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Interviews & Artikel

EASTSIDE BOYS

... über Subkulturen!

Wer die heimische Streetpunk-Szene in den letzten Jahren ein wenig verfolgt hat, dem sind die Boys aus dem östlichen Teil unserer Republik sicher ein Begriff. Mit ihrem gut gespielten mitsingkompatiblen Punkrock und originellen Texten konnten sie sich in den vergangenen Jahren eine feste Fangemeinde erspielen und liefern auch mit dem aktuellen Longplayer "Die Zeit ist reif" wieder eine rundum gelungene Scheibe ab. Vor allem bieten die Boys weit mehr als nur "stumpfen" Streetpunk mit bedeutungslosen Texten und dem immer wiederkehrenden Abfeiern der eigenen, so genannten, Szene. Der Blick über den eigenen schmalen Tellerrand und dem kritischen Auseinandersetzen mit szeneinternen Gepflogenheiten brachte ihnen in der Vergangenheit aber nicht nur Freunde ein. Für Gesprächsstoff ist also ausreichend gesorgt! Wem die Boys aus Berlin (... aus Berlin!) bisher also noch unbekannt waren, der sollte die nachfolgenden Zeilen ruhig einmal genauer verfolgen, denn wie ich denke, können die Boys auch über ihre Musik hinaus positiv punkten. Die aktuellen Neuigkeiten aus dem Hause EASTSIDE BOYS und was ihnen sonst noch so auf dem Herzen liegt erfahrt ihr nun also im nachfolgenden Interview.




Fangen wir mal "klassisch" an! Also, wer zeichnet sich denn für was verantwortlich, welche Tonträger haben bisher schon das Licht der Welt erblickt und was sollte der geneigte Leser noch so alles über euch wissen?


Okay, klassische Antwort. Wir sind: Jens an den Trommeln, Rich am Bass, Bert spielt Gitarre und singt und Roman spielt ebenfalls Gitarre. Veröffentlicht wurden von uns die EP "Der Letzte im Lokal", 2001 bei Bandworm Records, "Echte Helden" - Bandworm 2002 - und 2004 "Die Zeit ist reif" auf DSS Records. Außerdem noch diverse Sampler-Beiträge.



Welche Message steht hinter eurer Musik? Welchen Stellenwert haben für euch die textlichen Inhalte eurer Songs?

Generell haben die Texte, egal ob ernst, ironisch oder auch mal ohne Sinn, einen hohen Stellenwert. Schließlich singen wir auf Deutsch, da versteht einfach jeder, worum es geht. Darum sitzen wir mitunter ziemlich lange daran, bis alles passt. Eine Message, so wie ein roter Faden, der sich durch die Lieder zieht, haben wir nicht. Ganz allgemein ist uns der Spaß an der Musik wichtig, ich hoffe, das bekommen die Leute auf Konzerten oder beim Anhören der Platten mit. Ernste Texte beschreiben eher unsere persönlichen Eindrücke und Standpunkte, zielen also nicht darauf ab, jemanden zu belehren. Wenn wir dadurch jemanden anregen, bestimmte Dinge zu hinterfragen und sich selbst Gedanken darüber zu machen, finden wir das natürlich nicht schlecht. Die Resonanz auf unsere Lieder und Texte ist bis jetzt überwiegend positiv gewesen, es lohnt sich also, bei aller Liebe zur Musik, auch darauf zu achten, was man singt.



Auf dem aktuellen Album "Die Zeit ist reif" besingt ihr gleich im ersten Song die Subkulturen dieser Welt. Inwiefern fühlt ihr euch diesen verbunden und was bedeutet Subkultur für euch konkret? Auch vor dem Hintergrund der mittlerweile völlig vom Kommerz ergriffenen so genannten Punk- und Hardcore-Szene.

