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Interviews & Artikel

MATULA

Neumünster: Ein Fall für vier

Hätte es sie schon vor 20 Jahren gegeben, Schimanski hätte wohl keine Chance gegen die sexy Boys von MATULA gehabt. Seit drei Jahren lassen die vier aus dem hohen Norden keine Gelegenheit aus, Konzerte im ganzen deutschsprachigen Raum zu feiern. Auch wenn sie dafür an einem Nachmittag mal eben von Rostock nach Esslingen am Neckar fahren, MATULA beeindrucken jedes Mal aufs Neue mit einer unwahrscheinlichen Spielfreude. Dass man die erzählt-gesungenen Geschichten des Alltagshelden "Kuddel" (CD/LP auf zeitstrafe.de) bald auch mit nach Hause oder in die S-Bahn nehmen kann, veranlasste mich zu diesem Interview.





Diese erste Frage ist nicht weit hergeholt, aber muss einfach sein: Was verbindet euch mit dem Frankfurter Privatdetektiv Josef Matula, und was sind bitte die Vorzüge von "Ein Fall für zwei" gegenüber "Tatort", den es ja auch in Hamburg - mit unserem lieben Lehrer Dr. Specht - gibt ..
.

Basti: Das war so: Als Josef Matula damals immer freitags bei unseren Eltern aus der Glotze heraus Prügeleien anzettelte und wild mit seinem Alfa hantierte, da haben wir nur gestaunt. Und in einer Folge hat er doch tatsächlich eine Band und spielt schlechte Deutschpunk-Lieder, so wie wir ... Nee, quatsch, der Name ist geil und er himself auch, jedenfalls geiler als Dr. Specht. Ich wusste gar nicht, dass der auch Kommissar ist, doch eher so Studienrat mit Rotweinallergie, oder?



Dieses Bild wird er wohl nicht los. Bleiben wir bei eurem Namen. Kam es schon zu Verwechslungen mit dem Punkrock-Label Matula Records? Hattet ihr schon gemeinsame Fälle?

Stefan:
Wir haben Falk bei einem Konzert in Wiesbaden kennen gelernt und ich hatte ein bisschen Schiss, dass er uns deswegen verprügeln wird ... war aber eher das Gegenteil der Fall. Bis jetzt habe ich noch von keiner Verwechslung gehört, kommt wohl noch. Den Namen habe ich durch eine Anzeige von Matula Records im Plastic Bomb bekommen. Als ich ihn vorschlug, war das eher spontan, ich hatte die Anzeige wohl im Unterbewusstsein gespeichert. Das ist mir dann erst viel später aufgefallen, da war es aber schon zu spät. Jetzt müssen wir halt berühmter als Falks Label werden ... Es kann nur einen Matula geben!

Thorben: Ja sicher, erst später aufgefallen. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass das, was Stefan hier als Unterbewusstsein abstempelt, eine große Verarsche seinerseits war, das hat er mir im Suff übrigens auch schon gestanden. Wir fanden das eine beschissene Idee, aber er sagte: "Nein, das ist gut, weil Matula deckt halt Kriminalfälle auf und wir den Shit, der da draußen dem Kuddel passiert." Jetzt fragst du dich bestimmt, wie zur Hölle er uns damit klein gekriegt hat. Ich mich auch.



... und wie - zur Hölle - hat er euch klein gekriegt?

Thorben:
Tja, zu der Zeit hat Stefan immer Dr. Pepper mit in den Proberaum gebracht, von dem er dann nicht so viel gesehen hat. Vielleicht hat das den Ausschlag bei uns gegeben und unser Problem gelöst. Bestechungsaffäre - und zack, wieder ein Fall für Herrn Matula.



Ihr "deckt den Shit auf, der draußen dem Kuddel passiert". Das umschreibt ganz schön eure abstrakten, nicht ganz durchsichtigen Texte. Was bewegt MATULA so sehr, dass darüber gesungen wird? Sind eure Texte Sozialstudien? Kneipengeschichten? Postmoderne Poesie? Ihr wurdet mal mit "poetischer Punkrock" angekündigt ...

