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Interviews & Artikel

FUCKED UP

Zwischen "Concentration Camp" und Playstation

Mit der Aufzählung der Künstlernamen von FUCKED UP aus Toronto, Kanada wäre eigentlich fast alles gesagt. Provokation und Irritation in Reinform, quasi in guter alter Punkermanier. Aber vielleicht bekommt man doch einen Eindruck von der wahren Identität, der Versuch eines Interviews mit Sänger Pink Eye und den Gitarristen 10,000 Marbles und Gulag war es uns Wert.




Beim gemeinsamen Kickern auf der letzten Tour in Mülheim kamt ihr alle recht normal rüber. Als Band jedoch scheint ihr ein bestimmtes Image aufrechtzuerhalten, ihr gebt euch Pseudonyme. Wieso macht ihr das?

10,000 Marbles:
Als Band haben wir einfach die Möglichkeit, etwas zu sein, was wir in der Realität nicht sind. Wir können Aspekte ändern, die wir an unserem normalen Leben nicht mögen oder ganz neue Persönlichkeiten mit Hilfe neuer Namen oder Akronyme erfinden.

Pink Eye: Ich verbinde mich nicht unbedingt mit meinem Pseudonym, es ändert sich oft. Neue Persönlichkeiten geben uns auch die Möglichkeit, von unserem Alltagsleben Abstand zu gewinnen. Ich bin ein fetter, arbeitsloser Student, aber wenn ich in einer Band spiele und auf die Bühne gehe, muss ich mehr als das sein und kann nicht davon erzählen, wie ernüchternd mein Leben manchmal ist. Die Leute wären echt genervt.



Viele machen aber damit viel Geld auf der Bühne.

Pink Eye:
Ja, das stimmt. Aber mein Leben ist einfach so langweilig, dass ich keine einzige Seele unterhalten könnte. Wir wollen ja nicht so wie GWAR oder andere Bands mit einem kompletten "Monster"-Image sein, dennoch möchten wir etwas aufregender sein als mein Leben. Denn zu Hause spiele ich nur Playstation oder mit meinen Katzen.

10,000 Marbles: Ich finde es auch irgendwie anmaßend, davon auszugehen, dass jeden, der unsere Musik hört, gleichzeitig jeder Kleinkram aus meinem Leben oder persönliche Gedanken interessieren. Wie sind im Gegensatz zu den großen Rockstars normale Leute, die erst auf der Bühne "abheben" und eben nicht in der Realität abgehoben sind.



Auf die Frage, was das deutsche Publikum von der Tour erwarten kann, habt ihr geantwortet, es könne sich darauf gefasst machen, die Schuld für den Holocaust zu erfahren. Habt ihr noch mehr Witze über so ernste Themen auf Lager?

Pink Eye:
Wir müssen ernste Themen mit Humor nehmen. Wenn man sich die Welt aktuell ansieht, ist sie wirklich voller Probleme und ziemlich ernüchternd. Solange man niemanden verletzt, sollte man seinen Weg finden, damit umzugehen und für uns ist das Humor. In unserer Ära gibt es keine Tabus. Die Grenze zwischen Tragödie und Humor ist so verschwommen, weil wir irgendwie mit diesen Zeiten fertig werden müssen.



Könnt ihr denn nachvollziehen, dass einige Deutsche so einen Humor in Bezug auf den Holocaust nicht akzeptieren können?

Pink Eye:
Absolut. Kanadier beispielsweise sind für einen Genozid an den Ureinwohnern verantwortlich, was eine schreckliche Sache ist. Wenn man so was als vergangen und vorbei degradiert, wird es historisiert und gerät in Vergessenheit. Deshalb reagieren viele in Kanada auch nicht positiv darauf, dass wir dieses Thema ansprechen. Jede Kolonialmacht, jede westliche Macht, jede Macht weltweit ist in irgendeiner Form verantwortlich für irgendeinen Genozid. Und da der Holocaust einer der jüngeren und größten ist, ist er noch am meisten tabuisiert. Jeder dort sollte aber auch realisieren, dass sein persönlicher Status nur aufgrund von Ausnutzung eines anderen existiert.