Ich sehe das mit dem Kommerz mittlerweile etwas gelassener. Es gibt Bands, die es wirklich verdient haben, wegen ihrer guten Musik groß raus zu kommen, andere haben es nicht. Oft sind bekanntere Bands auch ein guter Einstieg zur Szene, wie früher über ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN. Wenn es jetzt andere bekannte Bands wie ANTI-FLAG oder RANCID schaffen, Kids für Punk zu begeistern, finde ich das nicht schlecht, solange sie dabei noch ihr eigenes Ding durchziehen. Wer sich dafür begeistern kann und über längere Zeit dabei bleibt, wird eventuell lokale Bands unterstützen oder sich in einem Klub engagieren oder selbst eine Band zu gründen. Ich glaube nicht, dass der Punk total kommerzialisiert wird. Immer wieder fangen Bands in schlecht belüfteten Proberäumen an und niemand kann einschätzen, was aus ihnen werden kann. Und wenn man mal genauer schaut - ich kann jetzt nur von Sachsen und Berlin sprechen -, gibt es noch eine ganze Menge Klubs, wo Leute mit mehr persönlicher Energie als viel Geld richtig gute Sachen auf die Beine stellen. Zum Thema Subkultur kann ich nur sagen, dass wir uns der ganzen Sache, also Menschen, Klubs, Musik, die "normale" Leute so nicht kennen lernen, sehr verbunden fühlen. Wenn jemand meint, das ist "die Subkultur", dann lassen wir das mal einfach so stehen.



Welche Bands und welche Menschen im Allgemeinen haben den größten Einfluss auf euch ausgeübt? Ohne wen hätte es die EASTSIDE BOYS nie gegeben?

Das kann man über die Jahre nicht festlegen, da gab es viele Bands, die man sehr gern gehört hat und die einen auf die Idee zu Liedern gebracht haben. Um mal Namen zu nennen, wir wollten zum Beispiel so gute Partylieder machen wie die LOKALMATADORE, und andererseits klasse Punk-Hymnen schreiben wie BOMBSHELL ROCKS. Ansonsten, wie gesagt, die Sachen, die man gerade aktuell gern hört.



Wer hat bandintern den größten Dickschädel, wenn es ums Songwriting geht? Wie entsteht ein "typischer" EASTSIDE BOYS-Song?

Die Songs entstehen selten spontan. Die größten Dickschädel sind wohl Bert und ich. Da kann es durchaus mal im Proberaum richtig krachen. Ich habe zum Beispiel Texte, die nicht zu den Melodien von Bert passen. Dann wird es manchmal kritisch. Am Ende werden die Sachen aber irgendwann so gegenseitig angepasst, dass es klappt.



Die Welt dreht sich immer schneller, die Tage bräuchten mindestens 48 Stunden. Wie schafft ihr es, die Band längerfristig am Laufen zu erhalten, sie in euer "normales" Leben zu integrieren?

Wir spielen etwa 20 Konzerte im Jahr. Das ist nicht übertrieben viel. Es macht Spaß, in verschiedenen Gegenden zu spielen, und man lernt dabei eine Menge interessanter Leute kennen. Das ist keine Belastung für uns, wir sind immer wieder gern unterwegs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der in einer Band spielt, nie vor Publikum auftreten will. Dafür macht man das ja.



Wie sieht eure Erfahrung mit typischer Labelpolitik aus? Könnt ihr guten Gewissens die Verantwortung in "fremde" Hände geben oder habt ihr doch gern lieber alle Fäden selber in der Hand, Stichwort D.I.Y.?

Die Entscheidung über die Lieder, Texte, Konzerte, die wir spielen, liegt voll bei uns. Wir sind froh, dass wir ein Label haben, das uns bei der Produktion unterstützt und den Vertrieb organisieren kann. Was unsere Musik angeht, sind wir völlig unabhängig. Es hat uns auch von Labelseite noch nie einer reingeredet. Also bisher nur gute Erfahrungen.



Was hättet ihr, im Nachhinein betrachtet, auf die Band bezogen gern anders gemacht?

