus, dass die in puncto Schubladen genauso denken wie wir, und so wurde das die beste Tour, die wir bislang gemacht haben. Es war echt jeden Tag grossartig und wurde sogar noch von Tag zu Tag besser, jeden Tag lernten wir uns besser kennen und es wurde intensiver. Und es war auch kein Stück so, dass wir die doofe Vorband waren, die zu HOT WATER MUSIC aufblickte, auch wenn die meisten Leute natürlich wegen denen kamen. Es passte einfach alles. Grossartig war auch, dass wir direkt danach mit Lee Hollis gespielt haben, was auch gut klappte, und die paar Shows mit LEATHERFACE waren auch cool. Das passiert alles in einem Monat, das war schön und bedeutet mir ´ne Menge."

Ist dir schon mal aufgefallen, dass weder eine Band wie AVAIL noch AT THE DRIVE-IN, GET UP KIDS oder HOT WATER MUSIC was mit dem Begriff "Emo" anfangen können?

"Ja klar. Den Begriff "Emo" finden nur Bands gut, die wie AVAIL oder HOT WATER MUSIC klingen wollen, aber nicht die Originale selbst. Als ich das erste Mal SAMIAM gehört habe, dachte ich mir "Mein Gott, ist das emotional", aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass die Musikrichtung "Emocore" heisst - und ich denke, SAMIAM wären auch nie auf diese Idee gekommen. Jeder, der ehrliche Musik macht, weiss, dass man nicht eine Richtung als "emo", als "gefühlvoll" bezeichnen kann und andere nicht."

Einflüsse...

"Punkrock. Ich weiss mittlerweile, wie man ´nen Punkrock-Song macht, wie man ´nen guten Punkrock-Song macht, wie man ´ne poppige Melodie oder ´ne "Emo"-Melodie hinbekommt, aber das reizt irgendwann nicht mehr. Ich meine, ich könnte mich jeden Nachmittag hinsetzen und ´ne SCREECHING WEASEL-Platte machen - die finde ich auch gut -, aber das hat keinen Reiz für mich, warum sollte ich das tun. Ich höre lieber THIN LIZZY, achte darauf, wie die ein Lied machen, oder die CARDIGANS oder die PIXIES - das interessiert mich, wie die arbeiten, auch wenn ich nicht wie die klingen will. Ansonsten sind wir Punkrock, das ist alles. Wir kommen aus ´nem kleinen Kaff, da war Punkrock alles, da gab´s keine Szene. Da war Punkrock auch Hardcore oder Indie oder was immer, und da bin ich froh drüber, denn so rutschte ich nie in Kreise rein, die sich abschotten oder ihre eigene Nische bilden mussten. Da war man froh über alles, was neu oder gut war."

Weitere Aktivitäten? Du hast früher auch noch das Wasted Paper-Fanzine gemacht.

"Vielleicht gibt´s das bald auch mal wieder. Ausserdem mache ich mein Label, Hucks Plattenkiste, und früher habe ich auch Konzerte organisiert. Ich denke, das hat was mit diesem Kaff Rheine zu tun. Ich konnte da noch nie einfach zu einem Punkkonzert gehen, ich musste das immer selber veranstalten. Ich bin eben ein aktiver Mensch, ich kann nicht nichts tun. Ich kann keinen Tag nichts tun, ich kann nicht mal auf dem Klo sitzen ohne zu lesen, muss immer irgendwas machen, sonst drehe ich durch. Das war schon immer so, und das wird hoffentlich immer so sein."

Hast du denn noch ´nen Job?

"Nee, ich jobbe so rum, wie´s halt nötig ist."

Was ist mit den anderen?

"Wir sind derzeit etwas verstreut. Der Marc, unser Bassist, der ist jetzt für vier Monate in Spanien und betreut Kinder in ´nem Zeltlager. Brahmi, der Schlagzeuger, ist in Köln, und Denis ist in Münster, das ist ja nicht weit von Rheine. Trotzdem versuchen wir so viel wie möglich zu proben und zu spielen, das muss man halt gut organisieren."

Wie oft probt ihr?

"Schon immer sehr wenig, höchstens dreimal im Monat, aber auch mal zwei Monate nicht."

Bist du so der Checker in der Band?