Würdest du also auch sagen, dass die jüngere deutsche Generation für den Holocaust verantwortlich ist?

Pink Eye:
Nein. Das Zitat war ein Witz. Wir alle sind als Personen natürlich nicht schuldig an einem Genozid, aber wir müssen die Tatsache akzeptieren, dass unsere Ahnen in gewisser Form dafür verantwortlich sind. Und das trifft auf jeden in einem westlichen Kontext zu.



"Concentration Camp" hat seinen Namen in "Gulag" umgeändert, als Begründung wurde die negative Presse angegeben. Beides sind aber sehr negative und schlimme historische Begebenheiten. Also warum ist es besser, sich "Gulag" zu nennen?

Gulag:
Ich habe das, ehrlich gesagt, für meine Eltern getan, denn ich bin jüdisch. Sie interessierten sich plötzlich mehr für meine Band und für sie wäre es wohl etwas seltsam, zu erzählen: Ja, mein Sohn ist in einer Band, er nennt sich dort "Concentration Camp" und der Name der Band ist "FUCKED UP". Ich wollte darüber auch nicht mit ihnen diskutieren, denn egal, wie ich argumentiere, sie würden letztlich "gewinnen" und das bessere Argument haben. Ich wollte diesem Gespräch aus dem Weg gehen.



Erzählt uns was über das FUCKED UP-Projekt: Euren Aufruf an Fans, sich an FUCKED UP in Form von Design-, Textvorschlägen und anderem zu beteiligen.

10,0000 Marbles:
Wir wollen, dass Fans FUCKED UP mitgestalten. Wir können ja auch nur bis zu einem gewissen Punkt mit neuen Ideen aufwarten und wir haben bemerkt, dass in unserem Umfeld viele Leute künstlerisch begabt sind. Daraufhin haben wir Coverideen angefordert. Es ist quasi so, dass wir die Band und die Musik als eine Plattform nutzen, um mehr Leute mit einzubinden.

Pink Eye: Damit möchten wir auch nicht nur die Leute in unserem Umfeld oder Kanada ansprechen, sondern jeden, egal wo er oder sie wohnt. Für Musiker ist das natürlich aufgrund der Distanz nicht möglich, aber wenn jemand ins Flugzeug steigen will und Bongo oder Ukulele für uns spielen möchte, soll er oder sie das ruhig tun.



Ihr habt mal gesagt, wenn man gegen etwas ist, wie etwa im Punk gegen Mainstream-Kultur, dann muss man wirklich dagegen sein. Würdet ihr euch selber eher als radikal oder extremistisch bezeichnen, denn es besteht ja ein großer Unterschied in der Begrifflichkeit?

Gulag:
Ich benutze FUCKED UP, um so zu tun, als sei ich radikal. Ich denke, der Unterschied zwischen einem Extremisten und einem Radikalen ist derselbe wie zwischen einem Terroristen und einem Freiheitskämpfer. Zum einen ist es ein semantischer Unterschied und zum anderen hängt es immer vom Ansichtspunkt ab. FUCKED UP begann als eine Gruppe "Radikaler", aber das hat sehr viel mit persönlicher Identifikation zu tun. In den letzten sechs Jahren der Band sind wir meiner Meinung nach aber sehr viel weniger radikal als am Anfang. Wir haben uns quasi in die Mitte bewegt und das hat wohl auch viel mit dem Alter zu tun. Je mehr man von der Welt sieht und je mehr man merkt, dass man wenig ändern kann, desto angepasster wird man.



Eure Diskografie enthält einige Raritäten. Besitzt ihr denn eure eigenen Sachen?

