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Interviews & Artikel

45 GRAVE

Deathrock for life

Die ursprünglich zwischen 1979 und 1985 aktiven 45 GRAVE gelten als die Miterfinder dessen, was später als "Deathrock" und "Horror Punk" bezeichnet wurde - ein Genre, das sich derzeit wieder größerer Beliebtheit erfreut. Das ursprüngliche Line-up bestand aus Sängerin Dinah Cancer, Gitarrist Paul Cutler, Rob Ritter alias Rob Graves am Bass und Don Bolles (von den GERMS) am Schlagzeug. Direkte Vorgängerband waren VOX POP, bei denen einst auch Jeff Dahl spielte. Der Output der Band, damals Teil der vielfältigen Punkszene von Los Angeles und musikalisch nicht weit von T.S.O.L. und CHRISTIAN DEATH angesiedelt, ist mit dem Album "Sleep In Safety" (1983) und den EPs "Phantoms" (1983) und "What Is 45 Grave? A Tale Of A Strange Phenomena" (1984) recht überschaubar, und es gab dann nach der Auflösung 1985 zwar 1989 noch eine Reunion, doch nach dem drogenbedingten Tod Ritters 1991 war wieder Schluss. 2004 allerdings, zum 25. Geburtstag der Band, stellte Dinah Cancer als einzig verbliebenes Originalmitglied eine neue Version von 45 GRAVE zusammen, und im Vorfeld einer für Juni geplanten Europatour beantwortete sie mir meine Fragen.



Dinah, wie kamst du dazu, die Arbeit mit 45 GRAVE wieder aufzunehmen, nachdem du zwei Kinder großgezogen und schon vor Jahren die Musikszene verlassen hattest?


Nach 45 GRAVE starb die Musik in mir ein bisschen. Ich habe das Singen vermisst, es war ein großer Teil meines Lebens. Ich habe es im Blut zu performen und so kam ich zurück zur Musik. Ich wollte meinen Nine-to-five-Lehrerjob nicht mehr machen. Meine Töchter wurden älter und verstanden nun, was ich tun wollte. So lernte ich 1996 Penis Flytrap kennen. Dadurch hatte ich wieder die Chance, auf der Bühne zu stehen. Vor vier Jahren habe ich die GRAVEROBBERS verlassen, nur um zu sehen ob da noch Interesse an 45 GRAVE besteht. Zuerst dachten die Leute, es sei ein Gerücht, dass Dinah Cancer zurückkehrt und die Seele von 45 GRAVE zurück ist. So dauerte es seine Zeit, bis wir wieder geboren waren. Die Shows machten Spaß, das Publikum wuchs und sang mit. Das brachte das Interesse für 45 GRAVE und mich selbst wieder zurück. Das Internet half dabei sehr. Es gab ein paar Fotos von uns und ein paar Alben waren ausverkauft, die Fans fragten nach alten Fotos, Songtexten und Infos von 45 GRAVE. Das hat mich dazu gebracht, den Namen 45 GRAVE aufzugreifen. Es gab anfangs zwar ein paar Probleme wegen des Namens, aber das hat sich schnell erledigt. Ich hatte 2005 ein Treffen mit Paul Cutler, und er arbeitete eine Abmachung aus. Daraufhin suchte ich mir ein gutes, neues Line-up.



Wer sind die neuen Mitglieder und warum hast du sie gewählt?