Stefan:
Ich habe keine Vorsätze, bestimmte Themen zu bearbeiten, sondern das kommt ganz automatisch beim Schreiben. Ich fange mit einem Satz an und der führt mich ans Ziel, wenn es gut läuft. Manchmal vergaloppiere ich mich auch tierisch, aber ich habe zum Glück einen großen Mülleimer. Wenn man sieht, was so aus einem rausfließt, wird man sich erst bewusst, was einen tatsächlich beschäftigt. Ich würde sagen, dass meine Texte die Richtung "beobachtet, verstanden und auf Papier gebracht" einschlagen.

Thorben: Postmoderne Poesie ist wohl anspruchsvoller als das, was wir machen. Unsere Texte sind einfach Ausschnitte aus dem Leben eines Menschen in unserem Alter. Gerade weil wir ja eher persönliche Texte schreiben und nicht über Pro und Contra des letzten Nato-Gipfels diskutieren, macht es Sinn Storys aus persönlicher Sicht zu erzählen. Das sind alles kleine, mehr oder weniger spannende Abenteuergeschichten aus seinem, meinem oder deinem Alltag.



Und nach genau diesem "Kuddel" habt ihr euer erstes Album benannt, das im März bei Zeitstrafe erschien. War es nach einer 7" und einigen Samplerbeiträgen, die im Gegensatz zu etlichen Tourneen in ganz Mitteleuropa eher klein dastanden, ein lang gehegter Wunsch, die erste richtige Platte zu produzieren? Und inwiefern war es wichtig, das Ganze über euren Freund und Weggefährten Renke zu machen?

Thorben:
Ich will ein Bekenntnis ablegen: Renke ist "da shit". Wir kennen ihn schon lange und er ist der Baum, der den Ast hält, auf dem ich zum D.I.Y.-Dingens geklettert bin. Das fing vor fünf Jahren in der AJZ Neumünster an, wo er mir das "Wenn du eine Band hast, kommt jemand und gibt dir Geld"-Denken nahm und mich an die Leute führte, von denen wir jetzt leben. Nicht zu vergessen sind die verlängerten Freistunden, die ich vor seinen Plattenkisten verbracht habe. Mit Leuten zu wachsen, die dieselbe scheiß Stadt als Feind haben, ist schon was Beflügelndes.

Stefan: Vor allem war es mal notwendig, alle unsere Stücke festzuhalten. Wir waren besonders gut darin, Stücke aus der Setlist zu schmeißen und durch neue zu ersetzen. Ehrlich, wenn diese Platte nicht aufgenommen worden wäre, hätten wir unter Garantie eine neue Setlist, die dann nach zwei Monaten wieder veraltet wäre. Nun sind die Stücke aufgenommen, gepresst und wir können uns nie wieder von ihnen trennen. Ist wohl auch ein Grund, warum das mit der Platte so lange gedauert hat. Musste halt alles passen.

Basti: Der Wunsch war groß, wenn auch der Ausdruck "zahlreiche Tourneen durch Mitteleuropa" vielleicht etwas dick aufgetragen ist. Aber klar haben wir seit der 2004er "Gute Sache aber ohne mich"-7" 60 bis 80 Konzerte quer durch Deutschland gespielt, ständig immer neue, bessere Songs gemacht, die dann unbedingt auf den Tonträger sollten. Dass das Projekt nun realisiert wurde, haben wir zu großen Teilen natürlich Renke zu verdanken, der sich rührend - und nicht nur finanziell - um unser gemeinsames Baby kümmert. Wenn das Teil mit dem besten Cover der Welt dann endlich in meiner Plattenkiste zwischen den SCORPIONS und Bruce Springsteen steht, drehe ich auf jeden Fall durch.



Mittlerweile seid ihr alle aus der "scheiß Stadt" geflüchtet und lebt zu Dreivierteln in Hamburg, seid also dem Norden treu geblieben. Was verbindet euch mit der neuen alten Heimat und vor allem mit deren Musik? Ich glaube, ich tu euch nicht weh, wenn ich enge Parallelen mit TURBOSTAAT und anderen erzählerischen Punkrock-Bands aus der Gegend ziehe?