Pink Eye:
Nein. Ich habe ein paar Exemplare von allem, zumindest von den normalen Versionen. Aber Testpressungen und seltsame andere Pressungen tausche ich sofort, wenn ich sie bekomme. Es ist zu kompliziert für mich, alles zu sammeln. Es gibt halt tatsächlich Dinge, die wir nicht bekommen, und dann denke ich mir, entweder habe ich alle Pressungen oder gar nichts. Deswegen tausche ich die besonderen Pressungen und habe so viele Platten bekommen, die ich mir nie hätte leisten können.



So ist das also, ihr habt die ganzen besonderen Pressungen nur veranlasst, damit Pink Eye sie gegen rare Platten tauschen kann.

Pink Eye:
Als wir angefangen haben, lebten 10,000 Marbles und ich zusammen in einem Haus und wir waren verrückt nach Platten. Deshalb entschieden wir, dass wir eine Vinylband werden würden und nur Platten herausbringen wollten. Wir wollten aber keine blöden limitierten farbigen Sachen herausbringen, sondern Platten, die niemand jemals finden würde. So gab es zum Beispiel nicht hundert Testpressungen, sondern fünf und wenn man eine davon bekommen kann, ist es etwas Besonderes.

Gulag: 10,000 Marbles deponiert die FUCKED UP-Pressungen aber auch sehr akribisch, und langsam verstehe ich, dass er für seine Zukunft spart. Ich hingegen bewahre die paar Platten von uns in einer alten Tasche in irgendeiner Ecke auf.



Die Anwesenheit der Polizei bei euren Shows hat sich verstärkt. Es gab zum Beispiel einen Zwischenfall auf einer Show in Toronto. Was war dort passiert?

10,000 Marbles:
Ich wünschte, es wären eher so BLACK FLAG-Geschichten, als die Polizei noch Ärger machte, weil sie Angst vor Punkrock hatte. Bei uns ist es leider anders. Wir spielen immer noch in kleinen Clubs und die werden immer voller, weswegen dann die Bullen kommen. Einfach so, als wenn du ein wachsendes Baby bist und nicht mehr in deine Klamotten passt und deine Mutter deshalb die Polizei anruft.



Sir Peter Ustinov hat einmal gesagt, dass Toronto ein New York regiert von Österreichern sei - es sei sehr sauber und sicher. Verschließt ihr tatsächlich nicht eure Haustüren, wie Michael Moore es in seinen Filmen behauptet?

Pink Eye:
Witzig ist, dass der Typ, den Moore in seinem Film interviewt und der sagt, er würde seine Haustür nicht abschließen, Drummer einer Punkband aus Toronto ist. Er ist ein guter Freund von uns, aber ein Idiot, denn was er da gesagt hat, ist Quatsch. Natürlich schließen wir unsere Haustür ab. Toronto ist New York light. Ein New York für Kinder quasi.



Das Artwork der neuen Platte "Hidden World" erinnert stark an New Age-Platten oder die 70er Jahre und passt hervorragend zu der Länge der neuen Songs. Habt ihr zuviel Haschisch geraucht?

Gulag:
Nichts dergleichen haben wir genommen, als wir die Platte gemacht haben. Viele Leute sagen aber, dass sie besonders gerne unsere Musik hören, wenn sie high sind.

Pink Eye: Wir hatten für circa 3,5 Minuten eine sehr ernste Diskussion darüber, wie wir Acid kaufen könnten, um es in die Platte integrieren zu können. Es ging sogar so weit, dass unser Label uns empfahl, Drogen in die Platte zu tun und auf Shows herauszugeben. Aber da wir kein Acid besorgen konnten und es nicht mit Hilfe eines Rezepts aus dem Internet machen wollten, ist die Idee gestorben.



Sarah Shokouhbeen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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Musikalisch bewegt sich die junge Band SHORELINE aus Münster im Spannungsfeld von THE MENZINGERS bis hin zu TITLE FIGHT und vereinen ihre Wurzeln aus dem Punkrock mit frischen Einflüssen aus Emo und Indie. SHORELINE spielten bereits ausgedehnte ... mehr