In einer Band zu sein ist, als wäre man verheiratet. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Und wir waren in den 80ern groß, es ist nicht so, als müssten wir uns nur zusammenraufen und Texte schreiben. Da kommen noch der Name, die Musik und die Texte. Du musst Leute finden, die die Musikmaschine zum Laufen bringen. Musik ist mein Leben und ich habe Menschen gesucht, die diesen Traum mit mir teilen. Da bin also erstmal ich, Dinah Cancer, ich singe und war in 45 GRAVE, CASTRATION SQUAD, VOX POP, NERVOUS GENDER, PENIS FLYTRAP, DINAH CANCER AND THE GRAVEROBBERS und QUEEN OF HELL. Lisa Pifer spielt Bass und singt auch etwas. Sie arbeitete schon mit Nina Hagen, SNAP HER, LISAFER, FAGSHAGS, UXA, THE RESISTANCE, D.I. und DINAH CANCER AND THE GRAVEROBBERS. Lisa arbeitet seit vier Jahren mit mir zusammen. Sie ist meine rechte Hand, meine beste Freundin und meine Schwester zugleich. Oder auch die linke Hand, wenn du das bevorzugst. 45 GRAVE war eine Herausforderung, aber durch sie wirkt der Bass so einfach. Lisa ist stark im Punk verwurzelt und ist eine große Bereicherung in der Rhythmussektion. Dann ist da noch L. Ron Jeremy, er spielt Leadgitarre und war bei FRANKENSTEIN, ELEMENT, KOMMUNITY FK, FAITH AND THE MUSE, DEAD ARTIST SYNDROME und THE MALCONTENTS. Ich kenne Jeremy schon seit 17 Jahren. Ich habe ihn in der Zeit die Jahre in seinen verschiedenen Projekten beobachtet. Es besteht schon eine sehr lange Freundschaft und ich hab mich gefreut, dass er bei uns Gitarre spielt. Ebenso ist er ein kreativer Schreibpartner. Das Arbeiten mit ihm war eine Reise. Wir sind sowas wie böse Zwillinge ... Die andere Gitarre spielt Kenton Holmes, der zuvor mit Rozz Williams und Gitane Demone, FAITH AND THE MUSE und XIPPER Musik gemacht hat. Mit Kenton arbeite ich seit September 2006. Er ist ein lustiger Partner und eine wichtige Stütze der Band. Er macht mit seiner harten Gitarrenspielweise einen guten 45 GRAVE-Sound. Schließlich ist da noch Stevyn Grey, unser Schlagzeuger, der zuvor bei FRANKENSTEIN, CHRISTIAN DEATH, FAITH AND THE MUSE, MEPHISTO WALZ und SHADOW PROJECT spielte. Ich kenne Stevyn schon seit 25 Jahren und wollte schon immer mit ihm zusammenarbeiten. Er war immer ein guter Freund. Ich liebe seinen Style und freue mich über die Möglichkeit, mit solch einem erfahrenen Drummer zusammenzuarbeiten.



Was ist mit den alten Bandmitgliedern? Hast du noch Kontakt zu ihnen?


Paul Cutler hat die Musik an den Nagel gehängt und er ist glücklich damit. Don Bolles spielt gerade mit den GERMS deren Reunion-Shows.



Warum gibt es keine Reunion mit den alten Mitgliedern?


Nachdem Rob "Graves" Ritter gestorben war, war die Magie verloren gegangen. Und wir anderen Mitglieder hatten viele Probleme. Manche von ihnen denken heute noch genauso wie damals und wollen nicht mehr den gleichen Weg gehen. Ich denke nicht, dass es einmal dazu kommen wird.



Wie glücklich bist du mit den Bezeichnungen "Deathrock" und "Horrorpunk"?

Ich bin ein gruseliges Mädchen, haha. Für mich ist das alles das Gleiche, Punk mit ein bisschen Tod.



In den frühen 80ern gab es keine wirkliche Trennung zwischen Bands wie 45 GRAVE, CIRCLE JERKS, ADOLESCENTS oder CHRISTIAN DEATH. In den späten 80ern waren Punk und Hardcore auf der einen Seite und die Gothic-Szene auf der anderen. Heutzutage sind diese Szenen komplett voneinander getrennt. Wie denkst du darüber?

1979 haben wir mit 45 GRAVE einfach nur unsere Musik gespielt und wir haben uns selbst keiner wegweisenden Bewegung zugeordnet. Wir waren eine fest verbundene Familie. Wir lebten zusammen. Die meisten Bands spielten auf die gleiche Weise. Und du hast für die Shows gelebt. Wir haben mit CHRISTIAN DEATH, BLACK FLAG und TSOL gespielt, um nur ein paar zu nennen. Erst als ich anfing wieder zu performen, realisierte ich, wie 45 GRAVE eine ganze Reihe an Deathrockern, Punks und Horrorpunks beeinflusst hatten. Viele, die heute zu unseren Shows kommen, kommen mit ihren Eltern. Die Eltern teilen etwas, womit sie aufgewachsen sind, und hoffen, dass ihre Kinder genauso Spaß daran haben. Die ersten Deathrock-Bands trieben sich in den frühen 80ern herum, und da gab es keine Gothics. Die Deathrocker entwickelten sich aus der Punk/Hardcore-Szene dieser Zeit. Wir machten Punkrock, aber wir liebten Halloween und wir sahen aus wie Vampire. CHRISTIAN DEATH, VOODOO CHURCH, SUPER HEROINES, KOMMUNITY FK nahmen die Bühnen ein und wir waren ein Teil der wachsenden Szene. Deathrock wurde geboren! Wir hatten eine tiefere Wahrnehmung der dunkleren Seite des Lebens. Ich vermisse heute die Einheit der alten Szene. Es hab damals keine Gothics, Deathrocker und so weiter. Wir waren jung und hatten Spaß. Und alle Szenen hingen gemeinsam rum. Die Clubs, wie etwa das Scream, waren für jeden geöffnet, der gute Musik hören wollte. Es war egal, wie man ausgesehen hat. Du hattest immer Freunde um dich herum und konntest du selbst sein. Damals war es "Wir" gegen die "Anderen". Wenn man wie wir ausgesehen hat, wurde man verprügelt, angegriffen und angespuckt. Es ging ums Überleben. Und darum, gut auszusehen, während du das gemacht hast.