Mehr üben hätte vielleicht nicht geschadet ... Keine Ahnung, sicher gibt es Fehler und wir würden Sachen von früher heute nicht mehr so wiedergeben. Es ist aber als Band wie als Person eben eine Entwicklung. Ohne diese würden wir nicht so sein, wie wir heute sind. Verdammt, wieder so eine Klischee-Antwort.



Mal abgesehen vom gängigen Klischee des ewig tourenden Musikjunkies, zieht ihr der abendlichen Bühne nicht auch mal gern das kuschelige Studio vor?

Wie kommst du auf die Idee, das Studio wäre kuschelig? Das ist Stress pur, schließlich ist man hoch konzentriert dabei. Außerdem riecht ein Studio nach einer Weile ziemlich komisch, wenn sich vier Kerle tagelang darin verschanzen. Andererseits ist es natürlich cool, wenn man so langsam seine neue Platte entstehen sieht und das Teil dann irgendwann fertig ist. Aber im Großen und Ganzen machen Konzerte mehr Spaß. Kein Vergleich mit der Anspannung, die in einem Studio herrscht.



Apropos Bühne. Mit wem würdet ihr diese gern mal teilen wollen und welche Platte hättet ihr doch lieber selber gern aufgenommen?

Och nö, diese Best-Of-Fragen. Was den Kult-Faktor anbelangt, da hätten wir zum Beispiel die "Shock Troops" von COCK SPARRER gern aufgenommen, nur wurden wir da leider gerade erst eingeschult. Was Ideen und Können angeht, finde ich die RANCID-Sachen ganz groß. Generell gehen aber die persönlichen Favoriten in der Band ziemlich auseinander, deshalb auch keine detaillierte Liste. Macht aber nix, wir klauen halt aus verschiedenen Bereichen. Bühnenmäßig finde ich Festivals am interessantesten, wegen der verschiedenen Leute im Publikum. Spezielle Wunschkapellen gibt es aber nicht.



Wo seht ihr euch in den nächsten fünf Jahren? Wie wird die "Szenelandschaft" aussehen?

Was wir dann machen, kann noch niemand sagen. Es wird dann die nächste Punk-, Hardcore-, Rock'n'Roll-, Oi!- und Sonst-was-Welle vorüber sein und von jeder bleibt hoffentlich was Gutes hängen. Ich hoffe für einige Bands, dass sie sich bis dahin aufgelöst haben. Dafür gern noch mehr Genre übergreifende Kapellen, aber bitte nicht noch mehr Ska-Punk. Für die Szene hoffe ich, dass sie mindestens so stark bleibt wie sie ist oder noch stärker wird. Im Prinzip klappt das ja jetzt schon überwiegend gut, dass sich verschiedene Leute und "Musikliebhaber" zusammentun. Dieser Zusammenhalt ist da sehr wichtig. Die Leute werden halt auch älter, es wird bestimmt noch mehr "Ex"-Skins, -Punx, -Rock'n'Roller geben, die sich auf Konzerten treffen. Wichtig ist, dass den Klubs nicht noch mehr Steine in den Weg gelegt werden und sich immer neue Leute finden, die die ganze Sache weiterführen und nach vorn bringen.



Welche Wünsche, Pläne und Ziele sollen verwirklicht werden? Wann können wir mit neuen Aufnahmen rechnen?

Wir basteln gerade fleißig an neuen Songs. Irgendwann 2007 soll das Ergebnis dann auf Platte gepresst werden - unser nächstes großes Ziel. Wir lassen uns da immer etwas Zeit ... "Gut Ding will ...". Weiterhin wollen wir natürlich oft live spielen. Wir waren vor kurzem auf Tour, mit guten Eindrücken und Erinnerungen, so dass wir das auch wiederholen möchten.



Lars Weigelt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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ALARMSIGNAL ging es schon immer um Inhalt und Klartext mit minimalem Hang zu Punk-Parolen und großer Vorliebe für geballte Fäuste. Musikalisch und sozial tief verwurzelt in der Deutschpunk-Szene liefern sie ihren treuen Hörern auf Platten und ... mehr