"Nach aussen hin schon, nach innen eher nicht. Das macht mir Spass, das habe ich schon immer gemacht. Ich bin Perfektionist und ein Control-Freak, schon immer, da muss ich das einfach machen. Das ist auch der Grund, weshalb wir immer alles selbst gemacht haben, das wir immer die beste Lösung. Trotzdem ist D.I.Y. für uns keine Religion, und wenn ein gutes Label ankommen würde, würden wir das vielleicht auch nicht ablehnen. Alles, was wir sind, haben wir uns selbst erarbeitet. Wir haben zu jedem Zeitpunkt versucht, die beste Band zu sein, die wir sein können, und derzeit sind wir so nah wie nie zuvor an dem, was wir eigentlich machen wollen."

Was habt ihr für eine Perspektive? Der Punkt ist ja, dass eine Band irgendwann entweder den Durchbruch schafft oder vorher die böse Realität zuschlägt und die einzelnen Bandmitglieder sich zwischen Beruf oder Studium und der Band entscheiden müssen.

"Klar, das ist schwierig. Bei uns war das Abrackern für die Band aber immer Selbstzweck, wir haben nie gezielt an unserer "Karriere" gearbeitet. Wenn wir ein neues Lied haben, baut mich das für Wochen auf, und dann noch positives Feedback zu bekommen ist grossartig. Wenn wir Angebote kriegen, prüfen wir uns immer wieder aufs neue, aber wir haben kein festes Ziel. Der Punkt, dass man es sich irgendwann nicht mehr leisten kann eine Band zu sein, diese Gefahr ist aber natürlich immer da. Sowieso würden sich wohl viele Leute wundern, wie es bei ihrer jeweils verehrten Band hinter den Kulissen aussieht, denn das sind nicht so starke Supergemeinschaften und beste Kumpels. Es ist eine enorme Kraftaufwendung, eine Band am Laufen zu halten. Wir stecken ständig nur Geld in die Band und verdienen nichts damit, aber trotzdem müssen wir dem einen oder anderen auch mal Geld auszahlen, sonst können wir nicht auf Tour gehen, wenn schon wieder mal ein Becken kaputt ist. Die Frage ist, wie lange man sich das alles leisten kann."

Die Frage ist aber auch, was man bereit ist zu tun für seinen Erfolg. Andere Bands lassen sich von Marketing-Leuten verbiegen, drehen alberne Snowboard-Videos, die dann auf MTVIVA laufen und verdienen trotzdem so gut wie kein Geld damit.

"Das ist ja das Geile, dass das eben auch mit diesen ganzen Kommerzmechanismen nicht so funktioniert, wie man denkt. Das gibt mir ein Gefühl von Überlegenheit und Stolz, gerade auch angesichts dessen, dass viele Leute gerne auf der Szene und ihren Mechanismen herum hacken. Man kann eben nicht alles machen, und mit einem Video auf Heavy Rotation kann´s trotzdem sein, dass du nur 5.000 Platten verkaufst und vom Label wieder gekickt wirst. Ich stehe mit einer gewissen Genugtuung daneben und weiss, dass wir 2.000 Platten weniger verkauft haben, aber 80% der Leute sich auch die nächste MUFF POTTER-Platte kaufen werden. Das weiss auch aus der ganzen Post, die wir kriegen, und auch, dass die Leute zu schätzen wissen, dass da bei uns kein Hype im Spiel ist. Das ist es auch, was ich an Bands wie EA 80 bewundere, ihre Standhaftigkeit und ihr Durchhaltevermögen - und dass man bereit ist, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht den Weg, der einem vorgelegt wird. Das hat für mich ´ne ganze Menge mit Punkrock zu tun."

Punk ist - mach dein Ding, steh´ dazu. Das ist von den ÄRZTEN.

"Ich denke, die ÄRZTE haben ´ne ganze Menge mehr Ahnung von Punkrock als sehr viele andere Bands, die heute herumrennen und die Punkfahne hoch halten."

Du hast ein JAWBREAKER-T-Shirt an.

"JAWBREAKER ist ohne Zweifel die beste Band, die ich je in meinem Leben gehört habe."

Danke.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #40 (September/Oktober/November 2000)

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