Und wie ist die Szene in Los Angeles heute?

Es gibt eine Menge guter Clubs zum Rumhängen und gerade eröffnen eine Menge neuer Clubs. Das Bats in Long Beach und die Sinister Bar in Hollywood sind zwei der älteren Locations, die noch existieren. Ich hoffe, dass nun eine neue Generation Fans sieht, wie es in den 80ern zuging, wenn wir Konzerte spielen. Und sie können die Stimmung am Leben halten. Ich höre SHADOW REICHENSTEIN, DEAD CAN DANCE, GHOULTOWN und FRANKENSTEIN. Die nächste Ära bricht an.



Würdest du dich selbst als Feministin bezeichnen? Ich meine, du warst eine der wenigen Frauen in der von Männern dominierten L.A.-Punk-Szene.

Ich war unabhängig. Damals gab es ein paar wenige Bands mit Frontfrauen. Es war eine harte Zeit, um in einer Band zu sein. Die Jungs hatten es da leichter. Es war schwer und es ist immer noch schwer. Man musste doppelt so hart arbeiten. Aber das macht dich stark und zur Feministin. Die einzige Person, die auf dich aufpasst, bist du selbst. Ich bin Sängerin, Bookerin, Managerin, Fotografin, Web-Designerin, Mutter und die Liste ist noch nicht zu Ende.



Und in wie weit hat dir das in deinem Leben geholfen? Was denken deine Töchter über diesen Teil deines Lebens?

Ich habe das damals gemacht, was ich will, und mache das immer noch so. Ich erinnere mich noch, als meine Tante starb. Das letzte, was sie mir erzählte, war, dass ich nicht so enden solle wie sie. Sie hat ihre Träume nicht verwirklicht, sie wurde nur zu einem Packesel für Jedermanns Probleme. Aber Dinge gehen nicht so schnell, wie man es gerne hätte. Nun habe ich andere Dinge, die ich in meinem Leben bedenken muss. Die Mädchen sind alt genug, um zu verstehen, was ich mache, und dass das eine Menge Zeit und Energie in Anspruch nimmt. Wenn ich auf meinen alten Job zurückblicke, habe ich eine Menge Zeit ohne sie verbracht. Meine Tage waren 15 Stunden lang und sie haben ihre Mutter nur noch schlafend zu Gesicht bekommen. Das klingt nach einem guten Leben, das war es aber nicht. Jetzt gerade ist es zwar etwas härter für uns, aber ich kann mehr Zeit mit ihnen verbringen. Das Aufwachsen der Mädchen mit mir war anders. Sie wussten, dass sie im Halloween-Museum leben. Das ist alles normal für sie. Wenn man aber in ihre Zimmer geht, sind es ganz normale Zimmer, aber frag sie mal etwas über frühe Monsterfuguren oder Godzilla und du wirst überrascht sein. Sie wissen sehr viel über Horror. Meine kleinen Scheusale, Ilse und Erika. Und Ilse war meine Fotografin. Sie machte die "Blood'n'Roses"-Bilder. Sie ist auch ein großartiger Coach. Ich beziehe sie mit ein, wenn ich mich für die Shows fertig mache. Sie sind meine Kostüm- und Maskenbildnerinnen. Sie unterstützen mich sehr und sehen, dass ich glücklich bin. Sie haben ihre eigene Vergangenheit und ihr Leben zu leben. Meines ist 45 GRAVE.



Welche der 45 GRAVE-Platten sind noch erhältlich? Habt ihr Pläne für Rereleases, ein neues Album?

Die "Sleep In Safety/Only The Good Die Young"-CD ist noch erhältlich. Wir planen "Autopsy" wieder zu veröffentlichen. Wir haben auch Shows gefilmt, und wenn die neue CD auf den Markt kommt, wird auch eine Live-DVD dabei sein. Jeremy und ich arbeiten gerade an Material für eine neue Platte. Es werden auch ein paar Live-Songs dabei sein, von der letzten Tour. Die meisten Texte sind schon fertig und ein paar Songs bis jetzt. Wir wollen die traditionelle 45 GRAVE-Stimmung beibehalten, unser Lieblingssong ist " Heavy-metal-psychedelic-post-punk-what-the-fuck-ghoul-rockers". Ihr werdet es erfahren, wenn das Album fertig ist.


Übersetzung: Christin Pausch



Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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