Basti:
Na ja, Hamburg macht schon in Hinsicht auf die Musik um einiges mehr Sinn, denn Konzerte und Platten gibt es dort einfach mal ein paar mehr. Zusätzlich war es die Möglichkeit, aus Neumünster wegzugehen, aber durch Pendel-Proben die Band nicht aufzugeben. Aber nur weil wir so reiche Mitmieter wie KURHAUS und CAPTAIN PLANET haben, können wir uns überhaupt einen Proberaum leisten. Ich habe nichts gegen Kleinstädte und die Provinz, zurzeit genieße ich aber lieber das Großstadtleben. Hier herrscht zwar oft mehr Gleichgültigkeit, dafür sind Großstädte meist toleranter, weltoffener und multikultureller als Kleinstädte wie Neumünster. Und zu TURBOSTAAT: Wir lieben ihre Musik und sicherlich hat sich das eine oder andere Element auch bei uns festgesetzt. Es kann zwar kaum etwas Ätzenderes geben, denn als eine "nach-TURBOSTAAT-nur-schlechter-klingende" Band bezeichnet zu werden, aber der gewisse Einfluss ist da, kann und soll nicht geleugnet werden und ist auch nicht schlimm. Zumal unsere Debüt-Scheibe um einiges geiler wird als deren neue, die ja wohl auch noch dieses Jahr kommen soll, hehe. Zusätzlich gibt es bestimmt noch tausend weitere Bands, die uns stark beeinflusst haben und werden.

Thorben: Von diesem "Hamburg und schon hab? ich 'nen Ständer"-Gehabe kann ich nichts mehr sehen beziehungsweise hören. Nach der x-ten Indie-Party unter anderem blöden Namen habe ich genug Pünktchen und Streifen gesehen, da wird einem ja schwindelig. Klar kann ich hier mehr ausgehen, aber je mehr Leute da sind, desto mehr Spacken hast du halt auch. Hier kann ich jemanden schon zehnmal in der Flora angerempelt haben, aber er wird beim elften Mal immer noch so tun, als ob er mich nicht kennen würde.

Stefan: Heimatpathos ist nicht mein Ding, Lokalpatriotismus auch nicht. Egal, ob Hamburg, Berlin oder Obererkenschwieg: es gibt genügend dumme Leute überall. Und nette Leute kann es auch in der so genannten Provinz geben. Zu Hause ist kein Ort.



Bei eurem Slogan "pain is just a French word for bread" muss ich jedes Mal wieder breit grinsen, relativiert er doch einige Ansichten einer Szene, die sich selbst vielleicht etwas zu ernst nimmt ...

Stefan:
Du meinst doch nicht etwa das böse Wort mit drei Buchstaben ... Nun ja, Emo ist teilweise so gefühlsduselig, dass es schon weh tut. Wie zuviel Kinderschokolade essen: man will zwar noch, aber dir ist einfach zu schlecht, um weiter zu futtern. Trotzdem finde ich Emo bis auf diese "Es regnet / Mein Fahrrad wurde geklaut / Ich habe Hunger und kein Geld / Ich kann nicht mehr"-Bands ganz gut. Nur manchmal ist es einfach zu übertrieben.

Basti: Also den Spruch an sich, der sicherlich nicht als unser Motto zu bezeichnen ist, hat Stefan mal in einem Klo in der G18 in Bremen entdeckt und wir beide fanden ihn so super, dass wir ihn wohl nie mehr vergessen werden. Dass er sowohl auf unserer Homepage als auch auf der MySpace-Seite auftaucht, ist dann eine eher spontane und nicht allzu ernst gemeinte Idee von mir gewesen.

Thorben: ... oder vielleicht viel zu ernst. Ich denke aber, dass du da nicht zu hart urteilen darfst. Eine Menge Leute; die sich in der "Szene" bewegen, sind sicherlich etwas zu unrelaxt, aber andererseits ist es ja gerade die Reflexion, die unseren Lebensstil oder -schwerpunkt ausmacht. Ich finde es gut, dass sich zum Beispiel mit Sexismus intensiv auseinander gesetzt wird. Wenn die Debatte dann aber von Leuten missbraucht wird, die mit ihrer eigenen Sexualität nicht klarkommen, und dann auf der Grundlage ihrer Verklemmtheit diskutieren, ist das schon komisch.



Christoph Schulz

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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